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Innovative Organisationstheorien. Netzwerkansatz

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Organisation und Verwaltung - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangssituation
2.1 klassische Organisationstheorien
2.2 Veränderungen in Gesellschaft / Wirtschaft / Politik
2.3 Koordinationskonzept der Heterarchie

3. Netzwerkansatz
3.1 Definition von Netzwerken und der Netzwerktheorie
3.2 Grundbegriffe des Netzwerkansatzes
3.2.1 Differenzierungsmerkmale
3.2.2 Netzwerkmodelle bzw. -arten
3.2.3 Beziehungskonstellationen innerhalb von Netzwerken
3.2.4 Strukturmerkmale und strukturelle Positionen

4. Konzept der Transnational Solution von Bartlett/Goshal
4.1 Das globale, multinationale und internationale Modell
4.2 Das transnationale Modell

5. Kritische Würdigung

6. Fazit

Literaturverzeichnis II

1. Einleitung

Im Rahmen der Vorstellung des Zukunftsprogrammes TOGHETHER – Strategie 2025 der Volkswagen AG sagte Thomas Sedran, ehemaliger Leiter Konzernstrategie: „Wir müssen die Effizienz deutlich steigern – über die gesamte Wertschöpfungskette und alle Marken hinweg.“ (Volkswagen AG, 2018, Strategie-Bausteine) Daran wird deutlich, dass heutzutage nicht nur die Wissenschaft, sondern auch Unternehmen von einem organisationalen Wandel in Richtung von Wertschöpfungsnetzwerken betroffen sind. In Hinblick auf die Inhalte der Strategie 2025 wird außerdem klar, dass sich die Volkswagen AG noch stärker zu einem transnationalen Unternehmen entwickeln möchte. Aber was bedeutet das überhaupt? In diesem Assignment soll die transnationale Strategie basierend auf der Darstellung des Netzwerkansatzes präsentiert werden.

Das Primärziel dieses Assignments ist die Beantwortung der Forschungsfrage: „ Welche Strukturen weisen netzwerkorientierte Organisationen gemäß der Transnational Solution von Bartlett und Ghoshal auf? “ Ein Teilziel dessen ist das Verständnis der Ursachen für die Veränderung hin zu einer heterarchischen Unternehmenssteuerung. Des Weiteren soll die Begrifflichkeit des Netzwerkansatzes mit seinen Ausprägungen erklärt werden. Darauf basierend ist das letzte Unterziel die Darstellung der vier Strategietypen von Bartlett und Ghoshal.

Bei der Erarbeitung handelt es sich um eine literaturbasierte Analyse. Das Assignment wird in drei wesentliche Teile untergliedert, welche aufeinander aufbauen. Zu Beginn wird kurz die Ausgangssituation erläutert, indem die klassischen Organisationstheorien vorgestellt werden. Danach findet eine Darstellung der Veränderungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, welche teilweise die Ursache des Koordinationskonzeptes der Heterarchie sind, statt. Den zweiten Teil stellt der Netzwerkansatz an sich dar. Zum einen erfolgt hierbei die Definition des Netzwerkbegriffes und der Netzwerktheorie. Zum anderen werden Ausprägungen wie Differenzierungsmerkmale, Arten, Beziehungskonstellationen und die Strukturmerkmale eines Netzwerkes erörtert. Darauf aufbauend beschäftigt sich der dritte Teil mit der Transnational Solution von Bartlett und Ghoshal, wobei die verschiedenen Strategietypen und die dazugehörigen Wirkungszusammenhänge dargestellt werden. Der Fokus liegt in diesem Bereich auf der transnationalen Strategie, da diese auf dem Netzwerkansatz basiert. Den Abschluss bildet sowohl eine kritische Würdigung der Arbeit als auch ein Fazit, in dem die Forschungsfrage zusammenfassend beantwortet und die erzielten Ergebnisse resümiert werden.

2. Ausgangssituation

In diesem Kapitel soll eine Basis für den weiteren Forschungsverlauf geschaffen werden. Zuerst werden die klassischen Ansätze der Organisationstheorie skizziert. Danach findet eine Darstellung der Veränderungen im organisationalen Umfeld statt. Abschließend wird das Koordinationskonzept der Heterarchie als Übergang zu Netzwerkorganisationen vorgestellt.

2.1 klassische Organisationstheorien

Die Anfänge der Organisationstheorie lassen sich in die Zeit der Industrialisierung einordnen. In dieser Periode wurden Organisationen nach einer stark hierarchischen Struktur aufgebaut. Einer der grundlegenden Ansätze stammt von Max Weber. Er beschäftigte sich mit dem Idealtyp der Bürokratie, welcher den Umgang von Mitgliedern eines Unternehmens mit organisatorischen Regelungen in den Mittelpunkt stellt. Für Weber ist die Bürokratie eine Form der Herrschaft mit dem Ziel der bestmöglichen Erfüllung von Arbeitsaufgaben. Einen weiteren Grundpfeiler stellt das Scientific Management von Fredrick Winslow Taylor dar. Sein Anliegen war es, die Arbeitsweise in der Fertigung mithilfe von technischen und naturwissenschaftlichen Methoden zu verbessern und Verschwendung von Arbeitskraft zu vermeiden. Die Ergebnisse seiner Arbeit bilden die Grundlage der wissenschaftlichen Betriebsführung. (vgl. Bach/ Brehm/ Buchholz/ Petry, 2017, S.35-37) Ebenfalls wird der Faktor Mensch im Human-Relations-Ansatzes von Elton Mayo und Fritz Jules Roethlisberger betrachtet. Allerdings wird dort die Verknüpfung zwischen der Arbeitsmotivation sowie Zufriedenheit und der erbrachten Arbeitsleistung thematisiert. (vgl. Menez, o.A., S.32-35) Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie von Chester Irving Barnard aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ist ebenfalls den klassischen Ansätzen zuzuordnen. Die Organisation wird hier als Ganzes betrachtet. Dabei wird ermittelt, wodurch diese in der Lage ist, in einer dynamischen und immer komplexer werdenden Welt bestehen zu können. Eine besondere Bedeutung erhalten dabei die Entscheidungen der Organisationsmitglieder. (vgl. ebd., S.38-39) Zudem existiert die Kontingenztheorie, welche in den 60-er und 70er Jahren entstand. Darin wird die Anpassung einer Organisation an sich verändernde Umweltbedingungen und die jeweilige Situation in den Fokus gestellt. Allerdings wird hierbei die formale Struktur einer Organisation als Schlüsselelement gesehen, da sie Auswirkungen auf die Beziehungen der Organisationsmitglieder und folglich auf die Effizienz hat. (vgl. ebd., S.50-52)

2.2 Veränderungen in Gesellschaft / Wirtschaft / Politik

Unsere Gesellschaft und damit verbunden die Organisationstheorie befindet sich in einem Wandel. Bereits seit den 80er Jahren wird die Transformation zu einer Wissens- und Netzwerkgesellschaft beobachtet. Indikatoren sind beispielsweise die Zentralität von Wissen oder die Bildung einer Dienstleistungsgesellschaft. Neben Arbeit und Eigentum ist Wissen ein essentieller Produktionsfaktor. ( Dieser Wandel hat vielfältige Ursachen. Einen wesentlichen Beitrag leistet dazu die rasant voranschreitende Evolution der Informations- und Kommunikationstechnik.

Die Abschottung von Wirtschaftsräumen sinkt, wodurch die Komplexität für Unternehmen folglich zunimmt. Dieses Phänomen wird durch staatliche Deregulierungen oder die Reduzierung der Geltungskraft von Normen und Institutionen verstärkt. Mithilfe der entstehenden Dynamik in der Marktwirtschaft ) Aufgrund dieser Gegebenheiten muss die klassische Organisationstheorie modifiziert werden, indem entwicklungsorientierte Aspekte Berücksichtigung finden. (vgl. Heußler, 2011, S.83)

2.3 Koordinationskonzept der Heterarchie

Basierend auf den vorab genannten Veränderungen ist ebenfalls eine Modifikation der Prozesse innerhalb von Unternehmen notwendig. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob ein hierarchischer Unternehmensaufbau noch zeitgemäß ist, um die steigende Komplexität zu meistern. Besonders unter Berücksichtigung, dass die Interaktion vermehrt in vernetzten System stattfindet und über die Unternehmensgrenzen hinaus geht. (vgl. Buchholz/Knorre, 2017, S.18) Eine mögliche Form der Steuerung stellt das Koordinationskonzept der Heterarchie dar. Bei diesem Ansatz erfolgt eine polyzentrische Organisation der Heterarchie. Die Entscheidungsträger innerhalb des Systems sind gleichberechtigt. Die einzelnen Elemente sind miteinander verknüpft und Entscheidungen werden dezentral und meist nach dem Bottom-Up Prinzip getroffen. Die Voraussetzung ist, dass innerhalb der Einheiten in solch einem Wertschöpfungsnetzwerk ein hoher Freiraum in Bezug auf Entscheidungen existiert und die Selbststeuerung der Organisationsmitglieder im Vordergrund steht. (vgl. Kolesnewa, 2009, S.35-36) Es ist erkennbar, dass nicht nur die Organisationssoziologie, sondern auch Unternehmen von einem Wandel betroffen sind. Ein Beispiel dafür ist die Verschiebung der Netzwerkthematik von der interpersonellen Ebene hin zu interorganisatorischen Netzwerken, welche mit einer konkreten Zielsetzung bewusst geschaffen werden. (vgl. Schubert, 2018, S.70)

3. Netzwerkansatz

Der Netzwerkansatz kann zur Erklärung von strategischen Netzwerkpartnerschaften zwischen Unternehmen herangezogen werden, wobei die Beziehungen und die daraus entstehenden Systeme zwischen den einzelnen Elementen bedeutsam sind. Das Netzwerk als Ganzes steht folglich im Mittelpunkt. Dieser Ansatz wird als Weiterentwicklung der Systemtheorie verstanden und kann der Organisationssoziologie zugeordnet werden. Dabei liegt der „Schwerpunkt auf der Ausgestaltung der Interdependenzen und Interaktionen und der diesbezüglich aktiven Rolle der System- und Netzwerkelemente.“ (Köhne, 2005, S.86) Die Wurzeln des Netzwerkansatzes liegen in der Sozialen Austauschtheorie und dem Ressourcen-Dependence-Ansatz. Die Austauschtheorie beinhaltet die Annahme, dass Organisationen nur dann in eine Tauschbeziehung miteinander treten, wenn der erwartete Nutzen größer ist als die eigentlichen Kosten. Dabei werden nicht nur Ressourcen getauscht, sondern auch beispielsweise Informationen. Der Ressourcen-Dependence-Ansatz hingegen vertritt das Prinzip der Knappheit von Ressourcen. Das bedeutet, dass Organisationen den Tausch zur Kompensation ihres eigenen Mangels eingehen. Basierend auf dieser Interaktion entstehen interorganisationale Abhängigkeiten. Das Ziel der einzelnen Organisationen ist es, ihre Macht und somit den Einfluss innerhalb dieses Beziehungsgeflechtes auszuweiten. (vgl. Obersojer, 2008, S.26) Allerdings ist der Netzwerkansatz nicht für alle Unternehmenstypen von Bedeutung. Er wird häufig von transnationalen Organisationen, welche über Landesgrenzen hinweg agieren, verwendet. Sie weisen meist eine hybride Struktur auf. Das bedeutet, dass es eine Vermischung aus hierarchischen und heterarchischen Elementen gibt. Ihre Entscheidungszentren sind nicht nur an einem Ort situiert, sondern weit verstreut und in viele Einheiten geteilt. Ferner agieren sie oft in Unternehmensverbänden, wodurch sie in Interaktions- und Interdependenzbeziehungen mit anderen Netzwerkpartnern stehen. Die Steuerung des Unternehmens basiert sehr stark auf unternehmenskulturellen Mechanismen. (vgl. Macharzina, 2009, S.7)

3.1 Definition von Netzwerken und der Netzwerktheorie

Damit eine Erklärung der Netzwerktheorie möglich ist, muss vorab der Netzwerkbegriff definiert werden. Gemäß dem Gabler Wirtschaftslexikon ist ein Netzwerk ein „System von, miteinander in über reine marktbezogene Beziehungen hinausgehend, verbundenen Akteuren als Zwischenform von Markt und Hierarchie.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, 2018, Punkt 2) Die Definition nach Castell ist noch präziser. Seiner Ansicht nach, bestehen Netzwerke „aus Knoten und flexiblen Verbindungen. Sie haben keinen Mittelpunkt und sind dezentral organisiert. Netzwerke funktionieren mithilfe einer binären Logik von Einschluss und Ausschluss, d. h. man ist entweder Teil vom Netzwerk oder davon ausgeschlossen. Netzwerke werden programmiert und arbeiten auf die Ziele hin, für die sie programmiert wurden.“ (Menez, o.A., S.24) Bereits diese beiden Beispiele zeigen, dass innerhalb der Betriebswirtschaft keine Einigkeit herrscht und unter dem Netzwerkbegriff eine Vielzahl an Phänomen untergebracht wird. (vgl. Tiberius, 2008, S.11-13)

In Verbindung mit dem Netzwerkbegriff lassen sich drei verschiedene Perspektiven betrachten. Die erste Säule bilden die Phänomene, welche Netzwerke in intra- und interorganisatorisch unterteilen. Die verschiedenen Arten werden in Kapitel 3.2.2 der Arbeit betrachtet. Die zweite Säule stellen die Methoden, z.B. anhand von netzwerkanalytischen Maßen wie der Zentralität oder Multiplexität, dar. Den dritten Bereich bilden die Netzwerktheorien, welche sich nach der Entstehung oder der Wirkung unterteilen lassen. (vgl. Wald, 2010, S.494) In Summe soll die Netzwerktheorie für die Erläuterung von strukturellen Veränderungen genutzt werden. Obwohl sie als selbstständige Theorie akzeptiert ist, wird ihr Nutzen durch die Kombination mit anderen Forschungsansätzen deutlich erhöht. Dadurch ergeben sich drei verschiedene Denktraditionen. Die soziale Perspektive beinhaltet besonders die Erläuterung und Untersuchung des organisationalen Wandels. Dabei ist die Feldtheorie zu nennen. Der politikwissenschaftliche Ansatz hingegen stellt das kollektive Handeln und seine komplexen Strukturen u.a. mit Hilfe des Governance-Ansatzes in den Fokus. Den dritten Bereich bilden wirtschaftswissenschaftliche Ansätze, wobei die Veränderungsprozesse in Hinblick auf organisatorische Abläufe von Bedeutung sind. Im Zentrum steht dabei das Change- und Innovationsmanagement. (vgl. Peper, 2016,S.59/70/98)

3.2 Grundbegriffe des Netzwerkansatzes

Dieses Kapitel dient der Detaillierung des Netzwerkbegriffes, wobei die Differenzierungsmerkmale und Netzwerkarten vorgestellt sowie die diversen Beziehungskonstellationen und Strukturmerkmale dargestellt werden.

3.2.1 Differenzierungsmerkmale

Innerhalb des Netzwerkansatzes existieren bei Netzwerken drei verschiedene Analyseebenen, welche speziell bei der interaktionsorientierten Forschung von Håkansson Berücksichtigung finden. Die erste Ebene stellen die Akteure dar. Damit können einerseits ganze Unternehmen gemeint sein. Andererseits ist es jedoch auch möglich, dass einzelne Mitarbeiter, Gruppen von Individuen oder Unternehmensteile als solche auftreten. Überdies hinaus können Akteure auch durch den Zusammenschluss von verschiedenen Unternehmen entstehen. Die zweite Ebene bilden die Ressourcen, welche in Form von Sachanlagen oder Kapital auftreten können. Allerdings kann auch Wissen oder soziales Kapital als solche fungieren. Zudem existiert die Ebene der Aktivitäten, welche alle Interaktionen umfasst. Nennenswert sind hierbei die transformationalen Aktivitäten, welche als intraorganisationale Wertschöpfung klassifiziert werden. (vgl. Tiberius, 2008, S.100). Zusammenfassend werden Aktivitäten „von Akteuren erbracht. Es werden Ressourcen kombiniert, entwickelt, ausgetauscht oder geschaffen, indem andere Ressourcen genutzt werden.“ (Calaminus, 1994, S.110)

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668758735
ISBN (Buch)
9783668758742
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434627
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Netzwerk Wertschöpfungsnetzwerk VW Heterarchie Transnational Solution Bartlett/Ghoshal Transnationale Strategie

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Titel: Innovative Organisationstheorien. Netzwerkansatz