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Der Traum und die Traumdeutung in Suetons "De Vita Caesarum"

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Mittel- und Neulatein

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Traum und Traumdeutung in der griechisch- römischen Antike

C. Suetoni Tranquilli: De vita Caesarum Liber 1 Divus Iulius

Caesar bemächtigt sich der Mutter

Die Träume Caesars und seiner Gattin Calpurnia vor den Iden des März

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Schon der vorsokratische Philosoph Heraklit sagte: „Die Wachenden haben eine einzige und gemeinsame Welt, doch im Schlummer wendet sich jeder von dieser ab in seine eigene.“[1]

Träume spielen als ein menschliches Phänomen eine wichtige Rolle, auch in der antiken Überlieferung. Nach antiker Vorstellung führen Anfänge der Traumdeutung in die mythische Vorzeit zurück. Träume gehören zur Divination, zur Weissagung, wie die Vorzeichendeutung, die Astrologie oder das Orakelwesen. In der griechisch-römischen Antike waren Traum und die Traumdeutung fest im Bewusstsein der Menschen eingeprägt. Träume galten als Botschaften der Götterwelt, als Orakel der Seele, durch die man die Zukunft erahnen konnte. Im Gegensatz zu heutigen Träumen und Traumanalysen ging es in der Antike meist um die Voraussage zukünftiger Ereignisse, um einen Auftrag, eine Warnung oder Verheißung, die historischen Personen zuteil wurde. Träumen konnte prinzipiell jeder, vom Sklaven bis zum Kaiser. Aufgenommen und gedeutet wurde nur, was relevant erschien, etwa in Hinblick auf die res publica oder den Kaiser selbst. Träume wurden von professionellen Traumdeutern „übersetzt“ und gedeutet. Man konnte aber auch selbst auf Handbücher zurückgreifen, von denen sich allein die Oneirokritika, (griech. „Traumdeutung“) von dem Griechen Artemidor von Daldis aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert erhalten hat.

C. Suetonius Tranquillus, ein römischer Biograph und Antiquar verarbeitete mehrfach das Traummotiv und berichtete in seinem Werk „ De vita Caesarum libri“ über Prophezeiungen und Träume des Kaisers Gaius Iulius Caesar.

Sueton wurde ca. 70 n. Chr. in Hippo Regius, im heutigen Algerien als Sohn des Ritters S. Laetus, Tribun der 13. Legion, geboren. Er genoss die standesübliche rhetorische Ausbildung und wurde in Rom zum Anwalt (orator) ausgebildet.

Zunächst betätigte sich Sueton als Advokat. Der jüngere Plinius wurde sein Freund und Gönner. Unter Hadrian wurde er Hofbeamter und war nach der Ehreninschrift AE 1953,73 a studiis, a bybliothecis, zuletzt im einflussreichen Amt des Kanzleichefs (ab epistulis.)[2] Von seinen Schriften sind die Kaiserbiographien (De vita Caesarum) nahezu vollständig (der Anfang bis zum 16. Lebensjahre Caesars fehlt) und das biographische Sammelwerk De viris illustribus fragmentarisch erhalten.[3]

In dieser Hausarbeit geht es um zweierlei Aspekte. Im ersten Teil der Arbeit soll versucht werden, in das Thema Traum und Traumdeutung in der griechisch-römischen Antike einzuführen. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Oneirokritika von Artemidor von Daldis gelegt. Des weiteren soll aus Suetons Werk „ De vita Caesarum libri“ die Verarbeitung zahlreicher Träume und Prophezeiungen aufgezeigt werden. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich speziell mit zwei von Sueton thematisierten Träumen des Kaisers Gaius Iulius Caesar aus diesem Werk. Zum einen der Traum Caesars, in dem er sich seiner Mutter bemächtigt und zum anderen die Träume Caesars und seiner Gattin Calpurnia am Tage vor seinem Tod. Beide Träume sollen zunächst vorgestellt ,zeitlich eingeordnet und anschließend gedeutet und interpretiert werden.

Traum und Traumdeutung in der griechisch- römischen Antike

Die „Oneirokritika“ des Artemidor von Daldis

Artemidor von Daldis war ein Traumdeuter und Wahrsager aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts und ist der Verfasser der Oneirokritika (griech. „Traumdeutung“).

Im Laufe seines Lebens führte ihn seine „Wissenschaft“ des Traumdeutens in die Hauptstadt des Imperiums, nach Rom. Dort übte er seine Kunst aus, obgleich Traumdeuter von geringem gesellschaftlichen Status waren.[4]

Nach Artemidor gibt es verschiedene Arten von Träumen. Oneiros bzw. oneiron (lat. somnium) verweisen auf die Traumfigur bzw. auf die Traumerfahrung, die als chrematismos, Orakeltraum, anzeigt, welches Ereignis in der Zukunft bevorsteht. Mit enhypnion (lat. insomnium) wird zum Ausdruck gebracht, dass der Traum während des Schlafes stattfindet und die Gegenwart anzeigt. Beide Arten von Träumen können entweder unverschlüsselt oder verschlüsselt (allegorisch) sein. Wenn jemand z.B. von einem Schiffbruch träumt, kann er wirklich in Seenot geraten. Es kann aber auch bedeuten, dass er mit seiner Existenz „Schiffbruch“ erleidet. Als weitere Form der Traumerscheinung gibt es noch das horama (lat. visio oder visum), die klare Vision bzw. visionäre Erscheinung, die oft zwischen Wachen und Träumen auftaucht, und speziell das phantasma, die Geisteserscheinung, oft von Verstorbenen. Diese reinen Illusionen und Trugbilder sorgten dagegen für Verwirrung.

Ein Traum musste zunächst einmal daraufhin überprüft werden, ob er von Bedeutung war oder nicht. Dann galt es, seine Form zu untersuchen. Man konnte eine Deutung aufgrund eigener Lebenserfahrung unternehmen, Freunde zu Rate ziehen oder professionelle Hilfe finden beim oneiropolos oder oneirokrites, dem Traumdeuter, der schon bei Homer auftritt. Dieser konnte in einer reichen Fachliteratur nachschlagen oder auf eigene Sammlungen von Fallbeispielen zurückgreifen. Träume gehörten also zum alltäglichen Leben.[5]

C. Suetoni Tranquilli: De vita Caesarum Liber 1 Divus Iulius

Überblick über Träume und Prophezeiungen

C. Suetonius Tranquillus war der Verfasser der berühmten Kaiserbiographien (De vita Caesarum). In 8 Bänden schildern sie das Leben aller 12 Kaiser von Caesar bis Domitian.

In einzelnen Rubriken bekommt der Leser chronologisch Einblick in Herkunft, Familie, Geburt, Kindheit, Jugend, öffentliches und privates Leben, religiöses Verhalten, Vorzeichen und Lebensende des jeweiligen Kaisers.[6]

In der gesamten Caesar-Vita thematisiert Suetonius gehäuft Träume, Traumdeutung und Prophezeiungen des Kaisers Gaius Iulius Caesar und anderer Personen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle spielten. Der erste Traum Caesars begegnet uns bereits im siebten Kapitel. Sueton beschreibt, wie Caesar sich im Traum seiner Mutter bemächtigt: „ etiam confusum eum somnio proximae noctis- nam visus erat per quietem stuprum matri intulisse.“ ( Auch war er durch einen Traum in der vorangegangenen Nacht aus der Fassung gebracht worden- denn es war ihm im Traum so vorgekommen, als habe er seine Mutter vergewaltigt.)[7]

In Kapitel 32 erwähnt Sueton, dass Caesar besonders an Wunder und Vorzeichen glaubte und daraus neue Kraft zu weiteren Unternehmen schöpfte. „cunctani ostentum tale factum est. quidam eximia magnitudine et forma in proximo sedens repente apparuit harundine canens; […] tunc Caesar: “eatur“, inquit, „quo deorum ostenta et inimicorum iniquitas vocat. iacta alea est“, inquit.“ (Während er noch zögerte, geschah folgendes Wunder: Es schien plötzlich ein Mann von außergewöhnlicher Größe und Schönheit, der sich in seiner Nähe niederließ und auf einer Flöte spielte. [..] Daraufhin bemerkte Caesar: „Laßt uns also gehen, wohin die Zeichen der Götter und die Ungerechtigkeit der Feinde uns ruft! Der Würfel ist gefallen.“[8]

[...]


[1] Zotscho Bojadshieff, Die frühgriechische Philosophie als Phänomen der Natur. Würzburg: Königshausen und Neumann, 1995. S. 54

[2] Sallmann, Klaus, S. Tranquillus, in: Cancik, Hubert u. Schneider, Helmuth (Hrsg.). Der Neue Pauly: Enzyklopädie der Antike. Bd. 11. Stuttgart 2001, Sp. 1084-1088

[3] Fuhrmann, Manfred, C. S. Tranquillus, in: Ziegler, Konrad, Sontheimer, Walther u. Gärtner, Hans (Hrsg.). Der Kleine Pauly: Lexikon der Antike. Bd. 5. München 1979, Sp. 411-413

[4] Vgl. Walde, Christine, Antike Traumdeutung und moderne Traumforschung. Düsseldorf, Zürich: Artemis und Winkler, 2001. S.144

[5] Vgl. Weber, Gregor, Kaiser, Träume und Visionen in Prinzipat und Spätantike. Stuttgart 2000 (Historia: Einzelschriften, Bd. 143) Zugleich: Habil.- Schr. Eichstätt 1998. S. 40 ff

[6] Fuhrmann, Manfred, C. S. Tranquillus, in: Ziegler, Konrad, Sontheimer, Walther u. Gärtner, Hans (Hrsg.). Der Kleine Pauly: Lexikon der Antike. Bd. 5. München 1979, Sp. 411-413

[7] C. Suetonius Tranquillus, Caesar. Lateinisch/Deutsch, übers. und hrsg. von D. Schmitz. Stuttgart 1999. S.12-13

[8] C. Suetonius Tranquillus, Caesar. Lateinisch/Deutsch, S.46-47

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668741584
ISBN (Buch)
9783668741591
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v431656
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Altertumswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Sueton griechisch römische Traumdeutung Caesar Traum Divus Iulius Caesar vita Latein

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