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Messen, Konferenzen und Kongresse als Field-Configuring Events

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 32 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

I Abbildungen

II Tabellen

1. Einleitung.. 1

2. Einführung in den Neo-Institutionalismus.. 2

2.1. Grundlagen des Institutionalismus.. 2

2.2. Grundannahmen und zentrale Begriffe des Neo-Institutionalismus ..3

3. Rahmenbegriffe ..4

3.1 Organisationale Felder als Grundkonzept.. 5

3.2 Institutional-Work Ansatz.. 8

4. Field-Configuring Events (FCE).. 12

4.1 Definition und Merkmale von FCEs ..12

4.2 Theoretische Ursprünge ..15

4.3 Auswirkungen von FCEs auf die Entwicklung von Feldern .16

4.4 Kritik am Ansatz der FCEs ..18

4.5 Zusammenfassung.. 19

5. Kreative Industrien Berlins ..19

5.1 Definition und Merkmale Kreativer Industrien.. 19

5.2 raumbildende Prozesse in urbanen Räumen.. 22

5.3 Nachbetrachtung der Field-Configuring Events.. 24

6. Fazit.. 25

7. Literatur.. 27

1. Einleitung

Die Internationalen Filmfestspiele Berlins zählen zu den größten Filmmessen der Welt und sind zum Inbegriff der deutschen Filmindustrie geworden. Gegründet 1951, findet die 69. Veranstaltung im Jahr 2019 in einem zeitlich begrenzten Rahmen vom 7. bis 17. Januar statt. Zunächst bedeutend ist für diese Veranstaltung das Publikum, welchem eine Reihe von nationalen und internationalen Filmproduktionen präsentiert wird. Darüber hinaus erhalten die erfolgreichsten Produktionen in vorherig definierten Sektoren den Preis des goldenen oder silbernen Bären (Haigner et al. 2009: 68). Diese Messe geht jedoch weit über den Präsentationsaspekt für das Publikum hinaus, denn so ist in ihr die Veranstaltung der European Film Market eingebettet, eine temporäre Raumbildung, in welchem die Produzenten, Verleiher und Filmeinkäufer temporäre Nähe herstellen, um innovative Ideen auszutauschen.

Die Berlinale lässt sich als Beispiel einer Messe als ein Field-Configuring Event klassifizieren. Die konzeptionellen Grundlagen dieses Modell findet man in der Managementforschung, der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie, aber auch in der Wirtschaftsgeografie, wodurch sich diese Konzeption als Schnittstelle dieser Disziplinen charakterisieren lässt. Unter anderem sind in diesem Konzept ebenso Kongresse, Konferenzen, Berufssammlungen, Industrieausstellungen und Geschäftszeremonien inbegriffen (Lange et al. 2014: 189ff.). Vor allem in der Wirtschaftsgeografie folgt dieses Konzept der Idee, Netzwerke und deren Akteure zu untersuchen, so wird schon durch die Benennung einzelner Beispiele deutlich, dass Ereignisse gemeint sind, in welchen sich Akteure unter einer temporären Raumbildung zusammenfinden, um neue Produkte und deren Vokabular einzuführen und sie in einen sozialen Kontext einzubinden, sowie deren Design zu entwickeln und kulturelle Trends zu schaffen. Ebenso bedeutend im Zusammenhang mit Geschäftszeremonien ist jedoch die Etablierung und Weiterentwicklung der eigenen Unternehmensidentität (Gabher et al. 2013: 2f, Lange 2011: 73).

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Theorie der Field-Configuring Events auseinandersetzen und gerade hinterfragen, inwieweit das Modell eine Perspektive bietet, um die Etablierung und Entwicklung von Märkten zu erfassen. Gerade aus dem Aspekt heraus, dass in diesem Konzept die Schaffung kultureller Trends und deren Etablierung berücksichtigt wird, werden als Beispiel die Kreativen Industrien Berlins herangezogen, da diese Branche eine weite Schnittstelle mit dieser Perspektive bietet, was im Folgenden auch gezeigt werden soll.

Zur Beantwortung der uns vorliegenden Frage sollen zunächst die neoinstitutionalistische Organisationstheorie, sowie die Modelle der Insitutionalisierungsarbeit und der Organisationalen Felder dargelegt werden, um zugrundeliegende Begriffe und Zusammenhänge zu erarbeiten. Anschließend wird ausführlich das Konzept der Field-Configuring Events unter Berücksichtigung deren Definition, Merkmale, Entwicklung beschrieben, um ein Verständnis über das der Arbeit zugrundeliegende Modell zu vertiefen. Diese Konzeptionen münden in der Beantwortung der Fragestellung anhand der Kreativen Industrien Berlins, welche als solche zunächst charakterisiert werden und auch die Schnittstellen zu den Field-Configuring Events begründet werden sollen.

2. Einführung in den Neo-Institutionalismus

2.1 Grundlagen des Institutionalismus

Schon durch das Präfix „Neo“ wird deutlich, dass der Neo-Institutionalismus als eine Theorieströmung, entsprungen aus dem Institutionalismus, zu charakterisieren ist. Dieser betont die Einbettung von Organisationen in übergeordnete Regelsysteme. Diese übergeordneten Regelsysteme, welche als Institutionen zu begreifen sind, entstehen in Folge von „Akteurshandlungen [, aber] […] auch als Träger kultureller Traditionen, sowie intellektueller Analysen von geistigen Eliten, die selbst nicht als interessengeleitete Akteure fungieren“ (Meyer 2007: 9). Institutionen folgen in dieser Perspektive ihrem eigenen historischen Werdegang und verfügen über Eigenschaften politischer und ökonomischer Effizienz. In Hinsicht auf die Akteure sind eigene Meinungen, Ziele und Orientierungen als gegeben vorausgesetzt und nicht durch die Institutionen genesen. Die so eingenommene Position stellt die Akteure noch vor die Institutionen. Folglich ergibt sich eine Perspektive der Analyse von Organisationen hinsichtlich der Theorieströmung des Institutionalismus darin zu untersuchen, welche Institutionen vorliegen, wie diese die Organisation beeinflussen und wie einzelne Akteure innerhalb einer Organisation miteinander interagieren (Meyer & Walgenbach 2008: 12). Eine weitaus stärkere Position gegenüber den Institutionen nimmt der Neo-Institutionalismus ein, welches folgende Ausführungen verdeutlichen werden.

2.2 Grundannahmen und zentrale Begriffe des Neo-Institutionalismus

Die Betrachtungen zu der historischen Einordnung des Neo-Institutionalismus deuteten schon auf zentrale Grundannahmen dieser Theorieströmung hin. Zu beachten hierbei - im Vergleich zum Institutionalismus - ist die veränderte Gewichtung der Institutionen. Im Gegensatz zu den obigen Annahmen zu den Akteuren der Theorieströmung des Institutionalismus, geht man im Neo-Institutionalismus davon aus, dass die Institutionen hier den Standpunkt des Individuums determinieren und diese die Institutionen aus Gründen der Legitimität gegenüber seiner Umwelt reproduziert, hier werden also die Institutionen vor die Individuen gestellt. (Meyer 2005: 8f., Tacke 2006: 90). In Hinsicht der Institutionen auf Organisationen wird angenommen, dass Organisationen in einen institutionellen Kontext eingebunden sind und von institutionellen Erwartungen durchdrungen werden. Dabei spitzt sich hinsichtlich der organisationalen Elemente zu, indem sie als von den Institutionen determiniert angesehen werden (Meyer & Walgenbach: 49). Die Konstitution einer Organisation ist also nicht Produkt einer Leistungsorientierung, sondern eine Folge der gesellschaftlichen Regelsysteme und deren Erwartungen, deren Genese und Entwicklung kann also „aus einem Prozess der Anpassung an Umweltsysteme“ (Miebach 2007: 130) aufgefasst werden. Gerade aber weil die einzelnen Akteure direkt von den Institutionen beeinflusst werden, ergibt sich deren Gestaltung von Handlungsspielräumen aus Routinen und Angemessenheitskriterien, die von dem Handelnden berücksichtigt werden (Hasse & Krücken 2005: 18, Meyer & Walgenbach: 49).

Aus diesen zentralen Annahmen lassen sich die zentralen Begriffe des Neo-Institutionalismus, Institution, Organisation, Legitimität und Rationalität, rekonstruieren.

Institutionen sind wohl die zentralen Elemente dieser Theorieströmung. Zunächst ist hierbei zwischen formellen und informellen Institutionen zu unterscheiden. Während die formellen Institutionen als verschriftliche Gesetze gefasst werden können, sind informelle Institutionen die Gesellschaft durchdringende Erwartungen und Vorstellungen, wie die Organisation des Miteinanders konstituiert sein soll. Schon hier wird deutlich, dass im Neo-Institutionalismus primär informelle Institutionen ins Blickfeld genommen werden. Eine Regel, als Hyperonym der Institution, kann genau dann als solche klassifiziert werden, „wenn sie maßgeblich für ein empirisches Phänomen ist, wenn sie in sozialer Hinsicht für ein oder mehrere Akteure verbindlich ist und wenn sie zeitlich von langer Dauer ist“ (Senge 2006: 44). Aus der obigen Annahme der Beeinflussung der Organisation durch die Institution ergibt sich auch die Vorstellung, dass sie „die grundlegenden Einheiten der Gesellschaft, ihre Identität, sowie ihre gesellschaftliche Verteilung“ (Meyer 2005: 9) und damit auch inbegriffen deren Organisationen verbindlich, maßgeblich und dauerhaft transformieren (Senge 2011: 152). Ein konkreteres Institutionsmodell wird im nächsten Kapitel vorgestellt. Weiterhin bestimmen die Institutionen die Legitimität einer Organisation. Nach der vorliegenden Theorie ist das Überleben einer Organisation direkt abhängig von deren Legitimität. Dabei ist eine Organisation genau dann legitim, wenn „ihre Aktivität innerhalb gesellschaftlicher Werte, Normen, Vorstellungen und Festlegungen wünschenswert, richtig und angemessen erscheint“ (Meyer & Walgenbach 2007: 64). Schon im Obigen wurde der Rationalitätsgedanke aufgegriffen, denn dadurch, dass die Weltanschauung und Entscheidungsfähigkeit vollends durch den institutionellen Kontext, in welchem der Akteur eingebettet ist, abhängig ist, ist der bestehende Wissensbestand durch die Brille der Institutionen beeinflusst und kann nicht als objektiv charakterisiert werden (Miebach 2007: 131ff., Tacke 2006: 90, DiMaggio & Powell 1991: 13).

3. Rahmenbegriffe

Die neusten Entwicklungen in der neo-institutionalistischen Organisationstheorie wandten sich davon ab, dass die Institutionen das Handeln der Akteure vollkommen bestimmen. Sie gingen zunehmend davon aus, dass Akteure ihre Institutionen und deren Handlungen beeinflussen, prägen und verändern können. Somit setzt sich diese neue Strömung mit der Frage auseinander: inwieweit werden Unternehmen von der Umwelt beeinflusst bzw. passen sie sich an oder beeinflussen sie die Umwelt? Diese Fragestellung gilt ebenso als das zentrale Thema der Betriebswirtschaftslehre. Somit gilt es heutzutage zu messen, wie weit die Gestaltungsspielräume von Akteuren reichen und wo sich deren Grenzen befinden. Um diese Frage zu beantworten, wurden zwei neue Konzepte entwickelt. Auf der einen Seite die Institutionalisierungsarbeit oder der „institutional- Work Ansatz“, welcher auf die Beeinflussbarkeit von Regelsystemen in der institutionellen Umwelt von Unternehmen abzielt und die feld- konfigurierenden Veranstaltungen oder „Field-Configuring-Events“, die als Veranstaltungen beschrieben werden, die ein organisationales Feld prägen und bei denen Unternehmen jene Institutionalisierungsarbeit leisten können. Somit sagen beide Konzepte aus, dass es eine strategische Beeinflussung des organisationalen Feldes durch Unternehmen, speziell durch deren Akteure, gibt ( Möllering 2011: 458ff).

Die erste Frage, die sich nun jedem stellen könnte, ist: „Was ist ein organisationales Feld?“

3.1 Organisationale Felder als Grundkonzept

Allgemein gilt, dass alle Unternehmen, laut Neo- Institutionalismus, Teil von mindestens einem organisationalen Feld sind. Diese Felder entstehen durch Organisationen, die in ihrer Gesamtheit einen anerkannten Bereich institutionellen Lebens konstituieren, also ähnliche Güter produzieren, vermarkten oder wertschätzen (Möllering 2011: 460f).

Sie wurden 1983 von DiMaggio und Powell zuerst benannt. In der Historie wurde versucht, dass man diese Felder mit Begriffen, wie „institutional environment“ (Orren/ Biggart/Hamilton 1991), „institutional sphere“ (Fligstein 1990) oder „institutional sector“ (Scott/Meyer 1983) zu beschreiben, jedoch etablierte sich der Begriff des organisationalen Feldes (Senge 2011: 102f). Dieser dient als eine Art „Brückenfunktion“, die es erlaubt, dass Studien von Einzelorganisationen unter komplexen Betrachtungen mit Entwicklungen auf der gesellschaftlichen Ebene verknüpft werden können. Somit eignen sich organisationale Felder hervorragend, um auf die zentrale Frage des Neo- Institutionalismus eine Antwort zu finden. Also auf die Frage: „inwieweit beeinflusst die Umwelt die Organisationen?“. Somit wird ein organisationales Feld bzw. allgemein ein Feld als ein Gefüge von Organisationen angesehen, die verschiedene Akteure in sich vereinen. Diese Akteure können Organisationen, die ähnliche Produkte oder Dienstleistungen anbieten, Kontrollorganisationen und im ferneren Sinne spezielle Interessengruppen, Gewerkschaften, Ressourcengeber und Konsumenten sein (DiMaggio/ Powell 1983: 150ff). Zunächst gilt hierbei, dass sowohl kooperierende, als auch konkurrierende Organisationen in einem Feld miteinander verstrickt sein können (Senge 2011: 102f). Als Zwischenfazit kann man sagen, dass organisationale Felder aus Organisationen und deren Akteuren bestehen, bei denen das besondere ist, das sich die Akteure von „innen“ mit ihrem Feld auseinandersetzen. Hierbei heißt von „innen“, dass die Akteure und deren Organisationen in dieses Feld integriert sind und es nicht als außenstehende Partei betrachten und bewerten. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass alle Akteure, welche sich einem spezifischen Feld zugehörig fühlen, untereinander mehr agieren, als mit Akteuren, die nicht in deren Feld liegen bzw. einem anderen angehören (Möllering 2011: 460f).

[...]

Details

Seiten
32
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668766020
ISBN (Buch)
9783668766037
Dateigröße
806 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436240
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Geographie
Note
1,3
Schlagworte
field-configuring Events Feld-konfigurierende Veranstaltungen Cluster Wirtschaftsgeographie Neo-Institutionalismus Institutional- Work Institutionalisierungsarbeit organsationale Felder Messen Konferenzen Kongresse

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Titel: Messen, Konferenzen und Kongresse als Field-Configuring Events