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'Der Zauberberg' von Thomas Mann - Analyse des Romaneingangs in seiner Beziehung zum Romanganzen

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann
2.1. Zum Inhalt des Romans
2.2. Erster Interpretationsversuch

3. Der Romananfang als Mikrokosmos des Romanganzen
3.1. Zur Funktion des ersten Satzes
3.2 Inhaltliche Aspekte des Romaneingangs
3.3 Formale Aspekte des Romaneingangs
3.4 Interpretation des Romaneingangs
mit Blick auf das Romanganze

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand meiner Untersuchung ist der Roman „Der Zauberberg“, den Thomas Mann, in einem Interview danach gefragt, als seinen besten Roman bezeichnete[1].

Thomas Mann wurde am 6. Juli 1875 als zweiter Sohn des Senators und Großkaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann in der Hansestadt Lübeck geboren. Nachdem er als Redakteur der satirisch-kritischen Zeitschrift „Simplizissimus“ gearbeitet hatte, führte er ein Leben als freier Schriftsteller. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie Ehrendoktorate und Professorentitel sowohl in Deutschland als auch in den USA, vor allem aber erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur und Kunst. Nach der Auswanderung in die USA und später in die Schweiz starb er schließlich am 12. August 1955 in Zürich.

Den „Zauberberg“ veröffentlichte er 1924 nach einer Entstehungszeit von fast zwölf Jahren. Er verkaufte sich unerwartet gut mit 40.000 sofort verkauften Exemplaren in der ersten Auflage und wurde später in über 20 Sprachen übersetzt. Thomas Mann beschrieb den „Zauberberg“ in seinem Aufsatz „Einführung in den Zauberberg“ für die Studenten der Universität Princeton als einen Roman über das „Mysterium der Zeit“[2] und nennt es „ein Dokument der europäischen Seelenverfassung und geistigen Problematik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts[3] “.

Der Zauberberg wurde in einer Zeit veröffentlicht, in der das Volk aufgewühlt war, der Krieg und ein nie für möglich gehaltener Umsturz eines Staatssystems zu verarbeiten waren. In dieser Zeit veränderte sich auch die deutsche Literatur – das Verantwortungsbewusstsein der Schriftsteller gegenüber der Gesellschaft wurde geweckt. Auch machten sich Intellektualisierung und Politisierung auf dem Gebiet der Epik bemerkbar.[4]

Ich möchte versuchen den Romananfang des „Zauberberges“ im Verhältnis zum Romanganzen zu analysieren. Dabei werde ich den Inhalt des Romans kurz wiedergeben und diesen ansatzweise interpretieren. Des Weiteren werde ich mich mit dem ersten Satz beschäftigen und sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte des Romaneinganges betrachten. Schlusspunkt dieser schriftlichen Überlegungen soll dann schließlich die Interpretation des Romaneingangs im Hinblick auf das Romanganze sein.

Zunächst möchte ich mit einer kurzen Inhaltsangabe des Romans „Der Zauberberg“ beginnen.

2. Der Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann

2.1 Zum Inhalt des Romans

„Der Zauberberg“ beginnt im Jahre 1907 und ist die Geschichte von Hans Castorp, einem aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammenden jungen Mann. Er wird als ganz durchschnittlicher, im bürgerlichen Alltag stehender und etwas naiver junger Mann beschrieben – er ist ein simpler Held, ein typischer Durchschnittsdeutscher der Vorkriegszeit. Nach Beendigung seines Ingenieur-Examens besucht er seinen Vetter Joachim Ziemßen in einem vornehmen Schweizer Sanatorium. Für diesen Aufenthalt sind drei Wochen geplant, doch ahnt der Leser bereits, dass es etwas länger dauern wird, als Hans Castorp sich aufgrund einer kleinen Erkältung von Hofrat Behrens, dem ärztlichen Leiter der Anstalt, untersuchen lässt und dabei eine „feuchte Stelle“ an Hans Castorps Lunge festgestellt wird. Er wird in den „Kurbetrieb“ eingegliedert und dabei mehr und mehr von der Faszination des weltentrückten Lebens ergriffen. Er verliert, wie alle Patienten, das Gefühl der Zeit durch den leeren und eintönigen Tagesablauf und verdrängt seine einstigen Zukunftspläne.

Sein Vetter macht ihn im Speisesaal mit dem „Zivilisationsliteraten“ Settembrini bekannt, einem schäbig gekleideten italienischen Humanisten und rationalistischen Aufklärer, der ein Verehrer Voltaires und ein wortgewandter Verfechter der Demokratie ist. Da Hans Castorp sich in seiner neuen, von Verfall, Krankheit und Tod geprägten Umwelt der Verlockung zu geistigen Abenteuern und Erfahrungen ausgesetzt sieht, wird Settembrini schnell zu dessen erstem Lektor. Der Aufenthalt im „Berghof“ wird so für ihn zu Jahren der geistigen Erziehung und des menschlichen Reifens, er durchlebt dort insgesamt „sieben Märchenjahre seiner Verzauberung“[5].

Während seines Aufenthaltes verfällt er der Liebe zu Clawdia Chauchat, einer verführerischen Russin - sie vor allem hält ihn in dem Sanatorium zurück. Ihm gelingt in dem mit „Walpurgisnacht“ überschriebenen Kapitel eine vom Erzähler nur indirekt angedeutete Liebesbegegnung mit ihr. Am nächsten Tag reist sie ab. Auch Hans Castorps Vetter verlässt entgegen den ärztlichen Ratschlägen das Sanatorium und bringt es in kurzer Zeit im „Flachland“ zum Leutnant. Aber nach einem dreiviertel Jahr aber muss er geschwächt in das Sanatorium "Berghof" zurückkehren, wo er bald darauf stirbt.

Nach Clawdias Abreise taucht Leo Naphta auf, ein autoritätsgläubiger Jesuit und Kommunist, der in allen Dingen anderer Meinung ist als Settembrini und so zu dessen Gegenpol wird im Streit um Hans Castorps „Seele“. Dieser gibt in Diskussionen meistens Leo Naphta Recht, sympathisiert jedoch mit Settembrini – er kann sich also mit keinem der beiden Anschauungen richtig identifizieren. Im Schnee-Kapitel, dem Wichtigsten des Buches, hat er einen Traum von der Idee der Mitte, den er aber sofort wieder vergisst.

Indessen kehrt Clawdia Chauchat von ihrem Ausflug ins Flachland zurück, befindet sich aber zu Hans Castorps Schrecken in Begleitung von Mynheer Peeperkorn, einem holländischen Plantagenbesitzer mit theatralischen Gesten und verführerischer persönlicher Ausstrahlung, der alle Sanatoriumsbewohner für den sinnlichen Lebensgenuss begeistert. Durch die imposante Persönlichkeit Peeperkorns beeindruckt schaut Hans Castorp zu ihm auf, während Settembrini und Naphta sämtliche ihrer theoretischen abstrakten Spekulationen und deren Wirkung auf Hans Castorp durch Peeperkorns beeindruckende Person verschwinden sehen. Als Peeperkorn plötzlich schwer erkrankt vergiftet er sich in seinem Zimmer und Clawdia Chauchat verlässt das Sanatorium für immer.

Im „Berghof“ verbreitet sich allmählich eine stumpfsinnige und gereizte Atmosphäre. Zwischen Settembrini und Naphta kommt es zu einem Streitgespräch, das mit einem Pistolenduell endet, in dem sich Naphta selbst in den Kopf schießt.

Sieben Jahre sind nun vergangen, seit Hans Castorp zu einem kurzen Besuch auf den „Berghof“ gekommen ist, als der Donnerschlag des 1. Weltkrieges die Bewohner des Sanatoriums aus ihrer abgeschiedenen Welt reißt. Hans Castorp kehrt ins Flachland zurück und der Roman verliert seinen Helden als anonymen Soldaten im Angriff aus den Augen.

[...]


[1] Pizzinelli, Corrado: Das Bürgertum ist auf die Nazis und den Faschismus reingefallen. Gespräch mit Thomas Mann. In: Frage und Antwort. Interviews mit Thomas Mann 1909-1955. Hg.v. Volkmar Hansen, Gert Heine. 1983, S. 282

[2] Mann, Thomas: Einführung in den Zauberberg. Für Studenten der Universität Princeton. In: Zeit und Werk. Tagebücher, Reden und Schriften zum Zeitgeschehen, 1965, S. 441

[3] ebenda, S. 431

[4] Hofman, Fritz: Der Zauberberg. In: Das erzählerische Werk Thomas Manns. Berlin 1976

[5] Mann, Thomas: Einführung in den Zauberberg. 1965, S. 434

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638410861
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43242
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2
Schlagworte
Zauberberg Thomas Mann Analyse Beziehung Romaneingang Romanganzes Romananfang

Autor

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