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Die Kunst der Sprache. Moderne Rhetoriklehre für Führungskräfte in Unternehmen

Studienarbeit 2016 21 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

1 Die Rolle der Rhetorik und ihre Fortentwicklung

2 Grundlagen der Rhetorik
2.1 Definition und Umfang
2.2 Kurzer historischer Abriss
2.2 Kanäle und Ebenen der Kommunikation
2.3 Bearbeitungsphasen einer Rede
2.4 Die Aufgaben eines Redners

3 Rhetorik heute
3.1 Das Wesen der modernen Rhetoriklehre
3.2 Systematik der Prozesse und Techniken für erfolgreiches Sprechen.

4 Diskussion: Rhetorik für Führungskräfte

5 Zusammenfassung und Fazit

II Anhang

III Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Systematik der Kapitel dieser Studienarbeit

Abb. 2: Das Sender-Empfänger-Modell

Abb. 3: Konflikttypologie nach inhaltlichen Kategorien und Beziehungsmodi

Abb. 4: Die fünf Bearbeitungsphasen einer Rede

Abb. 5: Die drei Aufgaben des Redners

1 Die Rolle der Rhetorik und ihre Fortentwicklung

Ein Artikel der Zeit Online vom 19. Mai 2016 beschreibt detailliert, welcher Stel- lenwert der Rhetorik anhand ihrer Verwendung und Entwicklung in den letzten Jahrhunderten beizumessen ist. Demnach habe die Rhetorik in der Gesellschaft nicht an Bedeutung verloren, aber ihre Ausprägungsform sich verändert. So sei es mittlerweile besonders in der Politik üblich, anstatt spontaner Redebestand- teile die kompletten Ansprachen genauestens nach Manuskript einzustudieren, um zu verhindern, dass eventuelle Fehler in der Aussprache oder simple Ver- sprecher sofort breit an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Dafür seien ins- besondere die sozialen Medien verantwortlich, die eine schnelle und flächen- überdeckende Übertragung möglich machen. Diese modernen Tendenzen unter- scheiden sich von der klassischen Rhetorik der Antike und des Mittelalters, da zu diesen Zeitpunkten der Geschichte öffentlichen Reden und der Person des Red- ners selbst eine höhere Bedeutung beigemessen wurde, insbesondere in der Po- litik.1

Der obige Artikel macht deutlich, dass die Rhetorik seit ihrer offiziellen Begrün- dung in der Antike stets präsent war. Ob in historisch bedeutsamen Reden von Politikern, bei Produktpräsentationen in der Wirtschaft oder aber auf Unterneh- mensebene bei Ansprachen, die Geschäftsführer gegenüber ihrer Belegschaft halten. Überall, wo Menschen zu anderen Menschen aus einem bestimmten Zweck heraus sprechen, ist es erforderlich, dieses Sprechen so vorzubereiten und durchzuführen, dass der beabsichtigte Zweck erreicht wird. Die Rhetorik bie- tet hierfür mannigfaltige Mittel je nach Kategorie der Rede. Doch welches sind diese Kategorien? Welche Prozesse sind in einer Rede erkennbar und welche Rolle spielen dabei Kommunikationsprinzipien? Welche Besonderheiten weist die moderne Rhetoriklehre auf? All das sind Fragen, die im Rahmen dieser Stu- dienarbeit beantwortet werden sollen. Daraus soll abschließend entwickelt wer- den, welchen Einfluss die Rhetorik bei Führungskräften in Unternehmen ausüben kann und worauf diese zu achten haben.

Nachfolgende Abbildung erläutert die Systematik und Inhalte der nachfolgenden

Kapitel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Systematik der Kapitel dieser Studienarbeit

Quelle: Eigene Darstellung (2016).

2 Grundlagen der Rhetorik

2.1 Definition und Umfang

Die Rhetorik ist in der deutschen Sprache definiert als „Lehre von der wirkungs- vollen Gestaltung der Rede“.2 Diese Umschreibung, die man so oder in ähnlicher Form vielfach im Internet findet, geht auf die antike Definition von Quintilian zu- rück, nach der unter Rhetorik die Kunst, gut zu reden, verstanden werden kann.3

Die beiden aufgeführten Definitionen sind sehr kurz und allgemein, was auf einen sehr breiten Umfang der Rhetorik schließen lässt. Da sich im Laufe der Zeit aber die Ansprüche und Formen der Rhetorik insbesondere mit dem Aufkommen digi- taler Medien verändert haben, ist eine genauere Abgrenzung wünschenswert. Professor Doktor Gert Üding von der rhetorischen Fakultät der Universität Tübin- gen definiert die Rhetorik als „[…] zusammenfassender Begriff für die Theorie und Praxis der menschlichen Beredsamkeit in allen öffentlichen und privaten An- gelegenheiten, ob sie in mündlicher, schriftlicher oder durch die technischen Me- dien (Film, Fernsehen, Internet) vermittelter Form auftritt“.4 Diese Erklärung be- zieht neben der Beredsamkeit auch die Form der Rede ein und macht somit deut- lich, dass es sich beispielsweise bei politischen Äußerungen mittels Nachrichten- dienst Twitter in schriftlicher digitaler Form auch um rhetorische Praxis handeln kann.

Ein zentraler Begriff neben der Rhetorik ist die Dialektik, die laut Duden als „Kunst der Gesprächsführung; Fähigkeit, den Diskussionspartner in Rede und Gegen- rede zu überzeugen“ verstanden wird.5 Die Dialektik nimmt daher eine wichtige Bedeutung innerhalb der Rhetorik ein, denn sie bezeichnet die Fähigkeit, sich in rednerischen Auseinandersetzungen durch Anführen von Argumenten und Ge- genargumenten durchsetzen und gleichzeitig die Zuhörer auf seine Seite ziehen zu können.

2.2 Kurzer historischer Abriss

Bereits im vierten und fünften Jahrhundert vor Christus nahm die Rhetorik durch das Aufkommen der Demokratie in Griechenland, aber auch in Rom eine prä- gende Stellung des klassischen Bildungsideals neben der Philosophie ein. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die erstmals eine umfangreiche Rhetoriktheorie ins Leben rief, war Aristoteles. Neben ihm prägte aber auch der Staatsmann Ci- cero die Rhetorik, indem er beschrieb, was den perfekten Redner auszeichnete. Schließlich ist als dritte einflussreiche Persönlichkeit Quintilian zu nennen, der eine Zusammenfassung der antiken Rhetorik für die Nachwelt hinterließ.6

Durch die veränderten politischen und sozialen Verhältnisse des Mittelalters seit dem siebten Jahrhundert nach Christus wandelte sich die antike Forumsrhetorik in eine kirchliche Form. Dadurch kamen neue Lehren der Predigt- und Briefrhe- torik hinzu, was zu einer Reduzierung auf die Schriftform führte, insbesondere in den Schulen. Diese schlug sich in Gestalt von sprachlichen Stilmitteln nieder.7

Eine Wiederbelebung des kommunikationstheoretischen Ansatzes der Antike fand die Rhetorik in der Renaissance ab dem 15. Jahrhundert. Unter humanisti- schen Rhetorikern wie Philipp Melanchthon begann ein Prozess, der die münd- lich ausgerichtete antike Rhetorik mit der mittelalterlichen schriftlichen Lehre ver- schmelzen sollte. Im Absolutismus der frühen Neuzeit und dem barocken Zeital- ter kam es zu weiterer Kultivierung und Ausdifferenzierung der mündlichen und schriftlichen Rhetorik. Wichtig wurden hier vor allem Theorien zu Staatsakt- und Festrhetorik. Im vernunftgeleiteten Rationalismus des 18. Jahrhunderts ist vor allem Johann Christoph Gottsched zu nennen, der das gesamte Rhetorikwissen seiner Zeit zusammenfasste. Die schulgebundene Reduktion auf Formalismen und Stilfiguren nahm unterdessen weiter zu.

Zur Zeit des Nationalsozialismus im 20. Jahrhundert erfuhr die Rhetorik einen massiven Vertrauensverlust, da sie von Hitler und anderen für ihre rassenfeindli- che Propaganda missbraucht wurde. Auch historische Persönlichkeiten wie Im- manuel Kant und Johann Wolfgang von Goethe lehnten die Rhetorik als hinter- listig und manipulativ ab. Das Vertrauen konnte aber wiederhergestellt werden, indem Walter Jens 1967 an der Universität Tübingen das Instrumentarium der Rhetorik verschärfte und sich somit wissenschaftlich mit dem Thema auseinan- dersetzte. Heute hat die Rhetorik noch immer eine wichtige Bedeutung in der Gesprächsführung, die sich besonders in Form von wirksamen Präsentations- techniken äußert.8

2.2 Kanäle und Ebenen der Kommunikation

Auch die Kunst des Sprechens unterliegt den Grundbedingungen der Kommuni- kation, da sie letztendlich auch eine ihrer Ausprägungsformen ist. Zum näheren Verständnis dieser Bedingungen zieht die Kommunikationspsychologie eines der bekanntesten Modelle zu diesem Thema heran, nämlich das Sender-Empfänger- Prinzip. Die nachstehende Abbildung soll seine Systematik verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Sender-Empfänger-Modell

Quelle: Eigene Darstellung (2016).

Grundsätzlich gilt, dass der Sender eine oder mehrere Botschaften mit bestimm- tem Inhalt an einen oder mehrere Empfänger schickt. Da der Sender diese Bot- schaften zuvor zwangsläufig kodiert hat, entscheidet sich die Erfassung des In- halts und damit der Bedeutung der Botschaft mit der Fähigkeit des Empfängers, die Kodierung wieder zu entschlüsseln. Unabhängig davon, ob diese Fähigkeit vorhanden ist, wird der Empfänger eine gewisse Reaktion äußern, sofern ihm die Botschaft zugegangen ist. Über welches Medium die Botschaft zugeht, entschei- det der benutzte Kanal. Daneben haben auch die Umwelt und der situative Kon- text Einfluss.

Beispielsweise könnte ein politischer Redner wie Barack Obama (Sender) auf einer öffentlichen Konferenz zu einem Publikum (Empfänger) sprechen. Der In- halt seiner Botschaft bestimmt sich unter anderem durch die Betonung in der Aussprache, seine Körperhaltung, der Gesichtsausdruck, Gestik, Wortwahl und die Sprechgeschwindigkeit. All diese Faktoren legen außerdem fest, ob das Pub- likum die Botschaft verstehen kann, sind also Teil der Kodierung. Dazu ist aber auch die Sprache zu zählen, in der die Rede gehalten wird. Kann das Publikum die Botschaft entschlüsseln, indem es beispielsweise dieselbe Sprache spricht und die richtigen Emotionen anhand von Gesichtsausdruck und Gestik interpre- tieren kann, wird es entsprechend reagieren und sich über die Botschaften Urteil bilden. Allein in diesem Prozess begründet sich die Vorteilhaftigkeit eines Studi- ums der Rhetorik, da nur durch eine korrekte Kodierung der Botschaft und Aus- nutzung der Kanäle die gewünschte Wirkung beim Empfänger ausgelöst werden kann.

Zu den im Beispiel von Obama verwendeten Kanälen zählen die Luft, welche die Stimmlaute zum Publikum im Saal transportiert, eingesetzte Lautsprecher und Mikrofone, und das Fernsehen, falls die Rede auf diese Weise übertragen wird. Die Wahl dieser Medien bestimmt auch, über welche Sinneskanäle der Redner mit seinem Publikum kommunizieren kann. So entstehen parallel meist mehrere Dimensionen einer Botschaft, die sich inhaltlich gleichen oder auch widerspre- chen können und auf Ebene des Sehens, Hörens und manchmal auch Fühlens stattfinden. Die beiden verbleibenden Sinne Schmecken und Riechen werden hier aufgrund ihrer untergeordneten Rolle vernachlässigt.

[...]


1 Vgl. SENTKER (27.05.2016)

2 Duden (letzter Aufruf am 27.05.2016)

3 Vgl. GERICKE (2013), S.7

4 Deutsche Rednerschule (letzter Aufruf am 27.05.2016)

5 Duden (letzter Aufruf am 27.05.2016)

6 Vgl. Eberhard-Karls-Universität Tübingen (letzter Aufruf am 27.05.2016)

7 Vgl. Ebd.

8 Vgl. SENTKER (letzter Aufruf am 27.05.2016)

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668741867
ISBN (Buch)
9783668741874
Dateigröße
988 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v431066
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,0
Schlagworte
kunst sprache moderne rhetoriklehre führungskräfte unternehmen

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Titel: Die Kunst der Sprache. Moderne Rhetoriklehre für Führungskräfte in Unternehmen