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Die Versuche und Strategien zur Diversifizierung der Wirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)

Hausarbeit 2018 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Diversifizierung als Zukunft...1

2. Erdöl und Erdgas als Wirtschaftsgrundlage2

3. Die Diversifizierung der Wirtschaft .3
3.1 Golf Kooperationsrat und Freihandelszonen
3.2 Die Metallindustrie und Exporte
3.3 Die Weltausstellung EXPO
3.4 Der Bauboom und der Tourismus
3.5 Die Nahrungsmittelindustrie
3.6 Energiestrategien

4. Bilanz und Ausblick als SWOT-Analyse

Literaturverzeichnis

1. Die Diversifizierung als Zukunft

„In der Diversifizierung liegt unsere Zukunft.[1]

Im Jahr 2007 äußerte der Staatsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) - Anwar Gargash – diesen Satz, der die Intension dieser Arbeit in sehr gutem Maße wiederspiegelt.

Zunächst ist es notwendig, den Begriff Diversifizierung zu definieren, da dieser eine zentrale Rolle in der Arbeit spielen wird. Unter Diversifizierung versteht man in der Wirtschaft eine Strategie, die die Erweiterung einer Institution um Branchen oder Wirtschaftszweige umfasst. Der Aufbau eines neuen Standbeins kann somit beispielsweise das Senken von Risiken ermöglichen.[2]

Ebenfalls von Anwar Gargash 2007 ausgesprochen wurde Folgendes:

Wir müssen mit dem Modell des Rentier-Staates brechen“ [3]

Ein Rentierstaat basiert auf dem Wirtschaftssystem der Rentier-Ökonomie. Das Ziel dieses Systems ist nicht die Erstellung eigener Wirtschaftsleistungen oder die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Vielmehr geht es um die Sicherung des Einkommens durch kontinuierliche Einnahmen und die Absicherung von außen. In Ländern des Vorderen Orients ist diese politische Haltung laut Rentier-Staats-Theorie meist der ausschlaggebende Faktor für Entwicklungsblockaden.[4]

Im Falle der VAE sind die kontinuierlichen Einnahmen, welche eine zentrale Rolle in einem Rentierstaat spielen, die natürlich vorkommenden Rohstoffressourcen. Ein großer Teil des emiratischen Reichtums basiert auf Erdöl - trotzdem versuchen die Scheiche, diese Abhängigkeit der Wirtschaft von Öl zu mindern. Die VAE arbeiten bereits an der Umsetzung von verschiedenen Ansätzen, um nicht zu einem solchen Staat zu werden und sind daher stets auf der Suche nach neuen Einkommensquellen.

So entsteht eine Verbindung von verschiedenen Konzepten nationaler Innovationsstrategien. Für ein gesichertes Wirtschaftswachstum ist vor allem die Förderung von Dienstleistungen, Arbeitskräften und Gütern notwendig. Der Strukturwandel zieht sich auch in die Judikative. Eine Auflockerung der zentralen Legislative, sowie die Entstehung von Freihandelszonen und Abkommen ebnen den Weg für eine Öffnung bezüglich der Investitionsmöglichkeiten und ausländischer Institutionen. Das finanzielle Fundament, welches durch die Rohstoffexport entsteht, dient der Entwicklung eines diversifizierten Wirtschaftsgebiets, an dessen Spitze sich Dubai als internationale Dienstleistungsmetropole konstituieren soll. Die Förderung besonders relevanter Branchen ist das Hauptziel der VAE.

Damit die Vereinigte Arabische Emirate auch nach dem Versiegen der Erdöl- und Erdgasquellen noch wirtschaftlich stark bleiben, müssen neue Ideen geschaffen und umgesetzt werden. Diese Ideen und Umsetzungen werden in dieser Arbeit als Diversifizierung bezeichnet.

2. Erdöl und Erdgas als Wirtschaftsgrundlage

Die bisherige Wirtschaft der Emirate, die durch Perlentaucher und Nomaden geprägt wurde, erlebte mit dem ersten Ölfund im Jahr 1958 im Emirat Abu Dhabi einen immensen Wandel.[5] Mit einiger Verzögerung kam es schließlich auch zu Entdeckungen von Erdöl in Dubai (1966), Sharjah (1970er) und Ras al Khaimah (1984). Abgesehen von Umm al Quwain, das nur Erdgas besitzt, verfügen die restlichen Emirate weder über Öl noch Gas. Mit Abstand stellt Abu Dhabi das rohstoffreichste Emirat dar, da dieses 95% der Rohstoffe des gesamten Wüstenstaates innehat.[6]

Infolge des hohen Erdölvorkommens beruht die gesamte Wirtschaft der Emirate auf diesen Rohstoffen – das spiegelt auch das Ranking der erdöl- und erdgasreichsten Länder der Welt wieder, in welchem die Emirate Platz 10 erreichen. Sowohl Erdöl als auch Erdgas werden „onshore“ (zu Lande) und „offshore“ (im Meer) abgebaut.[7] Anfang des Jahres 2017 betrugen die Vorräte an Öl 97,8 Milliarden Barrel, was Platz 7 des Weltrankings entspricht. Mit ihrem Erdgasvorkommen belegen die VAE ebenfalls Platz 7 und decken mit 6,09 Milliarden m³ circa 3,5% der Weltvorräte ab. Bei gleichbleibenden Fördermengen sollten die Rohstoffe erst in etwa 120 Jahre zur Neige gehen.[8] Da jedoch nicht das gesamte Vorkommen für den Eigenbedarf genutzt wird, spielt auch der Export eine große Rolle – mit 36,5% stellt Japan den größten Abnehmer dar. Der gesamte Ölsektor wird von der staatlichen Institution ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) verwaltet und von SPC (Supreme Petroleum Council) kontrolliert. Da nicht alle Emirate über diese Rohstoffe verfügen, werden sowohl alle Einnahmen aus Ressourcen als auch ressourcenfremde gemäß den Gesamtstaatseinnahmen solidarisch unter allen 7 Emiraten aufgeteilt. Dadurch soll ein gleichverteilter Entwicklungsverlauf der Wirtschaft in allen Emiraten gewährleistet werden.[9]

3. Die Diversifizierung der Wirtschaft

Als Konsequenz der stabilen wirtschaftlichen Wachstumsraten und eines weltweiten Anlagevermögens von geschätzt mehreren hundert Milliarden Euro, stellen die Emirate einen der reichsten Staaten und finanzkräftigsten Investoren der Welt dar. Die VAE bildeten in 2016 durch den Außenhandel mit Deutschland (14,4 Mrd. EUR und 2015: 14,6 Mrd. EUR) den größten deutschen Absatzmarkt in der arabischen Region (vor Saudi-Arabien). Selbst auf die gesamte Welt betrachtet, stehen die VAE auf Platz 20 der Zielländer für den deutschen Export. Das Pro-Kopf-Einkommen 2017 betrug 37.346 USD und die Inflationsrate lag bei 2,1 %, (2016 bei 1,8%). Die Verringerung des wirtschaftlichen Wachstums im Jahr 2017 ist auf die niedrigen Ölpreise zurückzuführen. Als Resultat der großen finanziellen Rücklagen des Emirats Abu Dhabi können die niedrigen Ölpreise jedoch ausgeglichen werden. Für das Jahr 2018 wird ein inflationsbereinigtes Wirtschaftswachstum von 3,4 % vorhergesagt (2017 betrug dies 1,3 %). Der Löwenanteil soll hierbei aus dem Nicht-Ölsektor entstehen, nämlich 3,3 %. Auch die Expo 2020 Dubai rückt bei dieser Thematik immer mehr in den Vordergrund. Diese Weltausstellung wird im Kapitel 3.3 näher beschrieben.[10] Die Diversifikation der Wirtschaft zeigt auf Einkommensbasis bereits die ersten Erfolge, da durch Einsparungen und anderer Ansätze erste Verluste kompensiert werden konnten. Hierfür steht beispielhaft die drastische Kürzung der Zuschüsse für Wasser und Strom und die exhaustive Eliminierung der Zuschüsse für Benzin. Überdies wurde zu Beginn des Jahres 2018 eine Mehrwertsteuer in Höhe von fünf Prozent implementiert.[11] Um auch langfristig für die Unabhängigkeit des Wirtschaftssystems zu sorgen, hat der Staat schon wirtschaftliche Diversifizierungspläne aufgestellt:[12]

„Schlüsselsektoren sind Logistik, Handel (v.a. Re-Exporte), Veranstaltung von Messen, Tourismus und Finanzdienstleistungen (insb. Dubai), aber auch energie- und kapitalintensiver Industriezweige (Stahl, Aluminium, Petrochemie) und Hochtechnologie (Mikrochipproduktion, Erneuerbare Energien). Große Bedeutung kommt auch der Luftfahrt zu, die in den VAE schon für knapp ein Fünftel der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist.“ [13]

Eine Vielzahl der Bereiche dieses Zitates wird im Laufe der Arbeit näher erläutert und analysiert. Allerdings würde die Bearbeitung aller Bereiche den Rahmen dieser Arbeit überschreiten. Aus diesem Grund werden nur die Themen genauer beschrieben, die für das Gesamtbild der Arbeit ausschlaggebend sind.

3.1 Golf Kooperationsrat und Freihandelszonen

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind Teil verschiedener Wirtschaftsorganisationen, unter anderem der OAPEC (Organisation Arabischer Erdöl exportierender Länder) und der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder).[14] Die wichtigste Organisation, der die VAE angehört, ist jedoch der Golf Kooperationsrat (GCC). Dieser wurde am 25.5.1981 in Abu Dhabi gegründet und mit der Koordination der Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik betraut. Zusätzlich soll die gegenseitige Unterstützung im Verteidigungsfall sichergestellt werden. Fernziele des GCC sind außerdem eine Währungsunion und ein gemeinsamer Markt. Die aktuellen Mitglieder sind der Oman, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate; die Länder Jemen, Jordanien und Marokko streben in Zukunft eine Mitgliedschaft an.[15] Beispielsweise wurde auch das neue „Railway project“ 2016 in die Wege geleitet. Im Rahmen der laufenden Zusammenarbeit zwischen dem GCC-Generalsekretariat, den GCC-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission wurde am 7. März 2016 ein Workshop zur Stärkung der Zusammenarbeit im Verkehrssektor zwischen den beiden Seiten mit dem Schwerpunkt Eisenbahn und Luftfahrt durchgeführt. Man erkannte die Bedeutung der Fortführung und Vertiefung ihrer Zusammenarbeit im Verkehrssektor, insbesondere im Eisenbahn- und Luftverkehr, Ausbildung und Kapazitätsaufbau und Transfer und Austausch von Fachwissen.[16]

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Wirtschaft der VAE sind die Freihandelszonen. Die Definition einer Freihandelszone lautet wie folgt:

„Wirtschaftsgebiet, in dem Zölle abgebaut und Handelshemmnisse zwischen den teilnehmenden Staaten verboten sind. Im Unterschied zur Zollunion können ihre Mitglieder aber eigene, nationale Zölle auf Einfuhren aus Drittstaaten erheben. Beispiel: Europäische Freihandelsvereinigung.“[17]

Die erste und bekannteste Freihandelszone in den Emiraten ist die Jebel Ali Free Trade Zone, welche gleichzeitig mit dem größten künstlichen Hafen der Welt in Dubai geschaffen wurde. Freihandelszonen entstehen meist in der Nähe von Häfen und/oder Flughäfen, da sich dort durch den zollfreien Import von Gütern vermehrt ausländische Unternehmen ansiedeln. Diese verarbeiten die Waren und befördern sie über die anliegenden Transportwege ins Ausland, da die Güter nicht zollfrei ins Inland eingeführt werden dürfen. Beispielsweise können dort Stoffe aus Asien von einer europäischen Textilfirma eingekauft, weiterverarbeitet und die Endprodukte ohne Zollgebühren weiter verschickt werden.[18] Im Normalfall benötigen ausländische Geschäftsleute in den VAE einen einheimischen Geschäftspartner. Nicht so in Freihandelszonen - das erwirtschaftete Kapital bleibt im Besitz des Unternehmens und das Kapital darf ohne Minderungen ins Heimatland transferiert werden. Da die bürokratischen Hürden für eine Niederlassung dort nicht sehr hoch sind, quartierten sich bereits über 1000 Firmen in Jebel Ali ein. In ganz Dubai findet man sogar circa 5000 internationale und gleichzeitig in Freihandelszonen angesiedelte Unternehmen.[19]

3.2 Die Metallindustrie und Exporte

Einen der mittlerweile bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes bildet die Aluminium- und Stahlindustrie. Als Folge dessen arbeitet Abu Dhabi an dem Vorhaben, in der Industriezone Kizad ein Metall-Cluster zu errichten. Dort wird derzeit eine Alumina Raffinerie gebaut, welche eine Kapazität von vier Millionen Tonnen pro Jahr aufweisen soll - damit wäre sie 2020 die weltweit größte ihrer Art. Durch die Bekanntgabe dieses Vorhabens siedeln sich zunehmend Unternehmen in Kizad an, welche die dort hergestellten Metalle weiterverarbeiten werden. Die Produktion in der Stahlindustrie gerät jedoch immer mehr in Bedrängnis, da chinesische Billigimporte sinkende Preise verursachen und sowohl die nationale als auch die internationale Nachfrage nachgelassen hat.[20] Jedoch erwartet die Stahlherstellung eine erhöhte Nachfrage für die EXPO 2020 und den Entwicklungsplan UAE Vision 2021. Die Baustahlindustrie in den VAE besitzt große Kapazitäten durch lokale Unternehmen wie Qasco Dubai Steel, Emirates Steel und RAK Steel Plant.[21]

Die Folgenden Abbildungen 1 und 2 sollen den Wandel in Bezug auf den Export des Landes von 2014 auf 2016 verdeutlichen. 2014 betrug der Anteil mineralischer Produkte noch 67% des gesamten Exports, während Edelmetalle als nächst größerer Sektor mit 12% vergleichsweise wenig Anteil besaßen (Vgl. Abbildung 1). Den größten Sektor in 2016 hatten weiterhin die bisherigen Bodenschätze Erdöl und Erdgas inne, jedoch nur noch mit einem Beitrag von 33%. Doch der Export von Edelmetallen (v.a. Gold) stieg auf 27% und liegt somit nur noch knapp hinter den mineralischen Produkten (Vgl. Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Exporte der VAE 2014

Quelle: Atlas.media.mit.edu (2018): What does the United Arab Emirates export? (2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Exporte der VAE 2016

Quelle: Atlas.media.mit.edu (2018): What does the United Arab Emirates export? (2016).

[...]


[1] Rabe, Christoph – Handelsblatt.com (2007).

[2] Vgl. Onpulson.de (2018): Diversifizierung.

[3] Rabe, Christoph – Handelsblatt.com (2007).

[4] Vgl. Spektrum.de (2001): Rentier-Ökonomie.

[5] Vgl. Adnoc.ae (2017): Our history.

[6] Vgl. Neuschäfer, Henning (2016) S.69 ff.

[7] Vgl. www.Bp.com (2018): Fördern von Öl und Gas und Walther, Heiner – Liportal.de (2017).

[8] Vgl. Walther, Heiner – Liportal.de (2017).

[9] Vgl. Walther, Heiner – Liportal.de (2017).

[10] Vgl. Auswaertiges-amt.de (2018): Vereinigte Arabische Emirate - Wirtschaft.

[11] Vgl. Auswaertiges-amt.de (2018): Vereinigte Arabische Emirate - Wirtschaft.

[12] Vgl. Auswaertiges-amt.de (2018): Vereinigte Arabische Emirate - Wirtschaft.

[13] Auswaertiges-amt.de (2018): Vereinigte Arabische Emirate - Wirtschaft.

[14] Vgl. Neuschäfer, Henning (2016) S.71 f.

[15] Vgl. Bpb.de (2018): GCC.

[16] Vgl. Gcc-sg.org (2018): Railway project.

[17] Bpb.de (2018): Freihandelszone.

[18] Vgl. Neuschäfer, Henning (2016) S.71 f.

[19] Vgl. Neuschäfer, Henning (2016) S.71 f.

[20] Vgl. Gtai.de (2017): Branchencheck Vereinigte Arabische Emirate (Dezember 2017).

[21] Vgl. Gtai.de (2017): VAE setzen bei Baustoffen weitgehend auf lokale Fertigung.

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668757493
ISBN (Buch)
9783668757509
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434481
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Wirtschaftsgeographie
Note
2,0
Schlagworte
versuche strategien diversifizierung wirtschaft vereinigten arabischen emiraten

Autor

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