Lade Inhalt...

Der Placebo-Effekt und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen

Facharbeit (Schule) 2017 25 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines
2.1 Einführung
2.2 Definition
2.3 Geschichte

3. Der Placebo-Effekt im Gehirn
3.1 Konditionierung
3.2 Erwartung
3.3 Bedeutung
3.4 Funktionsweise des Gehirns

4. Der Placebo-Effekt im Körper
4.1 Gene und Proteine
4.2 Epigenetik
4.2.1. Allgemeines
4.2.2. Beispiel Stress

5. Studien und Fallbeispiele
5.1 Placebo-Tabletten und äußere Faktoren
5.2 Placebos bei langfristigen Erkrankungen
5.3 Gegenüberstellungen

6.Schluss
6.1. Zusammenfassung
6.2 Diskussion

7. Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit befasst sich mit Placebos und dem dadurch entstehenden Placebo-Effekt. Placebos und deren Einsatzgebiete sind bereits durch Henry Beecher während des zweiten Weltkriegs bekannt geworden. Zu Recht werden sie als Alternative bzw. Ergänzung zur gängigen Schulmedizin betrachtet. Aufgrund ihres erfolgreichen Einsatzes folgen jährlich tausende Studien und Artikel, in denen die Wirkung von Placebos belegt und diskutiert werden. Diese Arbeit gibt einen Einblick in die Wirkweise von Placebos auf den Menschen, mit genauerem Bezug auf Neuronen und Gene, sowie persönliche Erwartungen und Gedanken. All diese Faktoren, die hier genauer beschrieben werden, stehen unmittelbar in Zusammenhang mit einer erfolgreichen Reaktion auf Placebos. Nichts desto trotz kann es durchaus auch zu unerwünschten Wirkungen kommen. Der Einsatz von Placebos erweist sich im klinischen Alltag als schwierig und umstritten, obwohl zahlreiche Studien und Ärzte den Einsatz von Placebos, vor allem zur unterstützenden Behandlung von chronischen Schmerzen, befürworten.

1. Einleitung

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich bereits sehr viel im Bereich der Medizin getan. Speziell in der medikamentösen Behandlung ist der Fortschritt unaufhaltsam. (vgl. Wudy, 2015, S.10f.)

Zusätzlich liegt das Interesse vermehrt in der Behandlung durch alternative Heilmethoden, wie zum Beispiel mittels sogenannten Placebos. (vgl. Gysling, 1992)

Aufgrund der zunehmenden Aktualität des Themas und meinem dadurch geweckten Interesse werde ich in dieser Arbeit genauer auf den Begriff des Placebo-Effekts eingehen.

Die Literatur, auf die sich diese Arbeit bezieht, basiert weitgehend auf dem Buch „Du bist das Placebo, Bewusstsein wird Materie“, von Dr. Joe Dispenza, 2014.

Dr. Joe Dispenza beschreibt in seinem Werk einerseits seine persönlichen Erfahrungen, sowie auch solide wissenschaftliche Belege des Placebo-Effekts.

Weiteres stützt sich die Arbeit auf einen umfangreichen Artikel von dem Autor Thure von Uexküll „Das Placebo-Phänomen“, 1994. Dieser handelt von dem geschichtlichen Verlauf des Placebos bis in die 90iger-Jahre, sowie zahlreiche Fallbeispiele werden dazu genannt.

Neben diesen beiden Hauptwerken wird noch auf etliche andere medizinische Studien eingegangen, welche im Hauptteil genauer erläutert werden.

In der Arbeit soll dargelegt werden, in welcher Art und Weise der Placebo-Effekt auf den menschlichen Körper wirkt und welchen Stellenwert der Effekt in der Medizin hat. Zusätzlich werden mögliche Beweise für eine tatsächliche Wirkung im Zusammenhang mit klinischen Studien aufgezeigt, sowie auch Gegenargumente der Kritiker. Die verwendete Methode ist eine reine Literaturrecherche.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs große Kapitel: Im ersten Kapitel werden Definitionen und geschichtliche Hintergründe erklärt. Danach wird die Wirkweise von Placebos sowohl im Gehirn als auch im menschlichen Körper genauer beschrieben. Anschließend werden einige wichtige und aktuelle Studien aufgezeigt. Zum Schluss folgt eine Diskussion zum Einsatz von Placebos in der Medizin.

2. Allgemeines

In folgendem Kapitel wird zunächst die Thematik des Placebo-Effekts anhand eines kurzen Beispiels erläutert. Anschließend werden Definition und Geschichte genau betrachtet.

2.1 Einführung

Stellen Sie sich vor, jemand weist bestimmte Symptome auf und geht daher zu einem Arzt seines Vertrauens. Der Patient erhält aufgrund seiner objektiven Befunde eine bestimmte Krankheitsdiagnose und gleichzeitig nennt ihm der Arzt die notwendigen Behandlungsoptionen. Angenommen der Arzt diagnostiziert Krebs. Sobald die Person dieses Wort hört, verbindet sie damit vergangene Erfahrungen in Form von Gedanken, Bildern und Emotionen wie zum Beispiel: das Auftreten der Krankheit bei einem Familienmitglied, etwas über die Krankheit Gelesenes, im Internet oder ein Film in dem einer der Filmcharaktere an dieser Krankheit starb. Da der Patient dem selbstsicheren und überzeugten Arzt bezüglich dieser Diagnose glaubt, empfindet dieser Angst. Gleichzeitig akzeptiert er automatisch die Krankheit und lässt sich auf die Behandlung ein und dies ohne einer echten Analyse. Nimmt diese Person die Emotionen der Sorge, der Traurigkeit und der Angst an, kann sie nur noch an Gedanken denken, die diesen Emotionen entsprechen. (vgl. Dispenza, 2014, S. 85)

Auch wenn der Betroffene versucht positiv darüber zu denken, zum Beispiel wie er die Krankheit besiegen könnte, fühlt sich sein Körper nach wie vor schlecht.

Ihm wurde somit das „falsche“ Placebo verabreicht, welches wiederum einen falschen Seinszustand hervorruft und die Person dadurch unfähig macht, neue Möglichkeiten wahrzunehmen. Hinsichtlich der Diagnose ist der Patient seiner Überzeugung und vor allem den Überzeugungen des Arztes ausgeliefert. (vgl. Dispenza, 2014, S. 85)

Dieses sehr drastische Beispiel zeigt wie Menschen alleine aufgrund von Erfahrungen, Erwartungen oder Assoziationen reagieren, und wie sehr unsere Gesundheit davon abhängig sein kann – im positiven wie im negativen Sinne.

Placebos spielen hier eine ganz wesentliche Rolle: Sie sollen bekanntlich die Gedanken und in weiterer Folge einen Heilungseffekt ganz unbewusst beeinflussen können. Zunächst wird unter 2.2. Definition der Begriff des „Placebo“ genauer erläutert:

2.2 Definition

Das Wort „Placebo“(aus dem Lateinischen übersetzt „ich werde gefallen“) beschreibt die positive Auswirkung auf den Menschen, hervorgerufen durch eine Scheinbehandlung, zum Beispiel in Form einer Tablette (die nur Stärke oder andere inerte Füllstoffe enthält), oder echter Medikamente, die in einer stark verminderten Dosis gegeben werden. Im engeren Sinn spricht man somit von einem Heilungseffekt, der möglicherweise durch Gabe eines Scheinarzneimittels oder Durchführung von Scheinoperationen (auch Schein-Akupunktur etc.) eintritt.

Hierbei spricht man vom sogenannten Placebo-Effekt. (vgl. Breidert & Hofbauer, 2009, S. 751)

Im Gegensatz zum Placebo, vom dem man sich eine positive Auswirkung erhofft, gibt es auch den Nocebo (lateinisch für „ich werde schaden“). Damit wird eine wirkungslose Substanz bezeichnet, die schädliche Auswirkungen hat, einfach weil man es glaubt oder erwartet. Diesen Nocebo-Effekt kann man zum Beispiel in Arzneimitteltests beobachten. Obwohl die Probanden zwar ein Placebo zu sich genommen haben, entwickeln einige davon trotzdem bestimmte Nebenwirkungen, weil sie beim Gedanken an das Medikament auch an die ganzen potenziellen Nebenwirkungen denken. (vgl. Dispenza, 2014, S. 28)

2.3 Geschichte

Bereits 427 – 377 vor Christus bediente sich der griechische Philosoph Platon alternativer Heilmethoden, welche mit dem heutigen Placebo-Effekt vergleichbar sind. Er erkannte, dass Patienten durch die bloße Überzeugung von Worten geheilt werden konnten. Demnach hat sich vor allem das positive Zureden auf kranke Personen bewährt, die, nachdem sie selbst der Überzeugung waren geheilt zu werden, tatsächlich wieder gesund wurden. (vgl. Kowalewski, 2010)

Besonders erfolgreich war auch der französische Apotheker Emile Coue (1857-1926). Er eröffnete 1910 eine Klinik, in der als einzige Behandlungsmethode eine simple Vorschrift angewendet wurde: Jeder Patient musste sich alle paar Stunden versichern: „Es geht mir von Tag zu Tag besser!“ Die Erfolge waren so eindrucksvoll, dass die Klinik sich vor dem Zustrom der Patienten aus allen Ländern der Welt kaum retten konnte. (vgl. Uexküll, 1994, S. 56)

Auch im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) erkannte man schnell das Potential von Placebos. Henry Beecher, der zur damaligen Zeit als Militärarzt der U.S. Army diente, war gezwungen eine Alternative zur herkömmlichen Arzneigabe zu finden. Konkret wurde den verwundeten Soldaten Morphium gegen die Schmerzen verabreicht. Da dieses jedoch bald aufgebraucht war, injizierte er seinen Patienten eine einfache Kochsalzlösung. Zu seiner Überraschung ging es den Soldaten, welche im Glauben waren, Morphium erhalten zu haben, tatsächlich besser. (vgl. Perry, 2012)

Die Ära einer wissenschaftlichen Erforschung des Placebo-Effekts begann mit der Entwicklung des sogenannten Doppelblindversuchs (auch bekannt als Doppelblindstudie) zur Prüfung von Arzneimittel-Wirkungen. Bei diesem Verfahren weiß weder der Arzt, der das Mittel verschreibt, noch der Patient, der das Mittel empfängt, ob es die Substanz enthält, deren Wirkung getestet werden soll, oder ob es sich um einen neutralen Stoff wie Stärke oder Zucker handelt. Die erwünschten oder unerwünschten Wirkungen der Substanz können dann durch den Vergleich zwischen zwei Gruppen statistisch errechnet werden, von denen die eine die zu testende Substanz, die andere das Placebo erhalten hat.(vgl. Dispenza, 2014, S. 9)

Die ersten Veröffentlichungen über Ergebnisse von Doppelblindversuchen lösten eine Flut von Untersuchungen aus. Allein zwischen 1976 und 1978 erschienen mehr als 1500 Arbeiten über Placebo und Placebo-Effekte. Man untersuchte Z.B. den Einfluss der Größe, der Farbe, der Form oder des Geschmacks von Tabletten auf den Placebo-Effekt. Interessanter waren dann Untersuchungen, die ergaben, dass der Preis, der Name und vor allem die Neuheit den Effekt eines Mittels steigern können, besonders, wenn ein entsprechendes Echo in der Öffentlichkeit besteht. Aufschlussreich waren auch Beobachtungen, dass Injektionen wirksamer waren als die Gabe des Medikaments in Tabletten- oder Pulverform und vor allem, dass die Anwesenheit einer Krankenschwester oder eines Arztes den Placebo-Effekt zu steigern vermögen. (vgl. Uexküll, 1994, S. 57)

Dies war sich auch der Orthopäde Bruce Moseley, einer von Houstons führenden Spezialisten für orthopädische Sportmedizin, bewusst. 1996 publiziert er eine klinische Fallstudie mit zehn freiwilligen Probanden. Die Teilnehmer waren ausschließlich Männer, die beim Militär dienten und an einer Knie-Arthrose litten. Aufgrund ihrer schweren Erkrankung konnten sie sich nicht normal fortbewegen, gingen am Stock und hatten große Schmerzen. Im Rahmen von Dr. Moseleys Studie wurde an zwei der zehn Männer eine Standardoperation ausgeführt, drei Versuchsteilnehmer erhielten eine Spülung des Kniegelenks und an fünf Männern wurde eine Scheinoperation durchgeführt. Dabei wurde die Haut der Probanden mit einem Skalpell aufgeschnitten und dann einfach wieder zugenäht, ohne einen medizinischen Eingriff durchgeführt zu haben. (vgl. Dispenza, 2014, S. 20)

Laut eigenen Aussagen waren alle zehn Patienten nach den Operationen mobiler und hatten weniger Schmerzen. Selbst sechs Monate nach der OP ging es den Männern, die scheinoperiert wurden genauso gut, wie den Patienten die eine Wundausschneidung oder eine Spülung erhielten. Sogar sechs Jahre später behaupteten zwei der Männer, an denen die Placebo-Operation ausgeführt worden war, sie hätten keinerlei Schmerzen und könnten nach wie vor ganz normal laufen und all die alltäglichen Dinge tun, die sie vor der Operation sechs Jahre zuvor, nicht mehr tun konnten. (vgl. Dispenza, 2014, S. 21)

[...]

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Placebo-Effekt und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen