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Coaching im Lehrerberuf

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Belastungsfaktoren im Lehrerberuf

3 Die Potsdamer Lehrerstudie
3.1 Die erste Etappe
3.1.1 Die Bewältigungsmuster
3.1.2 Ergebnisse der ersten Etappe
3.2 Die zweite Etappe
3.2.1 Die bedingungsbezogene Intervention
3.2.2 Die personenbezogene Intervention
3.3 Zusammenfassung der Studie

4 Coaching- eine Möglichkeit zur Entlastung der Lehrkräfte?
4.1 Coaching- Was ist das?
4.2 Bereiche des Coachings
4.3 Coaching für Lehrkräfte
4.3.1 Das Freiburger Modell von Prof. Joachim Bauer
4.3.1.1 Ablauf
4.3.1.2 Die fünf thematischen Module
4.3.1.3 Bemerkungen zum Freiburger Modell
4.3.2 Lehrkräfte- Coaching in NRW

5 Supervision

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Lehrerberuf ist viel diskutiert. Während sich Lehrer häufig unterstellen lassen müssen, sie würden kaum etwas für ihr Gehalt tun, hätten doch nachmittags immer frei und würden überdurchschnittlich viel Urlaub aufgrund der Schulferien haben, so sieht dies in Wirklichkeit ganz anders aus: Gerade die psychischen Belastungen, denen Lehrer ausgeliefert sind, nehmen oft schon ein kritisches Ausmaß an.

Neben der Größe der Klassen (meist mehr als 30 Schülerinnen und Schüler) spielen hier natürlich auch das Verhalten der Schüler, die Unterstützung der Eltern und viele weitere Faktoren, die in dieser Arbeit noch behandelt werden, eine Rolle. Mögliche Folgen zu hoher psychischer Belastungen, wie Burnout oder auch Depressionen können allerdings durchaus vermieden werden. Mit der Potsdamer Lehrerstudie, welche 2006 abgeschlossen wurde, sollten Beiträge zur Verbesserung der Belastungssituation in dieser Berufsgruppe geleistet werden, die ich ebenfalls später erläutern werde.

Den Fokus dieser Arbeit möchte ich jedoch auf die Frage lenken, inwiefern vor allem Coaching - und ergänzend Supervision- aktuell oder auch in Zukunft zur Reduktion psychischer Belastungen bei Lehrkräften von Nutzen sind oder sein könnten. Dazu werde ich beide Begriffe zunächst definieren und erklären, um anschließend den Bezug zur Schule herzustellen. Hierbei spielt vor allem auch das Freiburger Modell von Prof. Joachim Bauer eine große Rolle.

2 Belastungsfaktoren im Lehrerberuf

Wie schon erwähnt, gehört der Lehrerberuf zu den Berufen, die in besonderem Maße mit psychischen Belastungen verbunden sind (vgl. Rudow, 1994). Die häufigsten Leiden dienstunfähiger Lehrpersonen sind hierbei Depressionen, Erschöpfungssyndrome wie z.B. Burnout und Belastungs- und Anpassungsstörungen.

Doch welche Faktoren führen dazu, dass Lehrer so häufig psychisch krank werden?

Zu den Belastungsfaktoren im Lehrerberuf zählen zunächst einmal die Rahmenbedingungen: Klassen mit mehr als 30 Schülerinnen und Schülern, kaum ausreichende Lernmittel, die oft schlechte räumliche Ausstattung der Schulen, Lärm, Zeitdruck, fachfremder Unterricht, zu kurze Pausen oder das Fehlen von wirklich erholsamen Pausen führen zu hohen körperlichen und psychischen Belastungen (vgl. Bangert, 2002).

Als zweiter Faktor ist die Struktur der Schulen und des Bildungssystems an sich zu nennen: Lehrer sind abhängig von ihren Vorgesetzten (Schulleitung, Schulaufsichtsbehörde), haben geringe Aufstiegschancen und werden vergleichsweise nicht leistungsgerecht bezahlt (vgl. Bangert, 2002).

Hinzu kommt das Berufsimage: dadurch, dass der Lehrerberuf noch immer häufig als entspannter Halbtagsjob mit viel Urlaub gesehen wird, bemühen sich viele Lehrer, der Gesellschaft das Gegenteil zu beweisen, indem sie einen erheblichen Mehraufwand betreiben. „Über 80% der von Schäfer und Vogel (2000, nach van Dick, Wagner & Christ, 2004) befragten Lehrkräfte gaben an, sich durch das fehlende Ansehen des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit und die ständige Kritik zumindest etwas belastet zu fühlen“ (von Oertzen, 2007, S. 16)

Ein weiterer Belastungsfaktor ist die Arbeitszeit, die entgegen vieler Meinungen nicht unter dem Durchschnitt liegt: durchschnittlich arbeiten Lehrkräfte in den Unterrichtswochen zwischen 43,0 und 51,7 Wochenstunden und in den Ferien zwischen 9,7 und 18,8 Stunden pro Woche (vgl. Rudow, 1994). Hinzu kommt, dass Lehrer auch zu Hause arbeiten. Eine Trennung von Berufs- und Privatleben bzw. ein „Loslassen“ vom Beruf fällt dadurch vielen schwer.

Als nächster Faktor ist die Qualifikation bzw. die Ausbildung der Lehrkräfte zu nennen: Häufig sind Defizite in Methodik, Sozialkompetenz oder Persönlichkeitskompetenz vorhanden, viele Lehrer fühlen sich von der Universität nicht gut auf ihren Beruf vorbereitet (vgl. Bangert, 2002).

Außerdem müssen Lehrkräfte natürlich mit Schülern, Eltern, Kollegen und der Schulleitung umgehen. Den Schülern mangelt es häufig an der Motivation oder dem Interesse, hinzu kommen häufig disziplinarische Probleme. Den Eltern fehlt oftmals die Objektivität und ein großes Problem stellt auch die Rechtfertigung vor den Eltern dar. Im Kollegium herrscht oft ein Kommunikations- und Unterstützungsmangel.

All diese Faktoren wirken auf die Lehrkräfte ein und führen dazu, dass es so häufig zu psychischen Erkrankungen kommt. Ebenfalls ist zu erwähnen, dass viele dieser Faktoren von den Lehrkräften kaum zu beeinflussen sind.

Entscheidend ist jedoch, wie mit diesen Belastungen umgegangen wird.

3 Die Potsdamer Lehrerstudie

Die Potsdamer Lehrerstudie, welche von 2000- 2006 durchgeführt wurde, beschäftigte sich sowohl mit den psychischen Belastungen im Lehrerberuf als auch mit Beiträgen zur Verbesserung der Belastungssituation. Die Studie gliederte sich in zwei Etappen auf: Bei der ersten Etappe (2000- 2003) sollte die Belastungssituation und die dafür verantwortlichen Belastungsfaktoren analysiert werden. Hier war auch ein Vergleich mit anderen Berufsgruppen vorhanden. In der zweiten Etappe (2003- 2006) sollten anschließend Maßnahmen erprobt werden, die zu einer Belastungsreduktion bei Lehrkräften führen können. Bei der Studie nahmen ca. 16000 Lehrerinnen aus ganz Deutschland und ungefähr 2500 Lehramtsstudierende und Referendare teil.

3.1 Die erste Etappe

Um die Belastungssituation analysieren zu können, wurden Muster des arbeitsbezogenen Verhaltens und Erlebens, auch Bewältigungsmuster genannt, verwendet (vgl. Schaarschmidt& Fischer, 2001, 2003).

3.1.1 Die Bewältigungsmuster

Diese Muster, die sich auf das Arbeitsengagement, die psychische Widerstandskraft und die Emotionen beziehen, lassen auf die Situation der Lehrkräfte schließen. Man unterscheidet zwischen vier Mustern:

Muster G

„Dieses Muster ist Ausdruck von G esundheit und Hinweis auf ein gesundheitsförderliches Verhältnis gegenüber der Arbeit. Es ist durch stärkeres, doch nicht exzessives berufliches Engagement, höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und positive Emotionen gekennzeichnet. Es steht außer Frage, dass Lehrer mit diesem Muster über die günstigsten Voraussetzungen verfügen, um erworbenes Wissen und Können sowie pädagogische Überzeugungen und Absichten wirksam umzusetzen.“ (Schaarschmidt & Fischer, 2001)

Muster S

„Hier charakterisiert die S chonung das Verhältnis gegenüber der Arbeit (als ein möglicher Hinweis auf ungenügende Herausforderungen und/oder berufliche Unzufriedenheit). Charakteristisch ist geringes Engagement bei wenig Auffälligkeiten in den übrigen Bereichen. Zwar zeigt dieses Muster in der Regel kein gesundheitliches Risiko an, doch im Lehrerberuf dürfte es (mehr als in manch anderen Berufen) ein ernstes Hindernis für erfolgreiche Arbeit sein, kommt es hier doch verstärkt auf eigenaktives und engagiertes Handeln an.“ (Schaarschmidt & Fischer, 2001).

Risikomuster A

„Entscheidend ist hier, dass hohe A nstrengung keine Entsprechung in einem positiven Lebensgefühl findet: Das Bild ist durch überhöhtes Engagement bei verminderter Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und eher negative Emotionen gekennzeichnet. Das Gesundheitsrisiko besteht in der Selbstüberforderung. Lehrer dieses Typs sind oftmals ihrer hohen Einsatzbereitschaft wegen besonders geschätzt. Doch ist abzusehen, dass auf Dauer die Kraft nicht ausreicht, den Belastungen des Berufs standzuhalten. Nicht selten ist mit den Übergang zum folgenden Risikomuster B zu rechnen (Burnout- Prozess).“ (Schaarschmidt & Fischer, 2001)

Risikomuster B

„Bei diesem zweifellos problematischsten Muster sind permanentes Überforderungserleben, Erschöpfung und Resignation vorherrschend. Das Profil weist überwiegend geringe Ausprägungen in den Merkmalen des Arbeitsengagements, deutliche Einschränkungen in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und (stark) negative Emotionen aus. In seinem Erscheinungsbild entspricht dieses Muster den Symptomen in den letzten Stadien eines B urnout- Prozesses. Klar ist, dass bei stärkerer Ausprägung des Musters B der Betroffene kaum (noch) ein guter Lehrer sein kann. Die verbliebene Kraft reicht dazu nicht aus. Sie wird aufgewendet um irgendwie „über die Runden“ zu kommen.“ (Schaarschmidt & Fischer, 2001).

Nach Schaarschmidt und Fischer ist unter psychischer Gesundheit nicht nur allgemeines Wohlbefinden, sondern psychische Gesundheit ist auch „eine unverzichtbare Voraussetzung für die erfolgreiche Ausübung des Lehrerberufs“ (Schaarschmidt & Fischer, 2001). Weiterhin ist klar, dass Lehrkräfte, die kaum noch Kraft haben, sich nicht mehr dafür eignen, dreißig Schülerinnen und Schülern bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

3.1.2 Ergebnisse der Ersten Etappe

Die Ergebnisse der ersten Etappe lassen sich wie folgt beschreiben:

Für Lehrkräfte besteht im Vergleich zu anderen Berufen die ungünstigste Musterkonstellation: während das G-Muster mit nur 17% vorhanden ist, sind die Risikomuster A und B mit je 30% sehr ausgeprägt vorhanden. Weiterhin wurde festgestellt, dass diese Verhältnisse landesweit vorliegen, regionale Unterschiede also wenig ausmachen. Ebenso gibt es kaum Unterschiede zwischen den Schulformen. Jedoch kam es zu großen Unterschieden an einzelnen Schulen, was auf die verschiedenen Bedingungen jeder einzelnen Schule zurückzuführen ist. Außerdem ließ sich eine deutliche Abhängigkeit vom Geschlecht ausmachen: Für die Frauen lagen deutlich höhere Anteile in den Risikomustern A und B vor. Weiterhin wurde beobachtet, dass mit einer Alterszunahme eine immer stärker werdende Verschlechterung der Situation einhergeht, was bei Frauen zusätzlich noch ausgeprägter ist, als bei Männern. Wie bereits erwähnt, wurden bei der Studie auch Lehramtsstudierende und Referendare mit einbezogen. Auch hier war der Anteil des Risikomusters B mit 25% sehr hoch. Doch auch der Anteil des Schonung- Musters ist mit 31% für Studierende und 29% für Referendare sehr hoch. Damit bestehen schon vor Beginn des Berufes schlechte Bedingungen. Zudem berichteten Lehrkräfte, problematisches Schülerverhalten, zu große Klassen und eine zu hohe Stundenanzahl seien am belastendsten, während eine soziale Unterstützung im Kollegium und durch die Schulleitung eine entlastende Wirkung habe (vgl. Schaarschmidt, 2005).

3.2 Die zweite Etappe

In der zweiten Etappe sollten nun Möglichkeiten gefunden werden, die die problematische Situation ins Positive verändern können. Dazu wurden zwei mögliche Ansatzpunkte gefunden: eine Einflussnahme auf die Arbeitsbedingungen (bedingungsbezogene Intervention) und unterstützende Maßnahmen, die an den Lehrkräften ansetzen (personenbezogene Intervention). Daraus sollten schließlich konkrete Angebote entstehen, die für Lehrkräfte wahrnehmbar sind (vgl. Schaarschmidt & Kieschke, 2007).

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Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668740266
ISBN (Buch)
9783668740273
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v430762
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Schlagworte
Coaching Supervision Lehrer Potsdamer Studie

Autor

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