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Darstellung und Bewertung der Leistungsfähigkeit von Theorien des internationalen Managements zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU

Seminararbeit 2018 24 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Deutsche kleine und mittlere Unternehmen
2.1 Zum Begriff „kleine und mittlere Unternehmen“
2.1.1 Quantitative Definition
2.1.2 Qualitative Definition
2.2 Internationalisierungsrelevante Besonderheiten deutscher KMU

3 Außenhandel deutscher KMU
3.1 Zum Begriff Außenhandel
3.2 Motive und Zahlen des Außenhandels deutscher KMU

4 Darstellung und Bewertung ausgewählter Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU
4.1 Selektion der Theorien
4.2 Verhaltensorientierte Theorie der Internationalisierung von Aharoni
4.2.1 Aussagen der Theorie
4.2.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.3 Eklektische Theorie der Internationalisierung von Dunning
4.3.1 Aussagen der Theorie
4.3.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.4 Lerntheorie der Internationalisierung von Johanson/Vahlne
4.4.1 Aussagen der Theorie
4.4.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.5 Leistungsfähigkeit der ausgewählten Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU

5 Resümee

IV. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anteil deutscher KMU an Unternehmen und Umsatz

Abb. 2: Motive für die Internationalisierung deutscher KMU

Abb. 3: Internationalisierungsstufen nach Johanson/Vahlne

Abb. 4: Zielregionen des Außenhandels deutscher KMU

III. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: KMU-Definition des Institutes für Mittelstandsforschung

Tab. 2: Internationalisierungsrelevante Merkmale deutscher KMU

Tab. 3: Entscheidungsprozess zur Internationalisierung nach Dunning

1 Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteil deutscher KMU an Unternehmen und Umsatz

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: https://www.ifm-bonn.org/statistiken/unternehmensbestand/# accordion=0&tab=0

Im Hinblick auf internationale Handelsbeziehungen wird häufig sofort an Großunternehmen gedacht. Zwar ist es richtig, dass diese die umfangreichsten Anteile an grenzüberschreitenden Geschäften zu verzeichnen haben, doch auch der Mittelstand und damit die deutschen Klein- und Mittelunternehmen leisten einen großen Internationalisierungsbeitrag zur deutschen Volkswirtschaft (Deutscher Sparkassen und Giroverband, 2016, S. 5). Laut dem Institut für Mittelstandsforschung zählten in Deutschland im Jahr 2015 rund 3,45 Millionen Unternehmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), wodurch der deutsche Mittelstand mit einem Anteil von 99,6% an allen Unternehmen die Wirtschaft dominiert (Institut für Mittelstandsforschung [IfM], 2016, KMU insgesamt). Auch für den Umsatz und die Beschäftigung sind die KMUvon wesentlicher Bedeutung und werden daher zurecht als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet (Söllner, 2016, S. 109).

Durch das aktuelle Zeitalter der zunehmenden Globalisierung und Liberalisierung der Märkte gewinnt die Internationalisierung durch die Eröffnung neuer Chancen, als auch den steigenden Konkurrenzdruck auch für KMU immer mehr an Bedeutung (Cutura & Kraus, 2005, S. 1). Im Jahr 2013 waren die deutschen KMU für 20% des deutschen Importvolumens und 17% des Exportvolumens verantwortlich (Söllner, 2016, S. 111). Gemessen am Anteil der Großunternehmen mag dies zunächst als kleiner Beitrag erscheinen. Allerdings ist die Zahl der exportierenden deutschen KMU sehr hoch. Gemäß dem deutschen Sparkassen- und Giroverband (2016) ist bereits etwa die Hälfte aller Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2 und 50 Mio. Euro im Export aktiv (S. 20).

Im Rahmen der Wissenschaft des Internationalen Managements stehen zahlreiche Theorien zur Erklärung der Internationalisierungsaktivitäten von Unternehmen zur Verfügung. Allerdings ist wohl davon auszugehen, dass KMU bisher weniger in deren Fokus standen. Daran anknüpfend stellt sich die Frage, ob die Theorien auch für die Erklärung des Außenhandels deutscher KMU geeignet sind. Aufgrund der aktuellen Relevanz des Außenhandels deutscher KMU, sowie deren hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung, ist es daher Ziel dieser Arbeit, Theorien des internationalen Managements darzustellen und deren Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Erklärung des Außenhandels deutscher KMU zu bewerten. Dazu sollen in einem ersten Schritt der Terminus „KMU“ als Grundlage der weiteren Arbeit begrifflich fundiert werden, sowie internationalisierungsrelevante Merkmale deutscher KMU dargelegt werden. Darauf folgend, wird auf den Außenhandel der deutschen KMU und deren Motive für die Handelsbeziehungen eingegangen. In einem dritten Schritt werden drei ausgewählte Theorien des Internationalen Managements theoretisch erläutert und auf den Außenhandel deutscher KMU angewandt. Anschließend wird auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse die Leistungsfähigkeit der selektierten Theorien zur Erklärung internationaler Handelsbeziehungen deutscher Klein- und Mittelunternehmen beurteilt.

2 Deutsche kleine und mittlere Unternehmen

2.1 Zum Begriff „kleine und mittlere Unternehmen“

2.1.1 Quantitative Definition

Eine einheitliche Definition für kleine und mittlere Unternehmen ist in der betriebswirtschaftlichen Literatur bisher nicht vorhanden (Habedank, 2006, S. 27). Für die Mittelstandspolitik der Bundesregierung kann allerdings auf die häufig verwendete Definition des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn zurückgegriffen werden (Geyer & Uriep, 2012, S.6). Diese grenzt KMU mithilfe der zwei quantitativen Kriterien Jahresumsatz und Beschäftigtenzahl von Großunternehmen ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: KMU-Definition des Institutes für Mittelstandsforschung

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an https://www.ifm-bonn.org/definitionen/kmu-definition-des-ifm-bonn/

Basierend auf der in Tab. 1 dargestellten Definition des Institutes für Mittelstandforschung setzt sich die Gesamtheit der deutschen KMU aus allen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten sowie weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz zusammen (IfMBonn, 2016, KMU-Definition des IfM Bonn).

2.1.2 Qualitative Definition

Neben ausschließlich quantitativen Kriterien, können auch qualitative Merkmale wie beispielsweise organisatorische oder führungsspezifische Merkmale Verwendung finden (Pfohl, 2006, S. 16-21.). Maßgeblich für die qualitative Unterscheidung der deutschen KMU von Großunternehmen sind dabei besonders die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko sowie das Mitwirken der Leitung an allen unternehmenspolitisch wichtigen Entscheidungen. (Günterberg & Wolter, 2002, S.2).

2.2 Internationalisierungsrelevante Besonderheiten deutscher KMU

Da die strategischen Merkmale deutscher KMU einen wesentlichen Einfluss auf deren Entscheidung für oder gegen internationalen Güteraustauschen haben können, soll im Folgenden auf deren übliche Marktpositionierung und charakteristische Besonderheiten eingegangen werden.

Deutsche KMU agieren aus strategischer Sicht überwiegend als Leistungsdifferenzierer. Dies bedeutet, dass Sie hoch technisierte und innovative abnehmerorientierte Lösungen anbieten, die ihnen das Durchsetzen einer Preisprämie ermöglichen (Meckl, 2014, S. 180). Folglich können sie durch die hohe Kundenorientierung und Leistungsfähigkeit ihrer Produkte besonders in Nischenmärkten sehr gute Positionen einnehmen oder gar die Weltmarktführerschaft (Hidden Champions) erlangen (Hermann & Huber, 2006, S. 52). Laut dem deutschen Mittelstandsbund war Deutschland im Jahr 2012 sogar das Land mit den meisten sogenannten „Hidden Champions“ weltweit (Deutscher Mittelstandsbund [DMB], 2017, Innovationskraft, Abs. 2).

Zur Abgrenzung von KMU von Großunternehmen wählte Pfohl (2006) unter anderem die Bereiche Unternehmensführung, Personal, Organisation, Absatz, Produktion und Finanzierung (S. 18ff.). Da diese Charakteristika auch die deutschen KMU stark prägen und Einfluss auf deren Auslandsaktivitäten ausüben, sollen diese in der nachfolgenden Tabelle kurz dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Internationalisierungsrelevante Merkmale deutscher KMU

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Meckl (2014, S. 181f.)

In welchem Ausmaß diese in Tab. 2 dargestellten Charakteristika Einfluss auf die Außenhandelsentscheidung der deutschen KMU nehmen, wird sich in den weiteren Ausführungen der Arbeit zunehmend verdeutlichen.

3 Außenhandel deutscher KMU

3.1 Zum Begriff Außenhandel

Unter dem Begriff Außenhandel werden grenzüberschreitende Käufe und Verkäufe verstanden, die ein Unternehmen im Ausland tätigt. Die klassischen Formen des Außenhandels, auf die im Rahmen dieser Arbeit eingegangen werden soll, sind hierbei Export und Import, welche den Verkauf (Export) eigener Waren an ausländische Geschäftspartner bzw. die Beschaffung (Import) von Waren aus dem Ausland bezeichnen (Meckl, 2014, S.13). In Bezug auf die Mittelbarkeit des Außenhandelsgeschäftes wird zwischen direkten und indirekten Export/Import unterschieden. Ein direkter Export bzw. Import liegt dann vor, wenn zwischen Käufer und Verkäufer eine unmittelbare Vertrags- und Geschäftsbeziehung besteht. Ist im Inland noch eine Zwischenstufe in Form eines Außenhandelsunternehmens ansässig, wird von indirektem Export/Import gesprochen (Büter, 2013, S. 67ff.).

3.2 Motive und Zahlen des Außenhandels deutscher KMU

Dunning (1993) nennt in „Multinational enterprises and the global economy“ vier strategische Ziele der Internationalisierung (S. 56-61). Von „Market seeking“ wird nach Dunning dann gesprochen, wenn das Erschließen neuer Märkte und Kunden das Hauptmotiv darstellt, während „Ressource seeking“ vorliegt, wenn der Zugang zu bestimmten Ressourcen mit dem Ziel der Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit oder Rentabilität im Vordergrund steht (S. 56-59). Des Weiteren kann im Rahmen von „Efficiency seeking“ auf die Rationalisierung von Prozessen durch Skaleneffekte abgezielt werden oder durch „Strategic asset seeking“ versucht werden, durch Internationalisierung die Wettbewerbsposition langfristig zu verbessern oder zu erhalten (Dunning, 1993 S. 59ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Motive für die Internationalisierung deutscher KMU

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Industrie- und Handelskammer (IHK) Bochum (2010, S. 11

Diese Motive lassen sich teilweise auch auf den Außenhandel deutscher KMU übertragen. So nannte Brenken (2006) die Erschließung neuer Absatzmärkte bzw. die Verteidigung dieser im Rahmen einer Studie zur Globalisierung des Mittelstandes als das Hauptmotiv für ein Auslandsengagement (S. 4). Dies kann u.a. auf eine Sättigung des deutschen Heimatmarktes und die momentan verhältnismäßig schwache deutsche Binnenkonjunktur zurückgeführt werden (Investitionsbank Berlin & Creditreform, 2017, S. 28). Zusätzlich zwingt auch die zunehmende Globalisierung die deutschen KMU zu internationalen Absatzaktivitäten um ihre Position zu erhalten. Der Internationalisierungsdruck geht hierbei von dem erhöhten Wettbewerbsdruck als Folge des Eindringens von ausländischen Wettbewerben in den nationalen Markt aus (Weber, 1997, S. 65). Das sogenannte „Market seeking“ scheint daher ein sehr ausschlaggebendes Motiv für Export zu sein. So haben nach Angaben von Abel-Koch (2016) im Jahre 2014 bereits mehr als drei Viertel aller deutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit 20 – 499 Arbeitnehmern Exporte ins Ausland getätigt (S. 1).

Auch das „Ressource seeking“ spielt vor dem Hintergrund der zunehmenden Konkurrenz durch ausländische und ggf. günstigere Anbieter eine große Rolle. Durch Importgeschäfte zielen deutsche KMU somit auf eine günstigere Beschaffung von Ressourcen bzw. notwendigen Vorprodukten ab (Meyer-Borchert & Welpe, 2009, S. 32). Bereits 2012 haben etwa 66% der KMU der deutschen Industrie Waren aus dem Ausland importiert (Abel-Koch, 2016, S. 2).

Bezüglich des „Efficiency seekings“ ist davon auszugehen, dass es eine geringe Bedeutung für die deutschen KMU mit ihren eher kleinen Absatzmengen spielt (vgl. Tab. 2). Denn die Erzielung von Skaleneffekten steht tendenziell mehr bei großen Unternehmen mit hohen Ausbringungsmengen im Vordergrund (Dunning, 1993, S. 59). Diese Erkenntnisse werden auch in Abb. 2 wiedergespiegelt, in welcher besonders Motive, die dem market- und ressource seeking zuzuordnen sind an oberer Stelle stehen.

4 Darstellung und Bewertung ausgewählter Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU

4.1 Selektion der Theorien

Das Internationale Management bietet eine große Vielzahl an Theorien. Im Folgenden sollen drei ausgewählte Theorien dargestellt, angewandt und auf ihre Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Erklärung des Außenhandels deutscher KMU überprüft werden. Im Rahmen dieser Arbeit sollen hierfür die Theorie von Aharoni, die OLI-Theorie von Dunning und der Uppsala-Ansatz von Johanson/Vahlne herangezogen werden. Natürlich wäre hierbei auch ein Betrachten anderer Theorien wie bspw. der Theorie der technologischen Lücke oder der Produktlebenszyklustheorie denkbar. Aufgrund der spezifischen Merkmale der deutschen KMU sollen hier jedoch die zuvor genannten Theorien Anwendung finden, da sie die Charakteristika der deutschen KMU umfassender abbilden können.

4.2 Verhaltensorientierte Theorie der Internationalisierung von Aharoni

4.2.1 Aussagen der Theorie

Grundlegende Aussage der verhaltensorientierten Theorie von Aharoni ist es, dass für Investitionen im Ausland nicht nur rationale Aspekte relevant sind, sondern auch Verhandlungsprozesse zwischen den Mitgliedern einer Organisation (Aharoni, 1966, S. 49 – 172).

Aharoni geht von 4 Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses aus. Der Anstoßphase, Bewertungsphase, Investitionsentscheidungsphase und Überprüfungs- und Nachverhandlungsphase (Aharoni, 1966, S. 49 – 172). Im Nachfolgenden soll aufgrund von Relevanzgründen allerdings nur auf die ersten beiden Phasen genauer eingegangen werden. In der Anstoßphase müssen zu Beginn Initialkräfte für Auslandsinvestitionen aufkommen. Dabei kann es sich sowohl um interne Anstöße wie bspw. die persönliche Einstellung zum Ausland eines wichtigen Entscheidungsträgers, als auch um externe Anstöße wie z.B. Vorschläge von Kunden handeln. Auch Mitläufer-Effekte oder hohe Konkurrenz durch ausländische Wettbewerber auf dem Inlandsmarkt können in dieser ersten Phase eine Rolle spielen (Aharoni, 1966, S. 49 – 68, S. 55). Anschließend erfolgt in der zweiten Phase die Bewertung der vorgeschlagenen Auslandstätigkeit. Hier betont Aharoni (1966), dass die Bewertungsphase von einer Unvollkommenheit von Informationen, beschränkter Rationalität bei deren Verarbeitung sowie Informationsbeschaffungskosten geprägt ist (S. 55, S. 76f.) Zusätzlich wird das Bewertungsergebnis maßgeblich von der Machtverteilung innerhalb des Unternehmens beeinflusst (Aharoni, 1966, S. 58). Auch stellt Aharoni (1966) die These auf, dass eine Auslandsinvestition umso wahrscheinlicher ist, desto mehr Auslandserfahrung der Manager aufweist (S. 59).

4.2.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU

Aharoni (1966) stellt hohen Wettbewerb durch ausländische Konkurrenten am Heimatmarkt als möglichen „Anstoßfaktor“ heraus (S. 58). Dies ist auch bei deutschen KMU häufig wesentlicher Auslöser für internationalen Güteraustausch, da viele von ihnen Importtätigkeiten mit dem Ziel der Kosteneinsparung bei standardisierten Vorprodukten aufnehmen (Geyer & Uriep, 2012, S. 11). So hat bspw. die BOMAFA Armaturen GmbH aus Bochum aufgrund der Bedrohung ihrer Markstellung durch die zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland begonnen in China einzukaufen (Industrie- und Handelskammer Bochum (IHKBochum), 2010, S. 22).

Ebenfalls können der Anstoß und das Bewertungsergebnis bzgl. der Auslandstätigkeit maßgeblich durch die Einstellung und Macht des Unternehmers beeinflusst werden (Aharoni, 1966, S. 49 – 68, S. 58). Umso höher dessen Auslandsaffinität bspw. durch Urlaube, Auslandsaufenthalte oder Fremdsprachenkenntnisse, desto wahrscheinlicher ist auch die Aufnahme von internationalen Handelsbeziehungen (Meyer-Borchert & Welpe I. M., 2009, S. 38). Dies hat für deutsche KMU aufgrund ihrer Unternehmensführungsmerkmale eine besonders hohe Relevanz. Wie in Tabelle 2 unter 2.2 dargestellt, werden KMU patriarchisch von einem Eigentümer-Unternehmer geführt, welcher durch seine Machtposition und Einstellung erheblichen Einfluss auf die Internationalisierung besitzt (Meckl, 2014, S. 181). In Verbindung mit der von Aharoni angenommenen begrenzten Rationalität kann dies erklären, warum deutsche KMU bei guten Erfolgsaussichten eines Außenhandels diesen nicht zwangsläufig aufnehmen (und umgekehrt). Da der Eigentümer deutscher KMU außerdem typischerweise alleine das unternehmerische Risiko trägt (Bülk J. H., 1997, S. 51), kann eine Tendenz zur Risikoaversion angenommen werden. Dies könnte der Grund sein, warum ein großer Anteil der deutschen KMU im Exportgeschäft aktiv ist, die riskanteren Direktinvestitionen jedoch für den Großteil der Unternehmen laut Brenken (2006) noch kaum eine Rolle spielen (S.3).

Auch die in Aharoni’s Theorie unterstellte Unvollkommenheit von Informationen sowie die Informationsbeschaffungskosten erscheinen bei Betrachtung deutscher KMU sehr zutreffend. Im Hinblick auf die Merkmale in Tabelle 2 zu den Bereichen Personal, Organisation und Finanzierung wird klar, dass besonders bei kleinen deutschen Unternehmen durch eine mangelnde finanzielle und personelle Ressourcenausstattung Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung für Außenhandelsüberlegungen und deren Bewertung aufkommen dürften. Dementsprechend zählten im KMU-Report Berlin fehlende Marktkenntnisse und mangelndes Know-how zu den genannten Gründen derjenigen Unternehmen, welche keinen Außenhandel betreiben (Investitionsbank Berlin & Creditreform, 2017, S. 28).

4.3 Eklektische Theorie der Internationalisierung von Dunning

4.3.1 Aussagen der Theorie

Dunning vereint im eklektischen Paradigma, auch OLI Theorie genannt, zuvor unverbundene Einzeltheorien, indem er auf die Theorie des monopolistischen Vorteils, die Standorttheorie und die Internalisierungstheorie zurückgreift (Meckl, 2014, S. 93). In seiner Theorie unterscheidet er die drei Vorteilkategorien Eigentumsvorteile, Internalisierungsvorteile und Standortvorteile. In Abhängigkeit der Ausprägung dieser Kategorien, zeigt er anschließend die Vorteilhaftigkeit verschiedener Marktbearbeitungsformen auf (Meckl, 2014, S. 93).

Eigentumsvorteile können sich sowohl aus der Internationalität, der langjährigen Erfahrung des Unternehmens als auch aus dem exklusiven Zugang zu bestimmten Ressourcen ergeben. Als Beispiele können daher Marktwissen, Humankapital oder technologischer Vorsprung genannt werden (Dunning, 1979, S. 276). Internalisierungsvorteile sind solche, die sich aus einer unternehmensinternen Koordination gegenüber einer Abwicklung über den Markt ergeben. Standortvorteile kommen durch Faktoren wie bspw. Lohnkosten oder Inputqualität –und preis zustande (Dunning, 1979, S. 276).

Aus diesen Vorteilskategorien, leitet Dunning die in Tab. 3 dargestellte Entscheidungslogik ab:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Entscheidungsprozess zur Internationalisierung nach Dunning

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Dunning (1981, S. 32)

Gemäß Dunning (1981) stellen Eigentumsvorteile demnach eine erforderliche Voraussetzung für ein Auslandsengagement dar (S. 32). Besitzt ein Unternehmen lediglich Eigentumsvorteile, wird eine vertragliche Ressourcenübertragung durchgeführt. Liegen Eigentums- und Internalisierungsvorteile, jedoch keine Standortvorteile vor, ist ein Export vorzuziehen. Verfügt das Unternehmen über Eigentums-, Internalisierung-, und Standortvorteile, wird eine ausländische Direktinvestition getätigt (Dunning, 1981, S. 32).

4.3.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU

Angewandt auf den Außenhandel deutscher KMU ist zuerst festzustellen, dass diese Unternehmen in vielen Fällen über Eigentumsvorteile verfügen, die einen Wettbewerbsvorteil im Auslandsmarkt begründen können. Da die deutschen kleinen und mittleren Unternehmen wie unter 2.2 beschrieben, typischerweise als Leistungsdifferenzierer tätig sind und kundenorientierte Produkte mit hohem Innovationsgrad anbieten (Meckl, 2014, S. 180), stellen ihr ausgeprägtes technologisches Know-how, ihr Spezialisierungsvorteil und ihr innovatives Potential klare Eigentumsvorteile dar. Außerdem ist zwar davon auszugehen, dass deutsche KMU wohl weniger bekannt sind als Großunternehmen, allerdings stellt „Reputation“ dennoch häufig einen weiteren Eigentumsvorteil dar. „Made in Germany“ hat sich durch die damit assoziierte Qualität mittlerweile zu einem erstklassigen Gütesiegel entwickelt (Hamer, 2013, S. 58). So nannte der Geschäftsführer der mittelständischen JNW CleaningSolutions GmbH die eigenen Qualitätsvorteile und die Marke „Made in Germany“ aufgrund der entgegengebrachten Wertschätzung als Vorteile bei der Internationalisierung (IHK Bochum, 2010, S. 30). Fokussiert sich ein deutsches KMU weiterhin auf einen bestimmten Nischenmarkt und bedient daher ein aus Sicht des Kundenbedarfs abgrenzbares Marktsegment (Meckl, 2014, S. 181), ist auch die aufgebaute Marktkenntnis bzgl. der spezifischen Nische als „Ownership-specific-advantage“ anzusehen.

Ein Internalisierungsvorteil, der es für deutsche KMU vorteilhafter macht, Auslandsaktivitäten über die eigene Hierarchie abzuwickeln, könnte ihr geistiges Eigentum darstellen. Dementsprechend nennt Dunning (1979) bspw. die Vermeidung von Wissensabfluss und den Schutz von Eigentumsrechten als Internalisierungsvorteile (S. 276). Würde sich ein deutsches KMU also für eine vertragliche Ressourcenübertragung wie eine Lizensierung entscheiden, könnte ihr wichtiges technisches Know-how z.B. durch opportunistisches Verhalten des Lizenznehmers abfließen.

In Bezug auf Standortvorteile im Ausland kann argumentiert werden, dass sich diese theoretisch in etwa durch niedrigere Lohnkosten oder Rohstoffpreise ebenfalls für deutsche KMU ergeben können. Allerdings setzen viele der deutschen KMU bisher immer noch auf die Produktion in Deutschland, da sie sich unter Eigenproduktion in Deutschland die benötigte Produktqualität ihrer Speziallösungen versprechen (IHK Bochum, 2010, S. 38). Damit können die Import- und Exporttätigkeiten der deutschen KMU durch die oberhalb erläuterten Eigentumsvorteile und Internalisierungsüberlegungen erklärt werden.

4.4 Lerntheorie der Internationalisierung von Johanson/Vahlne

4.4.1 Aussagen der Theorie

Nach dem dynamischen, lerntheoretischen Internationalisierungsansatz von Johanson/Vahlne erfolgt die Internationalisierung von Unternehmen in einem inkrementellen, kontinuierlichen Prozess, in welchem Lernprozesse und Erfahrungsaufbau eine große Rolle spielen (Johanson & Vahlne, 1977, S. 23).

Der Ansatz unterscheidet hierbei zwischen den statischen Aspekten Marktbindung und aufgebauter Marktkenntnis und den dynamischen Aspekten der Marktbearbeitungsentscheidungen und der laufenden Geschäftsaktivitäten (Johanson & Vahlne, 1990, S. 11). Der Grad der Marktbindung und die erworbene Marktkenntnis beeinflussen dabei die Entscheidung der Unternehmen über ihre weiteren Internationalisierungsschritte und damit die sich daraus ergebenden laufenden Aktivitäten. Diese wirken sich anschließend wieder auf die Markbindung und Marktkenntnis aus (Johanson & Vahlne, 1990, S. 11). Da das veränderte Marktwissen wiederum die Basis für die Unternehmensentscheidung ist, ob und wie Auslandsaktivitäten weiter ausgebaut werden sollen, kann das aufgezeigte Zusammenspiel der statischen und dynamischen Aspekte beliebig oft im Rahmen des Internationalisierungsprozesses durchlaufen werden (Meckl, 2014, S. 58). Dieser Zusammenhang wird auch in der folgenden Darstellung nochmals deutlich:

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668777705
ISBN (Buch)
9783668777712
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437031
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Internationales Management, Prof. Meckl
Note
1,7
Schlagworte
darstellung bewertung leistungsfähigkeit theorien managements erklärung außenhandels

Autor

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Titel: Darstellung und Bewertung der Leistungsfähigkeit von Theorien des internationalen Managements zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU