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Das Zusammenspiel von kulturspezifischen und universellen nonverbalen Kommunikationsphänomenen

Hausarbeit 2011 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kulturbegriff
2.1 Was ist Kultur?
2.2 Was ist Interkultur?

3. Interkulturelle Kommunikation
3.1 Verbale Kommunikation
3.2 Nonverbale Kommunikation
3.3 Zusammenspiel von verbaler und nonverbaler Kommunikation

4. Kulturspezifische nonverbale Kommunikation

5. Universalisierte nonverbale Kommunikation

6. Nonverbale Kommunikationsphänomene in der Diskussion

7. Strategien zur Problembewältigung interkultureller Kommunikation

8. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Ausarbeitung mit dem Titel ‘Das Zusammenspiel von kulturspezifischen und universellen nonverbalen Kommunikationsphänomenen‘ zum Thema ‘Interkulturelle Kommunikation – Verständigung mit Missverständnissen‘ werden vor allem die Besonderheiten der nonverbalen Kommunikation vertieft. Die Bearbeitung des Themas beginnt nach dieser Einleitung in Kapitel 2 mit der Definition der grundlegenden Begriffe ‘Kultur‘, und ‘Interkultur‘. Im dritten Kapitel werden die Besonderheiten der ‘interkulturellen Kommunikation‘ erläutert, wobei kurz dem sprachlichen und ausführlicher dem nichtsprachlichen Aspekt Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Fähigkeit zu komplexer Kommunikation erscheint dem Menschen natürlich und selbstverständlich. Doch nicht selten scheitern Kommunikationsversuche aus den einfachsten Gründen. Probleme beginnen meist schon dort, wo die Sprachkenntnisse der beteiligten Personen nicht ausreichend ausgebildet sind, um sich sinnvoll verständigen zu können. So kommt es vor allem in der interkulturellen Kommunikation (im Folgenden IKK) häufig zu Missverständnissen. Doch abgesehen von dem sprachlichen Kommunikationsaspekt liegen die Probleme häufig nicht nur in linguistischen Eigenheiten begründet, sondern entstehen durch sozialisationsbedingte Kulturunterschiede, denen meist eine differierende Weltanschauung zueigen ist. Hier sind nicht nur Unterschiede der Wortwahl oder der Betonung gemeint, sondern auch und vor allem nonverbale Elemente, welche die gelingende Kommunikation erheblich beeinträchtigen können.

In Kapitel 4 wird daher auf kulturspezifische nonverbale Kommunikationsaspekte eingegangen. Es werden Erkenntnisse von Jürgen Bolten und Gerhard Maletzke benannt, die veranschaulichen wie stark sich die kulturelle Prägung in Mimik, Gestik und Körpersprache zeigen können.

Nachfolgend wird sich Kapitel 5 mit einem anderen Ansatz beschäftigen, nämlich mit nonverbaler Kommunikation als angeborenem, universellem Verhalten, das kulturübergreifend Gültigkeit besitzt. Hier werden die ‘Axiome der Kommunikation‘ von Paul Watzlawick und die Forschungen zu den Basisemotionen von Paul Ekman vorgestellt.

Der Zusammenhang dieser Theorien wird in Kapitel 6 diskutiert. Kapitel 7 beschreibt mögliche Strategien zur Problembewältigung bei interkulturellen Missverständnissen.

Abgeschlossen wird diese Arbeit nach der Zusammenfassung mit einem Fazit.

2. Der Kulturbegriff

Befasst man sich mit interkultureller Kommunikation, stehen die Begegnung zwischen Fremden und die dafür notwendigen interkulturellen Kompetenzen im Fokus. ‘Kultur‘ und ‘Interkultur‘ stellen Schlüsselbegriffe dar, die als Basis für alle weiteren Betrachtungen definiert sein müssen.

Da in der Wissenschaft keine eindeutigen Begriffsbestimmungen vorliegen, werden die genannten Definitionen im Hinblick auf das Thema IKK erstellt.

2.1 Was ist Kultur?

Will man herausfinden, was sich hinter dem Begriff Kultur verbirgt, kann man zunächst einmal danach fragen, was Kultur nicht ist. Eine Kultur definiert sich nicht über eine abgeschlossene Merkmalliste, die aufzeigt, was typisch ist und woran man jedes Mitglied einer bestimmten Kultur erkennen kann. Auch kann der Kulturbegriff nicht allein auf Basis der ökonomischen Kulturgüter einer Gruppe geprägt werden, sondern ist deutlich komplexer. Es gibt zum einen die objektive Ebene (von Bauwerken über Kunst bis zu Sitten und Gebräuchen) und zum anderen die subjektive Ebene (Kenntnisse, Fähigkeiten, Wissen). In Anlehnung an den lateinischen Begriff ‘colere‘ (bebauen, bestellen, pflegen) geht es also um die Art, wie Menschen ihr Leben gestalten und ihre Erkenntnisse und Verhaltensweisen den nachfolgenden Generationen vermitteln. Die Kulturwissenschaft sieht den modernen Kulturbegriff als soziale Konstruktion der Wirklichkeit und Lebenswelt an, in der u.a. religiöse Überzeugungen, Umgangsformen, der Zeitbegriff, Werte und Normen u.v.m. definiert werden. Hierbei müssen die Mitglieder der Kultur nicht unbedingt Landsleute sein. Eine Gruppe von afrikanischen Dorfbewohnern oder eine Gruppierung innerhalb der westlichen Gesellschaft stellt ebenso ein kulturelles Kollektiv dar, wie z.B. die Deutschen. Über die Sozialisation werden Kulturstandards selbstverständlich und müssen nicht bewusst wahrgenommen werden (vgl. Heringer, 2010, S.182).

Da innerhalb einer Kultur unzählige individuelle Unterschiede und Subkulturen existieren, entstehen allerdings komplexe Verschachtelungen von Kul­turen. Jedes Individuum gehört diversen Subkulturen an, ist also multikollektiv, und besitzt dadurch eine einzigartige kulturelle Identität.

Dennoch bleibt immer eine gewisse Kohäsion sichtbar, und „jede Kultur ist ein autonomes, funktionales System“ (Heringer, 2010, S.205). Maletzke beschreibt Kultur als „ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierun­gen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden“ (Maletzke, 1996, S.16)

Nicht unerheblich sind bei der Konstruktion der Lebenswelt Gewohnheiten, die sich innerhalb von Kulturen herausbilden und zu Standardisierungen führen. Sie zeigen sich besonders deutlich im alltäglichen Leben: gläubige Christen gehen am Sonntag in die Kirche, Deutsche geben sich zur Begrüßung die Hand und Italiener trinken nach dem Essen einen Espresso. Es müssen also auch gewöhnliche Dinge wie Grüßen, Essgewohnheiten oder das Zeigen aber auch Nichtzeigen von Gefühlen u.v.m. als Kulturphänomene gewertet werden. Solche Konventionen finden wir in allen Gruppierungen. Anschaulich wird dies am Beispiel von Standards, die besonders stark unterschiedlich ausgeprägt sind. Im Umgang mit Körpersekreten unterscheiden sich etwa Deutsche und Asiaten grundlegend. Es gibt klare Vorstellungen von Reinlichkeit (z.B. wie und wo man sich die Nase putzt), auf die man sich bei einem Auslandsaufenthalt zwar vorbereiten kann, die aber dennoch gewöhnungsbedürftig bleiben und Unverständnis oder auch Ekel hervorrufen können (vgl. Heringer, 2010, S.228).

Sozial geteilte Überzeugungen über ähnliche Eigenschaften von Gruppenmitgliedern oder sozialen Gruppen bergen allerdings auch die Gefahr einer Übergeneralisierung aufgrund von einzelnen Merkmalen und können z.T. zu sozialer Diskriminierung führen. Beim Festlegen von Standards begibt man sich nicht selten auf eine Gratwanderung zwischen Schema, Stereotyp und Vorurteil. Diese liegen alle eng beieinander und was in einer Situation noch auf vergleichende Weise hilfreich sein kann, generalisiert an anderer Stelle schon wahllos oder beeinflusst gar das Denken im Vorfeld.

Dennoch ist nicht zu leugnen, dass kulturelle Standards existent sind. Hansen unterscheidet hier vier Bereiche der kulturellen Standardisierung: Kommunikation, Denken, Empfin­den und Verhalten/Handeln (vgl. Hansen, 2003, S.29).

In den Bereich der kommunikativen Standards fallen zum Beispiel konventionalisierte Zeichen zur Verständigung, die den Beteiligten als Codes dienen, beispielsweise ‘Kopfnicken‘ als Bestätigung (Deutschland) oder als Verneinung (Griechenland).

Kulturspezifisches Denken zeigt sich darin, wie wir die Wirklichkeit deuten. Beispielhaft manifestiert sich dies z.B. in Sprichworten wie „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ (Hansen, 2003, S.104).

Was Empfindungen angeht, so erscheint es zunächst ungewöhnlich, diese kulturbedingt zu deuten, da sie meist als etwas sehr Persönliches und zudem Spontanes gedeutet werden. Emotionen wie Scham und Mitleid sind allerdings hochgradig kulturabhängig und werden oft schon in frühster Kindheit geprägt.

In Bezug auf unser Verhalten und das Handeln, wird auch hier durch die Sozialisation eine typische Kultur geprägt. Große Unterschiede gibt es etwa in Situationen, in denen Menschen trauern. In Deutschland wird man eher ruhige Demut antreffen, während in arabischen Ländern laut geklagt wird.

Neben dieser mentalen Dimension der Kultur muss man allerdings auch noch die materielle und die soziale Dimension beachten, in der sich die geistigen Besonderheiten objektivieren. So werden kulturspezifische Normen und Werte z.B. in Fernsehserien, aber auch im Rechtssystem sichtbar. Objektivierung kann aber auch zur Entstehung von Kulturelementen beitragen, indem etwa Werte über die Medien verbreitet werden und so auf der einen Seite für die Mitglieder zu einer Gewohnheit und auf der anderen Seite für Außenstehende zu einem typischen Merkmal werden.

Da allerdings eine Generalisierung durch die ausführenden Mitglieder der Kultur stattfindet, spiegelt sich hier in der Regel nur eine Teilwahrheit der Kultur wider. Kultur bedeutet eben nicht, dass man es mit einem homogenen Kollektiv zu tun hat, indem alle gleich sprechen, denken, empfinden, sich verhalten und handeln. Tatsächlich gleichen Kulturen mehr einem hete­rogenen, nach außen hin offenen und stets in Veränderung begrif­fenen Netzwerk.

Diese Dynamik lässt sich beispielhaft in der Historie beobachten, da geschichtliche Erfahrungen eine Kultur zu jeder Zeit prägen. Veränderungen entstehen aber auch im interkulturellen Kontakt. Der Philosoph Wolfgang Welsch hat hierzu das Konzept der Transkulturalität als neue Form definiert, „weil sie durch die traditionellen Kulturgren­zen wie selbstverständlich hindurchgeht“ (Welsch, 1997, S.71). Viele Errungenschaften, die durch Kulturvermischung entstanden, sind den Menschen allerdings nicht unbedingt bewusst. So wurde der Stahl in Indien erfunden, unsere Zahlen sind arabisch und Porzellan, Schießpulver und Seide stammen aus China (vgl. Schneider-Wohlfahrt et al., 1990, S.24).

2.2 Was ist Interkultur?

Interkultura­lität entsteht dort, wo Angehörige verschiedener Kulturen un­tereinander in Kontakt treten, also interagieren und kommunizieren. Dies kann zum einen innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft aber auch bei Auslandbesuchen stattfinden.

Was passiert nun, wenn zwei fremde Kulturen aufeinander treffen? Jürgen Bolten, Leiter des Fachbereichs ‘Interkulturelle Wirtschafts­kommunikation‘ an der Universität Jena, betont in diesem Zusammenhang: „Interkulturen stellen keine Synthesen, sondern Synergiepotentiale dar" (Bolten, 2003, S.22). Sie sind also nicht nur die Summe der einzelnen Kulturen, sondern bilden etwas Neues, eine neue Qualität, die durch kulturelle Überschneidungen entsteht.

Durch das Zusammentreffen zweier oder mehrerer Kulturen kommt es zu Überschneidungssituationen aus dem ‘Eigenen‘ und dem ‘Fremden‘, wodurch letztendlich neue Räume entstehen, die das ‘Interkulturelle‘ darstellen. Dies geschieht nicht durch einfache Synthese (Verknüpfung) der Kulturen, sondern im Sinne von Aristoteles‘ Ausspruch ‘Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile‘ durch die Interaktion der Individuen, was zu Synergie (Zusammenwirkung) führt. So finden sich innerhalb der Überschneidungsräume sowohl Anteile der benachbarten Räume/Kulturen, aber auch neue Komponenten, die durch das Zusammenspiel entstehen. Durch diese Synergieeffekte, als Entstehung des Interkulturellen, können vollkommen neuartige Konzepte und Strategien entstehen, welche die einzelne Kultur alleine nicht entwickelt hätte.

Um auch hier eine Übergeneralisierung zu vermeiden, ist zu beachten, dass wir von Interaktionen zwischen Indivi­duen sprechen müssen, da wir Kultur nicht als homogenes Gebilde sondern vielmehr als differenziertes Kollektiv begreifen.

3. Interkulturelle Kommunikation

In den 1960er Jahren entwickelten Wissenschaftler der behavioristischen
Forschung ein Kommunikationsmodell, welches Verständigung als eine Reiz-Reaktions-Verbindung definierte und im ‘Black-Box-Modell‘ dargestellt wurde (vgl. Watzlawick et. al., 1974, S.45f). Heute existiert eine Vielzahl an Kommunikationsmodellen und die Definition der Kommunikation ist meist wesentlich komplexer angelegt. Während sie früher als linearer Prozess galt, sieht man Kommunikation heute als Kreis, in dem eine Sender-Empfänger-Interaktion stattfindet, so dass Kommunikation als Verständigung bzw. Verbindung der Menschen durch Signale, Schrift, Sprache und Zeichen angesehen wird. Es wird deutlich, dass sie „den Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehreren Personen [bezeichnet], wobei die Mitteilung sprachlich (verbal) oder/und nichtsprachlich (nonverbal) erfolgen kann“ (Köck & Ott, 1994, S.213). Kommunikation wird als erfolgreich charakterisiert, wenn sie zur Verständigung führt. Da die wesentlichen sozialen Informationen jedem Mitglied einer Kultur bekannt sind, funktioniert die Kommunikation innerhalb einer Kultur meist problemlos.

„Kommunikationsprozesse vollziehen sich nicht nur im Sinne eines Informationsaustausches, sondern sind grundlegend dafür, dass […] Lebenswelten im Sinne von Kulturen überhaupt hergestellt […] werden können“ (Bolten, 2007, S.24). Treffen nun zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, können sie nicht auf diese gemeinsame Basis an Symbolen zurückgreifen, was die Interpretation von Kommunikationssignalen für den Empfänger erschwert und verkompliziert. Jede Kultur hat einen eigenen Verständigungscode, den sich Mitglieder einer anderen Kultur erst aneignen müssen. Meist interpretiert man die Begegnung daher nicht unter Berücksichtigung der fremden Kultur, sondern auf Basis der eigenen Codes, da die Symbolwelt einer fremden Kultur schwer greifbar und ein Erlernen derselben äußerst mühsam ist (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2010, S.19).

Grundsätzlich wird im Bereich der IKK zwischen einem ‘engen‘ und einem ‘weiten‘ Kommunikationsbegriff unterschieden. Der enge Begriff lässt sich auf solche Situa­tionen beschränken, in denen zwei oder mehr Individuen mit unter­schiedlichem kulturellen Hintergrund ‘Face-to-Face‘ miteinander kommunizieren. Dies kann sowohl über die Sprache als auch durch nonver­bale Ausdrucksmittel geschehen. Der weite Begriff der IKK beinhaltet zusätzlich zu den interpersonellen Interaktionsmöglichkeiten auch noch sämtliche Medien, die zur Kommunikation verwendet werden. Hierzu zählen TV, Radio und Internet, aber auch Printmedien aller Art (vgl. Lüsebrink, 2005, S.8). Diese Arbeit bezieht sich auf die IKK im engeren Sinne und befasst sich mit der Analyse von Kommunikationsmustern, die sowohl kulturspezifisch als auch universell vorhanden sind.

Auch wenn die Verwendung von Fremdsprachen als die grundlegende Basis für die IKK anzusehen ist, ist sie keineswegs zwingende Voraussetzung für dieselbe. Zudem kommt es nicht selten vor, dass Benutzer derselben Muttersprache dennoch Missverständnissen unterliegen, da sie unterschiedlichen Kulturen angehören und/oder verschiedene Dialekte verwenden, wie es z.B. bei Brasilianern und Portugiesen der Fall ist. Es können in der Sprache z.T. auch sehr unterschiedliche Weltsichten zum Ausdruck kommen.[1] Dies zeigt sich unter anderem darin, ob Menschen sich direkt oder indirekt ausdrücken. Während es in westlichen Kulturen erwünscht ist ‘auf den Punkt zu kommen‘, zeichnen sich Asiaten durch ihre Indirektheit aus, da sie durch Umschreibungen und Zeichen die Harmonie schützen wollen, damit das Gegenüber stets ‘das Gesicht wahren‘ kann. Ansatzweise zeigt sich ein ähnliches Verhalten jedoch auch in westlichen Kulturkreisen, z.B. wenn es darum geht, höflich zu sein. In diesem Fall werden sogar Lügen akzeptiert oder sind sogar erwünscht (vgl. Heringer, 2010, S.25).

3.1 Verbale Kommunikation

Typisch für das reguläre Muster der verbalen Kommunikation ist, dass die Sprecher sich abwechselnd artikulieren. Mittels Sprache kann der Sender komplexe Nachrichten übermitteln, die er nach seinen eigenen Vorstellungen konstruiert. Er vermittelt seine persönlichen Vorstellungen und hat das Ziel, verstanden und akzeptiert zu werden. Die Sprache als Werkzeug zur Verständigung ist dabei abhängig von den jeweiligen Kenntnissen der Beteiligten in Bezug auf die Sprache des Gegenübers.

Die Sprache gehört zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen von Kulturen. Sie orientiert sich an den Standards und Konventionen der Kulturmitglieder und kann in diesem Sinne gedeutet werden (vgl. Heringer, 2010, S.88). Doch nicht nur der Umfang des Wortschatzes ist besonders bei der IKK entscheidend. Sicher ist es sehr hilfreich, das Vokabular einer Fremdsprache zu beherrschen, aber oft wird gleichen Worten in verschiedenen Kulturen eine unterschiedliche Bedeutung beigemessen und der Sachinhalt ungleich stark abstrahiert.

Die Sprache verkörpert hier also die spezifische Weltsicht. So können gleiche Worte (z.B. ‘Freund‘ und ‘friend‘) differenzierte Bezüge aufweisen (als ‘Freund‘ gelten in Deutschland nur enge Vertraute während in den USA jeder entfernte Bekannte als ‘friend‘ bezeichnet wird). Zudem ist auch das Phänomen bekannt, dass einzelne Wörter keine linguistische Übersetzung finden, da sie in der Fremdsprache nicht ausgebildet wurden. Viele Menschen können allerdings auf intuitives Wissen zurückgreifen und auch „wenn wir in Gesprächen nicht ganz folgen können, vermuten wir vieles, und haben Erfolg damit“ (Heringer, 2010, S.140).

Besonders in ‘high-context-Kulturen‘[2] werden der Gesprächsaufbau (z.B. rhetorisch einleitend oder direkt auf den Punkt kommend) und Über- bzw. Untertreibungen sehr unterschiedlich gehandhabt und Gesprächspausen sehr mannigfaltig interpretiert. Während manche Kulturen gerne miteinander Schweigen, können längere Gesprächspausen anderenorts als unangenehm empfunden werden. Gerhard Maletzke konstatiert zum Thema Schweigen, dass dieses in Japan durchaus ein übliches Kommunikations­instrument ist, welches sehr bewusst eingesetzt wird, während längeres Nichtssagen in Europa und den USA eher zu Verlegenheit und Unsicherheit führt und deshalb nach Möglichkeit vermieden wird (vgl. Maletzke, 1996, S.148).

Unterschiede bestehen auch in der Sprechgeschwindigkeit, der Lautstärke und der Betonung (vgl. Klein, 2004, S.54f).

3.2 Nonverbale Kommunikation

Unabhängig von den Phänomenen der sprachlichen Kommunikation kommt der nonverbalen Kommunikation - besonders bei der IKK - eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Nicht umsonst gilt sprichwörtlich, dass man sich im Kontakt zu Fremden ‘zur Not mit Händen und Füßen verständigen‘ muss und tatsächlich ist ein intuitives Verstehen zuweilen auch ohne Sprachkenntnisse möglich. Allerdings kommt der nichtsprachlichen Kommunikation nicht zuletzt dadurch „besondere Wichtigkeit zu, weil es hier häufig zu Missverständnissen kommt“ (Heringer, 2010, S.86).

Die nonverbale Kommunikation im Sinne des ‘Face-to-Face‘-Begriffs umfasst ein breites Spektrum an Ausdrucksformen, wie Mimik, Gestik und Körpersprache. Die meisten Zeichen sind sprachbegleitend und nicht „selbständig kommunikativ“ (Heringer, 2010, S.89). Zudem sind sie schwer voneinander zu separieren, da sie meist gemeinsam auftreten und miteinander verbunden sind (vgl. Heringer, 2010, S.104).

[...]


[1] Die ‘Sapir-Whorf­-Hypothese‘ befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Sprache und Weltsicht und stellt die Theorie der sprachlichen Relativität auf. Diese besagt, dass die Sprache einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung und Kategorisierung der Welt habe. Sie prägt die Struktur der eigenen Kultur indem sie Begriffe für relevante Phänomene schafft und verschließt sich vor Fremdem, da sie hierfür keine Benennungen findet (vgl. Whorf, 2008, S.74).

[2] Hall unterscheidet die ‘low-context-Kultur‘‚ die eine Gesellschaft beschreibt, die sachlich und unpersönlich kommuniziert, sowie unabhängig vom Kontext formuliert, von der ‘high-context-Kultur‘, in der die Wortwahl die Beziehung der Sprecher widerspiegelt (vgl. Hall, 1959)

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668736542
ISBN (Buch)
9783668736559
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v430725
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Schlagworte
zusammenspiel kommunikationsphänomenen

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