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Die Operante Konditionierung und ihre Rolle in der Psychotherapie

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hinführung zum Thema

2 Definition der operanten Konditionierung
2.1 „Law of Effect“ by Thorndike
2.2.1 Burrhus F. Skinner und die Theorie des Lernens durch Verstärkung
2.2.2 Positive und negative Verstärkung
2.2.3 Positive und negative Bestrafung
2.2.4 Verstärkerpläne
2.3 Shaping
2.4 Chaining
2.5 Extinktion

3 Rolle der operanten Konditionierung in der Psychotherapie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Hinführung zum Thema

Diese Hausarbeit behandelt das Thema Operante Konditionierung und ihre Rolle in der Psychotherapie.

Die Lernform der operanten Konditionierung ist eine elementare Lerntheorie, mit der wir Menschen im Alltag immer wieder konfrontiert werden. Auch wenn dieser Vorgang zumeist unbewusst stattfindet, ist er unverzichtbar für den Menschen. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein neugieriges kleines Kind, welches seine Finger auf eine eingeschaltete Herdplatte legt. Durch die enorme Hitze verbrennt es sich dabei die Finger. Die Regung, des Griffs auf die angeschaltete Herdplatte wird nun in Zukunft mit diesem Schmerz verknüpft und das Kind wird es in Zukunft vermeiden, auf die angeschaltete Herdplatte zu greifen (Essau, 2003, S.14).

Die operante Konditionierung ist also essenziell für den Menschen, da es hierbei um das unbewusste Lernen von Reiz-Reaktions-Verbindungen geht, bei denen eine Verknüpfung zwischen einem Reiz und der darauffolgenden Reaktion stattfindet. Sie wird jedoch auch gezielt als Lernform eingesetzt. So ist sie ein wichtiger Bestandteil vieler Erziehungsratgeber für Kinder oder ein beliebtes Mittel für Tiertrainer. Vor allem ist die operante Konditionierung jedoch ein wichtiges Werkzeug für viele Psychologen, besonders in der Verhaltenstherapie bei Kindern. Hier hat sich diese Konditionierungsform als effektives Mittel zur Behandlung verschiedener psychischer Probleme, wie zum Beispiel aggressives Verhalten oder Hyperaktivität bewährt. Das Interessante hierbei ist, dass die operante Konditionierung bei psychischen Problemen und Suchtkrankheiten, zum Beispiel Alkohol- oder Drogensucht einer der Auslöser, aber auch ein Heilmittel ist (Garbusow, 2013, S.184).

Diese Seminararbeit befasst sich daher mit der Fragestellung, was unter dem Prozess der operanten Konditionierung zu verstehen ist und welche Rolle diese Lernmethode in der Verhaltenstherapie einnimmt.

Hierbei werden insbesondere die Entdeckung dieses Phänomens, sowie die Grundlagen und Weiterentwicklungen der operanten Konditionierung behandelt. Darauffolgend wird unter Hinweis auf entsprechende empirische Studien ein Einblick gegeben, welche Rolle die operante Konditionierung in der Verhaltenstherapie spielt.

Um den Lesern näher zu bringen, worum es sich bei der operanten Konditionierung handelt, wird zunächst in Kapitel 2 eine allgemeine Definition, sowie eine Erläuterung dieser Lernform gegeben. Anschließend wird in den Kapiteln 2.1 und 2.2 die Geschichte und die Entdeckung der operanten Konditionierung vorgestellt. Hierbei wird ein Einblick in die Arbeiten und Theorien der Wissenschaftler Edward Lee Thorndike und Burrhus Frederic Skinner gegeben. Um zu verdeutlichen, wie diese Art der Konditionierung funktioniert, werden danach die Grundlagen und zentralen Bestandteile der operanten Konditionierung, wie die Verstärker und Bestrafungsmechanismen, sowie weitere Grundmechanismen in den Kapiteln 2.2.2 bis 2.5 dargestellt. Anschließend folgt in Kapitel 3 die Beschreibung der Rolle der operanten Konditionierung in der Psychotherapie. Hierbei werden die Einsatzgebiete der zuvor erläuterten Bestandteile der operanten Konditionierung aufgezeigt und unter Zuhilfenahme empirischer Studien an Beispielen verdeutlicht. Zum Abschluss der Arbeit wird in Kapitel 4 ein Fazit gegeben.

2 Definition der operanten Konditionierung

Unter dem Begriff Operante Konditionierung wird die Beeinflussung eines spontan gezeigten Verhaltens durch die Wirkung des Verhaltens auf die Umwelt verstanden. Ein spontan gezeigtes Verhalten wirkt operant, also aktiv auf die Umwelt ein und erzeugt dadurch Konsequenzen dieses Verhaltens in Form einer Verstärkung oder einer Bestrafung. Diese Konditionierungs- und Lernform wird deshalb als operant bezeichnet, weil die Reaktion eines Individuums instrumentell für das Auftreten einer Verstärkung ist und hierbei für eine Reaktionsklasse steht (B.F. Skinner, 1973, S.69).

Es handelt sich hierbei um eine Lerntheorie, bei der je nach Art der Konsequenz die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Verhaltensweise erhöht oder gesenkt wird. Eine Verhaltensweise wird demnach häufig gezeigt, wenn die Reaktion der Umwelt positiv ist. Ist die Reaktion negativ oder es erfolgt keine Reaktion, wird das Verhalten weniger oder gar nicht mehr gezeigt. Es hängt also alles davon ab, ob das operante Verhalten positive oder negative Konsequenzen hat (Edelmann, 2000, S.68).

2.1 „Law of Effect“ by Thorndike

Der amerikanische Wissenschaftler Edward Thorndike versuchte Ende des 19. Jahrhunderts in Experimenten mit Katzen, seine Theorie der Reiz-Reaktions Verbindung (englisch: stimulus-response connection) kurz S-R Verbindung zu beweisen. Lernen war nach seiner Theorie eine Verbindung zwischen Reizen der Situation und Reaktionen, welche die Tiere erlernt hatten. Um dies zu beweisen, sperrte er Katzen in Puzzleboxen mit verschiedenen Hebeln ein. Um diese Boxen zu öffnen und Futter zu erhalten, musste der Hebel, der den Türöffnungsmechanismus betätigt, gedrückt werden. Die Katzen kämpften gegen ihr Eingesperrt sein an. Als sich die Tür durch eine impulsive Handlung öffnete, wurden die nicht erfolgreichen Impulse verdrängt und der erfolgreiche durch die resultierende Freude hervorgehoben. Die Katzen lernten allmählich, dass eine angemessene Reaktion, wie das Drücken eines Hebels in der Stimulusumgebung der Puzzlebox, zu dem gewünschten Ergebnis der Freiheit führt. Das Lernen der beschriebenen S-R Verbindung basiert hierbei auf Versuch und Irrtum. Die Häufigkeit der Handlung, welche eine befriedigende Konsequenz zeigt, nimmt dabei allmählich zu und wird zu einer dominanten Verhaltensweise (Thorndike, 1898, zitiert nach Gerrig & Zimbardo, 2008, S.207).

Thorndike stellte mit diesen Forschungen dar, dass für die Einprägung einer Verbindung, die Wirkungen wesentlich wichtiger sind als die Häufigkeit des Einübens und leitete daraus das „Law of Effect“ ab. Dieses sagt aus, dass Reaktionen, welche unmittelbar vor einem zufriedenstellenden Reiz ausgeführt werden, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wiederholt werden. Auch für das Gegenteil trifft dieses Gesetz zu, so werden Reaktionen, die unmittelbar vor einem unangenehmen Zustand ausgeführt werden, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht wiederholt. Thorndike bezeichnet diese Zustände als satisfier und annoyer. Als satisfier wird ein zufriedenstellender Zustand bezeichnet, welchen das Tier gerne aufrechterhalten möchte. Ein annoyer ist im Gegensatz dazu ein unbefriedigender Zustand, welchem das Tier zu entkommen versucht. Das „Law of Effect“ stellt somit ein grundsätzliches Modell des operanten Lernens dar (Thorndike, 1913, zitiert nach Lefrancois, 2006, S.67).

2.2.1 Burrhus F. Skinner und die Theorie des Lernens durch Verstärkung

Die operante Konditionierung in ihrer heutigen Form geht jedoch auf den Wissenschaftler Burrhus Frederic Skinner zurück. Dieser hatte das Ziel zu erklären, welche Bedingungen das Verhalten wirksam beeinflussen. So stimmte er zwar Pawlow, welcher mithilfe seiner Hundeversuche, das klassische Konditionieren begründete, in vielen Punkten zu. Er war sich jedoch sicher, dass das klassische Konditionieren nur einen geringen Teil der angelernten menschlichen Verhaltensweisen beschreiben könne. (Lefrancois, 2006, S.91/92)

Er griff daher die Theorien Thorndikes auf und entwickelte diese weiter. Zu diesem Zweck führte er Experimente mit der so genannten Skinner-Box durch, in welcher nüchterne Ratten einen Hebel betätigen müssen, um Futter zu erhalten. Im Gegensatz zu Thorndike wartete er jedoch nicht ab, bis die Versuchstiere die gewünschte spontane Reaktion zeigten, sondern konstruierte die Skinner-Box so, dass jede Verhaltensänderung in Richtung des gewünschten Endverhaltens mithilfe von Futter verstärkt wurde. Skinner stellte dabei fest, dass durch die Futtergabe die Verhaltensweise stark vermehrt werden konnte und leitete daraus seine Theorie des Lernens durch Verstärkung ab. Diese besagt, dass eine Verbindung zwischen dem operanten Verhalten und den Konsequenzen, die darauf Folgen, besteht. Diese Beziehung wird als Kontingenz bezeichnet. (Edelmann, 2000, S.66,68,69)

Dabei lassen sich drei Arten von möglichen Konsequenzen unterscheiden, die Verstärkung, die Löschung und die Bestrafung. (Skinner, 1973, S.70,73,173)

2.2.2 Positive und negative Verstärkung

Die Verstärkung hat die Aufgabe, die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens zu erhöhen. Durch gezielte Konditionierung mithilfe eines Verstärkers wird also die Wahrscheinlichkeit, dass eine gewünschte Reaktion stattfindet, erhöht (Skinner, 1973, S.70).

Es gibt zwei Arten von Verstärkern, die primären sowie die sekundären. Primäre Verstärker sind Nahrung, Wasser, sexueller Kontakt oder auch die Flucht aus nachteiligen Situationen. Diese wirken auch ohne vorher stattgefundenen Lernprozess verstärkend, weil sie stark mit dem Wohlbefinden zusammenhängen und angeboren sind. Sekundäre Verstärker sind Geld, Liebe oder Zeugnisse. Dies sind Konsequenzen, welche ursprünglich nicht verstärkend wirken, erst durch eine Verknüpfung mit einem primären Verstärker werden diese wirksam. Sie werden, durch die Koppelung mit den primären, zu generalisierten Verstärkern. So ist das Geld rein materiell unwichtig und ein bloßer Gegenstand, durch seinen Tauschwert jedoch, wird es zu einem sehr wichtigen sekundären Verstärker, da Geld gegen eine Vielzahl von primären Verstärkern eingetauscht werden kann (Skinner,1973, S.76,77,81,82,83).

Sekundäre Verstärker haben gegenüber primären den Vorteil, dass es nicht so schnell zu einer Sättigung kommt. So ist Geld für viele Menschen immer wieder ein Anreiz, während man nach dem Konsum von viel Wasser nicht mehr durstig ist (Edelmann, 2000, S.76).

Positive Verstärkung bewirkt, dass ein Verhalten, welches eine befriedigende Konsequenz hervorruft, in der Zukunft mit höherer Wahrscheinlichkeit stattfindet. Die Ratte, welche einen Futterhebel betätigt und als Belohnung dafür eine Futterpille erhält, wird dieses Verhalten öfter zeigen. Der Verstärker ist in diesem Fall das Futter (Lefrancois, 2006, S.95, 96).

Die negative Verstärkung findet in einer Situation statt, in welcher die Reaktion zur Beseitigung eines unerfreulichen Zustands führt. Aufgrund der Wegnahme einer unangenehmen Komponente der Situation steigt die Wahrscheinlichkeit an, dass dieses Verhalten wieder stattfindet. So wird eine Ratte, die einen Hebel betätigt, welcher den Strom abschaltet, der ständig durch das Bodengitter fließt, diesen Hebel mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der Zukunft wieder betätigen. Das Abschalten des elektrischen Stroms ist somit der negative Verstärker. Das Verhalten, den Hebel zu betätigen, beseitigt hierbei eine negative Kontingenz (Lefrancois, 2006, S.95, 96).

2.2.3 Positive und negative Bestrafung

Die Bestrafung hat im Gegensatz zur Verstärkung nicht eine Stärkung des Verhaltens, sondern eine Unterdrückung von diesem zur Folge. Es gibt zwei Formen der Bestrafung, die positive sowie die negative (Lefrancois, 2006, S.95).

Die positive Bestrafung, welche auch als Bestrafung erster Art bezeichnet wird, besteht darin, dass auf ein Verhalten eine negative Kontingenz, in Form eines aversiven Stimulus folgt. So wird einem Kind, welches in der Kirche kichert in die Seite gekniffen. Der aversive Stimulus des Schmerzes sorgt dafür, dass das Kind aufhört zu kichern. Ebenso wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in Zukunft in der Kirche kichert gesenkt (Skinner, 1973, S.176).

Bei der negativen Bestrafung, die auch als Bestrafung zweiter Art bezeichnet wird, erfolgt der Wegfall eines angenehmen Reizes. So wird einem Kind, welches seinen kleinen Bruder geschlagen hat, das Taschengeld entzogen. Das Kind wird lernen, seinen kleinen Bruder nicht mehr zu schlagen, da es die Konsequenz des Entzugs des Taschengelds mit dem Schlagen des kleinen Bruders verknüpft (Gerrig & Zimbardo, 2008, S.209, 210).

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Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668756915
ISBN (Buch)
9783668756922
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433556
Institution / Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,0
Schlagworte
Operante Konditionierung Hausarbeit Wirtschaftspsychologie Konditionierung Psychotherapie Konditionierung Rolle der operanten konditionierung Hausarbeit Konditionierung

Autor

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