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Geschichte Alteuropas. Augustus Optimus Augur Romulus

Referat (Ausarbeitung) 2012 9 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Geschichte Alteuropas

Augustus-optimus augur Romulus (Paul Zanker)[1] - Versus: (SPQR) = Senatus Populusque Romanus[2]

Wir könnten bei Betrachtung des Augustuskopfes nach den Vorlagen des Polyklet[3] dem Historiker Theodor Mommsen (1817-1903) zustimmen, daß nur die „großen Männer“ Geschichte gemacht haben: Caesar und nicht Cicero; Alexander und nicht Demosthenes; Napoleon und nicht Bismark; …..Hitler/Stalin und nicht? Na, lieber nicht, aber warum eigentlich nicht? Geschichte haben auch die gemacht. Aber: „Vor Gott gibt es keine großen Männer“, sinniert Rachel, die Tochter des Rabbi Nathan Ben Jechiel und vormalige Frau des (jüdischen) Papstes Anaklet II. (des Erlesenen).[4]

Und bei Augustus (Gaius Octavius: 63 v.Chr.-14 n.Chr.) ist noch Besonderes zu vermerken: in den Bildern der Plastiken spiegeln sich doch die römischen Grundtugenden wieder: fides (Treue, Glaube, Schutz); constantia (Beständigkeit, Bestimmtheit, Festigkeit); gravitas (Bedeutung, Gewicht, Erhabenheit) dignitas (Ansehen, Stellung) auctoritas (Würde; Ansehen; Einfluß)?

Nach der Rache an Caesars Mördern (Philippi 42), der Befriedung der Ost-Provinzen und Niederringung seiner Mitriumvirn Antonius (Mark Anton) und Pompeius (Aktium 31und Naulochos 36) sowie „die Vernichtung der politischen Elite, soweit sie das Knie nicht beugen wollte..“[5] nach dem Muster des Sulla[6], legte Octavian am 13. Januar 27 v.Chr. die ihm übertragene Sondergewalt im Senat nieder und gab Provinzen, Heere und Verwaltung an den Senat zurück.

Aber der Senat[7] wollte bzw. konnte das gar nicht annehmen, denn die Republik, die das auf Grund eines Brudermordes[8] entstandene Königreich seinerzeit (550/470, genau soll es sein: 474[9] ) durch „listenreiches Patriziertum“ der „Vaterskinder“[10], gestürzt und damit an die Stelle der Königsherrschaft die Diktatur der Nobilitäten (Republik) gesetzt hatte, war durch die danach entstehende lange Folge von Eroberungs-, Bundesgenossen- und Bürger- bzw. Ständekriegen, eine desolate Provinzverwaltung und äußerst labilen Innenverhältnissen geschwächt.[11] „Was die Ämter in Krieg und Frieden anlangt, überträgt sie den jeweils besten und klügsten Männern, ohne jemandem Missgunst zu zeigen; und tretet auch in keinen Wettkampf, um die persönlichen Interessen von diesem oder jenem zu fördern, vielmehr um die Sicherheit der Stadt und ihr Wohlergehen zu wahren“[12] Er gab ihm deshalb, auf die Dauer von zunächst zehn Jahren, die noch unbefriedeten Provinzen Spanien, Gallien und Syrien durch Volksbeschluss[13] wieder in die Hände und fügten den Ehrennahmen Augustus, der Erhabene, hinzu. Er selbst verzichtete auf die ihm von Cäsar zugedachte Vergottung (divi filius = Sohn Gottes) zumindest im Inland und zu Lebzeiten[14] und sah sich nur als Princeps Senatus[15], der erste Senator und Bürger Roms. Er legte auch Wert auf die Renaissance der Riten der Römischen Republik (restitutio rei publicae).[16] Deshalb verzichtete er auch zu Lebzeiten auf „die kultische Verehrung (als Gott; Anm.) der eigenen Person in der Hauptstadt“[17] und die Darstellung als optimus augur Romulus (Romulus gründete der Sage nach den Senat und bestimmte seine Zusammensetzung in Menge und Qualität) und ließ nur im Giebel des Mars-Ultor-Tempels[18] daran erinnern, daß er das auch gewesen ist[19]. „Augustus war nicht Gott, auch und vor allem nicht in der Form, in der Cäsar als Jupiter Julius Gott gewesen war“.[20] Obwohl Augustus offensichtlich von Cäsar gelernt hatte, der die „Bedeutung und die Stärke der republikanischen Tradition verkannte und offen mit Füßen trat“[21] ; blieb Augustus den Institutionen der Republik, insbesondere dem Senat, gegenüber misstrauisch, sodass er sich auf Lebenszeit die tribunicia potestas mit konsularischen Sonderrechten übertragen ließ (Die Möglichkeiten zur Kontrolle sind in dem Begriff 'potestas' (Amtsgewalt in Bezug auf eine andere Amtsgewalt) enthalten). Der Tribun (tribunus plebis) hatte die 'potestas' gegenüber allen Beamten, während der Konsul sie gegenüber den Volkstribunen nicht besaß, diese wurde deshalb über konsularische Rechte gesichert, und damit konnte er jeden Senatsbeschluß und jede Magistrats-Entscheidung kippen, wie das bei Gestaltung des Volkstribunates durch die Gracchen[22], gestützt auf die Popularen und gegen den Senat der Nobilitäten, vorgesehen wurde. Aus der Republik wurde das Principat des Augustus[23], das spätere Kaiserreich

(Excurs: Der Senat verlieh Augustus zwei Sonderrechte. Die “tribunicia potestas” übergab ihm die Macht eines Volkstribuns in Rom. Das “imperium proconsulare” gab ihm das Weisungsrecht über die noch nicht gesicherten Provinzen und das dortige Militär. Wenig später wurde seine Machtbefugnis zu einem “imperium proconsulare maius” erweitert, d.h., er befahl jetzt über alle Provinzen und das ganze Heer. Obwohl Augustus keine Ämter mehr hatte, regierte er durch diese Amtsgewalten unangefochten das Reich.- Das nenne ich „das 1. Prinzip Augustus“ – Kaiser einer Republik [24]

N ach dem Tod des Augustus hätte eigentlich eine republikanische Regierung gebildet, d.h. zwei Konsuln in die Ämter eingeführt werden müssen. Doch die Herrschaft des Prinzipats hatte so großes Ansehen gefunden[25], dass man nicht einfach in die republikanische Vergangenheit zurück konnte oder wollte. Deshalb hatte Augustus seine Nachfolge bereits zu Lebzeiten so geregelt, dass die geltenden Rechtsnormen nicht verletzt wurden. Wie Augustus haben auch die späteren Kaiser ihren gewünschten Nachfolgern die Amtsgewalten tribunicia potestas und imperium proconsulare übertragen. Auf diese Weise verfügte der (vom Princeps bestimmte) Erbe beim Tod des Herrschers bereits über die Macht über das Reich und war damit im Rahmen der Rechtsordnung handlungsfähig. – Das nenne ich das 2. Prinzip des Augustus – die Einführung der Erbmonarchie in die Republik)

Aber er selbst blieb bescheiden: „Nach dieser Zeit [27 v. Chr.; Anm.] überragte ich an Ansehen/Einfluss [ auctoritas ] alle, an formaler Gewalt [ potestas ] besaß ich jedoch nicht mehr als die anderen, die jeweils meine Kollegen im Amt waren“: „ Post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri, qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt.“[26]

War das der erwartete und erhoffte Messias, der nach den langen Bürger-, Eroberungs- und Bundesgenossenkriegen und der desolaten Verwaltung der Provinzen und den Kriegen nach dem Mord an Caesar die Ordnung und den Frieden (die Pax Augusta, wie es durch demonstrative Schließung der Tore des Janus-Tempels als Zeichen des Friedens angekündigt wurde) brachte, wie es in den Res Gestae des göttlichen Augustus geschrieben stand und wie es alle begrüßten? „Seine Vision von einer besser zu bewältigenden Zukunft wurzelte… in der Überzeugung von der Sinnfälligkeit der durch die Geschichte ausgewiesenen Staatsordnung“, schreibt Werner Dahlheim.[27]

War das auch seine wirkliche Absicht, seine Vision, „…. Von der Ausübung der Macht keine bis dato politisch gewichtige Gesellschaftsschicht so auszuschließen, daß diese auf Dauer ihre von der Geschichte legitimierten Rechte oder Forderungen bewusst verletzt sah“?[28] Das heißt, eine Machtteilung nach den Grundsätzen einer demokratischen Verfassung? Wohl kaum.[29] Und erfüllte er die zu seiner Zeit deutlich

[...]


[1] Prof. Dr. Paul Zanker, Institut für Klassische Archäologie; Ludwig-Maximiliansuniversität München; Katharina-von-Bora-Str. 10; 80333 München – „Augustus und die Macht der Bilder“: „Der Verfall der alten Ordnung erreichte seinen Höhepunkt. Octavian und M. Antonius benutzten die problematischen und ambivalenten griechischen Bilder und Zeichen so exzessiv, daß man den Eindruck gewinnt, Hellenistische Könige stritten sich um das Imperium der Römer.“

[2] Der Senat und das römische Volk

[3] 2. Hälfte des 5. Jhd., neben Phidias einer der bedeutendsten Bildhauer der Antike: Vollkommene Harmonie der Proportionen und sorgfältige Ausführung im Detail machten ihn berühmt

[4] Gertrud von le Fort; Der Papst aus dem Ghetto; Verlag Kurt Desch; Wien, München, Basel

[5] Werner Dahlheim; Geschichte der Römischen Kaiserzeit; Seite 1; in: Jochen Bleicken, Lothar Gall, Hermann Jakobs (Hrsg.); Oldenbourg Grundriss der Geschichte; „Die wenigen (?) Verschwörer aus der Aristokratie wurden mit harter Hand unterdrückt; schreibt Michael Grant in; Die zwei Seiten des Reiches; 1. Livius; 2. Josephus in; Klassiker der antiken Geschichtsschreibung; Seite 182ff; dtv-wissenschaft

[6] Um sich der politischen und persönlichen Gegner zu entledigen und die Kasse aufzufüllen führte das 2. Triumvirat blutige Proskriptionen (legalisierte Morde) durch. Unter den 130 Senatoren und 2000 Rittern, die ermordet wurden, war auch Cicero, der letzte Protagonist der alten Republik: Am 7. Dezember 43 v. Chr. wurde Cicero auf der Flucht nach Griechenland in einer Sänfte erstochen

[7] Der ohnehin seit Augustus seine Leitfunktion abgegeben hat; schreibt Alexander Demandt in „Geschichte der Spätantike“; Seite 253

[8] Sonst würde Rom heute vielleicht Rem heissen; Egon Friedell; Rom und Italien; in Andreas Patzer (Hrsg.); Streifzüge durch die Antike Welt, Beck´sche Reihe 4004, Seite 184

[9] Jochen Bleicken; Geschichte der Römischen Republik; Seite 17; in: Oldenbourg Grundriss der Geschichte; (Hrsg.) Jochen Bleicken, Lothar Gall, Hermann Jakobs

[10] Egon Friedell; Rom und Italien; aaO., Seite 185; die „patria potestas“ regierte das Reich auch weiterhin: Sie umspannte das Recht über Leben und Tod von Weib, Kind und Gemeinde, die patres des Senats sind die Herren der Gemeinde, die Patrone die Herren ihrer Klienten, die patricii der Herrenstand überhaupt etc.; Seite 188

[11] Im Einzelnen dazu siehe: Karl Christ; Krise und Untergang der Republik; in: Streifzüge durch die antike Welt von Andreas Patzer (Hrsg.); Beck´sche Reihe 4004; Seite 233ff

[12] Cassius Dio über die Senatssitzung am 16.01.27 v.Chr.; 53,10,3-13,1

[13] Volksbeschlüsse( plebi scita) bzw. Beschlüsse der Volksversammlungen (concilium plebis) wirkten unter der Leitung eines Volkstribuns (tribuna plebis) ab dem 5. Jhd. v.Chr. mit vorheriger oder nachheriger Zustimmung des Senats wie Gesetzte und waren für Patrizier und Plebejer gleichermaßen bindend. Verstärkt wurde der Einfluß der Plebejer durch die Reformen der Gracchen (Gnadenreichen), verkürzt durch die Sulla’schen Reformen und wieder erweitert durch Julius Caesar

[14] Eine Folge, gewollt oder ungewollt? : Rom verlangte bisher von den im Imperium einverleibten Völkern nur die Anerkennung seiner Staatsgötter (di indigetes), beließ ihnen aber ihre Nationalgottheiten (di novensides) und deren Kult. In diese zu einem wahren Pantheon gewordene, dabei aber diesseitig orientierte religiöse Welt der Römer kam nun in der Person des Kaisers noch ein Gott hinzu, ein lebend sichtbarer, »menschlicher« Gott. Der aus dem Orient stammende Herrscherkult wurde seit der göttlichen Verehrung des Augustus auch im Westen heimisch und drängte die bisherige Götterwelt in weitem Ausmaß rasch zurück. Der Kaiserkult, der Ausdruck der Verbundenheit der dankbaren Untertanen mit dem Herrscher, wurde zur offiziellen und für den Zusammenhalt der einzelnen Reichsteile äußerst wichtigen Reichsreligion. Ihr anzugehören galt als Bekenntnis zur Staats- und Weltmacht Rom, von ihr sich zu distanzieren galt als ein politisches Verbrechen (crimen laesae maiestatis imperatorum). Eine Apotheose des Augustus erfolgte nach seinem Tode umfassend.

[15] Er hatte zwar nicht den Senatsvorsitz, der einem Konsul zustand, sondern war „nur“ Meinungsführer: Der wurde in der Regel aus den Reihen patrizischer Senatoren mit „konsularischem Rang“ ausgewählt

[16] Zum Beispiel der mos maiorum („Sitte der Vorfahren“) war im alten Rom (sowohl während der Republik als auch noch in der Kaiserzeit) die Bezeichnung für traditionelle Verhaltensweisen und Gebräuche, die als Grundlage der beispiellosen Erfolgsgeschichte des Aufstiegs Roms zur Weltmacht galten und von all denen, die öffentliche Ämter anstrebten, zu beachten und möglichst getreu einzuhalten waren. Das bedeutete unter Umständen die strikte Einhaltung römischer Rechtsnormen (z. B. bei Magistraten das Prinzip der Annuität), religiöser (Treue zum Staatskult und Teilnahme an Feiern zu Ehren der Staatsgötter, mitunter auch die Übernahme priesterlicher Ämter durch Angehörige des Patriziats), militärischer (z. B. Übernahme militärischer Verantwortung für alle, die ein Consulat = höchstes ziviles und militärisches Amt im cursus honorum anstrebten) oder öffentlicher (sacrosanctitas der Tribunen, Einhaltung des pomeriums =juristische und sakrale Stadtgrenze Roms, usw.) und Pflichten. Zum mos maiorum, wie er zum Beispiel vom prinzipientreuen Cato Censorius (234-149) verstanden wurde, gehörten: „labor“ Die Mühe, die Arbeit, die ein jeder für die Gesellschaft aufbringen sollte. Der Staat, war hier dem Privatleben vorangestellt. „iustitia“ Die Gerechtigkeit auch gegenüber den Feinden; sie war also auch ein Zeichen von Ehre. „pietas“ Die Redlichkeit, die Frömmigkeit „res publica“ Dieses Prinzip bezeichnet die Bevorrechtigung des Staates gegenüber dem Privatleben. „fortitudo“ Die Stärke, insbesondere ist hier die Stärke im Militär gemeint, die ja vor allem zur Blüte Roms geführt hatte

[17] Werner Dahlheim; Geschichte der Römischen Kaiserzeit; aaO. Seite 3

[18] Im Jahr 2 v. Chr. wurde das Augustusforum mit dem dazugehörigen Mars-Ultor-Tempel von Kaiser Augustus in Rom eingeweiht. Das Zentrum des Augustusforums bildet der Tempel des Mars Ultor, des rächenden Mars. Dieses Forum war das zweite der vier Kaiserforen in Rom. Es handelte sich dabei um eine Erweiterung des Forum Romanum.

[19] Paul Zanker; Das neue Bildnis des Augustus; in: Streifzüge durch die antike Welt; Hrsg.: Hans Patzer; Beck`sche Reihe 4004: Das Auguraculum war ein Ort, an dem alle römischen Bürger die Meinung der Götter zu staatlichen oder auch privaten Plänen erfragen konnten: Die heidnischen Römischen Priester (Auguren) sagten die Zukunft voraus, indem sie in einem vorher bestimmten Bereich des Himmels, dem templum (Beobachtungsraum, heiliger Ort) den Vogelflug beobachteten und deuteten. Analog dazu war auf der Erde ein bestimmter heiliger Bezirk abgesteckt, der ebenfalls templum genannt wurde. Beim contemplari besah man sich die himmlischen und irdischen Bereiche (Plural templa) zusammen (con) und sann über Verbindungen nach (Kontemplation). Es bestand aus einer grasgedeckten Hütte inmitten eines freien Platzes auf dem südlichen Capitolshügel. Hier stellten die Auguren mittels genau festgelegter Rituale fest, ob die Götter einen Plan guthießen oder aber ablehnten. Treffen (contiones) des Kollegiums hingegen fanden in ihren Privathäusern statt, da sie keinen eigenen Versammlungsraum besaßen. Bereits in der Antike stritten die Römer über das Alter des Collegium Augurum: Während die einen der Meinung waren, König Numa Pompilius als Organisator der römischen Staatsreligion hätte dieses Collegium eingesetzt, gingen andere davon aus, dass bereits Romulus Augur gewesen sei – zumal eine Stadtgründung ohne Mitwirken eines Auguren nach römischem Verständnis kaum vorstellbar war. Die Königswahl Numa´s beschreibt Livius, ein Inaugurationsritus, der nach dem Sturz der Könige auch für die consules verwandt wurde, die dann Nachfolger der Könige, auch mit Billigung von Iupiter Optimus Maximus, wurden: Man holte ihn also nach Rom; wie Romulus nach Einholung eines Zeichens vom Himmel die Stadt gründete und König wurde, so ordnete Numa an, daß auch seinetwegen die Götter befragt würden. Daraufhin wurde er von einem Augur, der dann als Auszeichnung dieses staatliche Priesteramt auf Lebenszeit innehatte, auf die Burg geführt und nahm auf einem Stein Platz, den Blick nach Süden gewandt. Der Augur ließ sich zu seiner Linken nieder, das Haupt verhüllt und in der Rechten einen oben gekrümmten Stab ohne Knoten, den man als Krummstab bezeichnete. Dann blickte er auf die Stadt und das Land, betete zu den Göttern und grenzte durch eine Linie von Ost nach West die Himmelsgegenden ab; das Gebiet im Süden bezeichnete er als rechts, das im Norden als links und merkte sich gegenüber ganz weit am Horizont einen Punkt. Dann nahm er den Krummstab in die linke Hand, legte die Rechte auf Numa´s Haupt und betete so: „Vater Jupiter, wenn es den Göttern recht ist, daß dieser Numa Pompilius, auf dessen Haupt ich meine Hand gelegt habe, in Rom König sei, dann offenbare du uns untrügliche Zeichen in den Grenzen, die ich festgelegt habe.“ Dann formulierte er, welche Zeichen erscheinen sollten. Als sie erschienen, wurde Numa zum König erklärt und stieg von dem Beobachtungsplatz hinab (zitiert aus Walter Perné: „ ZUR ENTWICKLUNG DES CRIMEN MAIESTATIS VON DER REPUBLIK BIS ZUM ENDE DES IULISCH-CLAUDISCHEN HAUSES“ , Seite 13; DIPLOMARBEIT ZUR ERLANGUNG DES AKADEMISCHEN GRADES MAGISTER PHILOSOPHIAE, Universität Wien, 2004). Die consules schworen sich in der neu entstandenen Republik auf die Qualität ihrer Ämter mit folgender Formel ein: Jupiter, der Beste und Größte, möge es nicht zulassen, daß ein Amt von königlicher Hoheit so tief herabsinke. Auch sie würden lieber tausend Tode sterben als es hinnehmen, daß es zu einer solchen Schmach komme. „Wäre die maiestas eine Ableitung von der maiestas populi Romani, müsste ja das Volk – und nicht die Götter – um Schutz und Beistand angefleht werden..“ ; Perné, aaO. Seite 14. Aber auch in der Republik spielte das Volk bis zu den Gracchen (den Gnadenreichen) eine verschwindend untergeordnete Rolle und auch die Gracchen benutzten „das Volk“ nur als Hebel der Herrschaft, denn sie selbst gehörten ja den Nobilitäten an.

[20] Werner Dahlheim; Geschichte der Römischen Kaiserzeit; aaO. Seite 4

[21] Karl Christ; Krise und Untergang der Republik; in: Andreas Patzer (Hrsg.); Streifzüge durch die antike Welt; Beck´sche Reihe 4004; Seite 240

[22] Hier noch mal genau Aussage überprüfen

[23] Sein offizieller, ihm vom Senat verliehener Titel lautet: Imperator Caesar Divi filius Augustus

[24] (Die Stellung des Princeps (der offizielle Titel der römischen Kaiser im System des Prinzipats): Die Grundlage der Macht des Princeps bestand in den Befugnissen gewisser Ämter, die er auf dem Weg der 'Prorogation' (Verlängerung der Amtsbefugnis über das Amtsjahr hinaus) vom Senat erhielt. Der Princeps stand außerhalb des eigentlichen Staatsapparats. Mit dieser privaten Stellung des Princeps beabsichtigte Kaiser Augustus, der Schöpfer des Prinzipats, den Anschein des Weiterbestehens der Republik zu erwecken . Als Fassade bestand die Rechtsordnung mit den Organen der Republik. Augustus nutzte die schon in der republikanischen Zeit bei der Prorogation der Kommandogewalt geübte Praxis der Trennung von Amtsgewalt und Amt und ließ sich nach und nach Amtsvollmachten oder Teile davon unter Wahrung der Rechtsform zusprechen, die es ihm ermöglichten, die politischen Fäden in der Hand zu halten. Er erhielt dadurch ein hohes Maß an 'auctoritas' (Möglichkeit der politischen Einflussnahme). Befugnisse des Princeps: Oberaufsicht über die Verwaltung des gesamten Reichsgebiets außerhalb Roms sowie das Oberkommando über sämtliche Truppen (proconsulare imperium maius) Veto- bzw. Interzessionsrecht der Volkstribune gegen alle Maßnahmen der Magistrate ( tribunica potestas). Unverletzlichkeit der Person des Kaisers (Tribunen waren 'sacrosancti' = unverletzlich) 'Imperium consulare' zur Ergänzung der für die Überwachung der Hauptstadt nicht ausreichenden 'tribunica potestas'

[25] Siehe Bericht des Cassius Dio 53, 10,3-13,1 über die Sitzung im Senat am 16.01.27 v.Chr.

[26] Augustus: Res gestae 34: Die Res Gestae Divi Augusti (wörtlich „die Taten des göttlichen Augustus“) waren der Leistungs- oder Rechenschaftsbericht des ersten römischen Kaisers Augustus, der sich Princeps nannte, eine in der ersten Person verfasste Darstellung seines Lebens, seiner Verdienste und Ehrungen. Nach der am besten erhaltenen Kopie wird das Werk auch Monumentum Ancyranum (Denkmal aus Ankara, wo diese Schrift gefunden wurde) genannt. Theodor Mommsen, der auch einen bis heute wichtigen Kommentar verfasst hat, bezeichnete die Res Gestae als „Königin der antiken Inschriften“. Der Originaltext war auf zwei Pfeilern vor seinem Mausoleum auf dem Marsfeld in Rom aufgestellt; Abschriften und Übersetzungen waren über das ganze Römische Reich verbreitet.

[27] Werner Dahlheim; Geschichte der Römischen Kaiserzeit; Seite 2; R. Oldenbourg Verlag; München, 1989

[28] Werner Dahlheim; aaO. ; Seite 3

[29] Die Beurteilungsmaßstäbe, die der Historiker Polybios von Megalopolis (200-118 v.Chr.) bei der Betrachtung der römischen Verfassung (Buch 6; 12; 1-16,5) anbringt, führen wohl zu ausgewogenen Machtverhältnissen, sind aber stark gefärbt durch die Stellung des Polybios in der „römischen Internierung“, seine Aufgabe von den Römern, die Verhältnisse in seiner griechischen Heimatstadt Megalopolis nach deren Eroberung im Auftrage der Römer wieder herzustellen und seine griechischen Landsleute von der Sinnfälligkeit römischer Eroberungszüge zu überzeugen, sind hier nicht wegzudenken. Die Verfassungen Roms waren bis zur Errichtung des Kaiserreiches im Jahre 27 v.Chr. nicht demokratisch (wie in Attika), sondern entsprachen einer aristokratischen Oligarchie; Rom war wieder seit Sulla bis zu Cäsar, eine aristokratische Republik.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668770911
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434897
Schlagworte
Augustus Optimus Augur Romolus Rom Senat

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Titel: Geschichte Alteuropas. Augustus Optimus Augur Romulus