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Eine Untersuchung der organisatorischen Strukturen des Sports in der DDR und der BRD (bis 1989)

von Cordula Schoepe (Autor)

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Exkurs

3. Sport in der DDR
3. 1. Sport in der Ostdeutschen Besatzungszone bis 1949
3. 2. Sport in der DDR ab 1949
3. 3. Neue Strukturen in der DDR
3. 4. Kinder- und Jugendsport in der DDR

4. Sport in der BRD
4. 1. Sport in der westdeutschen Besatzungszone bis 1949
4. 2. Gründung des national olympischen Komitees
4. 3. Sport in der BRD ab 1950
4. 4. Kinder- und Jugendsport in der BRD

5. Vergleich der Sportstrukturen

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis
7. 1. Literaturverzeichnis
7. 2. Internetquellen

1. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit lautet „Eine Untersuchung der organisatorischen Strukturen des Sports in der DDR und der BRD (bis 1989)“. Hierbei untersucht diese die neu entstandenen sportlichen Organisationsstrukturen nach dem 2. Weltkrieg in den jeweiligen Staatssystemen. Zum einen wird die Organisationsstruktur der Deutschen demokratischen Republik[1], bis zu ihrem Ende 1989 untersucht und zum anderen die der Bundesrepublik Deutschlands[2] von 1945 bis 1989. Um einen möglichst naheliegenden Vergleich zu erstellen, wird darauf verzichtet, die sportlichen Organisationsstrukturen der BRD nach 1989 zu untersuchen. Dies liegt daran, dass das Staatssystem der DDR nur bis 1989 existierte.

Hierbei wird auch die politische Struktur des jeweiligen Staatssystems eine Rolle spielen, da der Staat nicht losgelöst vom Sport und der Sport nicht losgelöst vom Staat agieren kann. Eine genauere Ausführung zu dieser Aussage folgt im Laufe der Arbeit.

Ein Onlineartikel, der im Jahr 2009 auf der Website des Spiegels erschienen ist, beschäftigt sich mit der Sportthematik in der DDR. Die Überschrift lautet: „Sport ist Mittel zum Zweck“[3]. Diese Überschrift ist ein Zitat von Erich Honecker (Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei[4] ). Durch dieses Zitat bekommt man einen kleinen Eindruck, welche Rolle der Sport in der sozialistischen Gesellschaft der DDR gespielt hat. Der Sport wurde von der Politik missbraucht. Zum einen zur Stärkung der sozialistischen und damit auch politischen Identifikation innerhalb der DDR und zum anderen zum internationalen Vergleich. Durch den Sport versuchte sich die DDR international als ein starkes politisches System zu präsentieren. Doch wie sahen die sportlichen Strukturen aus? Welche Verbände und Entscheidungsträger hatten einen Einfluss auf den Sport und inwieweit war die Politik involviert? Auf diese Fragen soll die vorliegende Arbeit eine Antwort finden.

Weiterhin sollen die sportlichen Strukturen in der DDR mit denen in der BRD verglichen werden. Dabei sollen sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede herausgearbeitet werden. In der BRD war es das erklärte Ziel ein autonomes Sportsystem zu schaffen. Politische Einflüsse, wie es diese zur Zeiten des nationalsozialistischen Regimes gegeben hatte, sollten vermieden werden. Kann man also von einem unabhängigen Sportsystem in der BRD sprechen? Auch hier wird diese Arbeit versuchen eine Antwort zu finden.

2. Geschichtlicher Exkurs

Kurz nach Kriegsende war die politische Situation in Deutschland sehr zerfahren. Die Siegermächte teilten Deutschland untereinander auf: der Westen Deutschland wurde Frankreich, England und Amerika besetzt und der Osten von der ehemaligen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken[5]. Somit haben sich dort auch die jeweiligen politischen Systeme übertragen. Im Westen von Deutschland herrschte ein kapitalistisches System, während im Osten von Deutschland ein sozialistisches System propagiert wurde. Es wurden vier Besatzungszonen errichtet, wodurch die politische Lage in Deutschland zunächst gesichert sein sollte. Ziel war es zu verhindern, dass sich die ehemaligen NS-Funktionäre in die politische Neugründung einmischen und somit nationalsozialistisches Gedankengut miteinfließen lassen. Aus diesem Grunde bestimmten die Besatzungsmächte mit über die politischen Entscheidungen und vor allem über die politische Neugründung West- und Ostdeutschlands.[6]

Diese Aufteilung Deutschlands und die damit verbundenen politischen Neuanfänge haben auch einen großen Einfluss auf die organisatorischen Sportstrukturen.

3. Sport in der DDR

3. 1. Sport in der ostdeutschen Besatzungszone bis 1949

Nach dem Kriegsende 1945 hatte der Osten Deutschland, wie auch der Rest des Landes, noch schwer unter den Folgen des Krieges zu leiden. Sowohl die herrschenden Organisationsstrukturen in der Politik sowie die generelle staatliche Infrastruktur waren zerstört. Durch die Niederlage Deutschlands war die politische Situation zunächst ungeklärt und somit war auch nicht abzusehen wie die sportlichen Strukturen wiederaufgebaut werden sollten. Durch die Ostdeutsche Besatzungszone und die UdSSR als Besatzungsmacht war klar, dass die sportlichen Strukturen auch sozialistisch mitgeprägt werden sollten. Der Entwurf zu den „Richtlinien zum Aufbau einer einheitlichen Sportbewegung“[7] wurde von der SED 1948 auf den Weg gebracht. Hierbei ging es vor allem darum von der „Zeit des Aufräumens und der Vorbereitung“[8] wegzukommen und damit zu beginnen ein einheitliches Sportsystem auf den Weg zu bringen. Hierzu wurde der Deutsche Sportausschuss[9] als Dachorganisation gegründet. Weiterhin wurde dieser Beschluss an das Zentralsekretariat zur Bestätigung weitergegeben. Am 5. Juli 1948 verabschiedete das Zentralsekretariat diese Richtlinien, womit der Neuaufbau der sportlichen Organisationsstrukturen in der DDR beginnen konnte. Die SED unterstützte den Wiederaufbau vor allem finanziell, sodass hier eine Kontinuität gegeben war.

Am 2. August 1948 wurde in den Zeitungen der sowjetischen Besatzungszonen ein Aufruf an alle Sportlerinnen und Sportler gedruckt. In diesem wird von „neuen Wegen“ und dem „Kampf gegen den Faschismus“[10] gesprochen. Gleichzeitig wird betont, dass der Sport dazu dient eine freundschaftliche Beziehung zwischen allen Völkern herzustellen. Es ginge auch darum das verloren gegangene Ansehen von Deutschland weltweit wiederherzustellen und zu verbessern. Zu diesem Zweck sollten sich alle Bürgerinnen und Bürger, in der gesamten Besatzungszone, Sportgemeinschaften ins Leben rufen. Vor allem die Sportgemeinschaften in den Großbetrieben, die nach Kriegsende in den Besitz der Sowjetunion übergangen waren, spielten eine große Rolle. Hierbei handelt es sich um die Betriebssportgemeinschaften.[11] Durch diese Sportgemeinschaften war der erste Schritt zu einem einheitlichen und organisierten Sportsystem getan.

1949 wurde durch eine Konstituierung des DS einige grobe Richtlinien für die sportliche Ausrichtung und die Organisation geschaffen. Diese Richtlinien besagen, dass die Sportbewegung leistungsorientiert sein, es darf für Niemanden besonderen Privilegien geben und der Sport gilt als Teil der gesellschaftlichen Entwicklung (wobei hier besonders die wachsende Rolle der Arbeiterklasse zu berücksichtigen ist, was sich auch in den Sportgemeinschaften wiederspiegeln soll). Weiterhin seien für das Erreichen dieser Ziele alle notwendigen materiellen und informellen Strukturen zu schaffen.[12]

3. 2. Sport in der DDR ab 1949

Am 18. November 1949 sprach Walter Ulbricht (Stellvertreter der Ministerpräsidenten) auf einer Konferenz von Sportlern und Sportfunktionären über die Ziele des Sports und die Organisationsformen. Dabei betonte er, dass die Sportbewegung sich vor allem auf die Betriebssportgemeinschaften konzentrieren sollte, da diese immer mehr zur gesellschaftlichen Stütze der DDR werden sollten. Diese Betriebssportgemeinschaften stellten einen wichtigen Teil der sportlichen Organisationsstruktur in der DDR dar. Weiterhin wurde ein Neuanfang im Jugend- und besonders im Schulsport vorangetrieben. Die vorherigen Lehrkräfte an den Schulen verfügten nicht über eine angemessene Ausbildung, um die Sportbewegung weiter voranzubringen. Auch die Ausstattung der Schulen war als mangelhaft zu deklarieren, da 82% der Schulen über keine Sport- oder Schwimmhalle verfügten und 47% nicht mal über einen Sportplatz. Aus diesem Grunde kamen die ersten Absolventen des Instituts für Körpererziehung der Universität Halle an die Schulen, um eine angemessene sportliche Ausbildung zu garantieren.[13]

Weiterhin wurde 1951 das Nationale Olympische Komitee[14] gegründet. Durch das NOK sollte gewährleistet werden, dass die DDR in Zukunft Anschluss an die Weltspitze des Leistungssports behält und sich international auf höchster sportlicher Ebene messen kann.[15]

Innerhalb der DDR fungierte der DS als oberstes Gremium. Diesem waren die Landes- und Kreisausschüsse, sowie die Fachausschüsse für den Sport unterteilt. Auch die Vertreter der gegründeten BGS nahmen an diesen Sportausschüssen teil, um die sportliche Zukunft der DDR mitbestimmen zu können. Den Fachausschüssen oblag die Organisation des Wettkampfsports, den BGS die „Bewegung der Werktätigen“ zu organisieren. Die BGS wurden ab 1950 wie folgt unterteilt: Motor, Rotation, Lokomotive, Chemie, Traktor. Später kamen noch die BGS Vorwärts und Dynamo für den Gesellschaftszweig der Armee und der Polizei hinzu.[16]

Mit der 2. SED-Parteikonferenz wurde der Sport in der DDR endgültig politisiert. Bereits vorher war der Einfluss der Politik nicht zu übersehen (vor allem der finanzielle Einfluss) jedoch wurde durch diese Parteikonferenz ein staatliches Komitee für Sport und Körperkultur geschaffen. Dieses Komitee übernahm fortan den Aufbau des Sportsystems in der DDR und es stand unter der Führung der SED. Ziel dieses Komitees war es, nach sozialistischem Vorbild, den Staat als zentralen Punkt der Organisation zu stärken und damit auch den Sport zu zentralisieren, aber auch zu politisieren.[17]

1952 wurde von der SED das staatliche Komitee für Körperkultur und Sport gegründet. Diese politische Organisation sorgte für die Einflussnahme der Politik in den Bereich des Sports.[18]

Somit waren nach dem Kriegsende die Grundpfeiler geschaffen, um den Sport in der DDR wiederaufzubauen. Die finanziellen Mittel wurden komplett vom Staat gestellt. Der Sport stand komplett unter dem staatlichen Einfluss der SED. Dieser Einfluss wurde durch das staatliche Komitee für Körperkultur und Sport geltend gemacht.

3. 3. Neue Strukturen in der DDR

Im Jahr 1954 entstanden zum ersten Mal Sportclubs in der DDR. Die ersten Clubs waren (u.a.) SC Dynamo Berlin, SC Rotation Leipzig, SC Lokomotive Leipzig und SC Chemie Halle-Leuna. Durch diese Sportclubs sollte ein leistungsorientierter Sport als bisher möglich sein. Ebenfalls wurden die ersten Kindersportschulen geschaffen, in dem die Kinder neben der schulischen Ausbildung auch die Möglichkeit erhielten, sich voll und ganz ihrer sportlichen Ausbildung zu widmen. Durch die Trainer-Konferenz im Jahre 1955 wurde auf die wissenschaftliche Perspektive des Sports hingewiesen. Sportlehrer und Trainer sollten zunehmen professionell ausgebildet werden, um eine gewissenhafte sportliche Ausbildung zu garantieren.[19]

Im Jahr 1957 wurde der Deutsche Turn- und Sportbund[20] gegründet. Zur Gründungsfeier war unter anderem der erste Staatssekretär des Zentralkomitees der SED, Erich Honecker, anwesend. Als erster Präsident wurde Rudi Reichert ernannt. Der DTSB war die erste einheitliche und juristisch selbständige Massenorganisation des Sports. Dort wurden alle Sportler, die in der DDR organisierten Sport betrieben, erfasst. Die BGS wurden zu Trägerorganisationen des DTSB. Der DTSB löste damit den DS ab und war ab 1957 der Dachverband in der DDR. Somit war ein (scheinbar) unabhängiger Verband entstanden, der eigenständig agieren konnte. Des weiteren arbeitete der DTSB fortan mit dem NOK zusammen, um die olympischen Sportarten so gut es geht zu fördern.[21]

Durch den DTSB wurde ein Dachverband geschaffen, der ab 1957 die wichtigen Aufgaben innerhalb der sportlichen Organisation der DDR übernahm. Es war eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die nun den Aufbau eines leistungsorientierten Sportsystems übernahm. Trotz der vermeintlichen Unabhängigkeit des DTSB, stand dieser immer noch unter dem Einfluss der SED und des Staates.

3. 4. Kinder- und Jugendsport in der DDR

Dem Kinder- und Jugendsport wurde durch die Gründung des DTSB große Aufmerksamkeit geschenkt. Um eine möglichst anspruchsvolle Leistungsförderung der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten, wurde 1964/65 die Spartakiaden Bewegung gegründet. Diese wurde sowohl vom staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport, als auch vom Zentralkomitee der SED bewilligt und unterstützt. Das Ziel der Spartakiaden war es die Kinder und Jugendlichen der DDR zum regelmäßigen Sporttreiben zu erziehen und gleichzeitig gezielt nach potenziellen Leistungssportlern Ausschau zu halten. Die Spartakiaden wurden sowohl auf Kreis- als auch auf Bezirksebene durchgeführt. Durch die Spartakiaden wurden einige spätere Leistungssportler wie Max Klauß, Peter Giese oder Achim Kist (alle Leichtathleten) entdeckt. In den 1970er Jahren entwickelte sich so eine Massenbewegung innerhalb der DDR.[22]

Weiterhin gab es Mitte der 1970er Jahre einen einheitlichen Lehrplan für die Schulen. Dieser konzentrierte sich hauptsächlich auf die Ausbildung von „Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Gewandtheit und Beweglichkeit“[23]. Durch diesen einheitlichen Lehrplan sollten die Kinder- und Jugendlichen gezielt auf einen eventuellen späteren Werdegang als Leistungssportler vorbereitet werden.[24]

[...]


[1] Fortlaufend: DDR.

[2] Fortlaufend: BRD.

[3] https://www.welt.de/welt_print/kultur/article5332196/Sport-ist-Mittel-zum-Zweck.html (Stand: 25.04.2018, 14:16 Uhr).

[4] Fortlaufend: SED.

[5] Fortlaufend: UdSSR.

[6] http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39600/besatzung?p=3 (Stand: 25.04.2018, 15:23 Uhr).

[7] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): Geschichte des DDR-Sports. Spotless-Verlag, 2002, S. 45.

[8] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 46.

[9] Fortlaufend: DS.

[10] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 46.

[11] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 44-46 und 56.

[12] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 50-52.

[13] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 74-78.

[14] Fortlaufend: NOK.

[15] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 80.

[16] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 81 u. 85.

[17] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 95-98.

[18] Wagner, Ringo: Der vergessene Sportverband der DDR. Die Gesellschaft für Sport und Technik in sporthistorischer Perspektive. Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 2006, S. 39-41.

[19] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 112-114.

[20] Fortlaufend: DTSB.

[21] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 121-130 u. 266-268.

[22] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 244-245.

[23] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 273.

[24] Wonneberger, Günther/ Helmuth Westphal (u.a.): S. 273-274 u. 340-341.

Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668753686
ISBN (Buch)
9783668753693
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433450
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Sportwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
eine untersuchung strukturen sports

Autor

  • Cordula Schoepe (Autor)

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Titel: Eine Untersuchung der organisatorischen Strukturen des Sports in der DDR und der BRD (bis 1989)