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Selbstwirksamkeit als Burnout-Prävention bei Lehrkräften

Essay 2017 8 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Selbstwirksamkeit als Burnout-Prävention bei Lehrkräften

20-25% aller Lehrkräfte erreichen in ihrem Beruf nicht das Pensionsalter, sondern müssen wegen körperlicher oder psychischer Beschwerden frühzeitig ihre Arbeit verlassen (vgl. Besser-Scholz, 2007, S.7). Der Beruf des Lehrers scheint immer anspruchsvoller und stressintensiver zu werden und verlangt mehr Tätigkeiten von Lehrern und Lehrerinnen ab, die weit über den eigentlichen Unterricht hinausgehen. Dazu kommt noch ein enormer Leistungsdruck durch Vergleichsstudien wie PISA und neue Herausforderungen, wie Inklusion, auf die die Lehrkräfte im Studium nicht ausreichend oder gar nicht vorbereitet werden (vgl. ebd. S.9-10). Demensprechend ist es kein Wunder, das Lehrkräfte zu einer der am stärksten vom Burnout-Syndrom betroffenen Berufsgruppen gehören (vgl. Bauer, 2009, S.251). Trotz der erhöhten Anforderungen und stressigen Bedingungen, gibt es jedoch immer noch viele Lehrer/innen die nicht vom Burnout betroffen sind und anscheinend Methoden entwickelt haben, um mit den aufkommenden Problematiken umzugehen. Im Folgenden wird sich dieses Essay mit einer solchen Methode, der Selbstwirksamkeit, beschäftigen und einen Einblick geben, inwiefern die Social Cognitive Theory von Albert Bandura bei der Bewältigung von Stress und Überforderung im Lehrerberuf helfen und somit der Entstehung von Burnout-Syndromen entgegenwirken kann.

Das Burnout-Syndrom

Das Burnout-Syndrom, welches häufig auch als Chronisches Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome) bezeichnet wird, kennzeichnet sich durch das Auftreten von psychischer und/oder physischer Erschöpfung bei den Betroffenen und dem Gefühl des „ausgebrannt seins“. Häufig ist das Auftretend dieser Krankheit auf Missstände in der beruflichen Situation zurückzuführen und es sind vor allem Menschen, die in sozialen Berufsfeldern tätig sind, besonders betroffen (vgl. Tresselt, 14.01.2018).

Viele Lehrkräfte erfahren in ihrem beruflichen Alltag emotionale Erschöpfung, sowie das Gefühl, dass die eigene Arbeit sinnlos und vergeblich ist. Darüber hinaus haben 22% der Lehrer/innen eine sehr hohe Verausgabungsbereitschaft für ihren Beruf, bekommen für die geleistete Arbeit aber nur wenig Anerkennung zurück und leiden oft an einem sehr eingeschränkten persönlichen Gestaltungsspielraum durch strenge Vorschriften der Schulleitung. Weiterhin können viele Lehrkräfte das Berufliche und das Private nicht voneinander trennen, da ein Großteil der Arbeit, zum Beispiel das Korrigieren von Klausuren oder die Stundenvorbereitung, zuhause stattfindet (vgl. Bauer, 2009, S.252).

Durch diese Problematiken, die von persönlichen und institutionellen Bereichen bedingt sind, kann sich die Diskrepanz zwischen den selbstgestellten Zielen der Lehrperson und der schulischen Realität immer weiter vergrößern. Dies zeigt sich zum Beispiel, wenn man als Lehrkraft eine Unterrichtsstunde sehr ausführlich und umfangreich zuhause vorbereitet hat und man trotzdem nur wenig erreicht, da die Arbeitsbedingungen in der Klasse nicht optimal sind, die Schüler/innen nicht in der Lage sind aufmerksam zu sein, da es die 8. Stunde im Schultag ist oder sich das Stoffpensum viel zu umfangreich gestaltet. Wenn solche Situation öfters vorkommen, führt das schnell zu Frustrationen und durch den konstanten Leistungsdruck der von jeder/m Lehrer/in verlangt wird, kann sich so chronischer Stress bilden (vgl. Tresselt, 14.01.2018).

Durch diese Erschöpfung und den Stress kann es bei der Lehrkraft zu einer verminderten Leistungsfähigkeit, körperlichen Beschwerden, dem Gefühl von Hilfslosigkeit oder Frustration, sowie dem Wunsch nach Distanz zu den Kollegen und der Schülerschaft kommen. Darüber hinaus fangen viele Lehrer/innen an, an ihren Kompetenzen zu zweifeln, werden zynisch und sind frustriert mit ihrer beruflichen und privaten Lebenssituation. Der Prozess des Burnout-Syndroms zieht sich über mehrere Phasen, welche mit gemindertem Eigenengagement beginnen und bis zur völligen Hilfslosigkeit reichen (vgl. ebd.).

Auch wenn das Burnout-Syndrom heutzutage überall thematisiert wird, es zu immer mehr Betroffenen kommt und es schon als „Volkskrankheit“ betitelt wird, gibt es noch keine eindeutige wissenschaftliche Definition für das Syndrom, da sehr unterschiedliche Symptome mit dieser Krankheit in Verbindung gebracht werden können (vgl. ebd.). Allerdings ist es auffällig, dass die meisten schulischen Lehrkräfte die stationär zur Behandlung aufgenommen werden müssen, unter einer Burnout-Symptomatik in Verbindung mit einer Depression leiden (vgl. Bauer, 2009, S.252).

Trotzt schlechter Arbeitsbedingungen an vielen Schulen, steigender Druck der von der Schulleitung und den Eltern ausgeübt wird, sowie hohem Stress, leiden nicht alle Lehrer/innen an einem Burnout-Syndrom oder sind von diesem bedroht. Dies lässt darauf schließen, dass manche Personen anders mit diesen Risikofaktoren umgehen können und somit in der Lage sind, ihnen zu trotzen und Spaß wie auch Erfüllung in ihrer beruflichen Tätigkeit zu finden (vgl. Tresselt, 14.02.2018). Im Folgenden, wird eine Möglichkeit für die Resilienz mancher Lehrkräfte, das Besitzen einer hohen Selbstwirksamkeit, erläutert und in Bezug zur Burnout-Prävention gesetzt und diskutiert.

Albert Bandura’s Social Cognitive Theory - Selbstwirksamkeit

Albert Bandura entwickelte 1977 seine Social Cognitive Theory, indem er die wechselseitige Beziehung zwischen der Umwelt und dem Verhalten des Individuums berücksichtigt und Persönlichkeits- und Stresstheorien miteinbezieht, um zu erklären, wie Kognitionen, Handlungen, Motivationen und Emotionen sich gegenseitig beeinflussen (vgl. Nahrwold, 2014, S.20). Darauffolgend wird in diesem wissenschaftlichen Essay allerdings nicht die komplette Theorie von Bandura behandelt, sondern ein Fokus wird auf das Konzept der Selbstwirksamkeit gesetzt. Dieser elementare Bestandteil der Theorie wird dann in Hinsicht auf die Thematik der Burnout-Prävention bei Lehrkräften behandelt.

Das Konzept der Selbstwirksamkeit kann so verstanden werden, dass ein Mensch mit einer hohen Selbstwirksamkeit, die Überzeugung und die Fähigkeit besitzt eine bestimmte Tätigkeit ausführen zu können und dabei noch das gewünschte Ergebnis erreichen kann (vgl. Nahrwold, 2014, S.20). Hierbei zählt nicht nur das Wissen, wie man etwas tun kann, sondern die generelle Fähigkeit, kognitive, soziale und verhaltensbezogene Teilkompetenzen zusammen einzusetzen und diese unter verschieden Umständen erfolgreich zu benutzten. Wichtig hierbei ist, dass man Selbstwirksamkeit nicht mit dem allgemeinen Gefühl von Kontrolle gleichsetzten kann. Vielmehr handelt es sich hierbei um die vorhandene Zuversicht, in verschiedenen Lagen zu bestimmten Verhaltensweisen fähig zu sein, welche es einem ermöglichen die auftretenden Situation und Problematik zu meistern (vgl. Aronson, Wilson & Akert, 2008, S.407).

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Details

Seiten
8
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668756694
ISBN (Buch)
9783668756700
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433430
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
Resilienz Burnout Lehrer selbstwirksamkeit essay Social Cognitive Theory Albert Bandura

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Titel: Selbstwirksamkeit als Burnout-Prävention bei Lehrkräften