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Erzählerische Unzuverlässigkeit in Leo Perutz "Zwischen neun und neun"

Seminararbeit 2013 16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien und Konzepte des unzuverlässigen Erzählens

3. Der Erzähler in Leo Perutz Zwischen neun und neun
3.1 Die Problematik der Unzuverlässigkeit in Zwischen neun und neun
3.2 Die Bedeutung dieser Problematik für den Leser

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erzählerische Unzuverlässigkeit, realisiert durch einen unzuverlässigen Erzähler ist ein Konzept der Literaturwissenschaften, welches erstmals 1961 von Wayne C. Booth genauer benannt und konzipiert wurde. Der Begriff Konzept ist in diesem Zusammenhang jedoch ganz bewusst gewählt. Schlägt man ihn im Duden nach, findet man dort die Definition: „1. skizzenhafter, stichwortartiger Entwurf, Rohfassung eines Textes, einer Rede o.Ä., 2. klar umrissener Plan, Programm für ein Vorhaben, 3. Idee, Ideal; aus der Wahrnehmung abstrahierte Vorstellung.“[1] All dies lässt darauf schließen, dass es sich bei Booth‘ Theorie zunächst um eine vorläufige handelte, welche in den folgenden Jahren und Jahrzehnten, hinein bis ins 21. Jhd. stets diskutiert, kritisiert und zumindest versuchsweise neu konzipiert und definiert wurde. Unter anderen beschäftigten sich Literaturwissenschaftler wie Ansgar Nünning, Matias Martinez, Carola Surkamp oder auch Franz K. Stanzel mit erzählerischer Unzuverlässigkeit. Jedoch lässt sich behaupten, „dass all diese Versuche, das Konzept der unreliable narration durch andere, ähnlich schwer fassbare Kategorien zu ersetzen, deutlich erkennen lassen, wie groß die definitorische Unklarheit ist, die […] bis dato noch existiert.“[2]

Im Folgenden sollen zunächst einige dieser Theorien und deren wichtigsten Aspekte im Bezug auf unzuverlässige Erzähler vorgestellt werden, um anschließend untersuchen zu können, ob sich ein Konsens zwischen den über Jahrzehnten verteilten, unterschiedlichen Konzepten finden und anwenden lässt. Eine in diesen Theorien weit verbreitete Meinung ist die, dass erzählerische Unzuverlässigkeit vor allem bei auto- oder homodiegetischen Erzählern anzutreffen sei, welche zudem einen nur eingeschränkten Blickwinkel auf die fiktionale Welt haben. In dem literarischen Forschungsgegenstand, welcher für diese Seminararbeit ausgewählt wurde, dem Roman Zwischen neun und neun vom österreichischen Autor Leo Perutz, welcher im Jahr 1918 veröffentlicht wurde, hat der Leser es jedoch in erster Linie mit einem auktorialen Erzähler zu tun, welcher von Bode als „[…] der am stärksten ausgeprägte Gegenpol“ zum Unzuverlässigen Erzähler beschrieben wird.[3]

Inwieweit lässt sich nun diesem Erzähler in Zwischen neun und neun mit Hilfe der zuvor angesprochenen Unzuverlässigkeitstheorien eine Unzuverlässigkeit nachweisen, obwohl er nicht dem Konzept der Subjektivität entspricht, welches oftmals im Bezug auf dieses Phänomen gefordert wird? Auch die Frage, was die Erkenntnis eines möglichen unzuverlässigen Erzählers für den Leser und dessen weiteres Verständnisses des Romans betrifft, soll genauer betrachtet werden.

2. Theorien und Konzepte des unzuverlässigen Erzählens

Wenn man eine so komplexe Theorie wie die der Erzählerischen Unzuverlässigkeit in einem Lexikon wie etwa in Metzlers Lexikon der Literatur- und Kulturtheorie nachschlägt, so stößt man zuerst auf den Namen Wayne C. Booth. 1961, also vor nunmehr über 50 Jahren, war er der erste Literaturwissenschaftler, der versuchte eine Definition für Unzuverlässiges Erzählen zu formulieren. Er berief sich dabei vor allem auf den impliziten Autor.[4] Handele, so Booth, der Erzähler eines Textes im Einklang bzw. Widerspruch zu den Normen des Werkes und des impliziten Autors, so sei er als zuverlässig bzw. unzuverlässig anzusehen.[5] Neuere Theorien vernachlässigen den impliziten Autor hingegen nahezu ganz, da seine Definition als genauso vage und unzureichend angesehen wird, wie die des Konzepts, welches er erklären soll.[6] Die neueren Theorien gehen davon aus, dass nicht mehr die Werte und Normen des impliziten Autors, sondern die des realen Lesers als entscheidend für die (Un-)Zuverlässigkeit eines Erzählers zu betrachten sind.[7] Darüber hinaus wird der Subjektivität eines Erzählers ein hohes Maß an Wichtigkeit beigemessen.

Besonders Franz K. Stanzel ist ein Vertreter dieser, an zweiter Stelle genannten Theorie. Aufgrund der Subjektivität eines Ich-, oder auch eines Er-Erzählers bzw. der Tatsache, dass er persönlich in das Geschehen der Geschichte involviert ist, ist es ihm nicht möglich eine objektive Wahrheit an den Leser zu vermitteln.[8] Wir müssen diese Art von Erzähler also als eine Art Zeugen sehen, dem es nicht möglich ist, all die simultan geschehenden Ereignisse um ihn herum aufzunehmen und zu erfassen. Er erzählt dem Leser also nicht die Realität, sondern lediglich seine Version der Realität, einzig und allein, weil er es nicht besser vermag. So veranlasst er den Leser dazu, eine, mit den diesem zur Verfügung stehenden Informationen, alternative Sichtweise zu seiner eigenen zu konstruieren und einzunehmen.[9] „Allein der uneingeschränkt allwissende Erzähler wäre von dieser Bedingtheit der Erzählerrolle auszunehmen.“[10] Er darf also im Gegensatz zu den Ich- und Er-Erzählern, zunächst als uneingeschränkt glaubhaft angesehen werden, da er es vermag, die ganze Breite der Geschehnisse absolut und somit wahrheitsgetreu wieder zu geben. Zumindest so lange, wie der Leser ihm gegenüber keinerlei Skepsis empfindet und der Erzählung folgen kann,[11] ohne dass sich ihm Fragen stellen, welche der Erzähler nur unzureichend oder gar nicht beantwortet. Denn sobald „[…] der Leser begründeten Anlass hat, einer Erzählung zu misstrauen, an ihrer Richtigkeit oder Wahrheit zu zweifeln“,[12] also berechtigt Zweifel auf Grund von Glaubwürdigkeitslücken entwickelt, spreche man, so Bode, von unzuverlässigem Erzählen. Eine Erzählung könne demgemäß dann als unzuverlässig angesehen werden, sobald der Leser die Wertevorstellungen und Normensysteme des Erzählers nicht mehr teile.[13] Doch auch diese Theorie unterliegt wieder bestimmten Bedingungen. Der Erzähler einer fantastischen Geschichte, in welcher beispielsweise fantastische Wesen vorkommen, müsste infolge dieses Konzepts erzählter Unzuverlässigkeit theoretisch als unzuverlässig angesehen werden. Der Leser weiß schließlich, dass in der realen Welt keine fantastischen Wesen existieren. Andererseits ist es ihm jedoch möglich, der Erzählungen, welche zunächst als Behauptungen angesehen werden, einen Wahrheitsanspruch innerhalb der fiktiven Welt zuzusprechen,[14] insofern diese in sich stimmig erscheinen. Martinez und Scheffel sprechen von „[…] der Darstellung der erzählten Welt in ihrer konkreten Individualität […]“, welche in der Interpretation der erzählerischen (Un-) Zuverlässigkeit unumgänglich mit zu beachten ist.

Auch Stanzel weist auf solche Ausnahmen bzw. Besonderheiten hin. Um das Interesse seiner Leser zu wecken, sei es dem Erzähler in gewissem Maße gestattet, seine erzählte Geschichte abzuwandeln oder umzuwandeln. Er dürfe somit bei auftretenden Unstimmigkeiten der Erzählung nicht sofort per se als unzuverlässig gewertet werden.[15] Deswegen müssen beispielsweise widersprüchliche Aussagen eines Charakters bezüglich seines Umfeldes oder auch Diskrepanzen in den Aussagen unterschiedlicher Charaktere im Bezug auf einen Sachverhalt, sowie die damit einhergehende Multiperspektivität einer Erzählung genauso als mögliche Stilmittel, wie als „bloße handwerkliche Fehler des Autors“[16] bei der Interpretation in Betracht gezogen werden. Doch nicht nur Widersprüchlichkeiten und das Vorhandensein von Multiperspektivität sind zu berücksichtigen, sondern darüber hinaus auch jegliche Formen der Subjektivität. Zu diesen zählen sowohl erkennbare emotionale Involviertheit des Erzählers in das Geschehen, als auch die direkte Anrede des Lesers oder Insistenz auf seine Glaubwürdigkeit oder im Gegensatz dazu, das Eingestehen einer eventuellen Unglaubwürdigkeit auf Grund von Krankheiten, Wahrnehmungsstörungen oder Erinnerungslücken.[17]

Zuletzt soll noch eine weitere Theorie genannt werden, welche von den beiden Literaturwissenschaftlern Matias Martinez und Michael Scheffel vertreten wird. Zunächst müssen die Begriffe der „theoretischen Sätze“ sowie die der „mimetischen Sätze“[18] geklärt werden. Der erste Fall liegt demnach vor, wenn ein Erzähler eine allgemeine oder moralische Äußerung macht. Diese muss vom Leser nicht zwangsläufig angenommen werden, da er bekanntlich seine eigenen Werte und Normen vertritt. Ein Erzähler, welcher solche „theoretischen“ Aussagen macht, wird dieser Theorie zufolge auch „nicht-privilegierter“ Erzähler genannt. Der „privilegierte“ Erzähler im Gegensatz dazu, macht „mimetische“ Aussagen, also explizite und konkrete Beschreibungen oder Berichte über einen konkreten Sachverhalt. Diesen „mimetischen Sätzen“ kann der Leser grundsätzlich Glauben schenken.[19] Natürlich können sowohl „mimetische“ als auch „theoretische“ Sätze in der Erzählung eines Erzählers vorkommen, und nebeneinander oder direkt aufeinander folgen. Demgemäß ist über jeden Satz individuell zu entscheiden, ob der Erzähler im Bezug auf eben diesen privilegiert, also glaubhaft, oder nicht-privilegiert, also nicht unbedingt glaubhaft ist.

Beruft man sich also auf die Theorie des unzuverlässigen Erzählens von Martinez und Scheffel, so ist bei ihnen der Begriff der Ironie ein ganz entscheidender. Mit ihrer Hilfe findet die Kommunikation zwischen Erzählung und Leser auf zwei Ebenen, einer expliziten und einer impliziten, statt. Die Nachrichten dieser beiden Ebenen dürfen jedoch nicht über dasselbe Medium, also nur den Erzähler, an den Leser übermittelt werden, sondern sind im Idealfall auf zwei unterschiedliche „Kommunikationskanäle“ aufgeteilt.[20] So kommen durch die unterschiedliche Konstellation von Erzähler und Autor drei Formen des unzuverlässigen Erzählens zustande.

Die erste Form, die des „theoretisch unzuverlässigen Erzählens“, benötigt einen, wie auch schon in zuvor genannten Theorien, intradiegetischen Erzähler, demnach einen Er- oder im besten Falle Ich-Erzähler. Bei diesem Erzähler spielt erneut seine Subjektivität die entscheidende Rolle. Seine „theoretischen Sätze“ stellen bei dieser Form die Unzuverlässigkeit in seiner Erzählung dar.[21] Entgegenstellend gibt es das „mimetisch teilweise unzuverlässige Erzählen“. Dieser Erzählertyp beruht auf einem extradiegetischen bzw. auktorialen Erzähler.[22] Wie wir zuvor gesehen haben, besitzt dieser Erzähler, welcher noch dazu „mimetische“ Aussagen macht, das Privileg, bis auf weiteres als außerordentlich glaubhaft zu wirken. Auf diese Tatsache begründet sich auch das „teilweise“. Die Grundannahme besteht darin, dass diese Art von Erzähler die Wahrheit berichtet, und doch kann auch er den Leser belügen, ihm etwas verschweigen oder etwas anderes erzählen, als tatsächlich geschehen ist. Die dritte und letzte Form ist die des „mimetisch unentscheidbaren Erzählens“. Hierbei handelt es sich jedoch um eine eher selten auftretende Form, welche sich allerdings sowohl bei intradiegetischen als auch bei extradiegetischen Erzählern finden lässt. Vielmehr kommt es bei dieser Form auf die Reihenfolge und Bezugspunkte einer Erzählung an. So kann es sich hierbei um anachronische bis hin zu achronischen Erzählungen handeln, bei denen der Leser im Regelfall keinerlei Chancen hat, heraus zu finden, was wirklich geschehen ist, wo es geschah, und ob es der Wahrheit entspricht. Die vermutete Unzuverlässigkeit des Erzählers wird zu keinem Punkt aufgelöst, sondern bleibt von Anfang bis Ende der Erzählung bestehen.

Als Zwischenfazit lässt sich damit festhalten, dass erzählerische Unzuverlässigkeit vor allem bei in die Geschichte involvierten Erzählern zu finden ist. Auf Grund ihrer intradiegetischen Funktion, ist ihre Sicht auf die Dinge durch die subjektive Wahrnehmung möglicherweise verzerrt. Somit sollten aufmerksame Leser diesen Aspekt stets im Hinterkopf behalten, sobald sie in einer Geschichte auf solch einen Erzähler treffen. Denn dies ist der zweite Aspekt, der sich in Bezug auf das Aufdecken eventueller Unzuverlässigkeit festhalten lässt. Der Leser sollte stets auf sein Gefühl bezüglich eines Erzählers und dessen Bericht hören und gegebenen Falls besondere Achtsamkeit beim Lesen der in Frage stehenden Stellen walten lassen.

3. Der Erzähler in Leo Perutz Zwischen neun und neun

Um genaueres über den Erzähler in Leo Perutz Roman Zwischen neun und neun sagen zu können, soll er zunächst genauer betrachtet und mit Hilfe der Erzähltheorie von Genette analysiert werden. Bis etwa zur Mitte des Romans erscheint der Erzähler, welcher den Leser in die Geschehnisse des Tages einführt, eindeutig als ein extra- und heterodiegetischer Erzähler. Im Bezug auf jegliche Charaktere liegt eine Nullfokalisierung vor. Diese Art von „[…] Erzähler weiß über die Geschichte Bescheid, er kann späteres vorwegnehmen, andeuten, kann rückblickend die Vorgeschichte referieren.“ und darüber hinaus „erstreckt sich [seine Kenntnis] aber nicht nur auf die äußeren Fakten der Geschichte, vielmehr ist er befähigt, ins Innere seiner Figuren zu sehen, er erzählt ihre Gedanken, Träume, Ängste, ihr Wahrnehmen, Denken, Empfinden.“[23] Eine Ausnahme gibt es jedoch: Den Protagonisten Stanislaus Demba. Das Wissen des Erzählers über ihn scheint sehr eingeschränkt, wodurch es sich bei ihm um eine externe Fokalisierung handelt. Beruft man sich hier auf Stanzel, ist dies keine Seltenheit, sondern eher die Norm. „Fast jeder sich zunächst allwissend gebende auktoriale Erzähler wird früher oder später einer Einschränkung seines Wissenshorizontes unterworfen […]“.[24] So beschreibt der Erzähler sämtliche Gedanken und Gefühle Dembas mit dem Wörtchen „schien“. Beispielsweise „[…] schien [er] die Ankunft der beiden Gelehrten [im zweiten Kapitel] als lästige Störung zu betrachten.“,[25] während ihn im fünften Kapitel ein Tritt gegen einen Ofenschirm „[…] soweit zu beruhigen [schien], daß er in seinem Berichte fortfahren konnte.“[26] Wenn wir auf Grund der sonst vorhandenen Allwissenheit und Nullfokalisierung des Erzählers davon ausgehen, dass er dem Leser absichtlich gewisse Dinge über Demba vorenthält, so dürfen wir ihn deswegen noch nicht direkt als unzuverlässig bezeichnen, denn „[m]acht ein auktorialer Erzähler von dem Privileg der Allwissenheit auf solche Weise Gebrauch, daß er von einzelnen Charakteren eine Inneneinsicht, eine Darstellung ihrer Gedanken vorenthält, so liegt […] eine […] Form der Fokussierung vor.“[27] Somit kann das, möglicherweise bewusste, Verschweigen der Gedanken und Gefühle Dembas wiederum als literarisches Instrument zum Wecken des Interesses der Leser erklärt und entschuldigt werden. Trotz dieser kleinen Abweichung in der Fokalisierung des Erzählers, scheint es sich im Großen und Ganzen um eine chronologische und schlüssige Erzählung des Tages zu handeln. Immer wieder teilt der Erzähler dem Leser eine ungefähre Uhrzeit mit, so dass dieser davon ausgehen kann, dass die eigentliche Handlung um „[k]urz nach neun Uhr […]“[28] beginnt, da zu diesem Zeitpunkt Demba das erste Mal erscheint.

Etwa in der Mitte des Romans, im achten Kapitel, findet ein vorübergehender Wechsel der Perspektive statt. Demba besucht seine Freundin Steffi Prokop, welcher er berichtet, was an dem Morgen vor neun Uhr geschehen ist. Seine Erzählung erklärt auch sein merkwürdiges Verhalten bezüglich seiner Hände und schließt somit alle „Unbestimmtheitsstellen“, [29] welche der extradiegetische Erzähler bisher offen gelassen hat. Die bisherige Erzählinstanz wechselt nun über mehrere Seiten hinweg zu einem intra- und autodiegetischen Erzähler, nämlich Demba selbst, welcher folglich auch eine interne Fokalisierung mit sich bringt. Seine Erzählung wird an dieser Stelle anachronisch, da sie die Form einer externen Analepse annimmt und zwischen dem Präteritum sowie dem Präsens hin und her springt. Nur gelegentlich erscheint der extradiegetische Erzähler, um dem Leser gewisse Rahmenbedingungen oder Antworten von Steffi mitzuteilen.[30] Von diesem Zeitpunkt an nehmen die Wechsel der Perspektiven, bzw. die inneren Monologe Dembas allmählich an Häufigkeit und Länge zu. Die Folge ist eine Art Multiperspektivität, welche vom Leser zwar bemerkt aber ohne größere Schwierigkeiten akzeptiert wird, da sie sich nicht weiter auf die Glaubwürdigkeit der Geschichte auswirkt, sondern im Gegenteil dazu beigetragen hat, Dembas anfänglich rätselhaftes Verhalten zu erklären. Die bisherigen wechselnden Perspektiven der unterschiedlichen Charaktere werden mit der, Dembas erweitert.[31] Dementsprechend erscheint die Erzählung weiterhin als schlüssig und glaubhaft. Erst im letzten Kapitel, auf den letzten Seiten des Romans, kommt es zu dem ausschlaggebenden Widerspruch:

[...]


[1] Duden online, Mannheim 2013.

[2] Menhard, Felicitas: Conflicting Reports. Multiperspektivität und unzuverlässiges Erzählen im englischsprachigen Roman seit 1800, Trier 2009. S. 18

[3] Bode, Christoph: Der Roman, Tübingen 2005. S.276

[4] Vgl. Nünning, Ansgar: Metzler Lexikon. Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart 2008. S.742

[5] Vgl. Booth, Wayne C.: The Rhetoric of Fiction, Chicago 1961. S. 158f.

[6] Vgl. Nünning, Ansgar: Reconceptualizing the Theory, History and Generic Scope of Unreliable Narration: Towards a Synthesis of Cognitive and Rhetorical Approaches, Berlin 2008. S.33-34

[7] Vgl. Nünning (Metzler Lexikon) S. 742

[8] Vgl. Stanzel, Franz K.: Theorie des Erzählens, Göttingen 2001. S. 122

[9] Brütsch, Matthias: Von der ironischen Distanz zur Überraschenden Wendung, 2011. S. 2

[10] Stanzel S. 123

[11] Vgl. Stanzel S. 200

[12] Bode S. 261

[13] Vgl. Bode 265

[14] Matinez, Matias und Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie, München 2007. S. 95

[15] Vgl. Stanzel S. 201

[16] Nünning, Ansgar: Unreliable Narration. Studien zur Theorie und Praxis unglaubwürdigen Erzählens in der englischsprachigen Erzählliteratur, Trier 1998. S. 28

[17] Vgl. Nünning: Unreliable Narration S. 27/28

[18] Martinez/Scheffel S. 99

[19] Vgl. Martinez/Scheffel S. 99

[20] Vgl. Martinez/Scheffel S. 100f.

[21] Martinez/Scheffel S.101

[22] Martinez/Scheffel S.102

[23] Jeßing, Benedikt und Ralph Köhnen: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, Stuttgart 2007. S 186

[24] Stanzel 123

[25] Perutz, Leo: Zwischen neun und neun, München 2011. S. 18

[26] Perutz S. 66

[27] Stanzel S. 152

[28] Perutz S. 5

[29] Jeßing/Köhnen S. 298

Um fehlende Informationen zu kompensieren, erstellen die Leser sich bestimmte Verknüpfu gen, um eine Handlung sinnvoll erscheinen zu lassen.

[30] Perutz S. 87-100

[31] Vgl. Stepath, Katrin: Gegenwartskonzepte. Eine philosophisch-literaturwissenschaftliche Analyse temporaler Strukturen, Würzburg 2006. S 224

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668760288
ISBN (Buch)
9783668760295
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Erscheinungsdatum
2018 (Juli)
Note
1,7
Schlagworte
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft Unzuverlässiges Erzählen unreliable narration Leo Perutz

Autor

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Titel: Erzählerische Unzuverlässigkeit in Leo Perutz "Zwischen neun und neun"