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Internationaler Handel unter Berücksichtigung steigender Skalenerträge - ein Erklärungsansatz

Bachelorarbeit 2005 31 Seiten

VWL - Konjunktur und Wachstum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Verzeichnis der Tabellen und Graphiken

1. Einleitung:
Problemstellung mit Bezug zur traditionellen Außenhandelstheorie und Verweis auf die aktuelle Zusammensetzung des Welthandels

2. Eigenschaften und Definitionen steigender Skalenerträge
2.1. unternehmensinterne Skalenerträge
2.2. unternehmensexterne Skalenerträge
2.3. nationale und internationale Skalenerträge

3. Internationaler Handel aufgrund steigender Skalenerträge nach Krugman
3.1. mit unternehmensinternen Skalenerträgen
3.1.1. Modellannahmen
3.1.2. Gleichgewicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft
3.1.3. Folgen für das Gleichgewicht nach Markteröffnung
3.2. mit unternehmensexternen Skalenerträgen
3.2.1. Modellannahmen
3.2.2. Öffnung der Märkte für den Handel
3.2.3. Das Handelsmuster mit externen Skalenerträgen
3.2.4. Gewinne aus dem Handel

4. Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen:

Graphik 1.1.: Weltgüterhandel in den 3 wichtigsten Güterklassen

Graphik 3.1.: Chamberlins Tangency Solution

Graphik 3.2.: zur Bestimmung des individuellen Konsums zu den Güterpreisen

Graphik 3.3.: eingesetzter Faktor Arbeit pro Gütereinheit als Funktion der Produktionsmenge

Tabelle 3.1.: mögliche Ergebnisse des Handels unter steigenden externen Skalenerträgen

1. Einleitung

Unabhängig jeder Definition oder wissenschaftlicher Erklärung ist sicherlich jedem bewusst, welche wesentliche Position in unserem Leben der Handel einnimmt. Wir handeln mit Gütern und Dienstleistungen, um wiederum andere Güter und Dienstleistungen zu erwerben[1], und konsumieren diese dann. Somit steigern wir letztlich unser Wohlbefinden, ökonomisch ausgedrückt maximieren wir unser Nutzenniveau.

Nun hat sich seit Ende des zweiten Weltkrieges das Handelsvolumen weltweit durch Reduzierung oder gänzliche Auflösung von Handelsbarrieren, insbesondere in den Industrieländern (IL), nach Implementierung der Vorgaben aus dem GATT, z.B. die Senkung handelshemmender Maßnahmen wie Zölle oder durch die Annahme der Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem in den ehemaligen kommunistischen Ländern, enorm vervielfacht.

Diese Vervielfachung lässt sich sehr gut anhand von Graphik 1.1. erkennen.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin lässt sich die Zusammensetzung des Handels, unterteilt nach Industriegut und Primärgütern (hier: natürliche Ressourcen und landwirtschaftliche Güter), erkennen. Primärgüter, als die Güterklasse, die Entwicklungsländer (EL) hauptsächlich handeln.

Diese Vervielfachung des Handelsvolumens zusammen mit der Verflechtung vieler Länder im Handel rief und ruft noch seit jeher führende Ökonomen auf den Plan, um das Phänomen des Handels zu untersuchen und es zu erklären. Man versuchte dabei Fragen zu beantworten, wie zum Beispiel: Wie kommt Handel zustande? Wer handelt mit wem? Warum wird gehandelt? Womit wird gehandelt? Und wer profitiert wann und unter welchen Umständen von Handel?

Führend hierbei war zum einen David Ricardo (1772-1823), der im 2 Länder - 2 Güter - 1 Faktor - Modell zeigte, dass es für zwei Länder von Vorteil sein kann, sich vollständig auf die Produktion des einen Gutes zu spezialisieren, bei dem das jeweilige Land die geringsten Opportunitätskosten aufweist, das heißt den komparativen (Kosten-) Vorteil ausnutzen kann. Dieser komparative Vorteil definiert sich in diesem Modell als geringere relative Preise vor Aufnahme von Handel -im Zustand von Autarkie- im Vergleich zum anderen Land.[3]

Dabei definiert Ethier Opportunitätskosten als: „…die Kosten eines Gutes für ein Individuum oder für eine Gesellschaft aus dem Betrag eines anderen Gutes, der aufgegeben werden muss, um eine Einheit von diesem zu erhalten.“[4]

Des weiteren prägten die Ökonomen Eli Heckscher (1879-1952) und Bertil Ohlin (1899-1979) mit ihrem Faktorproportionentheorem die neoklassische Außenhandelstheorie nachhaltig auf der Suche nach einer realitätsnäheren Erklärung für Handel, indem sie komparative Unterschiede auf die unterschiedlichen Faktorausstattungen der jeweiligen Länder zurückführten. Das von Samuelson entwickelte Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell (HOS-Modell) mit 2 Ländern, 2 Gütern und 2 Faktoren zeigt, wie

„das Land den komparativen Vorteil hat, das für seine Produktion, den im Land relativ reichlich vorhandenen Faktor relativ intensiv verwendet.“[5]

Als Unterschied zur klassischen Theorie von Ricardo bleibt zu erwähnen, dass im Gleichgewicht des HOS-Modells beide Länder weiterhin beide Güter, wenn auch in geringeren Mengen, produzieren, es erfolgt also keine vollständige Spezialisierung.[6]

An dieser Stelle soll zur Vertiefung der klassischen sowie neoklassischen Theorien auf die zahlreiche Literatur, die sich mit der Außenhandelstheorie beschäftigt, verwiesen werden.[7]

Hervorheben möchte ich nun, dass seit Veröffentlichung der oben genannten Theorien[8] viele Jahrzehnte vergingen, in denen sich das Weltbild vor allem politisch, bedingt durch den ersten und zweiten Weltkrieg, stark veränderte. Damit einhergingen, wie in den einleitenden Zeilen erwähnt, ein drastischer Anstieg des Welthandelsvolumens, der unter Anwendung der beiden oben aufgeführten Modelle von vielen Ökonomen untersucht wurde, um letztlich Erstaunliches zu entdecken:

Außenhandel widersprach gänzlich oder zum Teil den Ergebnissen zu denen Ricardo und HO gelangt waren.

Der wohl prominenteste Wirtschaftswissenschaftler, der die Theorie Heckscher-Ohlins einer Prüfung unterzog, war Wassily Leontief, der in seiner Untersuchung der Handelsstruktur der Vereinigten Staaten von Amerika zu einem überraschenden Resultat kam: Die USA schienen arbeitsintensiv produzierte Güter zu exportieren, obwohl es zu dem Zeitpunkt als das kapitalreichste Land galt. Das Ergebnis war also genau umgekehrt zu den Ergebnissen des HOS-

Modells. Die so unerwarteten Schlüsse sind seit jeher als Leontief-Paradoxon bekannt.

Neben komparativen Vorteilen und Unterschieden in Faktorausstattungen rückten mehr und mehr weitere Aspekte in den Vordergrund, die bis dahin teilweise in den Modellannahmen von Anfang an ausgeschlossen wurden oder bis dahin nicht näher analysiert werden konnten, da z.B. die modell-analytische Betrachtung unmöglich schien. Zu erwähnen wären hier die von Staffan Linder (1961) untersuchten Nachfragestrukturen handelnder Länder, die technological-gap-Theorie von Posner (1961), die Produktlebenszyklus-Theorie von Vernon (1966) oder steigende Skalenerträge.[9] Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass diese neuen Ansätze keineswegs die traditionellen Theorien[10] revidieren, sondern vielmehr ergänzen, indem sie eine empirisch immer bedeutender werdende Art des Handels interpretieren, den intra-industriellen Handel[11], den Handel zwischen identischen Wirtschaftszweigen und Sektoren in ähnlich entwickelten Volkswirtschaften.

In Ansätzen lässt sich diese Art des Handels anhand der Graphik 1.1. erkennen, denn gemäß den traditionellen Modellen müsste der Handel in allen Gütergruppen gleich stark angestiegen sein, da IL Primärgüter importieren und Industriegüter (=manufactures) im gleichen Maß in die EL exportieren müssten.

Traditionelle Außenhandelstheorie kann dieses Phänomen des intra-industriellem Handels nicht hinreichend erläutern.

Dennoch kann gesagt werden, dass herkömmlicher inter-industrieller Handel, also der Tausch von z.B. Automobilen und Textilien, nach wie vor durch die Theorien der Klassiker und Neoklassiker bestens beschrieben werden.

Wie von vielen führenden Ökonomen, die sich gerade mit diesen neuen Ansätzen beschäftigen, beanstandet, finden gerade steigende Skalenerträge (engl.: increasing returns in economies of scale) wenig Aufmerksamkeit in vielen Lehrbüchern und Vorlesungen der Außenhandelstheorie und werden, wenn überhaupt, als Kuriosität und Ausnahmeerscheinung am Rande behandelt.[12]

So möchte ich mich in dieser Arbeit auf steigende Skalenerträge konzentrieren und die Konsequenzen, die sie auf internationalen Handel haben, analysieren und versuchen, detailliert zu benennen. Dabei sollen die eingangs gestellten grundlegenden Fragen der Außenhandelslehre unter zu Hilfenahme steigender Skalenerträge beantwortet werden.

Wie bereits erwähnt, gilt festzuhalten, dass, wenn steigende Skalenerträge Einzug in Handelsmodelle finden, man sich einer Reihe schwerwiegender Komplexitäten gegenübergestellt sieht. Wohl am gewichtigsten ist die Unvereinbarkeit mit der geltenden Annahme vollständiger Konkurrenz, da bislang alle allgemeinen Modelle der Außenhandelstheorie sich auf perfekten Wettbewerb stützen. Vollkommener Wettbewerb impliziert Grenzkostenpreissetzung, also Preisnehmerverhalten der Unternehmen, das heißt die Unternehmung nimmt den Preis als gegeben hin und kann durch eigene Preis- und Produktpolitik keinen Einfluss auf das Geschehen am Markt ausüben.

In Kapitel 2 werde ich näher auf die Definitionen und Charakteristika steigender Skalenerträge eingehen und die Folgen, die sie implizieren, näher erläutern. Es folgen in dem Kapitel 3 zwei von Krugman konzipierte Modelle, in denen Außenhandel unter unternehmensinternen sowie -externen Skalenerträgen beschrieben wird und deren Konsequenzen für die beiden handelnden Ökonomien geschildert werden. Kapitel 4 fasst dann die Gemeinsamkeiten, Implikationen und Ergebnisse beider Modelle kurz zusammen, bevor in der Schlussbetrachtung in Kapitel 5 erwähnt wird, welche Fragen die moderne Außenhandeltheorie noch offen lässt.

2. Eigenschaften und Definitionen steigender Skalenerträge

2.1. Unternehmensinterne Skalenerträge

In der Einleitung wurde eine Unvereinbarkeit mit der Annahme vollkommener Konkurrenz erwähnt. Hier stellt sich die Frage nach den Gründen.

Allgemein werden steigende Skalenerträge definiert durch eine (Produktions-) Technologie, die es einem Unternehmen oder einer Industrie ermöglicht, bei einer Erhöhung der eingesetzten Faktormenge eine überproportionale Steigerung des Outputs zu erreichen.[13]

Ein häufig verwendetes Beispiel hierfür ist die Ölleitung: Eine Verdoppelung des Umfangs der Leitung, des Materials, vervierfacht das Volumen und damit die Menge an z.B. Öl, welches durch die Leitung fließen kann.[14]

[...]


[1] Auf die Funktionen des Geldes sei hier nicht näher einzugehen, vgl. aber dazu Jarchow (2003), S. 1 ff

[2] Quelle: Homepage der WTO: http://www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2003_e/its03_longterm_e.htm

[3] vgl. hierzu Jörg (1988), S. 3 f

[4] aus Ethier (1991), S. 12

[5] aus Ethier (1991), S. 146

[6] vgl. Husted/Melvin (2001), S.109

[7] wie z.B. Horst Siebert (1984), Kap.1-6

[8] Ricardo 1817, Heckscher 1919 und Ohlin 1933; alle Angaben aus: Jörg (1988), S. 3

[9] vgl. hierzu Husted/Melvin (2001), S. 133ff und Jörg (1988), S. 4 f

[10] unter traditioneller Außenhandelstheorie sollen hier die Theorien Ricardos und Heckscher-Ohlins verstanden werden

[11] Grubel/Lloyd (1975) waren die ersten die dieses Phänomen eingehender untersuchten; im Folgenden soll „intra-sektoraler Handel“ als Synonym verwendet werden

[12] in Anlehnung an die Einleitung von Kierzkowski (1984)

[13] vgl. Ethier (1991), S. 63

[14] vgl. hierzu die Formel des geraden Kreiszylinders für das Volumen: V = r2·π·h

Details

Seiten
31
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638413336
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43570
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Professur für Volkswirtschaftslehre, insb. Konjunktur- und Wachstumstheorie
Note
1,3
Schlagworte
Internationaler Handel Berücksichtigung Skalenerträge Erklärungsansatz Außenhandelstheorie

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