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Ist Quartiersmanagement mehr als eine Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit?

Hausarbeit 2018 31 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept des Quartiersmanagements
2.1 Die Entstehung des Quartiersmanagements
2.2 Aufgaben und Handlungsfelder
2.3 ״Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt“
2.4 Qualifikationen von Quartiersmanager*innen
2.5 Gemeinwesenarbeit: eine Kernkompetenz im Quartiersmanagement
2.6 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Quartiersmanagement

3 Quartiersmanagement als präventive Sozialpolitik

4 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch und Quartiersmanagement
4.1 Das Konzept der Lebensweltorientierung
4.1.1 H istorischer Kontext
4.1.2 Traditionslinien
4.1.3 Alltag bzw. Lebenswelt
4.2 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Betrachtung des Quartiersmanagementkonzeptes
4.2.1 Ziele
4.2.2 Dimensionen
4.2.3 Struktur- und Handlungsmaxime
4.2.4 Aufgaben

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Quartiersmanagement als eine raumbezogene Methode der Sozialen Arbeit und der Forschungsfrage, ob Quartiersmanagement mehr ist als eine Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit.

Die Gemeinwesenarbeit ist neben der sozialen Einzelfallhilfe und der sozialen Gruppenarbeit eine der drei klassischen Arbeitsmethoden der Sozialen Arbeit. Im Interesse der Forschungsfrage und deren Bearbeitung wird in der Hausarbeit mit einem Methodenverständnis der Gemeinwesenarbeit wie bei Galuske, s. 99 ff. gearbeitet und es soll bewusst der Fokus auf das Thema Quartiersmanagement gelegt werden. Es sollen Antworten auf die Fragen gefunden werden, wie sich Quartiersmanagement in die Soziale Arbeit einordnet und was der Auftrag eines Quartiersmanagers in Bezug auf die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit im Unterschied zur Gemeinwesenarbeit ist. Dabei spielt die Entstehung und Entwicklung des Quartiersmanagements eine wichtige Rolle.

Seit den späten 80er Jahren werden in Deutschland Strategien diskutiert und umgesetzt, die darauf abzielen, die Abwärtsspirale in benachteiligten Stadtgebieten, sogenannten Quartieren, zu unterbrechen und stabilisierend zu wirken. Auf das Quartier bezogene Konzepte werden dabei als Quartiersmanagement bezeichnet. In dieser Arbeit soll vorrangig das Quartiersmanagementkonzept in Deutschland fokussiert werden und dabei das seit Ende 1999 etablierte Bund-Länder Programm ״Stadtteile mit besonderen Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt“ betrachtet werden. Das Konzept Quartiersmanagements wird im zweiten Kapitel vollständig vorgestellt.

Das dritte Kapitel dieser Hausarbeit gibt einen Einblick in das Konzept des Quartiersmanagements als präventive Sozialpolitik.

Um eine Verknüpfung zum Seminar ״Theorien Sozialer Arbeit“ herzustellen, wird im vierten Kapitel die Verbindung zwischen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch und dem Quartiersmanagement geschaffen.

Im fünften und letzten Kapitel wird zusammenfassend ein abschließendes Fazit gezogen.

2 Das Konzept des Quartiersmanagements

Bei einer Betrachtung der Quartiersarbeit spielt die Sozialraumorientierung eine tragende Rolle. Quartiersarbeit und -management ist eine raumbezogene Methode Sozialer Arbeit, Den Wandel von der ״klassischen“ Gemeinwesenarbeit zum Quartiersmanagement markiert das Konzept der Sozialraumorientierung. Hierbei geht es konzeptionell darum, Lebensräume so zu gestalten, dass Menschen auch in schwierigen Lebenssituationen zurechtkommen können (Wendt 2015, 305).

Auf Grund vielfacher Ursachen wie Z.B. regionaler wirtschaftlicher Schwächen, hoher Zuwanderung sozial benachteiligter Schichten oder Überalterungen im Wohnungsbestand verschlechtern sich die sozialen Strukturen in einigen Stadtgebieten. So verstärken sich die sozialen Unterschiede zwischen den Stadtteilen und es kommt zu Verdrängungseffekten wie Gentrifizierung und sozial - räumlicher Segregation (LAG Soziale Brennpunkte Niedersachsen e.v. 2004, 39).

Vor diesem Hintergrund waren frühere Strategien der Stadterneuerung mit vorrangig baulich - räumlicher Zielsetzung nicht optimal wirksam. An dieser stelle kommt das Quartiersmanagement zum Einsatz, um den genannten Problemen entgegen zu wirken (ebd. 2004. 39).

Das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) definiert Quartiersmanagement als ״einen strategischen Ansatz zum systematischen Aufbau von selbsttragenden und nachhaltig wirksamen personellen und materiellen Strukturen, die einer zukunftsweisenden Weiterentwicklung der Stadtteile dienlich sind“ (difu, Berlin AP 5, 2001, 5).

2.1 Die Entstehung des Quartiersmanagements

Der Begriff ist vermutlich zuerst in Berlin offiziell gebraucht worden. In Berlin, wie auch in Hamburg, Nordrhein - Westfalen und Hessen wurden in den 90er Jahren bestimmte Stadtteile als offiziell benachteiligte Quartiere ausgewiesen. Bei dieser Überlegung sollte aus vorrangegangen Fehlern gelernt werden (LAG Soziale Brennpunkte Niedersachsen e.v. 2004, 44). Bei diesen benachteiligten Quartieren handelt es sich um stark segregierte innerstädtische Gebiete, in denen sich eine sozial benachteiligte Bevölkerung konzentriert. Sogenannte ״Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf“ zeichnen sich durch eine Mischung komplexer miteinander zusammenhängender Probleme aus (Becker u.a. 2002,16). Zu den am meisten genannten Problemen gehören u.a.:

- hohe Jugend- und/oder Langzeitarbeitslosigkeit
- Überalterung der deutschen Bevölkerung
- schlechte Versorgungsinfrastruktur
- unzureichende soziale und kulturelle Infrastruktur; mangelndes Freizeitangebot vor allem für Kinder und Jugendliche
- sichtbarer Abstieg des ״öffentlichen Raums“ (Becker u.a. 2002, 16f).

In Programmen zur Sanierung nach dem Städtebauförderungsgesetz war in damaligen Überlegungen nur die Gebäudesubstanz erneuert worden und alle anderen Faktoren wie Z.B. die Bewohnerschaft, Infrastruktur und Wirtschaft sind außer Acht gelassen worden. Das spiegelte sich darin wieder, dass in den Sanierungsgebieten die Abwärtsspirale nach wenigen Jahren erneut eingesetzt hat und Millionensummen vergeblich investiert worden (LAG 2004, 44).

Um den Problemen in den benachteiligten Stadtteilen zu begegnen, wurde 1999 das Stadtbauförderungsprogramm ״Soziale Stadt“ aufgelegt. Dieses Programm ist sowohl auf Partizipation als auch auf Kooperation angelegt und soll einen integrativen Politikansatz für die Stadtteilentwicklung darstellen. Durch den integrativen Ansatz des Programms wird das Quartier als Ganzes mit alle seinen Flerausforderungen in den Blick genommen. Die Menschen, die in dem betreffenden Gebiet wohnen und arbeiten, sollen nun effektiv mit in den Planungsprozess einbezogen werden und es soll somit eine ganzheitliche Aufwertung eines Quartiers erreicht werden (LAG 2004, 44f.).

Zur Einbindung der Bewohnerfinnen und zum Aufbau einer nachhaltigen Bewohnerorganisation hat sich die Einrichtung einer Koordinationsstelle mit Büro vor Ort im Stadtteil als wichtig erwiesen.

Die Aufgaben des Programms ״Soziale Stadt“ bündeln sich in der Vernetzung (horizontal sowie vertikal) der lokalen Akteure untereinander sowie durch die Koordination und Moderation durch das Quartiersmanagement (LAG 2004, 45).

2.2 Aufgaben und Handlungsfelder

Quartiersmanagement setzt vor Ort im Stadtteil auf der kommunalen Ebene an. Der Schwerpunkt quartiersbezogener Handlungsansätze liegt im Bundesgebiet Deutschland dabei ״auf dem Versuch, mit geeigneten Instrumenten und Projekten die Lebensbedingungen der Menschen in benachteiligten Quartieren nachhaltig zu verbessern“ (Alisch 1998, 11).

Quartiersmanagements haben sich laut des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen des Programms ״Soziale Stadt“ als zentrales Instrument zur Umsetzung der Vorgaben des Programmes etabliert und es übernimmt eine Reihe von wichtigen Aufgaben, um der Zielvorstellung einer sozialen Stadt gerecht zu werden.

So unterschiedlich die Stadtteile und die Unterstützungsbedarfe bundesweit sind, so breit ist das Aufgabenspektrum, das durch Quartiersmanager*innen übernommen wird. Für die konkreten Aufgaben ist die jeweilige Ausgangssituation vor Ort und die davon ausgehend formulierten Ziele für die Quartiersentwicklung entscheidend. Innerhalb des Stadtteils bildet das Quartiersmanagement einen Netzwerkknoten zwischen den Institutionen im Stadtteil und ist Anlaufstelle für die Bewohnerinnen. Dies wird als horizontale Vernetzung bezeichnet. Neben dieser horizontalen Vernetzung wirkt die zweite Funktion in vertikale Richtung. Es wird hier vom Quartiersmanagement eine Vermittlerrolle zwischen Quartier und Verwaltung übernommen (BMUB 2016, 15).

Feste Aufgaben aller Quartiersmanagements sind (vgl. BMUB 2016, 17ff):

1. Die Integration von Akteuren und Zielen des Programms ״Soziale Stadt“

Quartiersmanagement zeichnet sich zum einen durch die Zusammenführung der verschiedenen Akteure aus Bereichen der Verwaltung, der lokalen Politik, der privaten Wirtschaft, der lokalen Vereine und der Anwohnerinnen aus. Die Zielsetzung ist zum anderen eine Integration der unterschiedlichen Aspekte von Wirtschaftsförderung, sozialer Befähigung und baulicher Stadtteilentwicklung.

2. Befähigung statt Betreuung

Eine weitere sehr wichtige Aufgabe soll dazu führen, dass die Bewohnerinnen der Stadtteile an dem stattfindenden Verbesserungsprozess aktiv teilnehmen. Hier spielen Partizipation und Empowerment eine tragende Rolle. Diese Einbindung der Bewohnerinnen findet auf unterschiedlichen stufen statt. Sie werden vom Quartiersmanagement im persönlichen Gespräch informiert oder aber durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Die Entwicklung von Verantwortung für das eigene stadtquartier soll so langfristig gestärkt werden und nach Ablauf des Quartiersmanagementprojektes (in der Regel nach drei Jahren) sollen selbsttragende Bewohnerorganisationen geschaffen werden.

3. Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit

Um die Einbindung und Beteiligung der Bewohner zu erreichen ist Öffentlichkeitsarbeit, sei es in Form von einer Stadtteilzeitung, der Ausrichtung von Stadtteilfesten oder über Social-Media-Kanäle, ein wichtiger Aufgabenbestandteil eines Quartiersmanagers.

Die Öffentlichkeitsarbeit zielt in drei Richtungen:

1. Sie will über die Umsetzung der Maßnahmen der ״Sozialen Stadt“ sowie die Möglichkeiten der Beteiligung und Mitwirkung informieren.
2. Sie soll die Identifizierung mit dem eigenen Quartier stärken.
3. Eine Verbesserung des Images und der Wahrnehmung des Quartiers durch den Rest der Stadt soll erreicht werden.
4. Übernahme einer Vermittlerrolle zwischen Quartier und Verwaltung

Quartiersmanagement vermittelt als intermediäre Instanz zwischen Verwaltung, Bewohnerschaft und Wirtschaft. Indem die lokal wirksamen Akteure in das Gesamtkonzept integriert werden, soll ein ganzheitlicher, gebietsbezogener Ansatz geschaffen werden. Ziel ist es, die Bewohnerinnen über Maßnahmen der Verwaltung im Stadtteil zu informieren und das Handeln der Kommune für die Bewohnerschaft verständlich zu machen. In anderer Richtung leitet der Quartiersmanager Bedarfe und Anliegen aus dem Quartier an die Verwaltung und sorgt dafür, dass diese Berücksichtigung finden. Dies setzt allerdings voraus, dass das Quartiersmanagement im Verwaltungshandeln systematisch berücksichtigt wird und die Ziele der Quartiersentwicklung innerhalb der Verwaltung als Gemeinschaftsaufgabe verinnerlicht werden. Das Quartiersmanagement soll Impulse setzen, die Akteure vor Ort vernetzen und Erfolgskontrolle anbieten, es wird oft als die ״treibende Kraft vor Ort“ bezeichnet (vgl. BMUB 2016, 17ff.).

Aufgrund starker bürokratischer Vorgaben im Programm ״Soziale Stadt“ und unterschiedlicher kooperativer Verwaltungen ist laut Mössner (2015) die Möglichkeit, Entscheidungen vor Ort mitzugestalten, in den einzelnen Gebieten unterschiedlich stark ausgeprägt. Innerhalb des Programms gibt es keine genaueren Vorgaben dessen, was unter Partizipation der Bewohnerinnen zu verstehen sei und wessen Meinungsbild tatsächlich durch die partizipativen Verfahren repräsentiert wird. Entscheidungen bei denen Bürgerinnen wirklich aktiv beteiligt sind, werden laut Mössner (2015) auf eine alltagspraktische Ebene gehievt und von der politischen Ebene entfernt (ebd., 139).

Der Kooperationsgedanke innerhalb des Programms ״Soziale Stadt“ erfährt besondere Aufmerksamkeit. Als Vorteil dieser Kooperationen einher geht, dass die Entscheidungen auf direkterem Wege zwischen den Akteurlnnen im Quartier getroffen werden und institutionelle Ressourcen gebündelt und effektiver eingesetzt werden können. Diese neue Politikform wird unter dem Schlagwort einer neuen Gouvernance diskutiert Die hierarchischen Regelungen sind nicht mehr als starr anzusehen und es können so neue, alternative institutionelle Regelungen entstehen. Es fehlt aber eine bisher kritische Betrachtung dieser neuen Regelungen. Mit zunehmender enger Kooperation nimmt laut Mössner (2015) die Transparenz der Entscheidungen ab, die enge Verbindung zwischen städtischer Verwaltung und Trägern des Quartiersmanagements führt dazu, dass die Ausweisung bestimmter benachteiligter Quartiere nicht mehr hinterfragt wurde. Viele Entscheidungen, die das Quartier betreffen, werden laut Mössner zwar durch partizipative Ansätze mit den Bewohnerinnen des Quartiers getroffen, den Ausführungen der Expertinnen stehen die Bewohnerinnen allerdings oftmals hilf­und ratlos gegenüber und können kaum ihre eigene Meinung beisteuern (vgl. Mössner 2015, 138).

2.3 ״Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt“

Mit dem Bundesprogramm ״Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt“ unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit seit 1999 Länder und Kommunen bei der Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter Stadt- und Ortsteile. 1999 waren im Förderprogramm 161 Stadtteile in 124 Gemeinden vertreten, 2015 bereits 715 Gebiete mit 418 Städten und Gemeinden (BMUB 2016, 5).

In dem Leitfaden des Programms ״Soziale Stadt“ werden konkret sechs Bereiche benannt, in denen bestimmte Ziele durch das Quartiersmanagement umgesetzt werden sollen:

1. Bewohnermitwirkung, stadtteilleben:

- Aktivierung örtlicher Potenziale, Hilfe zur Selbsthilfe
- Entwicklung von Bürgerbewusstsein für den Stadtteil
- Schaffung selbsttragender Bewohnerorganisationen und stabiler nachbarschaftlicher Netze

2. Lokale Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung:

- Stärkung der lokalen Wirtschaft
- Schaffung und Sicherung von örtlichen Arbeitsplätzen und Beschäftigungsangeboten
- Qualifizierung der Arbeitssuchenden

3. Quartierszentren:

- Quartierszentren sollen die Nahversorgung stärken und zu Mittelpunkten städtischen Lebens werden

4. Soziale, kulturelle, bildungs- und freizeitbezogene Infrastruktur:

- Verbesserung des Infrastrukturangebotes im Interesse des sozialen Ausgleichs
- Bildungs- und freizeitbezogene Einrichtungen und Angebote sollen erschaffen werden

5. Wohnen:

- Verbesserung des Wohnwertes der Wohnungen angestrebt durch Modernisierung, Instandsetzung, Umbau und ergänzenden Neubau
- Sicherung preiswerten Wohnraums (einschließlich Belegungsrechte für Haushalte, die sich nicht selbst auf dem Wohnungsmarkt versorgen können)
- Bewohnerinnen sollen vor Verdrängung geschützt werden
- Unterstützung aktiver Nachbarschaften
- Stärkung der Identifikation der Mieterinnen mit Wohnung und Wohnumfeld
- Erhalt (bzw. Wiederherstellung) gemischter Bewohnerstrukturen

6. Wohnumfeld und Ökologie:

- Verbesserung des Wohnwertes durch Aufwertung des Wohnumfeldes
- Bessere Nutzung und bessere Gestaltung von Freiflächen durch Z.B. Bau von Spielplätzen und Parkanlagen
- mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum (vgl. LAG 2004, 45f.).

Dem Quartiersmanagement kommt die gewaltige Aufgabe zu, diesen umfassenden Prozess zu organisieren und zu realisieren. Um der integrativen Zielsetzung und dem Wandel von der Betreuung zur Befähigung gerecht zu werden, sind unterschiedliche Mittel Bestandteil des Konzeptes. Ein solch großes Vorhaben macht den Einsatz erheblicher Finanzmittel erforderlich. Die öffentlichen Gelder aus Kommune, Land und Bund sollen als Impuls verstanden werden, der die Wirtschaft überzeugen soll, dass in den betreffenden Gebieten eine umfassende Aufwertung stattfindet und es sich lohnt, in diese bisher vernachlässigten Gebiete zu investieren. Diese Investitionen müssen in einem Handlungsprogramm, das die einzelnen Maßnahmen auflistet sowie Ziele, Träger und Finanzierung konkret benennt, verankert werden (LAG 2004, 47). Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist ein sogenannter Verfügungsfond, ein Fördertopf, aus dem kleinere Maßnahmen wie Z.B. Verschönerungsaktionen und Stadtteilfeste im Stadtviertel finanziert werden können. Über die Verteilung dieser Gelder entscheidet meist eine Bürgerjury zusammengesetzt aus Anwohnerinnen sowie Vertreterinnen von Institutionen aus dem Stadtteil unter der Leitung des beauftragten Quartiersmanagers.

Laut der AKZENT-Studie 2011 unter Leitung des BMUB führen Bürgerbeteiligungen zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zur Verbesserung des Stadtteilimages. Die Erfahrungen mit dem Programm ״Soziale Stadt“ haben gezeigt, dass die Orientierung der Stadtentwicklung auf sozialräumlicher Ebene zu Verbesserungen in Stadtteil und Quartier führen können, wenn dabei die

Bevölkerung einbezogen wird und die Bewohnerinnen ihr Wissen als Expertinnen für ihr räumliches und soziales Lebensumfeld einbringen können (vgl. AKZENT 2011).

2.4. Qualifikationen von Quartiersmanager*innen

Die Aufgabenschwerpunkte mit der sich ein Quartiersmanager beschäftigt, finden im Rahmen des gesamtstädtischen Quartiersmanagements auf der Verwaltungsebene, der intermediären Ebene sowie der Quartiersebene ihre Anwendung. Diese Aufgabenschwerpunkte sind klar zu unterscheiden. Dementsprechend sind auch unterschiedliche fachliche und methodische Schlüsselqualifikationen der Mitarbeiterinnen gefordert.

Krummacher u.a. (2003) nennen folgende Schlüsselqualifikationen in den verschiedenen Handlungsbereichen:

- Auf der Verwaltungsebene: ausgezeichnete Politik- und Verwaltungskenntnisse sowie gute Fachkenntnisse vor allem in den Bereichen Raumplanung, Soziales und Gemeinwesenökonomie, Kontakt­und Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen (ebd., 241).

- Auf der intermediären Ebene: gute Politik- und Verwaltungskenntnisse, gute Grundlagenkenntnisse hinsichtlich der Bereiche Stadtentwicklung, Planung und Soziales sowie ausgezeichnete Dialog- und Kommunikationsfähigkeit (Krummacher u.a. 2003, 241 f.).
- Als Schlüsselqualifikationen auf der Quartiersebene sind gute planerische, administrative und sozialarbeiterische Fachkenntnisse, hohe Organisationskompetenz, intersoziale und interkulturelle Kompetenzen sowie Kontakt-, Dialog-, Kommunikations- und Beteiligungsfähigkeit zu nennen (Krummacher u.a. 2003, 242).

Sinnvoll ist es, das Quartiersmanagement als Team von mindestens zwei Personen aufzustellen, da im Team die breiten Qualifikationsanforderungen besser abgedeckt werden können. Es empfiehlt sich hier eine sogenannte ״TandenT-lösung, bei der eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von planerischen und sozialen Berufen gewährleistet ist (ebd. 2003, 242). Bisher gibt es kein einheitliches Berufsbild -Sozialpädagogik, Geografie und Stadt- oder Raumplanung sind die häufigsten Abschlüsse unter Quartiersmanager*innen. Gerade wenn es im die Aktivierung der Bürger*innen geht, sind Kenntnisse der Gemeinwesenarbeit unabdingbar.

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Details

Seiten
31
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668768154
ISBN (Buch)
9783668768161
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v435100
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt – Angewandte Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Theorien Quartiersmanagement Gemeinwesenarbeit

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