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Die Phillips-Kurve in USA, Kanada und UK

Ausgewählte Fragestellungen der Empirischen Wirtschaftsforschung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 20 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung:

2. Theoretische Grundlagen des empirischen Modells:

3. Erhebung des Datensatzes:

4. Das empirische Modell:

5. Ergebnisse der Regressionsanalyse:

6. Schlussfolgerung der empirischen Analyse:

7. Anhang:

8. Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Originäre Phillips-Kurve von Alban William Phillips

Abbildung 2: Graphische Darstellung der Inflations- und Arbeitslosenquote

Abbildung 3: Verkürzte tabellarische Darstellung des Regressionsoutput

Abbildung 4: Inflationsraten und Arbeitslosenquoten der USA, Kanada und UK der OECD

Abbildung 5: Vollständiger Regressionsoutput der USA

Abbildung 6: Vollständiger Regressionsoutput mit robusten Standardfehlern der USA

Abbildung 7: Vollständiger Regressionsoutput von Kanada

Abbildung 8: Vollständiger Regressionsoutput mit robusten Standardfehlern von Kanada

Abbildung 9: Vollständiger Regressionsoutput von UK

Abbildung 10: Vollständiger Regressionsoutput mit robusten Standardfehlern von UK

1. Einleitung:

Zwei wichtige Ziele der Wirtschaftspolitik sind geringe Inflation und niedrige Arbeitslosigkeit. Beide Ziele stehen jedoch oft im Konflikt miteinander. Ein Modell, welchesdiesen Konflikt näher beschreibt ist die Phillips-Kurve.1 Diese Arbeit setzt sich mit der Thematik „Die Phillips-Kurve in USA, Kanada und UK“ auseinander. Das Ziel ist es die Frage zu beantworten, ob in den USA, Kanada und UK ein negativer Zusammenhangzwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote mithilfe des Modells der modernen Phillips-Kurve empirisch nachweisbar ist. Zu Beginn wird die originäre Phillips-Kurve vorgestellt undihre Entwicklung im Laufe der Zeit erläutert. Darauf folgt eine Beschreibung der für das Modell relevanten variablen Arbeitslosigkeit und Inflation. Im Anschluss wird die zuverwendende Regression, die Zeitreihenanalyse näher erläutert. Der nächste Punkt enthält die Durchführung der Regression und die Analyse der erhaltenen Daten. Zum Schluss werden die Erkenntnisse aus der Datenanalyse auf das Modell der modernen Phillips-Kurve bezogen undmit der Eingangsfrage verglichen.

2. Theoretische Grundlagen des empirischen Modells:

Die Phillips-Kurve beschäftigt sich mit den zwei grundlegenden Übeln moderner Volkswirtschaften, Inflation und Arbeitslosigkeit. Sie wurde nach dem britischen Volkswirtschaftler Alban William Phillips (*1914, †1975) benannt. In den Jahren 1861-1957 beobachtete er den Zusammenhang zwischen der Zuwachsrate der Nominallöhne und der Arbeitslosenquote in Großbritannien.2

Abbildung 1: Originäre Phillips-Kurve von Alban William Phillips

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Phillips, A. W. (1958). The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-19571. economica, 25 (100), 283-299.

Abbildung 1 zeigt wie Phillips seine Theorie graphisch dargestellt hat. Auf der Y-Achse istdie Nominallohnsatzänderungsrate in Prozent angegeben und auf der X-Achse ist die Arbeitslosenquote in Prozent angegeben. Eine mögliche Erklärung für den Verlauf der Phillips-Kurve wie in Abbildung 1 ist die wechselnde Macht der Gewerkschaften. Diesbedeutet, dass bei einem hohen Beschäftigungsstand die Gewerkschaften eine höhere Verhandlungsmacht haben und daher auch höhere Löhne durchsetzen können. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sinkt die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften wodurch keine Nominallohnsatzerhöhungen durchgesetzt werden. Eine reine Erhöhung der Nominallöhneführt aber nicht zu einer Senkung der Arbeitslosigkeit. Das Verhältnis ist somit nur einseitig.3

Die Kritik an der Phillips Kurve, kein makroökonomisches Modell zugrunde gelegt zu haben,griffen die amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Merton Solow (*1924) und Paul Anthony Samuelson (*1915, †2009) in den sechziger Jahren auf. Sie trugen grundlegend zu der modifizierten Phillips-Kurve bei, welche die ursprüngliche Phillips-Kurve auf die Preisniveauänderungsrate bezieht. Mit der modifizierten Phillips-Kurve entstand die große wirtschaftliche Bedeutung des Modells. Sie zeigt, dass höhere Inflationsraten von geringeren Arbeitslosenquoten begleitet werden und vice versa. Somit herrscht ein Trade-off zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote. Viele Regierungen hatten den Eindruck, dass eine Wahl zwischen hoher Arbeitslosigkeit und Inflation bestünde. Das man also die Arbeitslosigkeit senken könnte, wenn man dafür eine hohe Inflation in Kauf nimmt.4 5 So sagte

Altbundeskanzler Helmut Schmidt: “Fünf Prozent Inflation sind leichter zu ertragen, als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“.6

Die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung der westlichen Industrieländer in den sechziger Jahren widerlegt den langfristigen stabilen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Bis 1960 unterlag die Inflationsrate bestimmten Schwankungen. In densechziger Jahren nahm die Inflationsrate konstant positive Werte an. Die Wahrscheinlichkeit,dass im folgenden Jahr wieder eine hohe Inflationsrate folgt, wurde immer höher. Diesänderte auch die Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und Inflation. Die Folge wareintretende Stagflation7. So konnte das gleichzeitige Auftreten von hohen Inflationsraten undhoher Arbeitslosigkeit mit dem bisherigen Modell der Phillips-Kurve nicht mehr erklärtwerden.

Doch damit war das Modell der Phillips-Kurve nicht widerlegt. Grund für die Stagflation inden 70er und Anfang der 80er Jahren war der Ölpreisschock. Die OPEC reduzierte ihreÖlfördermenge und provozierte damit höhere Ölpreise und somit auch steigende Produktionskosten. Durch steigende Güterpreise fiel die gesamtwirtschaftliche Nachfrage unddie Arbeitslosigkeit stieg. Die aktuelle wirtschaftliche Situation konnte also deshalb nichtmehr durch die Phillips-Kurve erklärt werden, weil ein Störfaktor, der Ölpreisschock, in dem Modell nicht berücksichtigt wurde.8 Ein weiteres Problem war, dass dem Modell der modifizierten Phillips-Kurve stationäre Erwartungshaltungen zugrunde liegen. Wirtschaftssubjekte ändern ihre Erwartungen nicht, selbst wenn sie feststellen, dass sie einem Irrtum unterlagen. Lernfortschritte werden hier nicht berücksichtigt.

Milton Friedman (*1912, †2006) und Edmund S. Phelps (*1933) setzten mit ihrer Kritik ander modifizierten Phillips-Kurve genau in diesem Punkt an. Die Annahme, dass ein homooeconomicus aus seinen Erwartungsfehlern keine Schlüsse zieht ist nicht überzeugend. Dahersollte man laut Friedman/Phelps die Theorie von einer stationären Erwartungshaltungverwerfen und durch die der adaptiven Erwartungshaltung ersetzen. Darüber hinaus müssenmögliche Schocks in dem Modell berücksichtigt werden. Adaptive Erwartungen besagen,dass die Wirtschaftssubjekte aus Fehlern lernen und ihre Prognosen für die nächste Periodedementsprechend anpassen. Sie verwenden für ihre Prognose der Inflationsrate für die nächste Periode, die aktuelle Inflationsrate.9

Die Theorie von Friedman/Phelps wird auch als moderne Phillips-Kurve bezeichnet. Das Modell besitzt folgende Form:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

π steht hierbei für die Inflationsrate. Der erste Ausdruck auf der rechten Seite des Terms (ߨିଵ)ist die Inflationserwartung. Sie ist die Inflationsrate der Vorperiode. Der zweite Ausdruckሺݑ െ ݑ௡ሻ beschreibt die zyklische Arbeitslosigkeit. Das β steht für den Koeffizienten der Arbeitslosigkeit. Er gibt also an, wie groß der Einfluss der Arbeitslosigkeit auf die Inflationist. Da die Kernaussage der Phillips-Kurve den negativen Zusammenhang von Arbeitslosenquote und Inflation feststellt, geht der Ausdruck der Arbeitslosigkeit negativ indie Gleichung ein. Das ݒ steht für mögliche Angebotsschocks, welche die Inflationbeeinflussen könnten. Im Folgenden dieser Arbeit wird sich auf die Theorie der modernen Phillips-Kurve bezogen.10

3. Erhebung des Datensatzes:

Für die folgende Regression dieser Arbeit werden die Inflationsraten und die Arbeitslosenquoten der Länder Kanada, Vereinigte Staaten von Amerika und dem Vereinigten Königreich benötigt. Hierfür wurde das Statistikportal OECD verwendet und in Bezug auf die harmonisierte Arbeitslosenquote und der saisonbereinigten Inflationsrate ausgelesen. Die Arbeitslosenquote ist definiert als der prozentuale Anteil der Arbeitslosen an Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen umfassen die Erwerbstätigen und die Arbeitslosen.11 Das harmonisierte System beschränkt sich auf Einheitsdaten und erleichtert die Vergleichbarkeit.12 Die Inflationsrate ist der Prozentsatz mit dem das Preisniveau aller Wirtschaftssubjekte innerhalb einer Periode ansteigt bzw. das Geld an Kaufkraft verliert.13 Saisonbereinigte Daten sollen den Störfaktor eines Saisoneffekts in der Regressioneliminieren.

Da die harmonisierte Arbeitslosenquote für das Vereinigte Königreich erst im Jahr 1984 beginnt und die Länder auch untereinander vergleichbar sein sollen, startet die Untersuchungfür jedes Land im Jahr 1984. Jedes Jahr wurde in vier Quartale unterteilt. Somit gelangt manvon 1984 Quartal 1 bis 2014 Quartal 1 für Inflationsrate und Arbeitslosenquote auf 121Beobachtungen. Eine ausführliche Darstellung des Datensatzes ist im Anhang zu finden.

4. Das empirische Modell:

Mit den erhobenen Daten soll getestet werden, ob in den USA, Kanada und UK ein negativer Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote mithilfe des Modells dermodernen Phillips-Kurve empirisch nachweisbar ist. Im Konkreten, um wie viel Prozentverändert sich die Inflationsrate, wenn die Arbeitslosenquote um ein Prozent ansteigt. Darüberhinaus muss laut dem Modell der modernen Phillips-Kurve die Inflationserwartungeinbezogen werden. Als Inflationserwartung für die nächste Periode wird die Inflationsrateder aktuellen Periode verwendet. Zusätzlich wird der Verlauf der Rohdaten auf mögliche Schocks untersucht.

Für das weitere Vorgehen eignet sich die Regressionsanalyse. Die Regression gibt an, welcherlineare Zusammenhang zwischen zwei Variablen besteht. Die Variablen werden in zwei Kategorien unterteilt, exogen und endogen. Die exogene Variable soll die Ausprägung derendogenen Variable erklären.

[...]


1 N. Gregory Mankiw (2011). Makroökonomik, 6. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, Seite 492-517

2 Phillips, A. W. (1958). The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-19571. economica, 25 (100), 283-299.

3 Phillips, A. W. (1958). The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-19571. economica, 25 (100), 283-299.

4 Samuelson, Paul A., and Robert M. Solow. "Analytical aspects of anti-inflation policy."The American Economic Review (1960): 177-194.

5 Richert, Robert. "Arbeitslosigkeit und Inflation: Phillips-Kurven."Makro ö konomik — Schnell erfasst (2007): 233-257.

6 (Der Spiegel 8/2010, Folgenreicher Flirt)

7 (aus den Wörtern Stagnation und Inflation zusammengesetzt)

8 N. Gregory Mankiw (2011). Makroökonomik, 6. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, Seite 492-517

9 Richert, Robert. "Arbeitslosigkeit und Inflation: Phillips-Kurven."Makro ö konomik — Schnell erfasst (2007):233-257.

10 N. Gregory Mankiw (2011). Makroökonomik, 6. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, Seite 492-517‡‹–‡ ͸

11 http://stats.oecd.org/glossary/detail.asp?ID=2795 (Zugriff 04.Juni.2014)

12 http://stats.oecd.org/glossary/detail.asp?ID=1201 (Zugriff 04.Juni.2014)

13 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/inflationsrate.html (Zugriff 04.Juni.2014)

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668749429
ISBN (Buch)
9783668749436
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v432904
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,2
Schlagworte
Phillips-Kurve Inflation Arbeitslosigkeit Regression Zeitreihenanalyse Alban William Phillip

Autor

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Titel: Die Phillips-Kurve in USA, Kanada und UK