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Gesellschaft in der digitalen Stadt. Wie kann die Gefahr der digitalen Spaltung überwunden werden?

Seminararbeit 2018 29 Seiten

VWL - Innovationsökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis II

III Abkürzungsverzeichnis II

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Urbanisierung
2.2 Digitalisierung und digitale Spaltung

3 Digitale Spaltung in Deutschland
3.1 Ursachen für Individuen
3.2 Digitale Gesellschaft in Deutschland
3.3 Zusammenfassung der digitalen Spaltung

4 Handlungsempfehlungen und Praxisbeispiele
4.1 Bildung digitaler Kompetenzen
4.2 Abbau von Barrieren
4.3 Schaffung von Transparenz und Einbeziehung der Bürger
4.4 Ermöglichen von Zugängen

5 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Urbanisierung in Deutschland

Abb. 2 Generationsunterschiede in der digitalen Teilhabe

Abb. 3 Segmentierung der deutschen Gesellschaft nach Digitalisierungs­grad

Abb. 4 Zusammenfassung der Ergebnisse

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

״Wer den Staat, die Unternehmen und die Bürgerinnen und Bürger lediglich als Objekte eines technisch getriebenen Wandels betrachtet, der vergibt schon analytisch die Möglichkeit der positiven Gestaltung der Veränderungen. Genau auf die kommt es aber an.” (vgl. [Schlöa])

Diese Aussage des Ersten Bürgermeisters der Hansestadt Hamburg Olaf Scholz wur­de vor dem Hintergrund getroffen, dass die Digitalisierung Politiker verstärkt in die Verantwortung nehmen wird, den von der Technik getriebenen, gesellschaftli­chen Wandel zum Positiven hin mitzugestalten. Dabei ist der Wandel keinesfalls ein Zukunftsszenario, sondern schon fester Bestandteil des privaten und öffentlichen Lebens. Während in der Vergangenheit hauptsächlich wirtschaftliche und techno­logische Aspekte unter dem Stichwort ״Industrie 4.0“ diskutiert wurden, rückt die Aufgabe der ״Sicherung und des Ausbaus der Daseinsvorsorge“ durch die Städte und Kommunen immer weiter in den Fokus. Hierbei bietet die Digitalisierung bspw. in Hinsicht auf die Verwaltung und die Partizipation der Bürger große Chancen, (vgl. [KG 17], s. 8f.)

Durch die hohe Geschwindigkeit, in der ״disruptive Technologien“ (vgl. [BC95]) auf den Markt gebracht werden und in das private- und öffentliche Leben treten, wachsen die Anforderungen an die ״digitale Kompetenz“ der Bevölkerung. Zugleich nutzen viele Menschen auch im fortschrittlichen Deutschland nicht die Vorzüge der Digitalisierung. Diese Gefahr der ״digitalen Spaltung“ innerhalb der Gesellschaft kann unter Umständen zum Ausschluss ganzer Volksgruppen führen. Die Politik ist hier in der Verantwortung, den digitalen Wandel so zu gestalten, dass es zu einer ״Integration“, statt zu einer ״Spaltung“ kommt (vgl. [Crol7], s.4f.).

Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, das Phänomen der ״digitalen Spaltung“ in Deutschland zu untersuchen und Handlungsempfehlungen, die in verschiedenen For­men bereits geäußert wurden, zu bündeln und so für Kommunalpolitiker leicht verständlich zu machen. Daraus ergeben sich die folgenden Forschungsfragen:

1. Was sind die Ursachen für die digitale Spaltung der Gesellschaft in Deutsch­land und was ist der Status Quo?

2. Wie kann diesen Ursachen auf kommunaler Ebene entgegengewirkt werden, so dass es zu einer ״digitalen Integration“ kommen kann?

Zur Beantwortung der ersten Frage werden vor allem aktuelle Fachliteratur und Sta- tistiken recherchiert. Aus den analysierten Ursachen sollen Zielgruppen erarbeitet werden, die besonders im Fokus der später zu entwickelnden Handlungsempfehlun­gen stehen sollen. Für die zweite Frage werden aktuelle Studien und Handlungsemp­fehlungen von staatlichen Einrichtungen wie dem ״Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)“, Branchenverbänden wie dem ״Bundesverband In­formationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom)“, po­litischen Denkfabriken (״think tanks“) wie der ״Fokusgruppe Intelligente Vernet­zung“, Unternehmensberatungen wie ״PricewaterhouseCoopers (PwC)“, sowie Bei­spiele aus der Praxis von Städten wie Wien zusammengetragen und analysiert. Der Mehrwert dieser Arbeit ist es dabei, die zu Haufe existierenden Handlungsempfeh­lungen in wenigen Oberkategorien zusammenzufassen, miteinander in Verbindung zu bringen und mit Praxisbeispielen anzureichern. Das abstrakte Ziel dieser Arbeit ist es, das Thema ״Digitale Spaltung der Gesellschaft in Smart Cities“ für Kommu­nalpolitiker ״greifbarer“ zu machen und empfohlene Maßnahmen herauszustellen, die im Kompetenzbereich der Kommunalpolitiker hegen. Der Scope dieser Arbeit ist somit der ״gesellschaftliche Rahmen von Digitalisierungsstrategien für Landkreise, Städte und Gemeinden“. Explizit außerhalb des Fokus befinden sich somit technische und wirtschaftliche Aspekte der Digitalisierung, sofern sie nicht für die Gesellschaft und die digitale Spaltung relevant sind.

2 Grundlagen

Um das Phänomen der ״digitalen Spaltung“ in seiner Komplexität begreifbar zu machen, werden in diesem Kapitel zunächst die externen Bedingungen erläutert, denen Städte und Kommunen in Deutschland ausgesetzt sind - die sogenannten ״Megatrends“. Hierfür wurden die von der Denkfabrik ״Zukunftsinstitut“ zusam­mengestellten Megatrends untersucht und diejenigen ausgewählt, welche den größten Einfluss auf die digitale Spaltung haben. Dabei wurde evaluiert, inwieweit die Mega­trends auf die in Kapitel 3 vorgestellten möglichen Ursachen der digitalen Spaltung haben.

Die Welt befindet sich in einem Wandel. Dabei haben vor allem die sogenannten ״Me- gatrends“ tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft in Deutschlands Städten und Regionen. Megatrends sind laut dem US-amerikanischen Zukunftsforscher und Wortschöpfer John Naisbitt ״langfristige Entwicklungen, die für alle Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft prägend sind“. Dabei muss ein Trend laut Naisbitt die folgenden Voraussetzungen erfüllen, um als Megatrend eingestuft zu werden: (vgl. [Nai88])

1. Dauer von mindestens 25 Jahren
2. Einfluss und Auswirkungen auf mehrere Lebensbereiche
3. Globaler Charakter

Im Folgenden werden die Megatrends ״Urbanisierung“ und ״Digitalisierung“ samt ihrer Auswirkungen auf die digitale Spaltung in Deutschland vorgestellt.

2.1 Urbanisierung

Laut der ״new urban agenda“ der ״Vereinten Nationen“ wird sich die Anzahl der Menschen, die in Städten leben weltweit verdoppeln (vgl. [U11İ17] S.3). Damit ist die Urbanisierung einer der transformativsten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Be­zogen auf Deutschland ist ein starkes Bevölerungswachstum in Metropolregionen wie ״München“ oder ״Rhein-Main“ zu beobachten. Gleichzeitig fallen Abwanderungs- tendenze!! insbesondere im Osten (außer ״Berlin“) und in der Mitte Deutschlands
auf (vgl. Abbildung 1; [Mİİ15], s.9ff.).

Relative, am bundesweiten Trend gemessene Wachstum/Schrumpfung:

stark wachsend

wachsend

stabil

schrumpfend stark schrumpfend

Betrachtete Entwicklungsindikatoren:

- Bevölkerungsentwicklung 2008-2013
- durchschnittlicher Wanderungssaldo der Jahre 2009-2013
- Entwicklung der Erwerbsfähigen 2008-2013
- Beschäftigtenentwicklung 2008-2013
- Entwicklung der Arbeitslosenquote 2007/8-2012/13
- Entwicklung der Gewerbesteuer 2007/8-2012/13

Klassifizierung nach der Häufigkeit von Entwicklungs­indikatoren im untersten (<20 % aller Werte) und obersten (>20 % aller Werte) Quintil-stark schrumpfend: 3-6 Indikatoren Im untersten Quintil - schrumpfend: 1-2 Indikatoren im untersten Quintil-stabil: keine Indikatoren im untersten oder obersten Quintil-wachsend: 1-2 Indikatoren Im obersten Quintil-stark wachsend: 3-6 Indikatoren im obersten Quintil

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Urbanisierung in Deutschland: Laufende Raumbeobachtung des BBSR (vgl. [Mİİ15], S.12)

Große Herausforderungen liegen dabei in der Sicherung der Daseinsvorsorge: Pri­vatwirtschaftliche Investitionen in bspw. das Glasfasernetz, werden aus Kosten- und Effizienzgründen auf die Besiedelungsdichte von Regionen angepasst. Dadurch würde insofern ein Nachteil für Bewohner ländlicher Regionen, als dass sie schlechteren Zu­gang zu digitalen Innovationen im Internet hätten, (vgl. [JNP12]) Die Urbaniserung betrifft somit vor allem die Spaltungs-Ursache ״Gebietsweise Unterversorgungen“ (siehe Kapitel 3.1).

2.2 Digitalisierung und digitale Spaltung

Die Digitalisierung ist längst ein Phänomen, das sämtliche Branchen betrifft. Sie verändert mit hoher Geschwindigkeit die Lebensweise vieler Menschen und ermöglicht Unternehmen die Anwendung neuer Geschäftsmodelle. Auch Städte und Kommu­nen können durch sie profitieren: Durch digitale Dienste kann die öffentliche Da- Seinsvorsorge ausgebaut und die Bürgerpartizipation erhöht werden. Allerdings gilt es bei den vielen Chancen nicht die Tatsache zu vergessen, dass laut einer Studie der ״Initiative D21“ etwa jeder vierte Deutsche im Alter über 14 Jahren von der Digitalisierung abgehängt ist (vgl. [MSD17], S.32). Hinzu kommt, dass noch mehr als jeder dritte Deutsche die Digitalisierung eher als Gefahr denn als Chance sieht (vgl. [Diri7]). Außerdem gibt sich der gleiche Teil der Bevölkerung im Durchschnitt nur die Note ״ausreichend (3,8)“ bei der Frage nach der eigenen Digitalkompetenz (vgl. [Dirl7]). Zwar hat die durchschnittliche Internetnutzung in Deutschland in den letzten Jahren stetig zugenonnnen (vgl. [ARD17]), dennoch wird das Phänomen der ״digitalen Spaltung“ wohl auch noch in Zukunft bestehen bleiben, sofern ihm nicht entgegengewirkt wird.

Spaltungen der Gesellschaft gab es schon bei anderen Technologien wie dem Buch­druck, allerdings verliefen diese Transformationen nicht in einer solch enormen Ge­schwindigkeit, wie es der Fall bei der Digitalisierung ist. Dementsprechend sind Städte und Gemeinden zumindest für eine gewisse Zeit gezwungen, digitale und analoge Inhalte parallel anzubieten. Ziel sollte allerdings das schrittweise ״Vertraut- machen“ der ausgeschlossenen Bürger mit digitalen Inhalten sein (vgl. [MRBF17], s. 15), was im weiteren Verlauf dieser wissenschaftlichen Arbeit als ״digitale Inte­gration“ bezeichnet wird.

3 Digitale Spaltung in Deutschland

Im vorangegangenen Abschnitt wurden grundsätzliche Megatrends aufgezeigt, die einen Einfluss auf die digitale Spaltung haben. In diesem Kapitel wird der Versuch unternommen, konkrete Einflussgrößen zu sammeln, die für Individuen gelten und zu analysieren, wie der aktuelle Stand der digitalen Spaltung in Deutschland ist. Die Anregung zu den einzelnen Ursachen stammen dabei größtenteils aus den Studien [MRBF17], [DM12] und [Zİİ09]. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels sollen aus den ermittelten Ursachen Zielgruppen erarbeitet werden, die dann bei der Zusammen­Stellung der Handlungsempfehlungen berücksichtigt werden sollen.

3.1 Ursachen für Individuen

Alter

Laut Statistiken hat das Alter die höchste Korrelation mit der Nutzung digitaler An­gebote. Dabei wird oft unterschieden zwischen ״Digital Natives“, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, und ״Digital Immigrants“, die diese als Erwachsene keil- nengelernt haben (vgl. [PreOl]; [Eralo]). Digital Natives nutzen digitale Angebote deutlich häufiger und messen der Technologie an sich auch eine größere Bedeutung bei (vgl. [Dirl7]). Besonders gravierende Unterschiede werden bei dem Vergleich der Generationen 65+ mit den jüngeren Generationen ersichtlich (siehe Abbildung 2): Auffällig ist, dass ganze 84% der 14-64 Jährigen der Aussage zustimmen, dass Tech­nologie ihr Leben leichter macht, während dieser Anteil bei der Generation 65+ bei gerade einmal 34% liegt. Dazu passt, dass mehr als jeder dritte Bürger im Alter ab 65 Jahren lieber in einer Welt ohne digitale Technologien leben würde.

Geschlechtsbezogene Unterschiede

Nach dem Alter hat statistisch gesehen, das Geschlecht den höchsten Einfluss auf die Nutzung digitaler Dienste: Frauen surfen tendenziell seltener im Internet und schätzen ihre eigene Digitalkompetenz schlechter ein (vgl. [DM12]).

Digitalkompetenz

Ebenso wie das Alter spielt das individuelle Technikverständnis eine entscheiden­de Rolle bei dem Zuspruch und der Nutzung digitaler Angebote durch die Bürger.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668772427
ISBN (Buch)
9783668772434
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v435071
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen – ESB Business School
Note
1,4
Schlagworte
Digitalisierung Gesellschaft Smart City Digitale Spaltung Digital Divide

Autor

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