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Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus. Der "Optimus Princeps" und die repräsentative Darstellung seiner selbst

Hausarbeit 2018 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Taten und Tugenden Trajans als Augustus

2. Die Mittel Trajans repräsentativer Selbstdarstellung

3. Die Säulen der trajanischen Repräsentation
3.1 Die Legitimation seiner Macht als Princeps
3.2 Die kaiserliche Fürsorge für sein Reich und Volk
3.3 Militärische Sieghaftigkeit

4. Fazit

5. Quellen und Literaturverzeichnis

Einleitung:

Marcus Ulpius Traianus ist unumstritten der erfolgreichste Kaiser in der Geschichte Roms. Er war der erste Kaiser der das Amt des Princeps bekleidete obwohl er aus einer Provinz stammte. Während seiner knapp 20 Jahre andauernden Regentschaft von 98 bis 117 n. Chr. erreichte das Imperium Romanum seine größte Ausdehnung. Mit seiner Architektur veränderte er für immer das Gesicht Roms und laut der Geschichtsschreibung, welche ihm für all seine Verdienste den Titel "Optimus Princeps" verlieh, war sein Prinzipat durch seinen Heldenmut sowie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bestimmt.1 Er war militärisch erfolgreich mit dem Sieg über die Daker und konnte im römischen Reich trotz seiner enormen Größe die innere Stabilität aufrecht erhalten.

Dafür musste er sich auf politischer und repräsentativer Ebene angemessen verhalten, denn durch seine paradoxe Stellung als Augustus im Prinzipat, stützte sich seine Macht auf die Anerkennung des Heeres, des Senates und der Plebs Urbana 2.

Das Prinzipat ist eine 27 v. Chr. erstmal entstandene Herrschaftsform, welche nach dem Ende der Bürgerkriege 30 v. Chr. republikanische Traditionen mit der Vorherrschaft eines “Ersten” (priceps) zusammenführen sollte. Diese monarchische Ordnung verbindet die Vorstellung einer angeblichen Wiederherstellung der Republik mit dem Ausbau der kaiserlichen Herrschaftslegitimation. Dazu musste vom Princeps das Bild von einem einflussreichen Senat und einem demütigen Kaiser propagiert werden, wozu er erfolgreich gewissen repräsentativen Regeln folgen musste 3. Trajans Adoptivvater Nerva hatte aufgrund seiner militärischen Sieglosigkeit Probleme mit der Anerkennung des Heeres4 gehabt, welche die Stütze der Vorherrschaft eines jeden Princeps war. Deshalb erschien Trajan die Erfüllung des militärischen Herrscherattributes als besonders notwendig. Sein Erfolg beruhte daher vor allem auf seiner Darstellung als der Kaiser, der die alten senatorischen Traditionen mit dem neuen tugendhaften Anspruch des Kaiserhauses verband und damit ein Gegenbild zu Domitian darzustellen. Man gab Trajan den Titel „Optimus Princeps“ als Abgrenzung gegenüber den vorherigen „schlechten“ Kaisern, um das Bild eines Idealkaisers zu erzeugen.5

Wie sich Trajan darstellte um Heer, Senat und Volk hinter sich zu wissen, soll in dieser Arbeit dargelegt werden. Wie präsentierte sich Trajan und welche Mittel nutzte er für diese Darstellung? Nutzte er die gleichen Medien wie seine Vorgänger oder unterschied er sich durch den Einsatz anderer oder neuer Medien? Wie war das daraus resultierende Gesamtbild?

Als Quellen stehen für diese Arbeit vor allem die Medien zur Verfügung, welche zur römischen Kaiserzeit zu repräsentativen Zwecken genutzt wurden. Dazu gehören vor allem Bauwerke, Münzen, Portraits und Statuen, Inschriften und literarische Quellen. Diese repräsentativen Medien sind zwar häufig von vermeidlich unabhängigen staatlichen Institutionen oder freien Künstlern geschaffen worden, jedoch unterlagen die Werke meist dem Willen des Kaisers und wurden nach seinen Vorstellungen erstellt. So wurden zum Beispiel öffentliche Baudenkmäler offiziell vom Senat gestiftet, allerdings wurden sie vom Kaiser entworfen und bezahlt. Die zwei wichtigsten literarischen Quellen sind die Briefe und der Panegyricus 6 von Plinius dem Jüngeren, sowie die “Römische Geschichte” von Cassius Dio, welche eine Chronik der Zeit Roms von der Gründung bis 229 n. Chr. darstellt. Beide Autoren teilen aber aus unterschiedlichen Motivationen das Bild von Trajan als der perfekte Herrscher. Plinius gab mit seiner Lobrede7, in der er Trajan als „Optimus Princeps“ nach Domitian dem „Pessimus Princeps“ propagiert, Anstoß dazu, Trajan in der Forschungsliteratur hauptsächlich positiv darzustellen. Gunnar Seelentag untersuchte anhand verschiedener Korrespondenzen mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen die Herrschaftsdarstellung Trajans und ist daher eine empfehlenswerte Sekundärliteratur. Auch Karl Strobel hat sich mit der Darstellung Trajans befasst und zeigt ein kritisches Bild von ihm, welches im Gegensatz zu den Primärquellen von weniger Übertreibung geprägt ist. Die Werke “Bilder der Macht” von Tonio Hölscher, “Propaganda” von Martin Kemkes und “Kaiser” von Dietrich Boschungs liefern die nötigen Abbildungen von Münzen, Statuen und anderen repräsentativen Quellen.

Nach einer Zusammenfassung der Regentschaft Trajans sollen einzelne Medien und ihre repräsentative Wirkung sowie Umfang und Bedeutung untersucht werden. Danach soll auf die Hauptziele der trajanischen Repräsentation eingegangen werden, gefolgt von einer Zusammenfassung der vorliegenden Ergebnisse.

1. Die Taten und Tugenden Trajans als Augustus

Nachdem Trajan Ende Oktober 97 von Kaiser Nerva wegen dessen Machtlosigkeit in einer drohenden Bürgerkriegssituation adoptiert und zum Augustus ernannt wurde, stand er historisch gesehen „am Anfang des Adoptivkaisertums und am Ende der römischen Offensivpolitik.“8 Nerva „verdankte seine Herrschaft den Verschwörern gegen Domitian, obgleich er selbst nicht zu ihrem engsten Kreis gehörte”9 und war “im Gegensatz zu Domitian bei den Soldaten nicht beliebt.”10 Die Wahl als sein Nachfolger fiel auf Trajan, da er als der Statthalter der Provinz Germania Superior einer der wichtigsten Befehlshaber des Militärs darstellte, der zuvor auch eine senatorische Karriere absolviert hatte. Plinius schrieb, Trajan verdanke seine Herrschaft einer plötzlichen göttlichen Eingebung, die Nerva angeblich gezeigt hatte, dass Trajan derjenige sei, den er adoptieren solle.11 Wahrscheinlicher ist, das Nerva eine drohende Usurpation durch Nigrinus verhindern wollte. Nach Antritt seiner Herrschaft stellte sich Trajan bewusst als Gegenbild zu Domitian dar. So war seine Herrschaft von Wohlwollen und Kooperation gegenüber dem Senat geprägt. Er schwor, keinen Senator ohne Prozess hinrichten zu lassen12, woran er sich hielt, obwohl es bei Regierungswechseln übliche Praxis gewesen war sich oppositionärer Senatoren durch ihre willkürliche Hinrichtung zu entledigen. Dafür ließ er auf neu geprägten Münzen verkünden, er habe seine Herrschaft vom Senat erhalten.13 Mit der vorläufigen Zurückweisung des Titels “Pater patriae” vom Senat demonstrierte er öffentlichkeitswirksam seine tugendhafte Mäßigung und auch wenn er dem Senat freiwillig während seiner Regentschaft viele Zugeständnisse machen sollte, war seine Macht gegenüber dem Senat nie gemindert. Auch Plinius erkennt “es hängt doch alles vom Willen eines Einzelnen ab.“14

Trotz des Todes seines Vorgängers noch im gleichen Jahr seiner Ernennung, blieb Trajan vor seiner Rückkehr nach Rom noch 2 Jahre lang am Rhein. Die zweijährige Reise wurde mit Inspektionen begründet und oft als Vorbereitung der Dakerkriege beschrieben.15 Doch berichten keine Quellen über irgendeine Form der Vorbereitung. Um Bescheidenheit zu suggerieren kehrte Trajan im Herbst 99 zu Fuß nach Rom zurück und obwohl es zu keinem militärischen Sieg gekommen war, wurden seine Bemühungen zur Sicherung der römischen Nordgrenzen in Rom als Sieg gefeiert.16 Eine der ersten Amtshandlungen Trajans war nun ein Feldzug gegen das Reich der Daker, welchen er mit dem Vorwurf eines Verstoßes des Dakerkönigs Decebalus gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages von 89 n. Chr. legitimierte17. Die Unsicherheit der Donaugrenze gilt allerdings als ein wesentlich wahrscheinlicherer Grund. Außerdem hatten die Daker bereits Domitian in Bedrängnis gebracht.18 Trajan setzte sich mit seiner Abwesenheit in Rom während und nach Antritt seiner Regentschaft der Gefahr aus, Senat und Volk zu kränken19, doch nach dem Sieg im zweiten Dakerfeldzug 107 kehrte er mit der gewaltigen Kriegsbeute von 50.000 Kriegsgefangenen, 165.000 kg Gold und 331.000 kg Silber in einem gewaltigen Triumphzug nach Rom zurück. Neben dem Titel des Herrschers über Germanien "Germanicus", hatte er sich auch den für die Legitimation eines Kaisers wichtigen Titel des Siegers "Dacicus" verdient.20 Doch am allerwichtigsten war, er hatte seine militärische Führungskraft im Gegensatz zu seinen Vorgängern unter Beweis gestellt.

Nach seiner Rückkehr nach Rom begann Trajan mit seiner prägenden Baupolitik. Dazu gehörte die Restaurierung von Monumenten und der Errichtung neuer Bauwerke. Er restaurierte das Forum Iulium und den Circus Maximus21, baute die für die Versorgung des Volkes mit Nahrung wichtige römische Infrastruktur aus und stiftete gewaltige öffentliche Thermen auf den Ruinen des Palastes des in Ungnade gefallenen Kaisers Nero. Das Trajansforum, welches von Ammianus Marcellinius als „ein Bauwerk, welches selbst die Götter in Staunen versetzte22 “ beschrieben wird, stellt das bedeutendste Bauwerk der trajanischen Regentschaft dar. Auch Kaiser Constantius II sei bei dem Anblick der gewaltigen und prächtigen Anlage erstarrt.23 Auf seinen geprägten Münzen präsentierte Trajan eine Auswahl der Monumente seines Forums. Dazu waren politische Reformen im gemeinen Sinne wie die Sicherung der Getreideversorgung und der Ausbau der Infrastruktur, sowie eine enorme Investition in die Unterhaltung ein Garant für den Kaiser, den Plebs urbana 24 für sich zu gewinnen.

Nach der Vertreibung des durch Rom eingesetzten armenischen Königs versuchte der Partherkönig Chosroes Einfluss über Armenien zu gewinnen, was Trajan als Legitimation für eine Kriegserklärung nutzte. Selbst der Befürworter Trajans, Cassius Dio, behauptet jedoch, das wahre Motiv für diesen Feldzug sei Ruhmsucht gewesen.25 Trajan marschierte 113 Richtung Osten und nahm nach 3 Jahren Krieg im Januar 116 ohne Gegenwehr die Hauptstadt der Parther ein, was ihm den Siegernamen Parthicus einbrachte. Da Chosroes entkommen war, drängte er weiter bis er Babylon erreichte. Zu diesem Zeitpunkt sollte Rom sein größtes Ausmaß erreicht haben. Noch auf dem Rückweg nach Rom starb Kaiser Trajan am 8. August 117 in Selinius an einer schweren Krankheit. Seinen Neffen Hardrian adoptierte er, da er kinderlos zurückblieb, noch auf seinem Sterbebett.26 Diese Umstände führten zu zahlreichen Spekulationen und einer starken Opposition gegen Hadrians Nachfolgeranspruch.

[...]


1 Vgl. Bennett, Julian: “Trajan: Optimus Princeps. Roman Imperial Biographies”, Bloomington 2003, S. 16.

2 Vgl. Seelentag, Gunnar: “Taten und Tugenden Trajans. Herrschaftsdarstellung im Principat.” Wiesbaden 2004, S.18.

3 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S.37.

4 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S.38.

5 Vgl. Kemkes, Martin: “Politische Propaganda zur Zeit Trajans im Spiegel der Münzen und historischen Reliefs”, S. 127.

6 Vgl. Kienast, Dietmar: “Römische Kaisertabelle”, S.122.

7 Plin. Paneg. 4.4-7

8 Kent, John P. C.: „Die Römische Münze“, S. 29.

9 Cassius Dio 67,15, 5.

10 Sueton, Domitian 23.

11 Plinius, Panegyricus 8.

12 Cassius Dio 68, 5, 2.

13 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S.82.

14 Plinius, Epistulae 3, 20, 12.

15 Strobel, Karl: “Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Studien zur Geschichte des mittleren und unteren Donauraums in der Hohen Kaiserzeit”, Bonn 1984, S. 158f.

16 Plinius, Panegyricus 12.

17 nach dem römischen Verständnis durften nur gerechte Kriege geführt werden.

18 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S.118f.

19 Seelentag (wie Anm. 2), S. 113.

20 Seelentag (wie Anm. 2), S. 281.

21 Vgl. Scheithauer, Andrea: “Kaiserliche Bautätigkeit in Rom. Das Echo in der antiken Literatur”, Stuttgart 2000. S.156.

22 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S. 299.

23 Vgl. Seelentag (wie Anm. 2), S. 299.

24 Plebs urbana (das Volk Roms).

25 Cassius Dio 68, 17, 1.

26 Historia Augusta, Hadrian 4, 6.

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668775299
ISBN (Buch)
9783668775305
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437303
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
imperator caesar nerva traianus augustus optimus princeps darstellung

Autor

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