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Fragebogentechnik, deskriptive und interferenzstatistische SPSS-Analyse

von Miriam Walchshäusl (Autor)

Einsendeaufgabe 2018 42 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

3 Abbildungsverzeichnis

4 Anlagenverzeichnis

5 Fragebogentechnik, deskriptive und interferenzstatistische SPSS-Analyse (Aufgabe B)
5.1 Operationalisierung des Konstrukts Kundenbindung bei Zeitungen und Konzeption eines Fragebogens (B1)
5.2 Fragekategorien und Skaleneffekte im quantitativen Forschungsdesign (B2)
5.3 Deskriptive und inferenzstatistische SPSS-Analyse (B3)
5.3.1 Alter und Geschlecht
5.3.2 Betriebsgröße
5.3.3 Branchenzugehörigkeit
5.3.4 Betriebliche gesundheitsfördernde Maßnahmen
5.3.5 Engagement im betrieblichen Gesundheitsschutz

6 Anlagen

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Altersverteilung aller Befragten

Abbildung 2: Häufigkeitsverteilung Geschlecht

Abbildung 3: Geschlechterverteilung Kreisdiagramm

Abbildung 4: Häufigkeitsverteilung nach Betriebsgröße

Abbildung 5: Betriebsgrößenverteilung Kreisdiagramm

Abbildung 6: Branchengruppenzugehörigkeit grob Kreisdiagramm

Abbildung 7: Branchengruppenverteilung spezifisch - Kreisdiagramm

Abbildung 8: Häufigkeitsverteilung innerbetrieblicher Aktivitäten zur Gesundheitsförderung

Abbildung 9: Häufigkeitsverteilung Gesundheitszirkel und anderer Gesprächskreise

Abbildung 10: Häufigkeitsverteilung Sportzuschüsse

Abbildung 11: Häufigkeitsverteilung Suchtprävention

Abbildung 12: Häufigkeitsverteilung Gesundheitscheck

Abbildung 13: Bereinigte Variablen A701AClean bis A701DClean und daraus erzeugte Mittelwertvariable MWA701AbisD für den jeweiligen Proband (id)

Abbildung 14: Bereinigter Mittelwert Engagement Gesundheitsschutz

Abbildung 15: Mittelwert der Mitarbeiterbereitschaft zum betrieblichen Gesundheitsschutz abhängig von der Betriebsgröße ({1, Trifft voll und ganz zu}, {2, Trifft eher zu}, {3, Trifft eher nicht zu} und {4, Trifft überhaupt nicht zu})

Abbildung 16: Signifikanz der Varianzanalyse zur Bereitschaft der Mitarbeiter zum betrieblichen Gesundheitsschutz abhängig von der Betriebsgröße

4 Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Fragebogen Kundenbindung der "Chefkoch-heute"

Anlage 2: Kreuztabelle 2 Branchengruppen x Gesundheitsförderung: Angebot eines Gesundheitschecks

Fragebogentechnik, deskriptive und interferenzstatistische SPSS-Analyse (Aufgabe B) Die Gruner + Jahr GmbH & Co.KG zählt zu den größten Verlagen Europas. Eu- ropaweit hält G+J mehr als 500 Zeitschriftentitel.1 Nachdem kürzlich das mo- derne Food-Magazin „DELI“ des Verlages aufgrund hohen Wettbewerbsdrucks und daraus resultierend zu geringer Umsatzzahlen eingestellt wurde,2 soll nun die Kundenbindung der Bestandskunden der unternehmenseigenen, fiktiven „Chefkoch-heute“ untersucht werden, einer wöchentlich erscheinenden Zeitung, die zusätzlich zu regulären Inhalten den Fokus auf Ernährung und Kochen legt.

Das Unternehmen hat sich dabei für ein quantitatives Forschungsdesign, einen an die Zielgruppe gerichteten Fragebogen, entschieden. Im Folgenden soll hierzu eine Operationalisierung des Konstrukts „Kundenbindung bei Zeitungen“ und die Konzeptionierung des entsprechenden Fragebogens durchgeführt werden. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Fragebogenerstellung und des dahinführenden Prozesses, daher werden die abschließenden Forschungsschritte wie Auswer- tung des Fragebogens, Datenanalyse, Ergebnisinterpretation und -darstellung le- diglich knapp genannt.

Grundlage jeglicher wissenschaftlichen Arbeit ist stets die Problemstellung.3 Im vorliegenden Fall handelt es sich dabei um die Überprüfung der Kundenbindung an die „Chefkoch-heute“ zur anschließenden Ableitung von Handlungsempfeh- lungen. Diese kann in drei verschiedene Perspektiven präzisiert werden: die be- triebliche Perspektive berücksichtigt Ziele, Annahmen und Ergebniserwartung des Auftraggebers, z.B. die Befürchtung, dass die Kundenbindung nicht sonder- lich hoch ist, da es viele Konkurrenzmedien und -angebote im Tages-und Wo- chenzeitungs-Bereich gibt. Die sozioökonomische Perspektive verdeutlicht die Aktualität des Problems. Durch Quellenarbeit zeigt sich, dass im gesamten Print- medienbereich ein starker Rückgang der produzierten Auflagen zu verzeichnen ist,4 die Leser weniger bereit sind hohe Ausgaben für Zeitungen zu bezahlen,5 jedoch gleichzeitig kostenpflichtigen Digitalangeboten zusehends aufgeschlos- sener werden.6 Zusätzlich soll ein Austausch auf wissenschaftlicher Ebene erfol- gen, der zur Strukturierung des Untersuchungsfeldes beiträgt und bereits vorlie- gende Ergebnisse mitaufgreift. Anschließend wird die Zielsetzung des For- schungsvorhabens konkretisiert.7 Es kristallisieren sich folgende Leitfragen her- aus:

Welche Einflussfaktoren bestimmen die Kundenbindung bei der „Chefkoch- heute“? (= wissenschaftliches Ziel), und weiter: Wie gut ist die Position von G+J in Bezug auf Zeitungen im Konkurrenzvergleich? Welche Handlungsempfehlun- gen lassen sich durch Kundenbefragung und Konkurrenzvergleich ableiten? (= praxisbezogenes Ziele)

Anschließend werden mithilfe geeigneter (Fach-)Literatur theoretische Methoden und Ansatzpunkte zur Präzisierung des Forschungsvorhabens identifiziert, z.B. hier das Messmodell von Rogall.8 In der Ableitung geeigneter Hypothesen kommt dieses dann zur Anwendung. Hypothesen sind Relationen zwischen sozialen Merkmalen,9 die mithilfe der wissenschaftlichen Untersuchung bestätigt oder ab- gelehnt werden sollen. Die H0-Hypothese im vorliegenden Fall lautet: Es gibt kei- nen Zusammenhang zwischen der Ausprägungsstärke der Dimensionen Habitu- elle Mediennutzung, Variety Seeking, Kundenzufriedenheit, Soziale/Ökonomi- sche Wechselhemmnisse, sowie Produktfunktionen und -eigenschaften und der Kundenbindung bei der „Chefkoch-heute“.

Im Gegensatz dazu wird die H1-Hypothese folgendermaßen formuliert: Je stärker die Dimensionen Habituelle Mediennutzung, Variety Seeking, Kundenzufrieden- heit, Soziale/Ökonomische Wechselhemmnisse, sowie Produktfunktionen und - eigenschaften ausgeprägt sind, umso höher ist die Kundenbindung bei der „Chef- koch-heute“.

Steht die Hypothese, erfolgt die Konzipierung des Forschungsplans. Zunächst wird eine Stichprobenauswahl durchgeführt. Da eine Vollerhebung der „Chef- koch-heute“-Abonnenten zu zeit- und kostenaufwändig wäre,10 11 entscheidet sich das Management für eine einfache Zufallsauswahl der Stichprobe. Hierbei wird eine vollkommen zufällige Auswahl von Lesern aus der Gesamtkunden- schaft gezogen, ohne dabei weitere Merkmale zu berücksichtigen. Da bei der Zufallswahl jeder Käufer die Chance hat gezogen zu werden, ist diese Methode als repräsentativ zu betrachten.12 Die „Chefkoch-heute“ besitzt eine wöchentliche Auflage von 20.000 Exemplaren, davon sollen nun 10% (= 200 Personen) im Rahmen der Untersuchung befragt werden. Die Größenwahl der Stichprobe ist dabei abhängig von der Grundgesamtheit der Zielgruppe. Das Bestreben ist es, eine repräsentative Teilmenge abzubilden und nicht von festgelegten Fehlertole- ranzgrenzen abzuweichen.13

In Bezug auf das Forschungsdesign, hat sich das Management von G+J sehr schnell für eine quantitative Querschnittsuntersuchung in Form eines schriftlichen Fragebogens entschieden. Das Management entschied sich gegen eine Online- Version, da der Fragebogen einfach der nächsten Ausgabe der Zeitung beigelegt werden kann, somit keine zusätzlichen Versandkosten entstehen und damit auch ältere, nicht an das Internet angebundene, Leser befragt werden können. Im Hin- blick auf die gebildeten Hypothesen werden die Variablen, also die Merkmale, die verschiedentliche Ausprägungsstärken annehmen können eingeordnet.14 Die Variable „Dimensionen: Habituelle Mediennutzung, Variety Seeking, Kundenzu- friedenheit, Soziale/Ökonomische Wechselhemmnisse, Produktfunktionen und - eigenschaften“ ist eine abhängige Variable, die beeinflusst und gestaltet werden kann. Hingegen ist die Variable „Kundenbindung“ unabhängig und kann nicht ge- lenkt werden.

Empirische Merkmalsdifferenzen werden in numerischen Unterschieden darge- stellt, deshalb muss anschließend das Skalenniveau der Untersuchung festge- legt werden. Das Messniveau bestimmt dann, wie die Zahlenunterschiede der relevanten Variablen interpretiert werden sollen. Die einfachste Form ist dabei die Nominalskala.15 Hier werden ungeordnete Gegenständen und Eigenschaften durch Zahlen oder Symbole benannt. Sie kommt vor allem bei Aussagen zu Ge- schlecht, Haut- und Augenfarbe zum Einsatz. Rangskalen hingegen ordnen die einzelnen Variablenausprägungen nach einer Rangordnung ein. Als Beispiele hierfür sind Schulnoten und Sportplatzierungen zu nennen. Die Intervallskala ist eine Sonderausprägung der Rangskala. Die Abstände zwischen ihren Skalen- werten sind stets konstant, was zu einer Standardisierung der Messwertanord- nung führt. Vor allem im Bereich der IQ-Messung, aber auch bei der physikali- schen Temperaturskala wird die Intervallskala verwendet. Außerdem gibt es die Verhältnisskala, die zusätzlich zur standardisierten Maßeinheit einen fixierten Nullpunkt besitzt. Dies ermöglicht die Verhältnisnahme von Zahlenwerten, bei frei wählbarer Einheit (wie z.B. Sekunden, Minuten, …) und damit Aussagen in Be- zug auf Gewicht, Zeit, u.ä. wie z.B.: „doppelt so lange“ (Dauer).16

Das Forscherteam von G+J entscheidet sich für die Rangskala mit verbalisierten Ausprägungen im Sinne von „stimme voll und ganz zu“ als oberstes Niveau, bis „stimme überhaupt nicht zu“ als niedrigstes Niveau. Da die Ausprägungsgrenzen fluider werden, je mehr Kategorien die Skala aufweist, entscheidet sich das For- scherteam für sechs Skalierungsstufen. Bewusst wählen sie dabei eine gerade Anzahl, damit keine neutrale Mittelkategorie entsteht.17 Da das Unternehmen da- ran interessiert ist, eine möglichst eindeutige Tendenz zu identifizieren, ist eine dominante - da häufig gewählte - aussageschwache Mittelkategorie im vorlie- genden Fall nicht wünschenswert.

Eng verknüpft mit der Bestimmung des Skalenniveaus ist die Operationalisierung und Indikatorenbildung der verwendeten Hypothesenbegriffe. Nur durch diesen Vorgang werden Phänomene greif- und messbar.18 Der aufwändige Operationa- lisierungsvorgang wird in dieser Arbeit durch die Verwendung der Konstruktope- rationalisierung „Kundenbindung bei Tageszeitungen“ von Rogall19 übersprun- gen.

Die Dimension Habituelle Mediennutzung erforscht wie stark sich die Abonnen- ten an den Aufbau und den thematischen Inhalt von „Chefkoch-heute“ gewöhnt haben. Es wird abgefragt, in welchem Maß die Zeitung genutzt wird. Da anzu- nehmen ist, dass die Bindung an „Chefkoch-heute“ umso größer ist, je stärker ihr Gewohnheitsfaktor ist, ist es wünschenswert, dass das Lesen der Zeitung zu ei- nem festen Tagesbestandteil und somit geschätztem Ritual wird. In der Dimen- sion Variety Seeking wird untersucht, inwiefern sich die Leser inhaltliche oder formale Veränderungen der „Chefkoch-heute“ wünschen. Auch der Konsum von Konkurrenzzeitungen wird erfragt. Dies hat den Hintergrund, dass Leser die gerne immer wieder neue Formen und Inhalte konsumieren möchten, tendenziell schneller zu Konkurrenzprodukten wechseln. Die Dimension Kundenzufrieden- heit betrachtet den Zufriedenheitsgrad der Kunden mit Zeitungsteilen bzw. der gesamten „Chefkoch-heute“. Denn wenn die Leser sehr zufrieden mit Ihrem Me- dium sind, werden sie nur geringe Wechseltendenzen zu anderen Produkten zei- gen. In der Dimension Soziale Wechselhemmnisse geht es um die soziale Um- gebung der Leser. Tradierte Nutzungsmuster und sozialer Druck im Bekannten- kreis sind wichtige Einflussfaktoren der Kundenbindung. Ebenso wird erfragt in- wieweit die „Chefkoch-heute“ den Lesern als lokale Gesellschaftsbrücke dient. Die Dimension Ökonomische Wechselhemmnisse erforscht, inwiefern der Wech- sel zu einem Konkurrenzprodukt ökonomisch nachteilig für den Leser ist, da an- genommen werden kann, dass ökonomische Vorteile ein maßgeblicher Entschei- dungsfaktor bei der Wahl einer Zeitung sind. In der letzten Dimension Produkt- funktionen und -eigenschaften sollen die Leser wichtige Funktionen und Eigen- schaften der Zeitung bewerten. Das Forscherteam möchte herausfinden, wo die Leser Stärken und Schwächen der „Chefkoch-heute“ sehen und welche Charak- teristika sie besonders schätzen. Außerdem wird eruiert, ob die Zeitung vorrangig Entspannungs-, Orientierungs- oder Informationsfaktor für die Leser besitzt.20

Nach der Indikatorenbildung, die im vorliegenden Fall bereits von Rogall21 durch- geführt wurde, schließt sich die Entwicklung geeigneter Items für den Fragebo- gen an. Dieser beinhaltet neben den Fragen, den Titel und ein Anschreiben an den Leser mit der Zielsetzung der Befragung, einer Ausfüllanleitung, Hinweisen für Rückfragen oder Anreize, einer Vertraulichkeitsklausel, sowie einer Danksa- gung.22

Die Fragensukzession, also die Reihenfolge in der die Fragen an den Probanden gestellt werden ist von hoher Bedeutung.23 Um den Leser zu motivieren und nicht zu überfordern, beginnt der Fragebogen „Chefkoch-heute“ mit Eisbrecherfragen, bzw. persönlichen Fragen zur Person des Lesers.24 Anschließend folgen leichte Einstiegsfragen zum Thema persönliche Nutzung der Zeitung, die den Leser in die Thematik einführen, jedoch nicht sofort abschrecken. Die Fragen werden blockweise nach den thematischen Dimensionen gruppiert und ergeben in Ihrer Abfolge eine logisch nachvollziehbare Ordnung. Erst zum Ende der Befragung werden schwierige Abstrahierungsfragen gestellt,25 z.B. wenn die Leser die „Chefkoch-heute“ anhand ihrer Funktionen und Eigenschaften beurteilen sollen.

Für den Fragebogen werden hauptsächliche geschlossene Fragen verwendet, da sie sich rascher bearbeiten und auswerten lassen als halboffene oder offene Fragen. Die Frageformulierungen erfolgen sehr sorgfältig und unter Vermeidung von Fachbegriffen, sodass sie einfach verständlich und nachvollziehbar sind. Thematische Überschneidungen werden vermieden.26 Vertiefende Ausführun- gen zu Fragekategorien und -gestaltung finden sich in dieser Arbeit im Kapitel 6.2.

Beim Layout des Fragebogens für „Chefkoch-heute“ wird darauf geachtet, dass es optisch ansprechend, übersichtlich und einheitlich für den Probanden ist. Ein interessant gestaltetes Deckblatt und die freundliche, abwechslungsreiche äu- ßere Form des Fragebogens vermitteln den Lesern Spaß am Ausfüllen.27 Beson- ders wichtig ist die Übersichtlichkeit der Darstellung. Wenn beispielsweise auf den ersten Blick wahrzunehmen ist, ob es sich um eine Frage, einen Ausfüllhin- weis oder eine Antwortkategorie handelt, trägt diese Übersichtlichkeit zu einer leichteren Bearbeitung für die Leser bei, wirkt damit kostenreduzierend und sorgt für eine höhere Datenqualität. So wird z.B. darauf geachtet bei Fragen mit Ein- fachnennungen □ zu verwenden und ○ bei Fragen mit Mehrfachnennungen (siehe Frage 16; Anhang 1). Hierdurch wird optisch die Ausfüllanleitung unter- stützt und die Bearbeitung für den Leser verdeutlicht.28 Als klar lesbare Schrift wurde „Calibri“ mit Schriftgröße 12pp gewählt.

Bevor der Fragebogen an die Probanden ausgegeben wird, wird zunächst ein klassischer Pretest durchgeführt. 20 Testpersonen werden ausgewählt um den Fragebogen in drei Testläufen probehalber auszufüllen und zu kommentieren. So werden unklare Fragestellungen identifiziert und können nachgebessert werden, und die Funktionsfähigkeit des gesamten Forschungsaufbaus überprüft.29 Die Forscher erkennen nach der Bearbeitung durch die Testpersonen ob die Fragen verständlich formuliert sind, es Unklarheiten gibt, wie interessiert die Probanden während des Tests bzw. im Verlauf sind, ob die Fragereihenfolge sinnig ist, wie sich Häufigkeiten verteilen und wie lange die Befragung insgesamt dauert.30

Nach der finalen Nachbearbeitung wird der Fragebogen gemeinsam mit dem Anschreiben, der Ausfüllanleitung, sowie einem freigemachten Rückkuvert31 der nächsten samstäglichen „Chefkoch-heute“ beigelegt.

Nach einer Rücklaufzeit von 10 Wochen wertet das Forscherteam von G+J die eingegangenen Fragebögen mithilfe statistischer Verfahren aus und interpretiert die Ergebnisse in Bezug auf die zugrundeliegende Fragestellung: Welche Ein- flussfaktoren wirken sich auf die Kundenbindung der Leser der „Chefkoch-heute“ aus? Im Anschluss können praktische Handlungsempfehlungen abgeleitet wer- den, z.B. eine Modernisierung des Layouts oder Hinzunahme neuer Themen- sparten, die sich aus den Umfrageergebnissen identifizieren lassen. Die erzielten Ergebnisse, wie auch die Handlungsempfehlungen werden kritisch diskutiert und übersichtlich dargestellt dem Management von G+J präsentiert.

Das Unternehmen LG steht für fortschrittliche Technologie und ästhetisches Design im Bereich elektronischer Haushaltsgeräte. Für eine neue Generation von Flachbildfernsehern mit 3D-Technologie möchte die Firma mithilfe eines Fragebogens die Bereitschaft von Haushalten zum Erwerb evaluieren.

Je nachdem wie die Antworten eines Fragebogens angegeben sind, unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Fragen:

Offene Fragen geben keine Antwortkategorien vor. Der Proband kann seine Ant- wort völlig frei formulieren. Sie sind vor allem für Fragestellungen geeignet, für die noch keine umfassenden Antwortkenntnisse des Forschers vorhanden sind, da hier keine Vorab-Inhaltsanalyse der Antwortmöglichkeiten vonnöten ist. Vor- teilig ist auch, dass der Proband sich in dem Maße und Umfang zur Fragestellung äußern kann, wie er es für angemessen hält. Dabei werden beim Befragten Arti- kulationsfähigkeit, Wissen und Motivation vorausgesetzt. Da diese Merkmale schichtabhängig variieren können, besteht die Gefahr einer Unterbewertung niedriger sozialer Schichten. Auch der Einfluss des Interviewers kann sich stark manifestieren. Beispielhaft werden hier drei offene Fragen für den Fragebogen der Firma LG dargestellt:

1. Welche berufliche Tätigkeit üben Sie aus? Bitte beschreiben Sie diese.
2. Welche Sendungen sehen Sie sich gerne auf Ihrem Fernseher an? (Mehrfachnennungen möglich)
3. Was ist Ihre Meinung zum Thema 3D-Fernsehen?

Im Gegensatz zu offenen Fragen sind bei geschlossenen Fragen feste Antwortkategorien vorgegeben. Die Fragen lassen sich durch die Probanden rascher bearbeiten und sind gut vergleichbar, sowie schneller ausgewertet durch den Forscher. Bei der Fragebogenkonzipierung muss dabei bereits im Vorfeld eine gedankliche Analyse des potenziellen Antwortspektrums durchgeführt werden um sinnvolle Antwortkategorien angeben zu können. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kategorien vollständig und überschneidungsfrei aufgelistet werden und sich auf den Bezugsrahmen der Probanden beziehen.32

1. Welche Inhalte möchten Sie gerne in 3D auf Ihrem Fernsehgerät konsumieren?

- Videospiele
- Fernsehfilme
- Nachrichtensendungen
- Dokumentationen
- Serien

Abgestufte Aussagen sind mit besonderer Sorgfalt vorzubereiten. Der Proband ordnet seine Beurteilung dabei auf einem vorgegebenen Antwortspektrum an.

2. Wie stark interessieren Sie sich für neue Fernsehtechnologien?

- Sehr stark
- Stark
- Mittel
- Wenig
- Gar nicht

3. Wie wichtig ist Ihnen ein möglichst realistisches Fernseherlebnis?

- Sehr wichtig
- Wichtig
- Mittel
- Unwichtig
- Sehr unwichtig

Eine in der Praxis häufig auftretende Frageform ist die halboffene Frage. Diese besteht aus der Kombination einer an sich geschlossenen Frage und einer zu- sätzlichen Sonderkategorie, bei der der Proband frei formulierte Antworten geben kann. Wenn beispielsweise sehr differenziertes Wissen zu bestimmten Bereichen vorhanden ist, sind allein die vorgegebenen Antwortkategorien nicht suffizient für eine gewissenhafte Bearbeitung. Ebenso kommen Halboffene Fragen zum Ein- satz wenn aus Platzgründen nicht alle möglichen Antwortkategorien aufgelistet werden können.33 Für den Fragebogen der Firma LG werden folgende Hybridfra- gen34 konzipiert:

1. Sind Sie bereit, in ein Fernsehgerät mit 3D-Technologie mehr Geld zu investieren, als in reguläre HD-Geräte?

- Nein
- Ja, - wieviel: ….. €

2. Wo haben Sie bereits Erfahrungen mit 3D-Technologie in der Unterhaltungsbranche ge- macht?

- 3D-Fernsehen
- 3D-Kinofilm
- Andere Erfahrungen, und zwar
- Keine Erfahrungen bisher

3. Was ist Ihnen in Bezug auf Ihr Fernseherlebnis besonders wichtig?

- Hohe Bildqualität
- Perfekter Ton
- Möglichst reales Erleben
- Geringe Kosten
- Sonstiges, und zwar …

Damit sichergestellt ist, dass die verbalisierten Fragen und Antworten in einem Fragebogen weitestgehend einheitlich aufgefasst werden, ist es wichtig, grund- legende Formulierungs- und Fragebogenkonstruktionsgrundsätze zu beachten:35 36 37 38 Grundsätzlich sollten Fragen in dem Maße leicht verständlich, kurz und konkret formuliert werden, wie es mit dem Sachzweck der Fragestellung vereinbar ist. Lange Fragen oder komplizierte Satzstellungen sorgen häufig für Verwirrung. Auch unklare Begrifflichkeiten oder doppelte Verneinungen tragen nicht zu einer unmittelbaren Verständlichkeit des Fragebogens bei.39

Zur Schaffung eines einheitlichen Bezugsrahmens für die Teilnehmer, müssen die verbalisierten Fragen und Antworten eindeutig formuliert und der geforderte Genauigkeitsgrad spezifiziert werden. Dafür soll nur immer eine Frage zur glei- chen Zeit gestellt werden. Die folgende Frage: „Haben Sie in den letzten sieben Tagen allein oder mit Ihrer Familie oder mit Freunden ein Videospiel auf Ihrem Fernseher gespielt?“ wird dieser Anforderung beispielsweise nicht gerecht. Es sind zwei Fragen (ein Videospiel gespielt; alleine oder mit anderen - mit wem - gespielt), die hier miteinander verknüpft wurden. Zum Thema „Bezugsrahmen- einheitlichkeit“ müsste hier auch der Begriff „Videospiel“ genauer spezifiziert wer- den.40

Wichtig ist außerdem, dass der Proband bei der Befragung nicht überfordert wird. Er soll ausschließlich nach Informationen befragt werden, die er besetzt und nur solche Unterscheidungen treffen, denen er gewachsen ist. Müssen mehrere As- pekte miteinander verglichen werden, so ist es hilfreich Listen zur Unterstützung vorzugeben. Bei der Fragebogenkonstruktion sollte stets die Bemühung im Vor- dergrund stehen, jede nicht unbedingt notwendige intellektuelle, psychologische, sprachliche und technische Anstrengung für den Interviewer und den Befragten zu vermeiden.41

Zusätzlich dürfen Fragen dem Probanden keine spezifische Antwortrichtung na- helegen. Damit eine suggestive Wirkung unterbunden wird, müssen Fragen so neutral wie möglich formuliert werden. So soll im Wortlaut beispielsweise nicht nur eine Antwortalternative genannt werden. Durch eine ausgeglichene Fragestellung wird die Abbildung persönlicher Meinungen des Forschers und gesellschaftlicher Voreingenommenheit verhindert.42 43

Neben der Einhaltung von Faustregeln bei der Erstellung des Fragebogens, ist es wichtig, dass der Forscher sich bei der Auswertung der Ergebnisse des Phä- nomens der Skaleneffekte bewusst ist. Dieser beschreibt die Erscheinung, dass bei gleicher Frage, jedoch unterschiedlicher Antwortskala, verschiedene Resul- tate erzielt werden.44 Beispielhaft wird dies an der folgenden Frage für LG veran- schaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Befragung würde sich nun links ergeben, dass 20% der Probanden mehr als 900€ ausgeben würden, rechts wäre jedoch das Ergebnis, dass knapp 40% mehr als 900€ ausgeben würden. Diese Differenz ergibt sich aus dem Effekt, dass Probanden sich an den eingebetteten Informationen des Skalen-Wertebe- reichs orientieren und ihn als eigenen Bezugsrahmen adaptieren. Die Skala wird zur Interpretationshilfe und beeinflusst dadurch das Abstimmverhalten.45

Im Zeitraum Mai bis August 2011 führte Infratest eine telefonische Befragung im Rahmen der Dachevaluation der GDA durch.46 An der Betriebs- und Beschäftig- tenbefragung nahmen 5496 Personen (= N) im Alter von 14 bis 79 Jahren teil.

Die Befragung erfolgte mittels eines standardisierten Fragebogens (CATI). Dabei wurden Daten zu betrieblichen Arbeitsschutzmaßnahmen und dem Bild der Ar- beitsschutz-Aufsichtsdienste aus betrieblicher Perspektive erhoben. Auch die Einstellungen und das Beschäftigtenverhalten bezüglich Gesundheitsschutz und der eigenen Gesundheitskompetenz wurde evaluiert.

[...]


1 Vgl. https://www.guj.de/unternehmen/ (abgerufen am 25.05.2018)

2 Vgl. http://meedia.de/2018/04/24/aus-fuer-foodzeitschrift-deli-gruner-jahr-nimmt-weiteres-ma- gazin-vom-markt-auch-cord-wackelt/ (abgerufen am 25.05.2018)

3 Vgl. Bortz, J./Döring, N.: 2006, S. 36ff.

4 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37063/umfrage/hoehe-der-auflagen-von- publikumszeitschriften-seit-1996/. (abgerufen am 27.05.2018)

5 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/273262/umfrage/verbraucherverhalten--hohe- ausgabebereitschaft-fuer-zeitungen-zeitschriften/. (abgerufen am 27.05.2018)

6 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/247365/umfrage/nutzung-kostenpflichtiger- printmedien-angebote-ueber-das-internet/. (abgerufen am 27.05.2018)

7 Vgl. Reinhardt R.: 2015, S. 53.

8 Vgl. Rogall, D.: 2000.

9 Vgl. Diekmann, A.: 2001, S. 107 - 122.

10 Vgl. Kromrey, H.: 2006, S. 279ff.

11 Vgl. Atteslander, P.: 2008, S. 248ff.

12 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 69.

13 Vgl. Petersen, T.: 2014, S. 18ff.

14 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 72.

15 Vgl. http://wlm.userweb.mwn.de/Ilmes/ilm_m2.htm (abgerufen am 27.05.2018)

16 Vgl. Kallus, K.W.: 2010, S. 68f.

17 Vgl. Klammer, B.: 2005, S. 81ff.

18 Vgl. Kromrey, H.: 2006, S. 175ff.

19 Vgl. Rogall, D.: 2000.

20 Vgl. Walchshäusl, M.: 2017, S. 6.

21 Vgl. Rogall, D.: 2000.

22 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 22.

23 Vgl. Porst, R.: 2014, S. 133ff.

24 Vgl. Micheel, H.-G.: 2010, S. 87.

25 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 22.

26 Vgl. Mayer, H.O.: 2013, S. 91f.

27 Vgl. Klöckner, J./Friedrichs, J.: 2014, S. 680.

28 Vgl. Porst, R.: 2014, S. 55.

29 Vgl. Moosbrugger, H./Kelava, A.: 2008, S. 70.

30 Vgl. Kirchhoff, S. et al.: 2010, S. 17f.

31 Vgl. Mayer, H.O.: 2013, S. 101.

32 Vgl. Porst, R.: 2014, S. 54f.

33 Vgl. Kromrey, H. et al.: 2016, S. 354.

34 Vgl. Schnell, R. et al.: 1999, S. 311.

35 Vgl. von Alemann, H.: 1977, S. 209f.

36 Vgl. Faulbaum, F. et al.: 2009.

37 Vgl. Noelle-Neumann; E./ Petersen, T.: S. 95ff.

38 Vgl. Kreutz, H./Titscher, S.: 1974, S. 53ff.

39 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 18.

40 Vgl. Kromrey, H. et al.: 2016, S. 349f.

41 Vgl. Noelle-Neumann; E./ Petersen, T.: 2000, S. 63.

42 Vgl. Atteslander, P.: 2008, S. 101.

43 Vgl. Bortz, J./Döring, N.: 2006, S. 252ff.

44 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 20f.

45 Vgl. Reinhardt, R.: 2015, S. 21.

46 Vgl. Sommer, S./Schmitt, B.: 2012.

Details

Seiten
42
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668759244
ISBN (Buch)
9783668759251
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v432178
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1.3
Schlagworte
SPSS Interferenzstatistik Wissenschaftliches Arbeiten Quantitative Erhebung Fragebogen Fragebogentechnik deskriptive Analyse Quantitatives Untersuchungsdesign

Autor

  • Miriam Walchshäusl (Autor)

    18 Titel veröffentlicht

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Titel: Fragebogentechnik, deskriptive und interferenzstatistische SPSS-Analyse