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Vermittlung Interkultureller Kompetenz im Dialog

Eine kritische Analyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 12 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitungsverzei

2. Interkulturelle Kompetenz
2.1 Begriffsklärung, Unterrichtsbezug und Verhältnis zur Landeskunde
2.2 Mehr als "nur" Landeskunde

3. Vorstellung des Lehrwerks

4. Umsetzung Interkultureller Inhalte im Lehrwerk
4.1 Zu den einzelnen Kapiteln

5. Subjektive Bewertung der Umsetzung und Fazit

6. Quellen

1. Einleitung

Fremdsprachenunterricht beschränkt sich seit langem nicht allein auf die Vermittlung der Sprache, sondern umfasst auch die Vermittlung von Informationen über das Land, bzw. die Länder deren Sprache gelehrt wird.

Diese "Hintergrundinformationen" zu kulturellem Leben, Sitten, Festen, Bräuchen und Mentalität sind in der heutigen Welt der immer weiter voran schreitenden Globalisation wichtiger denn je.

Fremdsprachenunterricht muss mehr leisten als nur die reine Vermittlung von Sprache, dient er doch als Ort der Vorbereitung für interkulturelle Begegnungen und Kommunikation. Ziel muss sein den SchülerInnen die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln um Kulturgrenzen überschreiten, den persönlichen Horizont erweitern und Konflikte vermeiden oder lösen zu können.

Ich persönlich bin der Meinung, dass man eine Sprache ohne den kulturellen Bezug nicht lernen kann, da erst die interkulturellen Bezüge der Sprache die notwendige Lebendigkeit und auch Notwendigkeit geben.

Da in der Praxis das zentrale Medium des Fremdsprachenunterrichts ein Lehrwerk darstellt und aktuelle (staatliche) Richtlinien und Lehrpläne interkulturelle Kompetenz Teil des Unterrichts sein sollen, sollte man annehmen können, dass zugelassene Lehrwerke die Vermittlung eben dieser ermöglichen.

Intention der vorliegenden Arbeit ist es also konkret das Lehrwerk Диалог 3 für den Russischunterricht des dritten Lernjahres hinsichtlich seiner Vermittlung Interkultureller Inhalte, bzw. Kompetenz zu analysieren und zu bewerten.

Hierzu ist zunächst eine Begriffsbestimmung Interkultureller Kompetenz/ interkulturellen Lernens notwendig und den einzelnen Aspekten dieser im Kontext Unterricht. Anschließend wird das Lehrwerk vorgestellt und heraus gearbeitet wie viel kulturelle Informationen gegebenen werden. Den Schluss bildet eine subjektive Wertung mit Kritikpunkten und Verbesserungsvorschlägen.

2. Interkulturelle Kompetenz

2.1 Begriffsklärung, Unterrichtsbezug und Verhältnis zur Landeskunde

Interkulturelle Kompetenz ist eng verflochten mit den Begriffen Landeskunde, Kommunikativer Kompetenz und Handlungsorientierter Unterricht.

Gemäß dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GER) stellen Sprache und Kultur eine Einheit dar, bei der die Erfahrung von Mehrsprachigkeit und Plurikulturalismus zur Entwicklung des sprachlichen und kommunikativen Bewusstseins beitragen, welche wiederum helfen vorgefasste Meinungen und Stereotypen entgegen zu wirken. Das Ziel ist also "Die Entwicklung der Fähigkeit, Verschiedenheit, soweit sie in Sprache, Texten, in den Sprechern der anderen Sprache begegnet, auszuhalten, eigene Normen in Frage zu stellen und für andere Sprach- und Verhaltensformen als Ausdruck anderer kultureller Prägungen, nicht als ethnisierende Zuschreibung zu sensibilisieren." (Krumm 2003, S.141).

Die Vermittlungsschwerpunkte dabei sind

a) Soziokulturelles Wissen als Teil des Weltwissens

Damit sind gemeint Besonderheiten des täglichen Lebens, Lebensbedingungen, Werte und Normen, Überzeugungen und Einstellungen, Besonderheiten der Körpersprache, sowie soziales und rituelles Verhalten.

b) Kenntnis, Bewusstsein, Verständnis der Beziehungen zw. "der Welt der Herkunft" und der "Welt der Zielsprachengemeinschaft"

Mögliche Phänomenbereiche die es dabei zu beleuchten gilt sind kulturspezifische Gesprächseröffnung/ -beendigung, Grad an Höflichkeit, Direktheit/ Indirektheit, etc., sowie kommunikative Muster im institutionellen Bereich, beispielsweise in der medizinischen Versorgung - Arzt/ Patienten Gespräch, etc.

Diese umfassen einen kulturspezifischen Wortschatz, unter anderem Worte für die es keine deutsche Entsprechung gibt, oder bei denen die Übersetzung eine große Diskrepanz aufweist (Wohnung ↔ квартира).

Interkultureller Unterricht bedeutet Lernen mit Realitätsbezug. Wichtige Mittel dabei sind Rollenspiele, Materialien (Geld, ...), Projektarbeit und das Erleben der Sprache als tatsächliches Kommunikationsmittel (Schüleraustausch, ...).

Im Rahmen eines handlungsorientierten Unterrichts bieten Kommunikationsanlässe wie Information, Unterhaltung, Beratung, Notfall, Verkauf/ Reklamation, Werbung und andere alltägliche vielfältige Rollenspiel-Szenarien zur praktischen Sprach-Anwendung.

Dabei bietet sich stets auch die Verwendung von originalen Filmen/ Videosequenzen, Radiosendungen, Texten, Berichten russischer Mitbürger, Fotos, Schaubilder, Materialien (Geld, Briefumschläge ...) an um den SuS echte und auch haptische Bezüge zu bieten.

Aktuelle Themen der Lebenswelt der Menschen (/ Jugendlichen) im Zielland (Schule, Hobbys, ...), als auch Tabuthemen sollten ebenfalls angesprochen und verglichen werden mit den "eigenen".

Jugendaustausch in Form von Reisen, als auch von Brieffreundschaften/ Social Media Kontakten bedeuten das Erleben der Sprache als tatsächliches Kommunikationsmittel, so zu sagen "lernen von der Quelle".

Bereiche wie Musik (Vorstellen von russischen Volksliedern/ Tänzen, des Musikinstruments бадалайка, russischer Komponisten und ihrer Werke in Stationsarbeit), Kunst (Behandlung russischer Architektur, sowie Maler; Anfertigung von Zeichnungen, z.B. phantasievoller Zwiebeltürme, Samowarstillleben), Informatik und Hauswirtschaft (Internetrecherche zu traditionellen russischen Gerichten, Sitten und Bräuchen; gemeinsam kochen mit Rezepten auf Russisch, ...) können Fächerübergreifend bearbeitet werden.

2.2 Mehr als "nur" Landeskunde

Doch wieso reicht nicht einfach "nur" reine Landeskunde, oder lässt diese sogar ganz weg? Landeskunde stellt das Fundament dar, bei der interkulturelle Bildung die nächste Stufe ist.

Gemäß der vier Phasen Theorie für Reisen in unbekannte Länder durchläuft man die folgenden: 1. Euphorie, 2. Kulturschock, 3. Erholung, 4. Anpassung. So ist der Gedanke an interkultureller Bildung die Vermeidung eines "Kulturschocks" bei Reise in die Zielsprachenregion.

Desweiteren werden Toleranz + Weltoffenheit/- aufgeschlossenheit und Empathie/ "hineindenken" in andere gefördert und die Vermeidung Ethnozentrismus* angestrebt. (*Die Eigenschaft die eigene Kultur als der "natürliche Mittelpunkt der Welt" und "besser" als die anderen an zu sehen.)

Ein besonderer Punkt der ab von festem Wissen ist, ist der Erwerb von Einstellungen, u. a. die Bereitschaft mit begrenzten sprachlichen Mitteln Kommunikation zu wagen, offen auf fremde zugehen und zu tolerieren, wenn jemand anders agiert als erwartet oder "gewohnt" und der Erwerb der Fähigkeit eigene und fremde Äußerungen und Verhaltensweisen sowohl als kulturabhängig, als auch als individuell begreifen.

Bei dem letzten Aspekt handelt es sich um den Erwerb von kulturspezifischem Wissen als konkrete Hilfe zur adäquaten Deutung kommunikativer Äußerungen sowie zur Prävention bzw. Klärung und Aufklärung von Missverständnissen.

Ein fundiertes landeskundliches und interkulturelles Wissen ermöglichen das Verständnis des Kontextes von sprachlichen Äußerungen und damit auch des Inhalts selbst. Das übergeordnete Ziel dabei ist jedoch nicht die vollkommene Integration in die Zielkultur, sondern vielmehr einen Teil der Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

Insgesamt versteht man unter einer interkulturell kompetenten Person jemanden, der die Fähigkeit besitzt mit Menschen aus einem anderen, oder "fremden" Kulturkreis erfolgreich in Kontakt zu treten, Konzepte der Wahrnehmung, des Fühlen, Denkens und Handelns begreift und in möglichen Problemsituationen adäquat zu reagieren.

3. Vorstellung des Lehrwerks

Als Materialbasis dieser Arbeit dient das Lehrwerk Диалог 3, erschienen bei Cornelsen, 2010 mit Schülerbuch und Arbeitsheft mit Schüler Audio-CD. Die Herausgeberinnen Dr. Heike Wapenhans und Dr. Ursula Behr haben mit einer Vielzahl von Autor*innen und Berater*innen zusammen gearbeitet.

Dieses Lehrwerk wird heute häufig eingesetzt und ist ausgelegt für Russisch in der Sekundarstufe I als zweite Fremdsprache. Es ist für das dritte Lehrjahr gedacht und strebt das Erreichen der Kompetenzstufe A2+ gemäß des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens an.

Im Kontext der SPÜ (Schulpraktische Übungen) haben meine Kommilitoninnen und ich bereits selbst mit diesem Werk gearbeitet.

Zusätzlich zum betrachteten Schülerbuch und Arbeitsheft existieren als Zusatzmaterialien für Schüler lediglich ein Vokabeltaschenbuch und eine CD, für Lehrerinnen und Lehrer eine Lehrerfassung des Arbeitshefts mit Lösungen, Handreichungen für den Unterricht mit CD-Rom, eine CD(-ROM) mit Vorschlägen zur Leistungsmessung und eine CD-ROM mit interaktiven Tafelbildern für Whiteboard und Beamer. Das Schülerbuch ist unterteilt in sechs Lektionen (Урок 1-6) mit jeweils drei Unterkapiteln (А, Б, В), einer vorangestellten Wiederholungslektion (Повторяем) mit vier Unterkapiteln (П 1, П 2, П 3, П 4), plus Zusatzangebote unter "Портфолио" und "Serviceangebote".

Bereits im Inhaltsverzeichnis werden die in dem jeweiligen Abschnitt bearbeiten Themen und Lernziele/- inhalte benannt. Letztere sind untergliedert in Redeabsichten, Lesetexte, grammatische Strukturen, sowie Lern- und Arbeitstechniken.

Es gibt in dem Lehrwerk keine festen Protagonisten, jedoch die immer wieder auftauchende kleine Figur "Незнайка". Diese führt die SuS von Anfang an durch das Lehrwerk und liefert dabei diverse Informationen und Tipps. In Диалог 3 kommt sie nur noch relativ selten zum Einsatz.

Die Lektionen bearbeiten die Handlungsfelder Familienalltag, Aufgaben und Feiertage, Vor- und Nachteile des Lebens und Stadt und Land, Interessen deutscher und russischer Jugendlicher, Tagesablauf, Medienverhalten und Erkundigungen zu Preis und technischen Daten, Sport und Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und Lebensweise.

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Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668815889
ISBN (Buch)
9783668815896
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437020
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Slavistik
Note
1,7
Schlagworte
Dialog 3 Interkulturelle Kompetenz Lehrwerksanalyse Russisch Russisch Didaktik Lehramt Russisch

Autor

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Titel: Vermittlung Interkultureller Kompetenz im Dialog