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Spezielle Erfahrungsfelder: Anfängerschwimmen mit Schülern der Schule für Körperbehinderte und begleitende Theorie

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Theoretische Aspekte und Konzepte
1.1 Das Konzept von Anfängerschwimmen im Allgemeinen
1.2 Die Ziele des Schwimmens – Das Selbstkonzept nach Epstein
1.3 Der Umgang mit der Angst
1.3.1 Die räumliche Gestaltung
1.3.2 Die Beziehungsebene

2. Beschreibung der Schülerin
2.1 Medizinische Diagnose und Hilfsmittelversorgung
2.2 Biographie
2.3 Kulturelle und familiäre Situation
2.4 Emotionaler Entwicklungsstand
2.5 Kognitiver Entwicklungsstand
2.6 Motorischer Entwicklungsstand
2.7 Besonderheiten der aktuellen Situation (Bedürfnisse, Motivation, Interessen)

3. Reflexion der eigenen Erfahrungen

4. Literaturverzeichnis

1. Theoretische Aspekte und Konzepte

1.1 Das Konzept von Anfängerschwimmen im Allgemeinen

Sowohl bei behinderten als auch bei nicht behinderten Kindern sollte das Erlernen des Schwimmens Schritt für Schritt erfolgen. Ein strukturiertes Konzept dazu liefern Kurt Wilke und Klaus Daniel. Bevor Kinder mit einer Anfängerschwimmart konfrontiert werden, sollten sie schon viele Stunden im Wasser verbracht haben. Zum Erlernen des Schwimmens sind schon die ersten Kontakte mit Wasser von zentraler Bedeutung und beginnt keineswegs erst mit dem Erlernen einer Anfängerschwimmart. Die Grundvorrausetzungen werden innerhalb der so genannten „Wassergewöhnung“ und „Wasserbewältigung“[1] geschaffen.

Schwimmanfänger müssen sich an viele neue Reize gewöhnen. Dazu gehört z.B. die Veränderung der Temperatur. Im Wasser reduziert sich die Körpertemperatur, was nicht nur an der Wassertemperatur selbst, sondern auch an der Verdunstungskälte liegt. Eine weitere neue Erfahrung stellt der Wasserdruck dar. Zwar ist in der Wassertiefe, in der sich Schwimmanfänger bewegen, also in brusthohem Wasser, der Wasserdruck noch nicht sonderlich hoch, doch gerade Kinder verspüren manchmal ein einengendes Gefühl beim Atmen, da ihr Brustkorb noch klein und weich ist.

Ziel der Wassergewöhnung ist es, durch spielerische Elemente von den „noch“ unangenehmen Reizen des Wassers abzulenken, bis sie nicht mehr als störend wahrgenommen werden. Dies kann am Besten durch Spiele in der Gruppe erfolgen. Beim Spielen mit einem Ball wird über das auftretende Spritzwasser hinweggesehen. Würden Wasserspritzer ohne Spielsituation vor dem Gesicht eines wasserunangepassten Kindes entstehen, würde es dies sicherlich als unangenehm empfinden. Dies ist nur ein Beispiel.

Es gibt vielfältige spielerische Möglichkeiten, Kindern mit und ohne Behinderung, das Vertraut-Machen mit dem Wasser so angenehm wie möglich zu gestalten.

Wilke und Daniel empfehlen bekannte Spiele vom Land ins Wasser zu übertragen.[2] Vertraute Elemente geben ein Gefühl von Sicherheit. Die Bedrohlichkeit des Wassers rückt in den Hintergrund.

Speziell für gehbehinderte Kinder gibt es zahlreiche Übungsvorschläge[3]:

- „Die Insel“: Der Helfer stellt eine Insel dar, an der das Kind sich lang hangeln kann.
- „Blasen machen“: Das Kind soll versuchen ins Wasser zu pusten.
- „Ins Haus, aus dem Haus“: Der Helfer fasst mit beiden Händen an den Beckenrand und stellt ein Haus dar. Das Kind, das sich ebenfalls am Beckenrand festhält, versucht nun, hinein und hinaus zu tauchen.
- „Augen öffnen unter Wasser“: Als Anreiz kann der Helfer unter Wasser eine bestimmt Anzahl von Fingern zeigen. Das Kind soll versuchen die Finger unter Wasser zu zählen. Eine Schwimmbrille ist hier sehr nützlich.

Nach einer erfolgreichen Wassergewöhnung ist der nächste Schritt die „Wasserbewältigung“. „Ist die Habituation an das Zuviel und Zustark der „Wasserreize“ eingetreten, gilt es, die Eigenschaften des Wassers zum statischen Schwimmen – Auftreiben und Gleiten – sowie zum dynamischen Schwimmen – aktiven Fortbewegungen zu nutzen, das Wasser wird bewältigt.“[4]

Innerhalb der Wassergewöhnung und Wasserbewältigung sollen folgende Teillernziele erreicht werden:

- Eintauchen
- Hineinspringen
- Atem anhalten
- Schweben
- Auftreiben
- Gleiten
- Fortbewegen
- Ein- und Ausatmen

Fast alle Teillernziele stehen in ganz engem Zusammenhang. Auf das Tauchen folgt ganz automatisch das Auftreiben. Ein aufgetriebener Körper befindet sich wiederum in der Schwebe. Das Tauchen stellt also die Basis für das Schwimmenlernen dar. Es werden hierbei auch Schutzreflexe abgebaut, die für das Schwimmen hinderlich sind. Erst wenn alle Teillernziele erreicht sind, sollte man mit dem Erlernen der Anfängerschwimmart beginnen. Beginnt man vor dem Zeitpunkt, an dem sich das Kind mit dem Wasser „angefreundet“ hat, so ist eine Überforderung denkbar.

Bei Kindern mit einer Behinderung ist die Beobachtung der spezifischen Kompetenzen von großer Bedeutung. Wenn man weiß, welche Bewegungen ihnen zur Verfügung stehen, so lässt sich erschließen, wie diese zur Fortbewegung genutzt werden können. Natürlich gibt es auch Teillernziele, die nicht erreicht werden können. Manche Kinder werden nicht selbständig ins Wasser hineinspringen können, weil ihre Behinderung dies nicht zulässt. Eventuell kann dieses Teillernziel dann mit Hilfe erreicht werden. Hier ist eine individuelle Beurteilung wichtig, um zu erkennen, wann ein Kind bereit ist, eine Schwimmart zu erlernen. Es darf nichts überstürzt werden. Jedes Kind bestimmt selbst die Geschwindigkeit seiner Entwicklung.

1.2 Die Ziele des Schwimmens – Das Selbstkonzept nach Epstein

Der Schwimmunterricht, wie er auch an der Körperbehindertenschule Belvederestraße regelmäßig unter der Leitung von Horst Strohkendl durchgeführt wird, folgt einem Konzept, dass im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt werden soll.

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Ziel des Schwimmunterrichts. Zum einen steht natürlich das Ziel des „selbständigen Schwimmens“[5] im Vordergrund. Dabei ist das übergeordnete Ziel, das teilnehmende Kinder wieder beim Schwimmunterricht des Klassenschwimmens zu integrieren. Neben diesem offensichtlichen Ziel spielt die Bewältigung der Angst eine große Rolle. Das Wasser wird als „lebensbedrohliches Element“ wahrgenommen[6].

Kinder mit einer Gehbehinderung können auf Grund ihrer körperlichen Vorraussetzungen kaum sicheren Kontakt zum Boden des Schwimmbeckens finden. Dieser Kontakt kann Kindern ohne Behinderung Vertrauen geben. Bei Schülern mit Behinderung entstehen noch schneller psychische Barrieren, als bei Kindern ohne Behinderung.

Wenn es erst einmal gelungen ist, die Große Angst vor dem Element Wasser zu überwinden, kann daraus Kraft geschöpft werden für andere angsteinflössende Situationen. Das Anfängerschwimmen kann ein Vorbildcharakter für die Bewältigung vieler Herausforderungen im Leben der Schüler haben. Mit dem Wissen, dass sie es geschafft haben, die Angst vor dem Wasser durch Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu ersetzen, haben sie den Mut und vor allem das Selbstvertrauen immer wieder Ängste zu überwinden zu können.

[...]


[1] Daniel/Wilke (2004), S.12

[2] Daniel/Wilke (2004), S.13

[3] vgl. Strohkendl (1988), S. 2ff.

[4] Daniel/Wilke (2004), S.14f,

[5] Strohkendl (1984), S.39

[6] Strohkendl (1989), S.32

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638412315
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43448
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
Spezielle Erfahrungsfelder Anfängerschwimmen Schülern Schule Körperbehinderte Theorie

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