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Die STEGE-Studie. Analyse der Güte des Vorgehens innerhalb der Studie

Hausarbeit 2016 22 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hinführung zum Thema

2 Analyse der Güte des Vorgehens
2.1 Das forschungsleitende Modell
2.1.1 Kurze Beschreibung des Modells
2.1.2 Einbettung des Modells innerhalb der STEGE Studie
2.2 Stichprobendesign
2.2.1 Kurze Beschreibung der Stichprobe
2.2.2 Teilstichprobe
2.3 Ergebnisdarlegung
2.3.1 Beschreibung der quantitativen Erhebung
2.3.2 Beschreibung der qualitativen Erhebung

3 Kritische Würdigung

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang
5.1 Forschungsleitendes Modell

1 Hinführung zum Thema

Im Forschungsprojekt der Alice Salomon Hochschule wurde im Zeitraum von Oktober 2010 bis Dezember 2012 die Zusammenhänge von strukturellen Rahmenbedingungen und der Gesundheit der Erzieherinnen in nordrhein-westfälischen Kindertageseinrichtungen untersucht. Im Mittelpunkt dieser Erhebungen stand die primäre Überlegung schriftliche, standardisierte Befragungen auf quantitativer Ebene durchzuführen. Sekundär bestand die Überlegung darin Interviews zur Vertiefung und Sättigung des Datenmaterials anzustellen. Folglich gliedert sich die STEGE Studie in zwei Forschungsstränge: Zum einen den quantitativen Forschungsstrang, in dem 2744 Fach- und Leitungskräfte schriftlich befragt wurden und zum anderen den qualitativen Forschungsstrang, derals Vertiefung durch 14 problemzentriete Interviews mit Fachkräften diente. Insgesamt wurden 809 Einrichtungen innerhalb Nordrhein-Westfalens für die Erhebung der Studie akquiriert (Vgl. Viernickel/ Voss 2012).

Gütekriterien sind in der Forschung zentral, sie dienen der Legitimierung und der Fehlervermeidung im Forschungsprozess. Es sollen pädagogische/soziale Situationen (teilweise Interaktionsvorgänge) und Entwicklungen so breit wie möglich und zudem noch multiperspektivisch erfasst und ganzheitlich abgebildet werden. Durch die Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit sowie die damit verbundenen Wechselwirkungen ist eine Analyse des „Gegenstandes“, bestimmter Phänomene bzw. der komplexen Vorgänge der Forschungsinteressen möglich (Vgl. Engelke 2002). Dies wird allerdings kaum fehlerlos erreicht, da der Gegenstand der Forschung hochkomplex ist und tatsächliche Messwerte neben der Ausprägung eines bestimmten Merkmals ebenso Messfehler enthalten. Um die erhaltenen Daten dennoch sinnig interpretieren zu können wird auf die klassische Testtheorie zurückgegriffen (Vgl. Raithel 2008). Die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität sind die drei wichtigsten Begriffe der Forschung; mit Hilfe dieser drei Kriterien kann analysiert werden, ob „…eine Aussage als wissenschaftlich akzeptiert wird“, denn sie ist abhängig davon „…ob der Erkenntnisweg objektiv, zuverlässig und gültig ist“ (Saldern 1995, S.353; Vgl. Mayring 2002). Um Forschung wissenschaftlich zu betreiben bedarf es allgemeiner Kriterien, um die Untersuchung zu bewerten und dadurch beispielsweise geprüfte erziehungswissenschaftliche Aussagen zu rechtfertigen (Vgl. Ludwig 2010).

Deshalb erfolgt im weiteren Verlauf die kritische Analyse der Güte des Vorgehens innerhalb der STEGE Studie anhand der nachfolgenden Gütekriterien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies bedeutet, dass genauer betrachtet wird inwiefern die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität gegeben ist. Weitergehend werden ebenfalls die Komponenten Inhalts-, Kriteriums- und Konstruktvalidität zur Prüfung der Validität herangezogen(Vgl. Aeppli/ Gasser/ Gutzwiller/ Tettenborn 2014).

2 Analyse der Güte des Vorgehens

Im Verlauf dieses Kapitels wird die Güte des Vorgehens analysiert. Aufgrund des Umfangs der STEGE Studie ist es nicht möglich alle Inhalte und Vorgehensweisen genauer zu betrachten. Deshalb wurden für die Analyse Schwerpunkte ausgewählt, die anhand der Subkapitel 2.1 DAS FORSCHUNGSLEITENDE MODELL, 2.2 STICHPROBENDESIGN und 2.3 ERGEBNISDARLEGUNG bearbeitet werden. Die Auswahl der Schwerpunkte ermöglichen einen punktuellen Überblick der Planung, Ausschnitte der Durchführung sowie Ergebnisdarlegung, der STEGE Studie.

Zu Beginn der Analyse wird das forschungsleitende Modell der STEGE Studie genauer betrachtet. Im Anschluss daran erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit der Stichprobe. Daraufhin wird die Darlegung der Ergebnisse genauer untersucht. Zum Schluss folgt eine kritische Würdigung.

2.1 Das forschungsleitende Modell

Bevor ein inhaltlicher Einstieg zum forschungsleitenden Modell der STEGE Studie erfolgt, wird die eigene Auffassung vom Modell zum gleichbleibenden Verständnis zugrunde gelegt.

Modelle können in mannigfachen Versionen, wie bspw. als Lehr-Lern-Modelle, Denkmodelle, Anschauungsmodelle, vorkommen. Im Allgemeinen bildet ein Modell ein Konzept „zur Darstellung eines komplexen realen Systems oder Prozesses. Es beschreibt die in einem bestimmten Kontext wichtigen Eigenschaften oder Verhaltensmuster des entsprechenden Modellierungsobjektes“ (Haußer/ Luchko 2011, S. 3). Ein Modell dient demzufolge somit nicht nur dazu ein bereits bestehendes Projekt zu beschreiben oder zu verstehen, sondern auch dazu neue Objekte oder Sachverhalte und deren Eigenschaften vorauszusagen (Vgl. Haußer/ Luchko 2011). Übertragen auf das forschungsleitende Modell, vereinbart dies zum einen die Gedanken der Forscher und trägt zum anderen der Erkenntnisgewinnung und Zielerreichung im Forschungsprozess bei.

2.1.1 Kurze Beschreibung des Modells

Innerhalb des forschungsleitenden Modells[1] stellen Viernickel und Voss (2012) den organisationsbezogenen Interventionsansatz (OI) dem individuumsbezogenen Interventionsansatz (II) gegenüber. Als OI geben sie unter anderem Beispiele wie Management/Führung, Personalorganisation, Arbeitszeit oder Gruppen- und Raumorganisation. Der Interventionsansatz auf Ebene des Individuums wird durch Entspannung, Reflexion gegenüber der eigenen Einstellung, der Work-Life-Balance und anderem definiert. Der OI wirkt sich durch die zuvor genannten Beispiele auf die Strukturqualität, wie bspw. die Fachkraft-Kind-Relation, Raumangebot oder Qualifikation, aus. Dieser Einfluss schlägt sich wiederum in den Persönlichkeitsmerkmalen, wie der Selbstwirksamkeit oder auch dem Verhaltens- und Erlebnismuster (AVEM) nieder. Zudem werden die Persönlichkeitsmerkmale auch von dem II beeinflusst; dies zeigt, dass sich diese in einem Wechselwirkungsmechanismus befinden und sich deshalb stetig verändern können. Sowohl die Strukturqualität als auch die Persönlichkeitsmerkmale zeigen innerhalb des Modells direkte Auswirkungen auf die Organisations-/Managementqualität sowie das Ressourcen- und Anforderungsverhältnis der Erzieherinnen und Erzieher.

Durch die Pfeilführung innerhalb der Grafik dieses Modells wird ersichtlich, dass die Strukturqualität mit einem gesonderten Pfeil auf die Anforderungen verweist. Ein Weiterer, ausgehend von den Persönlichkeitsmerkmalen, zielt direkt auf die Ressourcen. Ausgehend davon kann angenommen werden, dass die Strukturqualität ausschließlich als Anforderung betrachtet wird und gleichermaßen die Persönlichkeitsmerkmale als Ressource. Ein Perspektivwechsel, dass die Strukturqualität bspw. eine Ressource sein kann oder die Persönlichkeitsmerkmale eine Anforderung, wird daher ausgeschlossen.

Die Organisations-/Managementqualität unterliegt zuzüglich der Einwirkungen von Strukturqualität und Persönlichkeitsmerkmalen dem OI, die einen gesonderten Effekt auf die Anforderungen und Ressourcen haben. Die Ressourcen unterteilen sich in bereits vorhandene Ressourcen des jeweiligen Individuums und in die, welche sich durch den Einfluss von Strukturqualität, den Persönlichkeitsmerkmalen und der Organisations-/Managementqualität entwickeln. Aus dem Verhältnis von Anforderung vs. Ressourcen der Erzieherinnen und Erzieher entwickeln sich die positiven und negativen Beanspruchungsfolgen, die sich im Umkehrschluss auf Anforderung vs. Ressourcen, dem OI sowie der II auswirken (Vgl. Viernickel/ Voss 2012).

Deutlich wird innerhalb dieses Modells, dass sich die Anforderungen und Ressourcen der Erzieherinnen und Erzieher in einem kontinuierlichen Prozess der Wechselwirkung befinden, die durch außenliegende Faktoren beeinflusst, gelenkt und sowohl positiv als auch negativ verändert werden. Die daraus resultierenden Beanspruchungsfolgen, sei es positiver oder negativer Art, wirken sich wiederum auf die Ressourcen und Anforderungen, die OI und II aus. Diese Rückwirkung schließt den Kreislauf des forschungsleitenden Modells. Gleichzeitig wird durch eine tiefergehende Betrachtung ersichtlich, dass sich die Wahrnehmung der Strukturqualität, die der Belastung sowie die der Ressourcen und Beanspruchungsfolgen in einem dynamischen, sich kontinuierlich modifizierenden Zyklus befinden, der niemals beim ideal-typischen Zustand stehen bleibt.

2.1.2 Einbettung des Modells innerhalb der STEGE Studie

Durch die Erläuterung des Modells wird ersichtlich, dass diesem eine multiperspektivische Betrachtungsweise zugrunde liegt die mannigfach interpretiert werden kann. Deutlich wird hierdurch jedoch die Theorie der Forscher, unter welcher Annahme sich die Strukturqualität auf die Erzieher_innengesundheit auswirken kann. Die Strukturqualität fußt innerhalb der Studie auf rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, aber auch auf finanziellen, personellen und materiellen Ausstattungsmerkmalen (Vgl. Viernickel/ Voss 2012). In den Fokus nehmen sie hier Strukturvariablen, die besonders zum subjektiven Belastungserleben beitragen. Im Hinblick auf die Objektivität des Vorgehens nähern sie sich, durch die theoretische Fundierung, sensibel den individuellen Lebenswelten der Fachkräfte an. Gleichzeitig gehen sie durch das forschungsleitende Modell einer Form von Organisations- und Personalentwicklung nach, da sie sowohl Rahmenbedingungen als auch individuelle Belastungswahrnehmungen erheben (Vgl. ebd.). Die Organisationsentwicklung bildet einen dynamischen Prozess des aktiven Gestaltens zur Weiterentwicklung der Organisation sowie deren Mitarbeiter. Dies kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn eben die Komponenten ‚Mitarbeiter‘ und ‚Rahmenbedingungen‘ berücksichtig werden (Vgl. Knisel-Scheuring/ Roth 2014). Dies wurde transparent durch die Definition der strukturellen Rahmenbedingungen, die als Teil der Strukturqualität in Kindertageseinrichtungen gesehen werden (Vgl. Viernickel/ Voss; Tietze/ Meischner/ Gänsfuß/ Grenner/ Schuster/ Völkel/ u.a. 1998). Insofern wurden die Strukturqualität und die Persönlichkeitsmerkmale aus dem forschungsleitenden Modell anhand des Operationalisierens, durch Interviews sowie der Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens berücksichtigt. Auch der Organisations-/Managementqualität wurde durch Fragen zum Teamklima, Handlungsspielraum und Führungsstil nachgegangen. Diese wurden primär durch die standardisierte Erhebung durchgeführt innerhalb derer Aussagen, wie bspw. meine Arbeit wird von den Kolleginnen und Kollegen anerkannt und wertgeschätzt, mit einer Wertung zwischen eins bis fünf versehen wurden (Vgl. Viernickel/ Voss 2012). Hierdurch gelang es die individuellen Merkmale bzw. Wahrnehmungen zu erheben, die Rückschlüsse über das positive oder auch negative Belastungserleben ermöglichten. In diesem Zuge erfolgte die Zusammenhangsanalyse durch die Verknüpfung der gewonnenen Ergebnisse, die deutlich die Anforderungen und Ressourcen kenntlich machten. Auch dieser Schritt spiegelt sich im forschungsleitenden Modell wieder. Im nächsten Schritt kategorisierten sich hier Codes heraus, die zu den Mustern (S)= Schonung, (A)= zu hohe Anstrengung, (G)= Gesundheit, (B)= Burnout gebündelt wurden. Durch den Bereich der Resilienz sowie Vorgängerstudien wurde die Hypothese bekräftigt, dass insbesondere die Rahmenbedingungen (bspw. die Fachkraft-Kind-Relation, Gratifikation, eigene Qualifikationen, Teamklima, etc.) erheblichen Einfluss auf das Gesundheitserleben der Erzieher_innen haben (Vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönnau-Böse 2011; Zander 2010; Viernickel/ Schwarz 2009). Im Rückblick auf die Organisations- bzw. Personalentwicklung zeichnen sich eben diese Erhebungen und Analysen nach Hummelsheim/ Timmermann (2010, S. 106) dazu aus „Bildungs-, Qualifizierungs- und Lernaktivitäten als Investition in das Arbeitsvermögen bzw. am Arbeitsmarkt verwertbares Leistungspotential (Humankapital) von Individuen“ zu sehen, welche sich rückwirkend positiv für die Organisation auszeichnen. Aufgrund dessen wurden im letzten Schritt der Studie Eckpunkte für die Konzeption eines betrieblichen Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagements in Kindertageseinrichtungen ausgesprochen. Diese Empfehlungen unterstützen die zuvor getätigte Vermutung, dass das forschungsleitende Modell einen sich kontinuierlich verändernden Kreislauf bildet, „welcher eine ständige Anpassung an geänderte Anforderungen und Erweiterungen“ vollzieht (Oechsler 2006, S. 489). Bekräftigen lässt sich dies durch die Ausarbeitung der positiven und negativen Beanspruchungsfolgen, welche innerhalb der grafischen Darstellung des forschungsleitenden Modells an die OI und II zurückgeworfen werden (Vgl. Viernickel/ Voss 2012).

[...]


[1] Zuzüglich der Erläuterungen des Kapitels 2.1 Das forschungsleitende Modell wird empfohlen die im Anhang angefügte Grafik (5.1 Forschungsleitendes Modell) zur visuellen Unterstützung heranzuziehen.

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668819962
ISBN (Buch)
9783668819979
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436996
Institution / Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg – Bildung und Erziehung im Kindesalter
Note
1,0
Schlagworte
Studienforschung

Autor

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Titel: Die STEGE-Studie. Analyse der Güte des Vorgehens innerhalb der Studie