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Salafistische Propaganda im Internet

Hausarbeit 2017 24 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die dokumentarische Bildanalyse

3. GET UP AND GO: Eine Bildanalyse zu extremistischer Propaganda

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beispielbild: GET UP AND GO

Abbildung 2: Beispielbild: GET UP AND GO - Planimetrie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der steigende Einfluss des Internets auf Radikalisierungsprozesse ist wissenschaftlich größtenteils bestätigt.[1] Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz weist auf die wachsende Bedeutsamkeit des Internets im Salafismus hin.[2] Das Bundesministerium des Innern geht sogar davon aus, dass islamistische Radikalisierungsprozesse „vor allem über das Internet“[3] stattfinden. Extremistisch eingestellte Akteure nutzen das Internet um ihre Propaganda und extremistischen Ideen für möglichst viele Empfänger zugänglich zu machen. Außerdem wird in den meisten Fällen versucht Internetnutzer direkt mit dieser Propaganda anzusprechen, um sie zu rekrutieren oder für ihre Zwecke, zum Beispiel fürTerroranschläge, zu mobilisieren.

Das Medium Internet bietet vor allem den extremistischen Nutzern eine geeignete Plattform um ihre Anliegen umzusetzen, da es eine „unkontrollierte, schnelle und kostengünstige Informationsvermittlung an eine Vielzahl von Personen und auch über große räumliche Distanzen hinweg erlaubt und zugleich – in einem durch (relative) Anonymität geschützten Raum – Vernetzung, Interaktion und Kommunikation ermöglicht.“[4]

Allgemein lässt sich die Nutzung der Informationstechnik für extremistische Zwecke in vier grundlegende Punkte unterteilen, dazu zählen: (1) Informationsattacken (Hackerangriffe auf Websites oder Accounts aus sozialen Medien), (2) Attacken auf Infrastrukturen (Zerstörung von Computernetzwerken), (3) die Nutzung des Internets zur Planung, Finanzierung, sowie der Kommunikation und (4) die Verbreitung von Propaganda und Ideologien.[5]

Vor allem die Anonymität und das einfache vernetzen konvergenter Interessen macht das Internet für extremistische Inhalte zu einem idealen Medium. Da es kaum externe Kontrollinstanzen gibt, werden extreme Ansichten unter den Nutzern, des extremistischen Inhalts, schnell normalisiert[6] und zudem intensiviert. Dies ist bei öffentlichen Veranstaltungen nicht gegeben, da es meist eine externe Kontrollinstanz in Form von Gegendemonstranten oder der Presse gibt.

Zwar gibt es Netzwerke wie VOX-Pol oder ICSVE, die sich mit extremistischen Organisationen befassen und „den Einfluss der digitalen Kommunikation auf individuelle und kollektive Radikalisierungsprozesse“[7] analysieren und gegebenenfalls Gegenstrategien entwickeln. Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen ist bisher noch ungeklärt inwiefern das Internet Radikalisierungsprozesse beeinflusst beziehungsweise begünstigt.

In den sozialen Medien Facebook, Twitter, Youtube und Instagram haben die Unternehmen mittlerweile spezielle Abteilungen eingerichtet, die das Netzwerk auf extremistische Inhalte prüfen und selbige sperren. Um dies zumindest für einige Zeit umgehen zu können wird vor allem vom IS versucht normale Accounts zu hacken und über diese dann die Propaganda möglichst schnell zu verbreiten. Dafür werden meist einprägsame Bilder mit prägnanten Überschriften oder kleine Kurzfilme verwendet.

Eben diese illustrative Propaganda soll in der vorliegenden Seminararbeit an Hand eines Beispiels veranschaulicht und mit Hilfe der dokumentarischen Bildanalyse bearbeitet werden.

2. Die dokumentarische Bildanalyse

Die dokumentarische Methode geht auf den Soziologen und Philosophen Karl Mannheim[8] zurück. Karl Mannheim begründete mit Hilfe der Wissenssoziologie eine alternative Erkenntnislogik, welche sich, innerhalb von Seminaren, mit der empirischen Forschung auseinandersetzte.[9] Die methodologischen Texte Mannheims wurden jedoch erst in den 1980er Jahren veröffentlicht.

Weitestgehend wurden die Texte Mannheims von Ralf Bohnsack rezipiert. Dieser entwickelte das zu nächst textbezogene Verfahren zu einer qualitativen Bild- und Videointerpretation weiter. Die Besonderheit dieser Methode ist, dass sowohl die Bild-, als auch die Textinterpretation nach dem selben methodologischen Schema bearbeitet wird und „zugleich an der Eigensinnigkeit des Bildes ausgerichtet ist“[10].

„Ähnlich wie bei der dokumentarischen Textanalyse ist die Unterscheidung zweier Analyseebenen auch für die dokumentarische Bildanalyse zentral: (1) die Ebene des kommunikativ-generalisierten Sinns, das heißt derjenigen Bedeutung, die als explizites Wissen auf der Ebene von Alltags- bzw. Common-Sense-Theorien verfügbar ist und (2) die Ebene des konjunktiven, impliziten Sinns, das heißt dem handlungspraktischen, atheoretischen Wissen, welches bei den Untersuchten zwar wissensmäßig repräsentiert ist, jedoch von ihnen nicht unbedingt theoretisch reflektiert wird bzw. nicht ohne weiteres begrifflich-theoretisch expliziert werden kann.“[11]

Die dokumentarische Bildinterpretation versteht das Bild als ein separates Medium, welches unabhängig von der Sprache funktioniert und den Zugang zu impliziten, atheoretischen, inkorporierten Wissensbeständen ermöglicht.[12]

Aufgrund dieser Vorgehensweise entwickelte Bohnsack ein Verfahren der Bildanalyse, welches sich an den Erkenntnissen der Kunsthistoriker Erwin Panofsky und Max Imdahl orientiert. Bei diesem Verfahren wird die Bildanalyse in zwei Schritte gegliedert, zum einen in die formulierende Interpretation, welche die vor-ikonographische und ikonographische Interpretation beinhaltet. Die vor-ikonographische Interpretation beschreibt lediglich die abgebildeten Objekte auf dem Bild ohne dabei auf den eigenen Wissensbestand zurückzugreifen. In der ikonographischen Interpretation wird wiederum auch auf bestehendes Wissen zurückgegriffen, welches die Abbildungen innerhalb des Bildes vertiefend betrachtet. „Bohnsack verdeutlicht den Unterschied im Rückgriff auf Panofsky am Beispiel der Gebärde des »Hutziehens«, die in der vor-ikonografischen Interpretation als Ziehen eines Huts beschrieben würde, i diesem Schritt nun aber im Rückgriff auf allgemeine kulturelle Wissensbestände als »Gruß« aufgeschlossen werden kann.“[13]

Zum anderen wird die Bildanalyse in die reflektierende Interpretation eingeteilt, welche sich wiederum in die ikonische Interpretation und die ikonologisch-ikonische Interpretation untergliedert. Als ikonische Interpretation wird die Erfassung der Formalstruktur eines Bildes beschrieben und als ikonologisch-ikonische Interpretation die Zusammenführung der gesammelten Ergebnisse der Bildanalyse bezeichnet.

Abschließend wird die Bildanalyse, ähnlich wie die dokumentarische Textanalyse, anhand systematischer Vergleiche bearbeitet.

Bei Textinterpretationen wird eine Sequenzanalyse durchgeführt, während bei der Bildanalyse Kompositionsvariationen angewendet werden, deren „Vergleichshorizonte sowohl empirischer als auch gedankenexperimenteller Art sein können.“[14] In der vorliegenden Seminararbeit wird zunächst das Bild unabhängig von den Textelementen analysiert. Der im Bild enthaltene Text wird an späterer Stelle in Abschnitt 3. „Sequenzanalyse der Textelemente“ ebenfalls einer ausführlichen Analyse unterzogen.

3. GET UP AND GO: Eine Bildanalyse zu extremistischer Propaganda

Auswahl des Bildes

Das Bild, welches im Rahmen dieser Hausarbeit analysiert wird, stammt von der Webpräsenz des ICSVE. Diese Organisation bestehend aus Experten zum Thema Terrorismus und Gewaltextremismus behandelt unter anderem auch Propagandabilder des IS, welche laut Angaben der Organisation in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die originalen Beiträge des betreffenden Bildes sind, wie in der Einleitung dieser Hausarbeit schon beschrieben, meist schon gelöscht oder schon nach kurzer Zeit nicht mehr abrufbar. Die Ersteller des Bildes sind vermutlich Rayat Al-Tawheed, da diese auf dem Bild als Urheber gekennzeichnet sind. Auf der eigenen Webpräsenz von Rayat Al-Tawheed ist das Bild dieser Seminararbeit leider nicht hochgeladen, vom Schema ähneln die dort veröffentlichten Bilder jedoch sehr dem zu analysierenden Bild. Die Organisation TRAC beschreibt Rayat Al-Tawheed, auch Banner of God genannt, als eine aktive Gruppe innerhalb Großbritaniens die als Redensführer, für britische IS-Kämpfer fungieren. Außerdem soll, laut TRAC, Rayat Al-Tawheed versuchen britische Bürger für den IS zu gewinnen und für extremistische Propaganda in verschiedenen sozialen Netzwerken und Foren verantwortlich sein.

(Quelle: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2552626/Fanatics-Syria-vow-bring-terror-UK-Terrorists-vow-attack-public-transport-financial-centres.html)

Formulierende Interpretation

Vor-ikonographische Interpretation

Zum Bildvordergrund:

Der gesamte Bildvordergrund ist in einem schwarz-weiß Ton gehalten.

Im unteren Bilddrittel ist eine Hand zu sehen, die eine Schusswaffe fest umgreift. Die Hand umfasst den nach oben gerichteten Waffenlauf von hinten, so dass die Finger sichtbar sind, jedoch nicht der Handrücken. Daumen und Zeigefinger berühren sich dabei. Der linke Teil des Waffenlaufs, sowie der linke Abschnitt der Hand die den Gewährlauf umgreift sind etwas heller hervorgehoben. Die Waffe ist leicht zum Träger hingezogen und verläuft somit nicht exakt senkrecht nach oben. Während der Waffenlauf zentral im Bild zu sehen ist, ist von der Person am rechten Bildrand nur ein Teil einer geöffneten dunklen, wahrscheinlich schwarzen, Sweatshirtjacke zu erkennen. Jene Person sitzt vor einem großen Fenster, welches von einer Zierleiste umrahmt und mit einer Gummidichtung versehen ist. Ebenfalls etwas heller, ähnlich wie die Hand und der Waffenlauf, ist die untere Zierleiste des Fensters dargestellt. Das Fenster erstreckt sich ab dem unteren Bilddrittel bis kurz vor den oberen und linken Bildrand und läuft zum rechten Bildrand hin aus. Außerdem sind drei zusammenhängende Textzüge im Bildvordergrund zu erkennen. In der oberen rechten Ecke des Bildes ist ein arabischer Schriftzug zu erkennen. Der Schriftzug ist weiß und auf einem schwarzen Rahmen geschrieben, welcher zur Bildmitte hin immer transparenter wird. Ein weiteres Textelement beginnt im oberen Bilddrittel, direkt oberhalb der Spitze der Waffe. Auch dieses Textelement ist auf einem schwarzen Rahmen verfasst, dieser ist jedoch durchgängig transparent und verdeckt somit kaum die Objekte im Bildhintergrund. Auf dem Rahmen sind zwei Textzeilen in unterschiedlicher Größe, Schriftart und Farbe zu erkennen. Die erste Zeile enthält den Textzug „SOMETIMES YOU JUST GOT“, in Kapitalschrift und weißer Farbe. In der zweiten Zeile ist der Text „TO GET UP AND GO“ deutlich größer und breiter geschrieben als der Text in der ersten Zeile. Farblich wurde ein Silber bis Grauton verwendet. Die einzelnen Buchstaben wirken auf den Betrachter dreidimensional, da sie einen Schatten werfen. In der linken unteren Ecke ist das dritte Textelement zu finden. Dort stehen in weißer Schrift, auf einem rechteckigen schwarz gefüllten Rahmen und nach einem weißen Copyright Symbol „©“ die drei Worte „Rayat Al-Tawheed“. Bis auf die Textelemente sind Farben im Bildvordergrund, aufgrund der schwarz-weiß Gestaltung, nicht zu definieren. Als Betrachter des Bildes kann man lediglich feststellen, ob es sich um einen hellen oder dunklen Farbton handelt. Im Bildvordergrund werden ausschließlich dunkle Farbtöne verwendet, die jedoch, wie schon beschrieben, stellenweise durch eine Lichtquelle akzentuiert werden und somit kleinflächig heller erscheinen.

[...]


[1] Vgl. Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S.1.

[2] Vgl. https://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af-islamismus-und-islamistischer-terrorismus/was-ist-islamismus/salafistische-bestrebungen (Stand: 05.09.2017)

[3] http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/Sicherheit/Extremismusbekaempfung/Islamismus-Salafismus/islamismus-salafismus_node.html (Stand: 05.09.2017)

[4] Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse.

[5] Vgl. Logvinov M., 2017: Salafismus, Radikalisierung und terroristische Gewalt. Wiesbaden: Springer VS. S.85

[6] Vgl. Neumann P. R., 2017: Der Terror ist unter uns. Dschihadismus und Radikalisierung in Europa. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

[7] Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S.2.

[8] Karl Mannheim lebte von 1893 – 1947; Soziologe und Philosoph

[9] Vgl. Przyborski, A. / Wohlrab-Sahr, M., 2014: Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. 4. Auflage. München: Oldenbourg. S. 277.

[10] Przyborski, A. / Wohlrab-Sahr, M., 2014: Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. 4. Auflage. München: Oldenbourg. S. 337.

[11] Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S. 4. Vgl. auch: Bohnsack, R., 2011: Qualitative Bild- und Videointerpretation. 2. Aufl. Opladen / Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich. S. 15.

[12] Vgl. Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S. 4.

[13] Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S. 5.

[14] Jukschat N. / Kudlacek D., 2017: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Zum Potenzial rekonstruktiver Bildanalysen für die Erforschung von Online-Radikalisierung – eine exemplarische Analyse. S. 5. Vgl. auch: Bohnsack, R., 2007a: Die dokumentarische Methode in der Bild- und Fotointerpretation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 79 ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668786202
ISBN (Buch)
9783668786219
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437398
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Schlagworte
salafistische propaganda internet

Autor

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Titel: Salafistische Propaganda im Internet