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Jugendkulturen und Jugendsubkulturen. Was prägt die Jugend?

Seminararbeit 2017 34 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis

2. Definition der Begriffe Kultur & Subkultur

2.1. Kultur
2.2. Subkultur
2.3. Kultur/Subkultur aus einer jugendkulturellen Perspektive

3. Zentrale Elemente der Lebensphase Jugend
3.1. Der Begriff Jugend
3.2. Merkmale der Lebensphase
3.2.1 Lebensphase Jugend aus historisch-gesellschaftlicher Perspektive
3.2.2. Psychologische Merkmale
3.2.3. Soziologische Merkmale
3.2.4. Zusammengefasst: Jugend als eigenständige Entwicklungs- und Lebensphase

4. Jugendsoziologische Theorien
4.1 Bedeutungen
4.2 Der generationentypologischer Ansatz
4.3 Systemtheoretische Ansätze
4.4 Strukturell-funktionale Theorie des Generationenwechsels nach Eisenstadt
4.5 Ungleichheitstheoretische und neomarxistische Ansätze

5. Jugendkultur
5.1. Subkultur versus Jugendkultur
5.2. Beschreibung der Jugendszene Hip Hop
5.2.1. Handlungspotentiale der Sozialen Arbeit in der spezifischen Jugendgruppe
5.3. Die Beschreibung der Jugendszene Beauty-Gurus
5.3.1. Mediatisierung der Jugend
5.3.2.Identitätsinszenierung im Internet
5.3.3 Allgemeine Informationen
5.3.4 Geschichte
5.3.5 Einstellung
5.3.6 Lifestyle
5.3.7 Symbole und Rituale
5.3.8 Handlungspotentiale der Sozialen Arbeit in der spezifischen Jugendgruppe

6. Fazit und abschließende Gedanken

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

2. Definition der Begriffe Kultur & Subkultur

Der folgende zweite Abschnitt beleuchtet den Begriff Kultur. Einerseits fließt hierbei eine Beschreibung ein, und andererseits soll eine Auseinandersetzung folgen, welche Kultur als Bestandteil verschiedenerer multiperspektivischer Diskussionen zeigt. Der Begriff Subkultur ist ebenfalls Bestandteil dieser Diskussionen und wird im Folgenden detailliert aufgezeigt. Hierbei ist die Unterscheidung wichtig. Weiter ist eine Eingrenzung des Begriffes wichtig, da dieser aus der Sicht verschiedener Autoren oft zu allgemein und zu groß verwendet wird.

2.1. Kultur

Um sich der Begrifflichkeit Kultur und den vielfältigen Bedeutungen näher zu können bedarf in erster Linie einer Beschreibung was ursprünglich darunter verstanden wird. Dies ist der klassische Kulturbegriff. Eine Kultur ist aus klassischer Sicht ein Pool aus Teilelementen, welche das gemeinsame Zusammenleben einer Gruppe ausmacht. Beispiele für diese Elemente sind neben sozialen Aspekten des Miteinanders auch Dinge, welche sich mit den vorherrschenden technischen Entwicklungen befassen. Diese lassen sich als „alle nichtbiologischen Aspekte“[1] zusammenfassen. Um ein Gleichgewicht und Räume für jede Person zu schaffen und klar zu definieren, wird der oben beschriebene Pool durch Normen, Werte und Gesetze, welche die jeweilige Kultur selber erschafft, umrahmt. Die Individuen, welche in der jeweiligen Kultur leben bilden eine Gesellschaft in der ein gemeinsamer Gedanke vorherrscht. Gleichzeitig handeln, fühlen und denken sie auch als eigenständige Wesen. Die Profession, welche sich detailliert mit dieser Thematik befasst ist die Ethnologie.

Innerhalb der Professionen gilt der klassische Begriff der Kultur allerdings als eine veraltete Ansicht. Dies lässt sich damit begründen, dass im Wandel der Zeit verschiedene Kulturen neu entstanden sind und nicht mehr unbedingt in die Muster einer klassisch definierten Kultur passen. Weiter haben sich Kulturen unter dem Einfluss der Globalisierung weiter entwickelt. Beispielsweise sind Aspekte der amerikanischen Kultur im Lauf der Jahrzehnte in unsere Sprache eingeflossen. Die klare Abgrenzung von anderen Lebensweisen ist nicht nur anhand dieses Beispiels demonstrierbar.

Wimmer beschreibt verschiedene Kritikpunkte, welche den Begriff Kultur aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet. Der erste Aspekt befasst sich mit dem gleichheitlichen Denken, welches sich unter mit dem Begriff homogen beschreiben lässt. Während der klassische Begriff dies sozusagen voraussetzt, ist eine klare Trennung in der heutigen Zeit unabdingbar. Dies liegt zu großen Teilen den multikulturellen Lebensweisen, welche moderne Gesellschaften auszeichnen. Weiter sind momentane kulturelle Entwicklungen stets von der Globalisierung geprägt.

Ein weiterer in diesem Zusammenhang entstehender Aspekt bildet den zweiten Kritikpunkt. Die überwiegend nicht thematisierten, aber dennoch vorhandenen Machtkonstrukte in einer Gesellschaft. Der Grad an Bedeutung und Macht über den eine einzelne Personen verfügt, beeinflusst diese in ihrer Haltung gegenüber den anderen Mitgliedern. Menschen, welche mit Macht ausgestattet sind, haben oft einen höheren Stellenwert. Dies kann die Bildung kollektiver Interessengruppen sehr stark beeinflussen.

Der dritte Konfliktpunkt entsteht auf der Ebene des Verhaltens. „Die Individuen folgen in ihren Gedanken, Gefühlen und Handlungsplänen ausschließlich den kulturellen Regeln, die sie während des Sozialisationsprozesses gelernt haben.“[2] Der Zustand von moralischer Individualität wird ignoriert. Verschiedene Studien mit entwicklungspsychologischem Hintergrund griffen die Aussage später auf und widerlegen sie.

Der vierte Kritikpunkt wurde aus den Aussagen des dritten Punktes entwickelt. Indem ausgeschlossen wird, dass der Mensch individuell Gedanken entwickelt, wird gleichzeitig ausgeschlossen, dass sich eine Kultur in Eigenregie entwickelt. Heute bekannte hoch entwickelte Kulturen der Vergangenheit hätten innerhalb des Systems nicht diese Stufe erklimmen können.

Die hier beschriebenen Punkte haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich der Begriff Kultur gewandelt hat. In der Zwischenzeit spricht man eher nur noch vom Diskurs. Die Möglichkeit innerhalb verschiedener Gesellschaften Diskurse zu führen, öffnet Wege sich mit gegenseitiger Beeinflussung auseinanderzusetzen. Weiter kann sie die in der heutigen Zeit oft als sehr positiv aufgefasste Vielfalt entfalten. Dieser gleichheitliche Weg ist als überwiegend als Vorteil zu sehen. Das gemeinsame Agieren innerhalb einer Gesellschaft, welche andere Ansichten und Formen neben sich als gleichwertig ansieht, ist ein teilweise utopischer Gedanke. Ein Beispiel hierfür sind die momentanen Entwicklungen in Deutschland. Die Ankunft von Flüchtenden verunsichert Teile der Gesellschaft und fördert somit die Antipathie gegenüber den als Fremden beschriebenen Menschen.

Die Tendenzen zu dieser Entwicklung sind kein neuzeitliches Phänomen, ebenso ist das Gedankengut, welches im Moment durch Deutschland getragen wird, in vorherigen Gesellschaftsformen bereits zu finden. Die Grundlage für eine gelingende Akzeptanz liegt darin, dass die einzelnen Menschen sensibilisiert werden. Weiter sind Prävention und das gemeinsame Erleben, Wege sich mit den Unterschieden zu Recht zu finden und aus diesen im besten Fall sinnvolle Aspekt für eine bessere eigene Lebensführung zu gewinnen.

Ein weiterer Aspekt ist der globale Diskurs, welcher in jedem Land geführt werden sollte. Ein gesellschaftlicher Diskurs kann nur dann gelingen, wenn dieser nicht von starren politischen Strukturen abhängt und der Bildungssektor die Thematik aufgreift. Diese Hauptfaktoren tragen dazu bei eine Struktur zu fördern, in der jeder Altersschicht die Vorteile der Vielfalt aufzeigt werden können.

Abschließend lässt sich Kultur nicht als Konstrukt bezeichnen, welches Menschen rein von außen formt. Kultur ist kontinuierlicher Prozess am den sich der Mensch im Lauf seiner Entwicklung orientieren kann und teilweise auch sollte. Es ist allerdings immer zu beachten, dass Kultur individuell interpretierbar ist und daher nicht als genereller Ansatz verstanden werden kann. Kultur kann in diesem Zusammenhang auch als lebenslanger Lernprozess übersetzt werden, welchen jeder Mensch durchlebt. Dies lässt sich konkret am Begriff des menschlichen Habitus aufzeigen. Dieser wurde von Pierre Bourdieu entwickelt. Der Habitus des Menschen beschreibt seine individuellen Handlungs- und Denkschemata. Wimmer beschreibt den Prozess als Matrix, welche verinnerlicht wird. Die dazu nötigen Einflüsse können die oben beschriebenen Aspekte der politischen Struktur, sowie des Bildungssektors positiv gestalten.

2.2. Subkultur

Der Begriff Subkultur wird im Allgemeinen als Prozesselement innerhalb einer Kultur verstanden. Im Duden wird der Begriff als innerhalb einer Gesellschaft agierende Kultur beschrieben. Weiter ist diese an der übergeordneten kulturellen Orientierung der jeweiligen Gesellschaft angelehnt, verfolgt allerdings auch eigene Normen und Werte. Diese Normen und Werten müssen nicht zwangsläufig mit dem vorherrschenden Kulturverständnis konform sein[3].

Subkulturen können sowohl organisierte Interessengruppen sein, als auch Zusammenschlüssen von Personen, welche Interessen außerhalb der gegebenen gesellschaftlichen Norm verfolgen. In Deutschland war dies besonders in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu finden. Das nationalsozialistische Regime erkannte früh in seiner Herrschaft, dass ein wichtiger Baustein zur Ideologisierung der Gesellschaft in der konsequenten Beeinflussung der Jugend lag. Mit der Installation der Hitlerjugend im Jahr 1933 wurde ein Organ geschaffen, welches der jugendlichen Gesellschaftsschicht als fester Anlauf- und Orientierungsort gelten sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Jugendverbände bereits aufgelöst oder eingegliedert worden. Das Regime bildete neben der Hitlerjungend verschiedene weitere Verbände, in welche ein Jugendlicher ab seinem zehnten Lebensjahr eintreten musste. Wer nicht Mitglied war, wurde systematisch ausgestoßen und galt als Außenseiter. Im Alter von 14 Jahren konnte man der Hitlerjugend beitreten und verweilte dort bis zu seinem 18. Lebensjahr. Das Programm war überwiegend auf Disziplin und Drill ausgelegt. Dies wurde durch spielerische Elemente näher gebracht. Ein weiteres zentrales Element war die Vorbereitung auf eine Zukunft in den übergeordneten Organen. Zu diesem zählten neben der Partei NSDAP, auch die Kampforganisationen des Regimes. Die Mitgliedschaft wurde 1939 verpflichtend.

Im Gegensatz zur straff organisierten Jugendorganisation, standen zumeist illegal operierende lockere Interessengruppen. Ein Beispiel waren verschiedene lockere Cliquen, welche sich in den Arbeitermilieus der Großstädte zusammengefunden hatten. Durch gezielte Provokationen und Sabotageakte gingen sie gegen Mitglieder der Hitlerjugend an. Bekannt wurden sie besonders unter dem Begriff Edelweißpiraten. Während der Zeit vor dem Nationalsozialismus waren diese Cliquen ausgegrenzt worden. Die Ablehnung von offizieller Seite erfolgt besonders durch das normverletzende und provokante Verhalten. Bekannte Beispiele für Jugendcliquen waren die Edelweißpiraten, sowie die Organisation weiße Rose.

Die oben beschriebenen Begriffe Kultur und Subkultur können anhand des Beispiels Hitlerjugend und den außerhalb der Norm agierenden Cliquen aufgezeigt werden. Während der Nationalsozialismus systematische und einheitliche Propaganda vorgab und damit die kulturellen Elemente der Gesellschaft prägte, bildeten sich gleichzeitig Gruppen, welche das System ablehnten und sich durch eigenen Norm- und Wertvorstellungen definierten. Besonders während der Regimezeit war auch der politisch motivierte Widerstand ein wichtiges Element.

2.3. Kultur/Subkultur aus einer jugendkulturellen Perspektive

Unabhängig vom oben angeführten Beispiel lassen sich Jugendkulturen als gruppendynamische Prozesse beschreiben, welche im Laufe der Sozialisation durchlaufen werden. Das Durchlaufen einer solchen Gruppe ist dabei nur sehr oberflächlich auf ein Altersschema eingrenzbar. Pauschal ausgedrückt liegt die Hauptzeit von Jugendkulturen allerdings in der als Jugend beschriebenen Lebensphase. Dies bedeutet, dass die überwiegende Menge von Personen zwischen dem 12 – und 20 Lebensjahr eine oder mehrere Jugendgruppen durchläuft. Eine Abgrenzung vom oben diskutieren Gesamtkulturbegriff lässt sich über die jeweiligen spezifischen Merkmale bewerkstelligen. Während die kulturelle Ausrichtung einer Gesellschaft eng mit allgemeinen Normen, Werte und Richtlinien verknüpft ist, gelten diese für Jugendkulturen in einem geringeren Ausmaß. Die möglichen Abweichungen von der gesellschaftlichen Perspektive führten in der Vergangenheit ebenso dazu, dass vom Kulturbegriff abgerückt wurde. Diese wurde in erster Linie überarbeitet und mit dem Begriff Szene neu interpretiert. Der Begriff ermöglicht eine klare Trennung unterschiedlicher Jugendgruppen voneinander. Diese bilden zwar in ihrem Kreis eine Kultur, welche sich meist über eigene Normen und Werte definiert, sind allerdings nicht als allgemein geltend zu sehen. Sie interagieren damit innerhalb des jeweiligen Kulturkonstrukts einer Gesellschaft, sind aber eigenständig funktionierende Konstrukte. Gleiches gilt für die Mitglieder der jeweiligen Szene. Diese sind einerseits Mitglieder der Kultur und andererseits Individuen, welche sich mehr oder weniger mit einer Szene identifizieren. Hierbei lassen sich verschiedene Grade der Identifikation herausarbeiten. An erster Stelle stehen hier Mitglieder, welche sich voll und ganz dem Ausleben einer Jugendszene versprochen fühlen. An zweiter Stelle stehen die sich unmittelbar von diesen Szenegrößen abhängig machenden Akteure. Der abschließende dritte Kreis lässt sich als Mainstream bezeichnen. Hierbei ist die Identifikation geringer und sprunghafter. Das Interesse gilt hierbei nur spezifischen Einzelelementen der Jugendszene und nicht dem großen Ganzen.

3. Zentrale Elemente der Lebensphase Jugend

Das dritte Kapitel befasst sich mit Begriff und der Beschreibung der Lebensphase Jugend. In erster Linie wird die Entstehung des Begriffes Jugend aufgezeigt. Der zweite Schritt beschreibt zentrale Merkmale einer Jugendphase. Diese sind in psychologische, soziologische und kulturelle Merkmale unterteilt. Abschließend werden die verschiedenen Aspekte zusammengefasst und mit dem Begriff der eigenständigen Lebensphase Jugend verknüpft.

3.1. Der Begriff Jugend

Befasst man sich mit dem Begriff Jugend und der Bedeutung für die Entwicklung eines jeden Menschen, so stellt sich die Frage nach dem Begriffsursprung meist zuerst. Ein Annäherungsweg kann über die historische Entwicklung eingeschlagen werden. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde von einem mehr oder weniger direkten Schritt vom Kindesalter hin zum Erwachsenenalter wurde. Sicher lässt sich dies mit den damaligen Gegebenheiten begründen. Insbesondere das Zeitalter der Industrialisierung schuf eine Situation, in der die Versorgung der Familie durch verschiedene Schulter getragen werden musste. Dies bedeutete eben auch, dass die Kinder einer Familie sehr früh in die Lohnarbeit einstiegen. Erst nach 1900 befassten sich die gesellschaftlichen Instanzen mit der Lebensphase Jugend.

Aus biologischer Perspektive ist die Definition im Vergleich zu anderen Disziplinen klar strukturiert. Das Jugendalter beginnt demnach mit dem Beginn der Geschlechtsreife. Der Prozess wird durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen und weiteren Geschlechtern, sowie das Suchen und Aufbauen von Beziehungen zu anderen Individuen ausgezeichnet. Die sexuelle Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung der eigenen Persönlichkeitsstruktur. Diese wird vom Ausprobieren verschiedener Charakter begleitet. Hierzu gehört ebenso das Orientieren an verschiedenen Peer-Groups. Es ist daher normal, dass sich ein heranwachsendes Kind an verschiedenen Menschen orientiert. Diese Entwicklung ist im Laufe der Zeit immer freier und unspezifischer geworden.

Zusammengefasst lässt sich der genaue Ursprung des Begriffes nicht zurückverfolgen, allerdings bleibt festzuhalten, dass die Definition erst spät erfasst wurde. Die Entwicklungsphase Jugend ist entscheidend für die Entwicklung einer eigenen Identität.

Im weiteren Verlauf des Kapitels wird der Begriff Jugend in verschiedene spezifische Aspekte aufgeteilt, welche abschließend unter dem Aspekt Lebensphase zusammengefasst werden.

3.2. Merkmale der Lebensphase

3.2.1 Lebensphase Jugend aus historisch-gesellschaftlicher Perspektive

Klaus Hurrelmann beschrieb die „Ausdehnung der Lebensphase Jugend[4] “. Er nähert sich der Lebensphase Jugend in erster Linie aus der historischen Sicht. Er geht damit wie bereits oben beschrieben auf die Entwicklung und Strukturierung der Lebensphase Jugend ein. Während der Begriff um 1900 noch kaum bekannt war und die Lebensphase zwischen Kind und Erwachsensein nicht differenziert betrachtet wurde, entwickelte sich im weiteren Verlauf eine Abgrenzung. Eine erste Abgrenzung bestand darin, dass die Lebensphase in der sich die Geschlechtsreife entwickelt, als Jugendphase bezeichnet wurde. Die Dauer war in dieser ursprünglichen Form auf wenige Jahre begrenzt. Mit dem Eintritt in die Ehe und der Gründung einer Familie wurde die Phase als beendet gesehen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts steigerten sich die Ansprüche der Industrie. Neue komplexe Bedienungskomplexe erforderten zahlreiche, zumindest grundlegend gebildete junge Menschen. Dies wurde durch die Einführung von Lernphasen vor dem Eintritt in das Berufsleben aufgefangen. Heute sind diese als Ausbildung bekannt. Gleichzeitig wurde der Schulbesuch verpflichtend gemacht. Bis 1950 waren Umfang und Komplexität der Anforderungen, welche junge Menschen mitbringen mussten, auf ein Maß gestiegen, dass eine Bildung außerhalb der familiären Strukturen unabdingbar. Rabe-Kleberg und Zeiher beschreiben diesen Prozess der erweiterten Aufteilung von Lebensabschnitten[5]. Ein Teilschritt des Prozesses war es, dass die Lebensphase Kindheit in einen früheren und einen späteren Teil aufgeteilt wurde. Dieser spätere Lebensabschnitt wurde später als Jugend bezeichnet.

Die Jugend als eigenständige Lebensphase zu sehen ist wie oben aufgezeigt ein eher neuzeitliches Phänomen, welches aus der Industrialisierung hervorging. Die steigenden Anforderungen an Arbeitnehmer erforderten Ausbildungsmöglichkeiten, welche weit spezifischer und ausgedehnter waren als die schulischen Bildungsgänge.

Mit Hilfe der allgemeinen Schulpflicht wurde ein Rahmen geschaffen um ein durchgängiges Bildungsniveau zu ermöglichen.

Dieses war allerdings stark vom jeweiligen gesellschaftlichen und finanziellen Stand abhängig. Gleiches galt für die spätere Berufswahl. In vielen Fällen hatten die ärmeren Stände einer Gesellschaft keine Möglichkeit ihren Kindern eine geeignete Schulbildung zu ermöglichen, da trotz finanzieller Sicherungsmaßnahmen des Staates die Sicherung der eigenen Existenz eine wichtigere Rolle einnahm.

Unabhängig von Bildung und gesellschaftlichem Stand ist ein weiterer Aspekt wichtig. Die demografische Entwicklung der Industrieländer ist seit Langem einschneidend für die Entwicklung von jungen Menschen. Mit zunehmendem Wohlstand, medizinischen Fortschritten und der Verbesserung der Sicherheit von wirtschaftlichen Betrieben stieg die Alterserwartung der Menschen immer weiter an. Lag die Lebenserwartung um 1900 bei circa 65 Jahren, so ist sie heute um circa 15 Jahre angewachsen. Gleichzeitig sinken die Geburtenraten seit 1911 kontinuierlich. Dies lässt sich anhand der Erhebungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erkennen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geburtenziffer Kinder pro Frau[6]

Der Verweis auf die gesellschaftliche Altersstruktur ist deshalb wichtig, da es als Idealzustand mehr junge, denn alte Menschen geben sollte. Dies ist nicht gegeben und für die Zukunft ist keine eklatante Veränderung zu erkennen.

Das Verhältnis ist problematisch, da sich politische Entscheidungen und Maßnahme zumeist am überwiegenden Teil der Gesellschaft orientieren. Hurrelmann beschreibt hier verschiedene Konflikte, welche in Zukunft gelöst werden müssen. Auf der einen Seite steht eine immer älter werdende Gruppe, welche im Alter abgesichert sein möchte und mit Hilfe der modernen Medizin eine hohe Lebenserwartung erreichen möchte. Ein entscheidender Faktor ist ebenfalls die Möglichkeit der direkten Beeinflussung der Politik durch die Wahlberechtigung.

Auf der anderen Seite steht eine junge dynamische Generation, welche trotz fehlender Ressourcen auf sich aufmerksam machen möchte. Die Belange der jungen Generation sind beispielsweise die bessere Förderung, sowie der Ausbau von Hochschulen. Allgemein betrachtet ist die öffentliche Bildungs- und Weiterbildungsstruktur nicht mehr aktuell. Problematisch wird hier, dass die politischen Organe einerseits entscheiden müssen, wo sie finanzieren und andererseits mit der Finanzierung ihre Wiederwahl garantieren wollen.

3.2.2. Psychologische Merkmale

Die Perspektive der Psychologie ist eng mit der oben beschriebenen biologisch-medizinischen Beschreibung von Jugend verknüpft. Das Jugendalter beginnt prinzipiell mit dem Beginn der Geschlechtsreife. Während der Körper zuvor eher gleichmäßig wuchs, ist er nun einer Vielzahl von hormonellen, anatomischen, psychische und kognitiven Veränderungen ausgesetzt. Die kognitive Ebene beinhaltet sowohl die Entwicklung der moralischen, als auch sozialer Strukturen.

Zu Beginn des Jugendalters steht die Abgrenzung vom Kindesalter. Ein erster Schritt besteht darin, dass sich der Jugendliche von den primären Bezugspersonen entfernt und seine Wahrnehmung auf die Jugendlichen in seinem Umkreis erweitert. Diese findet er in der Regel in der Schule und sofern er Mitglied ist, in seinem Verein. Die neuen Ansprechpartner sorgen dafür, dass der Jugendliche das moralische Bild der Stammfamilie mit den Anforderungen der Umwelt abgleicht und gegeben falls anpasst. Gleichzeitig lernt er im Kontakt mit der Umwelt, die vielfältigen Anforderungen zu bewältigen. Diese sind in der Entwicklungspsychologie als Bewältigungsstrategien definiert.

Die Anforderungen, welche an den Jugendlichen gerichtet sind, können umgekehrt auch als Aufgaben beschrieben werden, welche gemeistert werden müssen. Havighurst beschreibt diese Entwicklungsaufgaben als, für jedes Individuum geltende Teilprozesse in der Auseinandersetzung mit der inneren Bedürfnissen und den äußeren Anforderungen[7]. Hurrelmann zeigt hierbei „vier zentrale Entwicklungsaufgaben des Jugendalters“[8] auf.

Die erste Aufgabe beschreibt den Prozess der im späteren Verlauf das Bewusstsein für eine eigenständige Existenzsicherung im Erwachsenenalter schafft. Dies beinhaltet neben der schulischen Aus- und Weiterbildung auch soziale Komponenten.

Die zweite Aufgabe lässt sich mit dem biologischen Aspekt der Geschlechtsreife verknüpfen. Mit Beginn der Pubertät beginnt der Jugendliche damit, sich mit seinem Geschlecht und seiner sexuellen Orientierung auseinanderzusetzen. Dies geschieht überwiegend im Kontakt mit den Gleichaltrigen in seinem Umfeld. Die unterschiedlichen Erfahrungen aus diesen Orientierungsprozessen ebnen im weiteren Verlauf den Aufbau eines stabilen sozialen Umfeldes und die Fähigkeit eine Partnerbeziehung einzugehen.

Der dritte Aspekt ist entscheidend für die Orientierung in der eigenen Lebenswelt. Indem der Jugendliche seinen eigenen Lebensstil entwickelt und diesen mit seinen Ressourcen abgleicht, lernt er die Orientierung am omnipräsenten Konsummarkt. Der Lernprozess besteht einerseits aus Bedürfnisorientierung und andererseits aus Selbstkontrolle.

‚Abschließend folgt der vierte Entwicklungsschritt. Durch den sozialen Kontakt mit seinem Umfeld und der Orientierung an gesellschaftlichen Vorgaben aus dem Elternhaus, bildet der Heranwachsende eine moralisches Werte- und Normenkonstrukt. Dieses beinhaltet neben dem eigene Bewusstsein und der Eigenverantwortlichkeit für sein Handeln, weitere Aspekte wie der Umgang mit verschiedenen Akteuren der ihn umgebenen Umwelten[9].

Zusammengefasst sind die Entwicklungsschritte, welche ein Jugendlicher durchläuft, von sehr großer Bedeutung. Neben dem Ausbilden einer eigenen Identität, welche den Mensch maßgeblich prägt, beginnt sich der Jugendliche verstärkt mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Das Abtasten der Umwelt führt dazu, dass er individuelle Bedürfnisse, Wünsche und Ziele für sich erkennt und diese mit seinen Ressourcen abgleicht.

3.2.3. Soziologische Merkmale

Die soziologische Betrachtungsweise auf die Jugend, ihre Lebensweisen und verschiedenen Lebensstils lässt ähnlich wie die psychologische Sichtweise herstellen. Ein besonderes Merkmal liegt hierbei auf der Selbstständigkeitsentwicklung.

Beginnend mit der Zuwendung zur Gruppe der Gleichaltrigen, also der Peergroup fallen zwei Aspekte besonders auf. Zum einen gilt es festzustellen, ab wann eine Person den Status Jugendlicher erlangt, und zum anderen gilt es die Abgrenzungsprozesse aufzuzeigen.

„Typisch für die heutigen westlichen Gesellschaften ist, dass die Statusübergänge nicht so eindeutig definiert und zeitlich fixiert sind, wie es in früheren historischen Epochen offenbar üblich war[10] “. Trotz des erheblichen Alters dieses Zitates ist seine Relevanz weiterhin gegeben. Während wie beispielsweise oben beschrieben im 19. Jahrhundert der Grundsatz galt, dass ein Kind in einem bestimmten Alter zu Mann wurde, hat sich dies besonders seit 1950 stark gewandelt. In der heutigen Zeit ist die Entwicklungsphase, welche jeder Mensch durchläuft, weitaus spezifischer und konfliktreicher als in vorherigen Gesellschaftsformen. Dies lässt sich anhand der steigenden Zahlen von Interessengruppen und andererseits anhand der Weiterentwicklung technischer Faktoren darstellen. Der Faktor Medien und der daraus entstandene Konsummarkt tragen heute essentiell dazu bei, in welche Richtung die Entwicklung eines Jugendlichen gehen kann. Aus soziologischer Sicht ist der Übergang heute eher fließend und zeichnet sich nur durch die Bildung von individuellen Charakteristiken aus. Wie im vorherigen Abschnitt lassen bei intensiverer Beobachtung erneut Entwicklungsaufgaben definieren.

Die erste dieser Aufgaben setzt sich mit den schulischen Leistungen des Jugendlichen auseinander. Mit Beginn der Jugend kommt zumeist der Wechsel in eine höhere Schulform, in welcher eine höhere Leistungsdichte und Leistungsfähigkeit gefordert wird. Der Lernprozess besteht darin, dass die Schüler ihre individuelle Leistungsfähigkeit eigenverantwortlich so einsetzen, dass sie sich eine Grundlage für ihre weitere Existenz schaffen können.

Die zweite Aufgabe, befasst sich mit dem Lösungsprozess von den Eltern und der Orientierung an einer Gruppe Gleichaltriger. Dieser Prozess ist daher wichtig, da der Jugendliche auf diesem Weg zu Eigenständigkeit finden kann.

Gleichzeitig bekommt er seinen Stand in der Gesellschaft vermittelt und kann seine weitere Entwicklung anhand dessen, eigenständig strukturieren.

[...]


[1] Wimmer, 2005

[2] Wimmer, 2005

[3] vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Subkultur

[4] Hurrelmann, 2007

[5] Vgl. Rabe-Kleberg, Zeiher 1984

[6] Vgl. Abbildung 1 im Abbildungsverzeichnis

[7] Vgl. Havighurst 1956,1982

[8] Hurrelmann 2007

[9] Vgl. Hurrelmann 2007

[10] Fend 1990

Details

Seiten
34
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668769311
ISBN (Buch)
9783668769328
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433434
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Hochschule
Note
1,5
Schlagworte
Jugend Jugendliche Subkulturen Jugendkulturen Adoliszenz Jugendhistorie Jugend hipHop Szene Jugendsoziologisch

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Titel: Jugendkulturen und Jugendsubkulturen. Was prägt die Jugend?