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Die Pädagogik von Friedrich D. E. Schleiermacher. Ein Überblick zu Wirkung und Bedeutung

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben von Friedrich Schleiermacher
2.1 Wichtigsten Eckdaten seines Lebens
2.2 Sozialgeschichtlicher Kontext
2.3 Sein Menschenbild

3. Die Erziehungs-Theorie nach Schleiermacher
3.1 Der Begriff ,,Erziehung“
3.2 Doppelseitige Zielsetzung der Erziehung
3.3 Grundformen des pädagogischen Handelns
3.4 Verhältnis von Theorie und Praxis

4. Die Wirkung und Bedeutung der Pädagogik Schleiermachers
4.1 Der Einfluss seiner Theorie auf die geisteswissenschaftliche Pädagogik
4.2 Transfer seiner Gedanken auf die heutige Praxis

5. Reflexion und Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die noch relativ junge wissenschaftliche Disziplin der Pädagogik, die auch mit dem Begriff ,,Erziehungswissenschaft“ betitelt wird, beschäftigt sich mit der Theorie und Praxis des Erziehungsgeschehens. Um zur Bestimmung und Beschreibung der heutigen Erziehungswissenschaft zu gelangen, muss man einen Blick auf die Wissenschaftsgeschichte der Pädagogik werfen (vgl. Müller 2015, S. 3). Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher wird als Mitbegründer der Pädagogik zur eigenständigen Wissenschaft betrachtet (vgl. Burkard/ Weiß 2008, S. 85). In der vorliegenden Arbeit wird die Theorie der Erziehung von Schleiermacher in ihren Grundbausteinen dargestellt; es wird auch der Frage nachgegangen, welchen Einfluss seine Gedanken in der heutigen Pädagogik noch haben.

Am Anfang dieser Arbeit werden die wichtigsten Eckdaten des Leben von Friedrich Schleiermacher skizziert. Im Anschluss wird ein kurzer Überblick des sozialgeschichtlichen Kontextes der Grundlegung einer wissenschaftlichen Pädagogik gegeben und es wird diskutiert, was für ein Menschenbild bei Schleiermacher zugrunde gelegt werden kann.

Im folgenden Kapitel wird die Theorie der Erziehung von Schleiermacher behandelt. In einem ersten Schritt wird auf das Verständnis des Begriffes ,,Erziehung“ von Schleiermacher eingegangen. Er sieht in der Erziehung eine doppelte Zielsetzung. Anschließend wird auf seine Grundformen des pädagogischen Handelns eingegangen. In einem letzten Schritt wird das Verhältnis von Theorie und Praxis seiner Lehre untersucht.

Zum Abschluss dieser Arbeit wird aufgezeigt, warum ich mich im Rahmen dieser Hausarbeit mit Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seiner Theorie befasst habe. Darüber hinaus wird dargestellt, welche Erkenntnisse ich aus der Auseinandersetzung mit seiner Theorie in meinen pädagogischen Alltag mitnehmen könnte.

2. Das Leben von Friedrich Schleiermacher

Neben Johann Friedrich Herbert (1776 – 1841) und Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835) war Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher einer der einflussreichsten Mitbegründer der wissenschaftlichen Pädagogik (vgl. Zierer 2009, S. 157ff). Die Pädagogik von Schleiermacher erregte zu seinen Lebenszeiten wenig Aufsehen. Seine Pädagogischen Vorlesungen, die er damals an der Universität in Berlin hielt, wurden erst im Jahre 1849 veröffentlicht. Die Pädagogik von Friedrich Schleiermacher, welche den weiteren Verlauf der Disziplin maßgeblich beeinflusste, musste also erst wieder entdeckt werden (vgl. ebd., S. 172f).

,,Den Gedanken, dass die Bedeutung eines geistigen Werks nicht gut ohne Bezug auf das Leben seines Verfassers zu verstehen und einzuschätzen sei, hat Wilhelm Dilthey ganz besonders an Schleiermacher festgemacht, mit dem Hinweis, dass gerade bei ihm Person und Werk kaum zu trennen seien“ (Forst 2010, S. 102). Demzufolge werden die wichtigsten Eckdaten der Biographie von Schleiermacher im nächsten Punkt kurz dargestellt (vgl. Müller 2015, S. 4).

2.1 Wichtigsten Eckdaten seines Lebens

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher wurde am 21. November 1768 in Breslau geboren. Er genoss eine Erziehung im Geiste der pietistisch geprägten Herrnhuter Brüdergemeinde, die einer intensiven und religiösen Bildung entsprach (vgl. Zierer 2009, S. 172). Er besuchte eine Internatsschule, die zur Ausbildung künftiger Lehrer und Prediger diente. Nach seiner Lehrerausbildung ging er nach Sachsen-Anhalt an die Hochschule (Seminarium Theologicum) in Barby (Sitz der Herrnhuter Brüdergemeinde). In seinem Drang nach Wissenschaftlichkeit besuchte er im Jahr 1787 die liberale Universität Halle und studierte dort Theologie und Philosophie (vgl. Blankertz 1982/1992, S.111). Im Jahr 1790 trat Schleiermacher eine Stelle als Hauslehrer bei dem Grafen Dohna zu Schlobitten in Ostpreußen an, wo er eine Reihe pädagogischer Erfahrungen sammelte (vgl. Knoop/ Schwab 1999, S. 107). Nach dieser Tätigkeit folgten mehrere Predigerstellen. Im Jahr 1799 verfasste er sein Buch ,,Über die Religion – Reden an Gebildeten unter ihren Verächtern“, das Schleiermacher schlagartig bekannt machte (vgl. Brachmann, 2002, S. 134). Sein Werk brachte ihn jedoch in Konflikt mit seinen kirchlichen Vorgesetzten, weshalb er 1804 eine Tätigkeit als Professor an der Universität Halle antrat. Schleiermacher wurde dort sogar Dekan der Theologischen Fakultät (vgl. Hobmair 2012, S. 187) und lehrte bis an sein Lebensende Theologie, Hermeneutik, Pädagogik und Dialektik. Er hielt Vorlesungen über die Theorie der Erziehung, die allerdings nur als Mitschriften von Studierenden vorliegen (vgl. Blankertz 1982/1992, S. 115). Am 12 Februar 1834 erlag Friedrich Schleiermacher an den Folgen einer Lungenentzündung (vgl. Zierer 2009, S. 173).

2.2 Sozialgeschichtlicher Kontext

Das Ende des 18. Jahrhunderts und der Anfang des 19. Jahrhunderts wird als die Zeit angesehen, in der die Grundlagen der wissenschaftlichen Pädagogik gelegt wurden. In dieser trat die Berufserziehung in den Hintergrund und die allgemeine Menschenbildung trat vermehrt in den Vordergrund. Am folgenreichsten war in dieser Zeit die Französische Revolution (1789 – 1799). Gründe für diese Revolution war eine wirtschaftliche Krise in Frankreich, sowie die Aufklärung, die zu einem demokratischer geprägten Gesellschaftsverständnis führte. Deutschland sah in Frankreich ein Vorbild, sodass es auch hier zu Unruhen kam. In Deutschland bildeten sich viele verschiedenen Gesellschaftskreise, in denen es zu Diskussionszirkeln in gebildeten und vermögenden Gruppen kam. Schleiermacher beteiligte sich an diesen intensiven Gesprächen und Diskussionen. Es entstanden in diesen Kreisen eine Reihe von Erkenntnissen, die den ,,Ruf Deutschlands als Land der Dichter und Denker mitbegründete“ (vgl. Zierer 2009, S. 153f).

Um 1800 begann in Deutschland eine soziale und politische Neuordnung. Friedrich Schleiermacher wurde in die Gründungskommission der Berliner Universität berufen. Die Aufgaben der Universität waren eine allgemeine Menschenbildung sowie die persönliche und selbständige Bildung; an der neuen Universität ging es also nicht nur darum spezielles Wissen zu vermitteln, sondern eine mündige und freie Selbstgestaltung zu schaffen (vgl. Forst 2010, S 102f). Friedrich Schleiermacher hielt dort neben dem Dekanat in Halle Vorlesungen in so gut wie allen Disziplinen einschließlich der Pädagogik. Auch wenn diese damals noch nicht als eigene Wissenschaftsdisziplin etabliert war, betrachtete Schleiermacher sie aufgrund ihres spezifischen Gegenstandes und ,,der seinem Fragen- und Aufgabenkomplex angemessenen Theorieform“ als ,,eine relativ eigenständige wissenschaftliche Disziplin“ (Müller 2015, S. 7f). In Deutschland begann 1815 die Phase der politischen Restauration, Bildung und Erziehung wurden zum zentralen Faktor und standen schon bald in Obhut des Staates. Durch die Einführung der Schulpflicht gab es eine Vielzahl an Neugründungen von Bildungseinrichtungen. Im Kontext dieser Ereignisse ,,sind die Bemühungen um eine wissenschaftliche Gundlegung der Pädagogik zu sehen“ (vgl. Zierer 2009, S. 155ff; vgl. Müller 2015 S. 8).

2.3 Sein Menschenbild

Wie bereits erwähnt gab es durch die Einführung der Schulpflicht eine Reihe an Neugründungen von Schulen und Universitäten, die Wissenschaftler, Techniker und Erzeuger hervorbrachten. Wissenschaftler, Techniker und Nutzbringer spiegeln die drei Weltanschauungen des Naturwissenschaftlich-technischen Menschenbildes wider. Nach und nach verliert alles Irrationale an Bedeutung, für den Menschen ist nur noch alles Zählbare, Messbare und Wägbare von Bedeutung (Positivismus). Erkenntnisse der Naturwissenschaft ermöglichen es dem Menschen, die Abhängigkeit von der Natur umzukehren in die Herrschaft der Natur (Technizismus); der Sinn des Lebens liegt nur noch im zweckhaften und im rastlosen Tätigsein (Utilitarismus) (vgl. Steinmetz 2018).

Da Schleiermacher in der Zeit der Neugründungen von Bildungseinrichtungen lebte, kann unterstellt werden, dass diese drei Elemente des Menschenbildes Spuren in seinem Denken hinterlassen haben. Schleiermacher unterrichtete an der Berliner Universität, die modern die allgemeine Menschenbildung als auch die selbstständige Bildung ermöglichen sollte. Deshalb ist anzunehmen, dass auch in seinem Menschenbild Grundzüge des Pädagogisch-Anthropologischen Menschenbildes vorhanden sind, welches den Menschen zugleich als ein Einzelwesen und auch als ein soziales Wesen sieht (vgl. Steinmetz 2018).

Schleiermacher ließ die in seinen Vorlesungen behandelte Themen teilweise durch das Mitwirken seiner Studenten selbst entwickeln. Die Tatsache, dass er der festen Überzeugung war, dass Vorlesungen die Studenten zum aktiven Mitdenken anregen sollten, passt zur These des Pädagogisch-Anthropologischen Menschenbildes, in welchem der Mensch ein im Denken freies Wesen ist (vgl. Steinmetz 2018).

Zusammenfassen lässt sich, dass das Menschenbild Friedrich Schleiermachers im wesentlichen ein Pädagogisch-Anthropologisches ist. Dieses wurde mitgeprägt durch das zeitgenössische Umfeld der Vielzahl an Neugründungen von Bildungseinrichtungen, in denen die Weltanschauungen des Positivismus, Technizismus und Utilitarismus im Vordergrund standen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668774308
ISBN (Buch)
9783668774315
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436862
Note
1,5
Schlagworte
Friedrich Schleiermacher

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Titel: Die Pädagogik von Friedrich D. E. Schleiermacher. Ein Überblick zu Wirkung und Bedeutung