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Volkskultur einst und jetzt - Zum Bild von Volkskultur im Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs

©1996 Seminararbeit 14 Seiten

Zusammenfassung

Auf der Suche nach einer aktuellen Definition für Volkskultur, die ich an den Beginn meiner Arbeit stellen könnte, wurde ich in einem Artikel des Tiroler Landesrates Fritz Astl in der Zeitschrift Tiroler Volkskultur fündig.

"Sie lautet: 'Volkskultur ist die Gesamtheit der überlieferten, aus der Tradition sich entwickelnden, aber auch neuen gegenwärtigen kulturellen Äußerungen einer bestimmten Region. Sie ist an Gemeischaft und Tradition gebunden und von Lebensraum und Zeitverhältnissen beeinflußt.' mit dem Zusatz: 'Ihre Förderung in ideeller und materieller Hinsicht dient zugleich der Stärkung des Heimatbewußtseins.'"

Diese Erklärung für Volkskultur schlägt mit ihrer allgemein gehaltenen und doch klaren Aussage eine Brücke zwischen alten und neuen Ansichten in der Volkskulturforschung. Mit ihr könnten, meines Erachtens, die meisten Volkskundler der letzten 50 Jahre, von Haberlandt bis Bausinger durchaus einverstanden sein.

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Bild der Volkskultur - ein fachhistorischer Abriß
2.1 Alte Ansätze
2.2 Neue Sichtweisen

3 Bedeutung der Volkskultur heute
3.1 Auswirkungen des Fremdenverkehrs
3.2 Volkskultur und Hochkultur - ein zwiespältiges Verhältnis

4 Anhang
4.1 Bibliographie
4.2 Abkürzungen

1 Einleitung

Auf der Suche nach einer aktuellen Definition für Volkskultur, die ich an den Beginn meiner Arbeit stellen könnte, wurde ich in einem Artikel des Tiroler Landesrates Fritz Astl in der Zeitschrift Tiroler Volkskultur fündig.

Sie lautet: »Volkskultur ist die Gesamtheit der überlieferten, aus der Tradition sich entwickelnden, aber auch neuen gegenwärtigen kulturellen Äußerungen einer bestimmten Region. Sie ist an Gemeinschaft und Tradition gebunden und von Lebensraum und Zeitverhältnissen beeinflußt.« mit dem Zusatz: »Ihre Förderung in ideeller und materieller Hinsicht dient zugleich der Stärkung des Heimatbewußtseins. «[1]

Diese Erklärung für Volkskultur schlägt mit ihrer allgemein gehaltenen und doch klaren Aussage eine Brücke zwischen alten und neuen Ansichten in der Volkskulturforschung. Mit ihr könnten, meines Erachtens, die meisten Volkskundler der letzten 50 Jahre, von Haberlandt bis Bausinger durchaus einverstanden sein.

2 Das Bild der Volkskultur - ein fachhistorischer Abriß

2.1 Alte Ansätze

Der Begriff der Volkskultur wurde um die Jahrhundertwende im Zuge der Entstehung der Volkskunde aus Germanistik, Ethnographie und diversen historischen Wissenschaften, beziehungsweise der anschließenden Verwissenschaftlichung und Institutionalisierung des Faches geprägt. Er sollte zur Abgrenzung zwischen der Hochkultur der Oberschicht, welche damals vorallem aus Adel und Großbürgertum bestand, und dem kulturellen Leben und Schaffen der Mittel- und Unterschichten dienen. In der Frühzeit der volkskundlichen Forschung führte man viele Bräuche und volkskulturelle Phänomene auf einen frühgeschichtlich - germanischen Ursprung zurück.

In den beiden „Wr. Schulen“ der „Mythologen“ (G. Hüsing, K. Spiess, E. Mudrak) und der „Ritualisten“ (R. Much, O. Höfler, R. Wolfram) wurde dabei die These von einer in germ. Frühzeit reichenden Kontinuität vertreten.“[2]

Diese Theorien haben sich jedoch durch Forschungen in jüngster Zeit häufig als unhaltbar erwiesen[3]. Das leistungsorientierte Bürgertum der Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts suchte „ eine Art Urstamm [...] , eine Kulturform der Vorväter, von der Weisheit und Werte herstammten[4] an der man sich orientieren konnte. Das Idealbild dieser Urkultur schien das stabile, sich scheinbar kaum verändernde Leben der Bauern darzustellen. In der Folge entstand das Bild, die Fiktion einer ländlich bäuerlich geprägten Kultur, einer Bauernkultur, als einzig wahre, weil ursprüngliche Volkskultur.

[...]


[1] Astl, Fritz: Fundament für die kulturelle Einheit Tirols. Die Volkskultur in ihren verschiedenen Äußerungen.. In: Tiroler Volkskultur, 48.Jg., 1996, Hft. 2, S.39.

[2] Bamberger, Richard u.a. (Hg.): Österreich Lexikon in zwei Bänden. 2.Bd., Wien 1995 ²., S.563. Kurzzit.: Österr. Lexikon

[3] vgl etwa Bausinger, Hermann: Der Adventskranz. Ein methodisches Beispiel. In: Württembergisches Jahrbuch für Volkskunde, 1970, S. 9-31

[4] Honko, Lauri: Überlieferung, Kultur, Identität. In: Neumann, Siegfried (Hg.): Volksleben und Volkskultur in Vergangenheit und Gegenwart. Befunde und Probleme im internationalen Vergleich. Bern u.a. 1993, S.15. Kurzzit.: Honko, Überlieferung.

Details

Seiten
14
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638127073
DOI
10.3239/9783638127073
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Volkskunde
Erscheinungsdatum
2002 (Mai)
Note
4
Schlagworte
Volkskultur Volkskunde Österreich
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Titel: Volkskultur einst und jetzt -  Zum Bild von Volkskultur im  Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs