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Die Frau des Marc Aurel. Faustina die Jüngere

Essay 2004 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Die Frau des Marc Aurel: Faustina die Jüngere

Annia Galeria Faustina die Jüngere, um 129/30 geboren, war die Ehefrau des sogenannten Philosophenkaisers Marc Aurel. In der Öffentlichkeit hatte Faustina Minor ein zweigespaltenes Ansehen. Einerseits galt sie als vorbildliche Kaisergattin, da sie über eine außergewöhnliche Fruchtbarkeit verfügte. Andererseits werfen ihr besonders die Autoren der Historia Augusta mehrmals Untreue und Unehrlichkeit gegenüber Marc Aurel vor.

In der folgenden Arbeit soll das Leben der Faustina dargestellt werden. Mithilfe der Historia Augusta, von Cassius Dio und den Selbstbetrachtungen sollen die Vorwürfe gegenüber Faustina aufgezeigt und überprüft werden. Hierbei wird auch die Glaubwürdigkeit der Historia Augusta in diesem Punkt in Frage gestellt. Des weiteren soll die Haltung des Marc Aurel bezüglich dieser Beschuldigungen erforscht werden. Inwiefern ist er auf diese Vorwürfe eingegangen und wie ließen sie sich mit der Philosophie vereinbaren?

Das Leben der Faustina lässt sich relativ gut rekonstruieren, da sie in vielen Quellen erwähnt wird. In dieser Arbeit werden jedoch nur die wichtigsten Quellen herangezogen, da sonst der Umfang der Arbeit überschritten würde. Auch in der Sekundärliteratur lässt sich relativ viel über Faustina finden. Da viele Münzen und Bildnisse von Faustina erhalten sind, ist besonders dieser Punkt ausführlich erforscht.

Annia Galeria Faustina die Jüngere war die einzige leibliche überlebende Tochter von Annia Galeria Faustina der Älteren und des Kaisers Antoninus Pius, der von Hadrian adoptiert worden war.[1] In der Historia Augusta heißt es, auf Hadrians Wunsch sei Faustina mit ihrem Adoptivbruder Lucius Verus verlobt worden:

„Cui condicionem addidit, ut ipse Marcum et Verum Antoninus adoptaret filiamque suam Vero, non Marco daret.”[2]

Sofort nach Hadrians Tod ließ Antoninus Marcus fragen, ob er sich mit der jüngeren Faustina verloben wolle. Die Verbindung Faustinas zu Verus wurde gelöst. Tatsächlich heiratete sie aber erst 145 n. Chr.[3] Die Historia Augusta stellt die Ereignisse dar:

„...socer Annius Verus, uxor Annia Faustina, filii mares duo, duae feminae, gener..., per minorem Marcus Antoninus fuere.”[4]

Die Verlobung Faustinas mit Verus ist nur in der Historia Augusta überliefert.

Elisabeth Wallinger[5] nimmt an, diese Verbindung sei erfunden, um einen Gegensatz zwischen Hadrian und Antoninus Pius zu konstruieren.[6]

Als Faustina etwa 15 Jahre alt war, wurde sie mit Marcus verheiratet.[7] Da Faustina die Adoptivschwester des Marcus war, muss einer von beiden in aller Form aus der patria potestas entlassen worden sein.[8] Die Historia Augusta beschreibt die prächtige Ausstattung der Hochzeit durch Antoninus Pius. Er gab sogar den Soldaten aus diesem Anlass ein Donativ:

„Nuptias filiae suae Faustinae, cum Marco Antonino eam coniungeret, usque ad donativum militum celeberrimas fecit.“[9]

Ein Geldgeschenk an die Truppen diente vorwiegend dazu, sich die Treue und das Wohlwollen des Heeres zu sichern. Dass das Donativ nun anlässlich der Heirat ausgegeben wurde, zeigt, dass Antoninus diese Hochzeit als weiteren Schritt dazu betrachtete, Marcus, den er offensichtlich Verus vorzog, als seinen späteren Nachfolger zu präsentieren.[10]

Eineinhalb Jahre später, am 30. November 147, als Faustina 17 Jahre alt war, kam eine Tochter zur Welt, die Domitia Faustina genannt wurde. Antoninus ließ seine Tochter zur Augusta ernennen und Münzen für sie prägen, obwohl sein Adoptiv- und Schwiegersohn Marcus selbst erst Caesar war.[11] Es ist denkbar, dass Faustina den Titel nicht als Gattin des Thronfolgers, sondern als Tochter des regierenden Kaisers erhalten hat.[12] Marcus erhielt einen Tag nach der Kindsgeburt Sondervollmachten. Der Historia Augusta zufolge, erhielt er die tribunicia potestas und das ius quintae relationis, das Recht als Fünfter einen Antrag im Senat einzubringen:

„Post haec Faustinam duxit uxorem et suscepta filia tribunicia potestate donatus est atque imperio extra urbem proconsulari addito iure quintae relationis.“[13]

Welche Bedeutung Faustina in bezug auf die Thronfolge hatte, erkennt man daraus, dass die Verleihung dieser Sonderrechte in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geburt des ersten Kindes stand.

Zwischen 147 und 170 hat Faustina die Jüngere mindestens 12, vielleicht sogar 14 Kinder geboren. Solche fecunditas war eine einmalige Erscheinung in der Geschichte der römischen Kaiserfamilien.[14] Faustinas Kinder kränkelten jedoch und starben dahin. Die meisten hatten nicht die Widerstandskraft der Mutter geerbt und erlagen frühkindlichen Infektionskrankheiten.[15]

Am 7. März 149 oder 150 kam wieder eine Tochter, Annia Lucilla, zur Welt. Ihr sollte ein längeres und bewegtes Leben beschieden sein.

[...]


[1] Temporini, H. (Hrsg.), Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora, München 2002, S. 226. (Temporini, Kaiserinnen)

[2] SHA Ael.VI, 9: And he imposed on Antoninus the condition that he in turn should adopt Marcus and Verus, and should give his daughter in marriage to Verus, rather than to Marcus.

[3] Birley, A. R., Marc Aurel. Kaiser und Philosoph, München 1968, S. 92f. (Birley, Aurel)

[4] SHA Ant. P. I, 7: His father-in-law was Annius Verus and his wife Annia Faustina, who bore him two sons and two daughters, of whom … was married…the younger to Marcus Antoninus.

[5] Wallinger, E., Die Frauen in der Historia Augusta, Wien 1990, zugl. Diss. Wien 1988. (Wallinger, Frauen)

[6] Wallinger, Frauen, S. 47.

[7] SHA Aur. I, 8.

[8] Birley, Aurel, S. 161.

[9] SHA Ant. P. X, 2: The wedding of his daughter Faustina, whom he espoused to Marcus Antoninus, he made most noteworthy, even to the extent of giving a donative to the soldiers.

[10] Wallinger, Frauen, S. 48.

[11] Kunst, C. (Hrsg.), Grenzen der Macht. Zur Rolle der römischen Kaiserfrauen, Stuttgart 2000, S. 68.

[12] Wallinger, Frauen, S. 50.

[13] SHA Aur. VI,6: At this time he took Faustina to wife and, after begetting a daughter, received the tribunician power and the proconsular power outside the city, with the added right of making five proposals in the senate.

[14] Temporini, Kaiserinnen, S. 234f..

[15] Ebd., S. 236.

Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638410809
ISBN (Buch)
9783668148185
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43236
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Frau Marc Aurel Faustina Jüngere
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Titel: Die Frau des Marc Aurel. Faustina die Jüngere