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Durchführung und Auswertung eines qualitativen Interviews. Praxis und Theorie

Hausarbeit 2017 38 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Das Interview

Aufgabe:

Als Interviewpartner für mein qualitatives Interview habe ich eine Person herangezogen, welche Teil einer Ökonomie ist und sie über dieselbe befragt. Die von mir untersuchte Ökonomie war die “Wohngemeinschaft“. Mein Forschungsinteresse bezog sich hierbei auf die Bereiche „Geschichte“, „Funktion“ und „Mitgliedschaft“ und zielte darauf ab, möglichst viel über das Alltagswissen und die persönlichen Vorstellungen eines WG-Bewohners herauszufinden. So interessierte mich beispielsweise wie es zur Gründung der WG kam, oder weshalb der Befragte sich dafür entschieden hat in einer Wohngemeinschaft zu leben und wie sich die Mitglieder der WG zusammengefunden haben. Mein ausgewählter Interviewpartner lebte in den letzten acht Jahren in mehreren Wohngemeinschaften und schien mir daher gut für das Interview geeignet. Da er Teil meines Bekanntenkreises war, konnte ich den Kontakt leicht herstellen.

- Angaben zum Interviewten:
Herr ledig, Master-Student BWL, 28 Jahre, wohnhaft in Bamberg (Innenstadt)
- Angaben zum Interviewer:
Amelie Lauber, Studentin -NF Europäische Ethnologie, 24 Jahre, wohnhaft in Bamberg.
- Ort des Interviews:
In Herr Wohngemeinschaft, am Esstisch im Wohnzimmer.
Mitbewohner waren nicht Zuhause.
-Datum des Interviews:
02.01.2018
- Dauer des Gesprächs:
1h 3min
- Thema des Interviews:
Persönliche Einblicke bezüglich Geschichte, Funktion und Mitgliedschaft einer Wohngemeinschaft als Ökonomie.

Transkript

*Die Interviewerin Amelie Lauber wird im Folgenden mit >A< abgekürzt, der Interviewpartner mit <J>.

** Um die Auswertung des Interviews zu erleichtern und dem Leser einen besseren Überblick über die einzelnen Sinn-Abschnitte des Interviews und der Auswertung zu verschaffen befinden sich im folgenden Transkript einige Zwischenüberschriften. Sie sind durch die Farbe Orange vom restlichen Text abgehoben.

*** Nachdem der Gesprächsablauf geklärt wurde, der Interview-Partner mit Hilfe eines kurzen Fragebogens Angaben zu seiner Person mittteilte und Inhalte des Interviews veröffentlicht werden dürfen, begann das eigentliche Interview. Da die Personen zum Zeitpunkt des Gesprächs bereits eine private Beziehung zueinander hatten, führten sie as Gespräch per du.

1. Geschichte

1.1. Erzählgenerierende Einstiegsfrage

A: So, gut. Dann geht es nun offiziell los. Wie du weißt geht es ja um dein Leben in einer Wohngemeinschaft. Hierzu hab’ ich mehrere Fragen.

J: Ja. Ok.

A: Bitte erzähl mir doch was es für dich bedeutet in einer Wohngemeinschaft zu leben?

J: Ähm... Was bedeutet es für mich? Das ist eine schwierige Frage. Ich würde sagen, derzeit jetzt so wie meine Wohngemeinschaft jetzt gerade ist, ist es eher so eine Situation die besteht, weil ich nicht in der Lage bin mit so alleine die Wohnung zu leisten und daher würde ich eher sagen, in Anführungszeichen, eine Notsituation. Ist jetzt nicht schlimm oder dramatisch, aber ich würd’ das jetzt derzeit nicht als Wohngemeinschaft bezeichnen, sondern sogar fast mehr als Zweckgemeinschaft... Weil ich jetzt einfach keine Beziehung zu meinen Mitbewohnern habe groß. Ja, das würde ich sagen bedeutet es für mich.

1.2. Einzug in die WG

A: Ok. Wie kam es denn überhaupt dazu kam, dass du in deiner Wohngemeinschaft lebst, wenn du wie du sagst „keine große Beziehung zu deinen Mitbewohnern hast“

J: Ähm... Ja. Ein Freund und ich, wir haben uns eine Wohnung gesucht und haben dann eben eine richtig schöne Wohnung in der Bamberger Innenstadt gefunden, die aber vier Zimmer hatte und (...) ähm (...) quasi ein Wohnzimmer und drei Schlafzimmer und wir die Wohnung aber sozusagen erst ja nur zu zweit hatten, also nur zu zweit dort leben wollten, aber da aufgrund von Renovierungen die Miete erhöht wurde und dadurch wir diese Wohnung mieten wollten aber die durch die Renovierung mittlerweile ziemlich teuer wurde wollten wird das vierte Zimmer, das war ja einfach renoviert worden, da wär aber gar nichts weiter drin gewesen. Da wollten wir dafür dann eben eine weitere Person reinholen. Das war jetzt kein richtiger Freund. Eher ein guter Bekannter, aber das Mädel, dass dann mit uns gewohnt hat, die kannten wir bis dahin auch nicht also vorher nicht. Und (...) Mittlerweile ist die auch wieder weggegangen und er auch, aber ja. Das war so wie es erstmal so zu der WG kam in der ich da wohn jetzt noch. Also meine zweite WG.

A: Ah, du hast also vorher auch schon in einer WG gewohnt?

J: Ja. Genau.

A: Gut, dann setzen wir doch da einfach erstmal an. Mich würde nämlich überhaupt interessieren wie du deine Lebenssituation beschreiben würdest als du in eine WG eingezogen bist?

J: Ähm. (...) Angenehm. Immer. Meine Lebenssituation war nie schlecht jetzt. Immer gut.

A: Gut und (...) was hast du da grade gemacht in deinem Leben? Also

J: (Fällt Amelie ins Wort) Studiert. Da hab’ ich, also als ich grade in die Wohnung eingezogen bin zu der Zeit hab’ ich grade so mehr oder weniger meinen Bachelor beendet. Ja.

A: Und wie alt warst du als du da zum ersten Mal in eine WG gezogen bist?

J: (Schnauft tief durch, schließt die Augen und nimmt eine nachdenkliche Haltung ein) Ja, so, sechs, doch ja, so sechsundzwanzig würd’ ich, ja das würd’ ich sagen. Nein! (J. erhebt die Stimme) Falsch! Fünfundzwanzig! Ja, sicher, ganz sicher, Fünfundzwanzig! Ja.

A: Ok, und sonst so deine Umstände, also warst du da in einer Beziehung, oder

J: fällt Amelie ins Wort) Ja. Schon über n Jahr zu der Zeit sogar. Und (4) ja und umgezogen bin ich da halt in der gleichen Stadt nur. Also halt Zuhause dann wieder als ich wieder da war dann halt gleich Stadt. In Bamberg nur.

A: Du sagst du wärst umgezogen als du „wieder Zuhause warst“. Wo warst du denn vorher?

J: Weil ich vorher in Spanien war. Da hab’ ich auch schon paar Wochen mit Freunden gewohnt. Keine richtige WG, aber halt ähnlich. Und (...) ja und ich kam dann zurück und hatte mich von Spanien aus mehr oder weniger noch nicht gekümmert halt was zu haben wieder, wenn ich Nachhause komme und hatte dann sozusagen eine Notsituation, weil ich halt schnell eine Wohnung brauchte, also halt schnell was gebraucht hab wieder hier quasi. Musst halt schnell was finden und da hat sich das angeboten.

A: Du hast also schnell eine Wohnung gebraucht und da hat sich eine WG damals angeboten? Hab’ ich das richtig verstanden? So kam es dann also zu deiner, also zu der ersten WG?

J: Ja. So. Genau.

A: Und warum hat sich das jetzt dann so angeboten genau?

J: Hauptsächlich aus Konstengründen (sic!). Also einfach die Kosten. Das ist auch ziemlich schwierig in Bamberg eine ein oder zwei Zimmer Wohnung zu finden die einen guten Preis hat und ich hab dann sogar noch eine gefunden damals, also eine Wohnung noch die in Frage gekommen wär, aber die Vermieterin wollte damals lieber eine Frau haben die einzieht und keinen Mann und dadurch ist dann die Situation entstanden, dass ich halt schnell was anderes noch gebraucht habe halt weil meine eigene Wohnung halt, also meine erste Wahl wurde halt nix und dann kam es halt eben dazu mit der WG.

A: Du hast jetzt grade erzählt, dass die Vermieterin lieber eine Frau gehabt hätte und (...) meinst du Du hättest sonst nichts gefunden allein und deshalb die WG dann grade auch?

J: Naja, ne also eine weiß ich jetzt nicht. Ich denk’ wenn ich mich da jetzt wirklich mal mehr bemüht hätte und mich da länger (...) überlegt sichtlich) Also ich hab’ ja nur wirklich also so zwei, drei Wochen gesucht halt nach einer Wohnung. Wenn ich mich länger damit beschäftigt hätte, dann wär’ es sicher was geworden aber ist es halt da nicht und dann bin ich eben damals schnell in eine WG gezogen in Bamberg. Hätte aber bestimmt schon was gefunden. Aber ist natürlich auch eine Preisfrage. Und daher halt für mich dann als Student eben schwerer was zu finden als für jemanden der halt schon arbeitet. Und ja. (...) Das war damals beim ersten Mal der Grund und war dann auch danach wieder der Grund jetzt bei der WG in der ich halt jetzt wohne eben.

A: Du sagst als Student ist es schwerer was zu finden als mit für jemanden der schon was arbeitet. Ist es wohl in deinem Bekanntenkreis so, dass die Studenten häufig in WGs leben und die arbeitenden nicht mehr? Oder woher nimmst du diese Einschätzung jetzt, dass du das so unterschiedest?

J: Ne. (Atmet laut) würd’ ich so gar nicht sagen. Kommt natürlich auch drauf an in welchen Städten die Leute immer leben. Also so würde ich das jetzt allgemein nicht sagen, dass es immer für die Studenten schwerer ist und für die arbeitenden automatisch leichter. Ich hab’ auch genauso Freunde die studieren nicht mehr und leben halt immer noch nicht allein, also in WGs und gibt auch welche die dann schon alleine gelebt haben trotzdem, auch seit sie Studenten waren. Und jetzt bei Basti und mir wars aber halt einfach so, dass wir beide studiert haben und dadurch einfach beide nicht genug Geld für ne eigenen UND halt auch SCHÖNE Wohnung gehabt hätten.

A: Ok, verstehe. Und seit wann bist du mittlerweile in deiner jetzigen WG in der du gerade lebst?

J: Puh (J. atmet schwer aus) zwei Jahre und (...) neun Monate.

A: Ok. Und das ist jetzt soweit ich es verstanden hab nicht deine erste WG.

J: ne.

A: Und deine jetzige WG hast du mit deinem Freund Basti „eröffnet“ (A. macht mit den Fingern Anführungszeichen während sie spricht). Also die gab es vorher noch nicht.

J: Das ist richtig so, Ja.

A: Gut. Und sah die WG schon zu Beginn so aus wie jetzt? (ausschweifende Arm-Bewegung durch den Raum) oder habt ihr beim Einzug irgendwas verändert?

J: Es war keine Küche drin, also haben wir eine komplette Küche eingebaut und dann halt auch Badezimmerschränke und solche Geschichten und halt n paar Sachen noch natürlich mit in die Wohnung gebracht wie Möbel und so weiter. Ja. (...) Mh.

A: Habt ihr dann zu zweit aufgebaut was man so grundlegend in der Wohnung braucht?

J: Ja, genau. So. Haben wir. Zu zweit gemacht und dann haben wir erst einen Monat später eine Mitbewohnerin gesucht.

A: Ahja. Und wer war die Mitbewohnerin dann?

J: Evi hieß die.

A: Evi, du und dein Freund. Und wohnt ihr jetzt immer noch in der gleichen Konstellation zusammen in der ihr die Wohnung bezogen habt?

J: Ne. Mh. Ne das war so, dass die beiden, die damals die Wohnung mit mir aufgemacht haben beide weg sind jetzt. Also Basti ist weg und Evi ist auch weg.

1.3. Aktuelle Mitbewohner

A: Wer lebt hier dann jetzt aktuell noch?

J: Der zeit lebt hier Martina und Katrin. Beziehungsweise eigentlich nicht mal, weil Katrin ist grad Praktikum in Amerika machen. Deshalb hat Katrin Jemanden zur Zwischenmiete drin, die Alexandra heißt, die Praktikum in Bamberg macht. (Atmet tief durch) Ähm. Ja Praktikum bei (...) Bosch.

A: Ok, eine neue Konstellation also. Und seit wann leben deine beiden neuen Mitbewohnerinnen dann jetzt mit dir hier so?

J: Katrin seit spricht jetzt sehr langsam und nachdenklich) September Zwei Sechzehn und (7) und Martina seit Oktober, ne November zwei Sechzehn. Achja und die studieren auch beide. Typisch halt für WG.

A: Und Katrins Zwischenmieterin?

J: Macht Praktikum. Und wohnen tut die hier drin seit (J. runzelt die Stirn) September Zwei Siebzehn.

A: Ok. (4) Kanntet ihr denn einander schon vor dem Einzug?

J: Ne. Keiner kannte sich.

A: Wie hast du sie dann kennengelernt?

J: (räuspert sich) Einfach über eine Wohnungs-Annonce und die kamen dann her und haben sich vorgestellt. (...) Ja.

A: Wer hat die Annonce dann geschalten? Hast du die Wohnungsannonce geschaltet, oder derjenige der auszog, oder /

J: ähm, die wurde geschalten, von dem der auszog.

A: OK. Und wurde das dann da abgesprochen von den anderen Mitbewohnern wer reinkommt, also habt ihr dann zusammen entschieden als, ähm (...) Basti auszog?

J: Auch Evi. Also auch Evi zog aus. Die sind eigentlich gleichzeitig ausgezogen, deshalb wurde das dann auch nicht gemeinschaftlich besprochen. Ich war ja dann allein also konnte ich es dann ja selbst bestimmen.

A: Achso! (A. antwortet laut und erstaunt) Ok, jetzt versteh ich es. Beide sind ausgezogen. Also hast du dir es alleine überlegt wer einzieht?

J: Ja, genau.

A: Und was für Kriterien waren dir dann bei deinen neuen Mitbewohnern wichtig? Also was sollte ein Mitbewohner mitbringen als du gesucht hast?

J: Welche Kriterien? Puh (schnauft) Kriterien würd’ ich nicht wirklich sagen. Kriterien hatte ich nicht wirklich welche. Das war mehr Bauchgefühl und erster Eindruck.

A: Siehst du das entspannt oder angespannt so eine Suche nach Mitbewohnern? Also ist das für dich was sehr sensibles, privates jemanden fremden dann plötzlich so nah an dich ranzulassen in dein Zuhause, oder siehst du das entspannt? Lässt dich so eine Suche kalt, oder war das eher so /

J: Es lässt mich kalt. Ist eigentlich auch egal was die Person macht. Ich hoff dann nur, dass / (...) Also eigentlich war es diesmal auch dann so, dass ich ganz schnell wieder jemanden wollte und nicht lang rumgesucht hab und dann recht schnell Katrin genommen hab. Also wir sind halt auch auf einer Wellenlänge, das ist schon gut so das war eine schnelle Entscheidung. Eine gute auch. Und als dann auch Katrin schon hier gewohnt hat eben, da haben wir dann noch gemeinsam die nächste rausgesucht und haben dann halt noch eine Auswahl getroffen. Und ja (...) im Nachhinein würd’ ich vielleicht sagen eine andere Auswahl wär’ besser gewesen.

A: Und warum?

J: Martina ist ja schon n netter Mensch, aber ich glaub einfach, dass es sicher noch mehr Leute gegeben hätte die besser in die WG gepasst hätten. Aber, ja (...) Wir haben halt damals einfach die erste Bewerberin genommen und uns gefreut, dass wir jemanden haben.

A: Was genau lässt dich das jetzt glauben? Mit Martina.

J: Einfach, weil eigentlich keinerlei gemeinsame Interessen bestehen. Außer halt vielleicht unser Interesse an Sport. Aber ja (...) das ist eigentlich das einzige gemeinsame Interesse.

A: Ok. Und du sagtest vorhin du hättest deine Mitbewohnerinnen über eine Wohnungsannonce gefunden. Wie genau lief das ab?

J: Wie?

A: Du hast gesagt du hättest das auf eine Wohnungsseite gestellt, diese Annonce. Wie genau wurde das gemacht?

J: Naja die erste Annonce hab’ ich nicht selber auf die Wohnungsseite gestellt, sondern Basti als er ausgezogen ist, ich hab’ dann erst die zweite gemacht für Martina. Einfach auf WG-Gesucht Bilder reingestellt und dann einen ähm Bericht geschrieben, also geschrieben was man sich so für Mitbewohner vorstellen könnte und dann Telefonnummer und Email-Adresse hinterlegt und dann kamen eben Anfragen rein. Ja und dann hat man sich die eben angesehen und dann eben Leute eingeladen zu sich.

A: Wie hast du es beschrieben was wolltest du dir vorstellen oder wen wolltest du dir vorstellen?

J: Also ich hab’ mir jetzt erstmal / Ich hab’ mir da gar nix gemacht. Also keine Vorstellungen erstmal. Das einzige was Basti und ich beide vermerkt hatten war ein Alter, also ich glaub’ wir wollten Jemanden so ab 24 oder 25 Jahren oder sowas. Bin mir da gerade gar nicht mehr sicher. Aber wir wollten eben nicht mehr unbedingt einen Erst-Semestler (Umgangssprachlich für einen Studenten im ersten Semester) haben. Also jemanden der grade erst in den Bachelor kommt.

A: Warum?

J: Ja (schnauft) weil mir das dann einfach trotzdem zu jung ist. Also ich mein da war ich 27 und ne, also ich hatte da einfach keinen Bock mehr drauf ich will da dann mit jemanden zusammen wohnen der weiß was er will und (...) ähm, im ersten Semester kann es halt doch immer mal sein,

dass jemand abbricht. Aber wenn jemand irgendwie im vierten oder fünften Bachelor Semester ist, oder sogar im Master ist dann ist die Wahrscheinlichkeit meiner Meinung nach eben doch höher, dass sie es ähm (...) ja halt durchziehen und dass man dann da als vermietender Vermieter eben nicht dauernd wieder jemand neuen suchen muss.

A: Verstehe. Und gibt’s sonst irgendwelche „Anforderungen“ die man erfüllen muss um Mitglied in deiner WG zu werden? (A. lächelt)

J: (J. Lacht). Haha, nein sonst nichts weiter eigentlich. Ich bin da echt nicht so oberflächlich oder hab keine festen Vorstellungen. Wer nett ist kommt rein. Und wenn ich nicht alleine drin wohne dann entscheiden wir halt zusammen wer reinkommt. Also egal wer sich jetzt drum kümmert um neue Bewerber, die müssen schon immer vorher mal eingeladen und angeschaut werden. (...) Ich will halt schon auch mal paar Fragen stellen und mir den (...) oder ja, halt die, dann anschauen die da dann einzieht. Aber sonst nix weiter. Nur halt, dass man sich die Person halt gemeinschaftlich vorher anschaut. Das ist so eine Anforderung. Und halt freundlich sein.

A: Ok. Es gibt also keine besonderen Anforderungen. Hauptsache die Person ist freundlich.

J: (J. hebt die Stimme) Naja, ne nicht ganz. Ne. Also was wir oder halt ich auch immer gemacht habe ist, dass ich den Bewerbern halt vorher schon erzähle, dass ich es mehr mag, wenn halt jeder so sein Ding macht in der WG und dass ich nicht ständig irgendwie krasse Spieleabende oder Kochabende brauche oder so. Und ich will halt jetzt einfach auch nicht, dass die Person da jede Woche die Bude voll Leute einlädt und eine fette Party schmeißt oder so. Also das brauch ich jetzt schon echt nicht. (...) Aber sonst. Ne sonst gibt’s echt nix eigentlich. Ne.

A: (4) Verstehe. Das sprichst du dann beim Bewerbungsgespräch einfach mit an und versuchst das herauszufinden, ob die Person damit einverstanden ist, oder ob sie sich was Anderes vorstellt?

J: Ja genau. Das mein ich halt mit sympathisch. Oder halt mit „nett sein“ - Man merkt ja dann beim Vorstellen schnell ob es passt einfach. Und redet halt schon n bisschen über gemeinsame Interessen, Hobbies und den Studiengang.

A: Also gibt’s dann doch einige Präferenzen?

J: Ne. Ne echt nicht. Ich frag halt natürlich schon was die machen und wie sie so drauf sind halt. (...) Aber ich hab’ wirklich keine festen Präferenzen. Also so ich sag jetzt mal n Mädel mit 25 die halt Lehramt macht kann zum Beispiel trotzdem netter sein als jetzt n Typ der so alt ist wie ich und auch BWL studiert so wie ich. Also da kann man sich einfach nicht festlegen. Man muss halt bei den Bewerbern echt einfach schauen wie so (4) Ja. Wie die Chemie stimmt eben.

A: Gut. Jetzt hab’ ich dich verstanden. Also (...) nochmal aktuell. Damit ich das jetzt alles verstehe: Aktuelle wohnen in deiner Wohnung Martina und Katrin, hab’ ich das richtig verstanden so?

J: Nein, nein. Also offizielle Mieter sind die schon so die beiden, aber Katrin ist eben zurzeit nicht da, weil /

A: (A. unterbricht J.) Achja, genau, ja.

J: Ja, genau. Weil Katrin eben ein Praktikum macht. In Amerika. Deshalb hat sie ja eben diese Zwischenmieterin drin, Alex.

A: Achja genau, Martina und Alex sind grade mit dir drin. Gut. Aber im Mietvertrag stehen grade Martina und Katrin. Und (...) vorher da gewohnt haben dann noch Basti und Evi. Jetzt versteh ich.

J: Jo, genau. So passt es. (J. lacht ein wenig) Bisschen kompliziert.

A: Naja, jetzt hab’ ich es verstanden. Und du selbst (...) Du wohnst jetzt seit zwei Jahren, oder fast drei Jahren sowas in der Wohnung, oder?

J: Ja, genau.

A: Und wie stehst du zu der Anzahl Mitbewohner die du bisher hattest so?

J: Ist in Ordnung für mich. Vor allem fand ich es sogar ok, dass Basti weg ist. Der ja echt sogar n guter Bekannter vorher von mir war, mit dem ich mich ja echt gut verstanden hatte. Also da war ich echt froh dann drüber, dass ich nicht mehr mit ihm zusammenwohnen musste, weil (...) ähm, ja, weil er einfach ein sehr unordentlicher Mensch ist. Und mit Katrin jetzt muss ich sagen versteh ich mich echt voll gut. Also die ist definitiv n besserer Mitbewohner als jetzt Basti oder Evi waren. Auch echt angenehmer. Und mit Martina komm ich auch klar. Also bin ich sogar froh, dass Evi und Basti nicht mehr da sind und dafür Neue jetzt. Ja, grade weil Basti einfach ein sehr unordentlicher Mensch. Also ja ich würde echt sagen die Wechsel waren voll in Ordnung jetzt so. Einfach weil es auch eine positive Verbesserung jetzt war dadurch. Aber trotzdem würd’ ich jetzt sagen: „ich brauch jetzt nicht nochmal einen Wechsel unbedingt“. Ja.

2. Funktion der WG

2.1. Gründe und Motivation für das Leben in einer WG

A: Ok, gut. Als nächstes interessiert mich mal was genau denn die Gründe für dich sind in einer WG zu wohnen. Also warum genau lebst du in einer WG? Was ist so für dich der Hauptgrund?

J: Ja, der Hauptgrund für meine jetzige WG in der ich jetzt wohne ist für mich eigentlich, dass ich sehr zentral wohnen kann in einer guten Gegend in Bamberg, es ist eine schöne Wohnung und die Wohnung wär’ aber erstens zu groß für mich allein theoretisch und zweitens könnt ich sie mir auch allein nicht leisten. Das sind eigentlich die Hauptgründe.

A: Hat das Zusammenleben noch weitere Vorteile?

J: Es ist einfach sehr angenehm, weil du hast n großes Wohnzimmer, n großes Zimmer und hast einfach genug Platz in deiner Wohnung dich quasi zu entfalten, ja. Ähm (...), ja. Ich würd’ sagen das sind für mich die Hauptgründe.

A: Fallen dir noch weitere Vorteile am WG Leben ein?

J: Puh, ne. Also im Allgemeinen schon, aber in meinem Fall jetzt nicht. Allgemein würd’ ich schon sagen ist es ja oft so, dass man dann irgendwo auch zusammenhilft. So nach dem Motto „Ich bin jetzt grad bei Lidl, soll ich dir was mitbringen“, oder „Ich räum jetzt mal die Spülmaschine aus, wenn außer mir niemand Zuhause ist“, aber das ist jetzt bei uns eher weniger der Fall. Also bei uns leben wir eher so zusammen, dass jeder sein eigenes Ding macht und dass es eher so ist, dass klar mal jemand was fürs Bad einkauft oder so, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich jetzt durch die WG an sich oder durch die Mitbewohner in einer WG irgendwelche Vorteile genieße. Na gut, außer halt vielleicht die Miet-Teilung.

A: Und was meinst du was sind die Gründe für die Anderen? Warum leben die so?

J: Ähm (6) Ich glaub erstens einfach so aus praktischen Preisgründen und ich glaub Teilweise war vielleicht sogar die Grundidee durch eine WG neue Leute kennen zu lernen. Weil beide Mädels machen ja jetzt grade ihren Master und haben ihren Bachelor halt beide nicht in Bamberg gemacht und kommen auch nicht von hier also denk’ ich schon mal, dass die dann dadurch auch einfach bisschen Leute kennenlernen wollten hier.

A: Meinst du damit dann sie haben andere Gründe als du?

J: Ich glaub der Hauptgrund ist der gleiche. Und zwar, dass sie sich halt alleine solche Wohnung leisten könnten, die den gleichen Standard hätte wie die Wohnung in der wir eben jetzt leben. Weils einfach dann zu teuer würde. Beziehungsweise sie nicht so viel Geld ausgeben wollen würden, Aber ich denke bei Katrin war schon bestimmt der Wunsch da durch die WG auch Leute kennen zu lernen. Weil die kannte nämlich auch ein paar Leute hier vom Bachelor in Würzburg noch und ist bewusst nicht mit denen zusammengezogen, sondern wollte mit jemand fremden zusammenziehen. Und bei Martina kann ich mir da auch so vorstellen.

Also kann man sagen: Der Hauptgrund ist der gleiche. Aber dann haben sie eben beide noch zusätzliche Gründe, die ich nicht mit ihnen teile.

A: Und bist du zufrieden damit wie es ist? Also erfüllt die WG jetzt für dich die Funktion die du dir von ihr gewünscht hättest?

J: Ich würde ja sagen.

A: Meinst du es ist bei deinen Mitbewohnern auch so?

J: Ich denke ja.

2.2. Wohnung und Wohnraum

A: Ok. Nochmal zurück zu eurer Wohnung. Wie groß genau ist die Wohnung jetzt nochmal?

J: Ja. Wir haben drei Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche, eine Speisekammer, ein Bad mit Badewanne und Dusche und einen Flur. (...) Achja! Und einen Keller! Genau.

A: Und habt ihr besondere Ausstattung in der Wohnung?

J: Würd’ ich jetzt nicht sagen. Ich weiß jetzt nicht ob man einen Aufzug als besondere Ausstattung bezeichnen kann.

A: Ach doch. Ich würde das jetzt so im Rahmen des Gesprächs hier und der Frage hier schon so sehen. Doch, ja.

J: Ja, gut, dann haben wir das schon. Haben auch eine Spül- ähm (stottert) Spülmaschine. (...) fürs Geschirr und eine Waschmaschine halt für Wäsche. Aber das nehm’ ich ehrlichgesagt persönlich schon als Standard wahr. Also nichts Besonderes.

A: Und ganz allgemein: Gefällt dir die Wohnung?

J: Ist eine schöne Wohnung! Wenn sie mir jetzt aber halt gehören würde, würd’ ich schon n paar Sachen verändern. Beispielsweise den Boden (zeigt auf den Fußboden), aber /

A: Moment. Mit „gehören würde“ meinst du damit jetzt, wenn du alleiniger Mieter wärst oder meinst du jetzt so ganz ohne Mieten, wenn du der Besitzer wärst? Also so dein Eigentum /

J: Ähm. Doch! Also Wenn ich jetzt alleine hier drin wohnen würde, oder halt mit Leuten, wie meiner Freundin oder so und wenn man dann auch eine gewisse Unterstützung vom Vermieter hätte, dann würd’ ich da schon was ändern an der Einrichtung oder sogar eben am Boden. Aber so jetzt in der Situation hier steckt keiner von uns großen Input rein oder halt Arbeit und Geld und ja deshalb würd’ ich jetzt so an der Wohnung wie sie grade ist nichts verändern.

A: Ja, gut dann würd’ ich jetzt an der Stelle einfach gern mal ein paar Zwischenfragen zu deiner Freundin stellen, wenn es ok für dich ist?

J: Ja, klar.

private Lebenssituation: Partnerschaft & Beziehung

A: Wohnt deine Freundin denn auch in einer WG, oder wie läuft das?

J: Ne, ne. Macht die nicht. Wir sind jetzt seit über drei Jahren schon zusammen. Aber zusammen wohnen eine erstmal nicht. Also weil meine Freundin wohnt halt noch bei ihren Eltern hier in Bamberg. Ja (...) Und bisher hat das Zusammenziehen einfach noch nicht so richtig gepasst. Wir haben sogar echt beide schon überlegt, aber sie macht jetzt halt nächstes Semester ihre Bachelor und dann geht die sicher auch aus Bamberg weg und daher hätte sich dann so n extra Umzug eigentlich nicht mehr richtig gelohnt. Also zu dem Zeitpunkt als wir da erstmals drüber geredet haben da war es, also da wär’ es eh nur noch knapp für ein Jahr dann gewesen bis sie wegzieht voraussichtlich. Ja daher wär’ es einfach zu viel Aufwand aus unserer Sicht. Also zusammenfassend jetzt so kann man sagen es war halt definitiv eine Überlegung aber dann halt auch eine bewusste Entscheidung dagegen. Also dagegen, dass wir jetzt für ein paar Monate hier noch zusammenziehen.

[...]

Details

Seiten
38
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668745933
ISBN (Buch)
9783668745940
Dateigröße
1018 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v431672
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Qualitativ qualitatives Interview MAXQUDA Leitfaden Interview Transkript Transkription Ökonomie

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Titel: Durchführung und Auswertung eines qualitativen Interviews. Praxis und Theorie