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Radon: Risikokommunikation und Risikowahrnehmung. So wird die Radonthematik in der Öffentlichkeit präsentiert und aufgefasst

Studienarbeit 2018 49 Seiten

Organisation und Verwaltung - Katastrophenschutz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Radon
2.1 Allgemeiner Überblick
2.2 Gefahren durch Radon

3 Rechtliche Grundlagen
3.1 Richtlinien zur Radonthematik in Deutschland
3.1.1 Radonmaßnahmenplan
3.1.2 Referenzwert für Radon
3.2 Richtlinien und Standards zum Thema Radon in anderen Ländern
3.2.1 Europäische Länder
3.2.2 USA
3.2.3 Australien

4 Risikokommunikation
4.1 Ziele und Schwierigkeiten bei der Risikokommunikation
4.2 Risikokommunikation zur Radonthematik

5 Betrachtete Institutionen und deren Kommunikationsstrategien
5.1 Weltgesundheitsorganisation (WHO)
5.2 Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP)
5.3 Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
5.4 Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
5.5 United States Environmental Protection Agency (US EPA)
5.6 Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency (ARPANSA)

6 Vergleich der Kommunikationsstrategien

7 Resultierende Radon-Risikowahrnehmung und Gründe für Unterschiede

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Uran-Radium-Zerfallsreihe [1]

Abbildung 2: Relatives Lungenkrebsrisiko in Abhängigkeit der gemessenen Radonkonzentration [4]

Abbildung 3: Fundament der Risikokommunikation [14]

Abbildung 4: Komponenten der Risikokommunikation [BQ1]

Abbildung 5: Karte Deutschlands zur Radonkonzentration in der Bodenluft in 1 m Meter Tiefe [BQ2]

Abbildung 6: Auszug aus „Radon – ein kaum wahrgenommenes Risiko“ (BfS) [17]

Abbildung 7: Erwartungswerte der Radonkonzentration im Bundesland Sachsen [BQ3]

Abbildung 8: EPA Map of Radon Zones [22]

Abbildung 9: Auszug aus dem Datenblatt „Basic Radon Facts“ der US EPA [24]

Abbildung 10: Geschätzte Haushaltsanzahl in den USA mit bzw. ohne Radonschutzsystem [25]

Abbildung 11: Radon Map of Australia [27]

Abbildung 12: Radon-Gesamtsituation in den einzelnen Nationen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auflistung der betrachteten Institutionen

Tabelle 2: Definition der einzelnen Radon-Zonen der EPA Map

Tabelle 3: Prioritätsstrategien im „National Radon Action Plan“ [31]

Tabelle 4: Vergleich von einzelnen Strategiekomponenten der nationalen/regionalen Institutionen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Am 12. Mai 2017 wurde in Deutschland das neue StrlSchG vom Bundesrat verabschiedet. Die Neuregelung, die ab dem 01. Oktober 2017 in Kraft tritt, geht auf die EU-Richtlinie 2013/59/Euratom zurück und fasst Vorgaben aus StrlSchV, RöV und StrVG zusammen. Das neue StrlSchG umfasst neben Maßnahmen zur besseren Vorsorge für den Notfall und dem umfassenden Schutz vor schädlicher Strahlung in der Medizin, auch Neuerungen zum Schutz vor Radon. Diverse Aspekte zum Schutz vor Radon sind dafür in einem eigenständigen Kapitel zusammengefasst worden. Dieses Kapitel beinhaltet unter anderem einen auferlegten Radonreferenzwert sowie Festlegungen zur Erstellung eines Radonmaßnahmenplans.

Ein Teil dieses Radonmaßnahmenplans sieht vor, Kommunikationsstrategien zu entwickeln, mit deren Hilfe das öffentliche Bewusstsein über die bestehenden Risiken im Zusammenhang mit dem Edelgas Radon geschärft werden soll. Ausgehend vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erfolgt die Bekanntmachung des Radonmaßnahmenplans. In Zusammenarbeit mit den Ländern, also mithilfe von Strahlenschutzbehörden und Gesundheitsorganisationen soll dieser Plan regelmäßig aktualisiert werden.

Da die Kommunikationsstrategien einzelner nationaler und internationaler Strahlenschutzbehörden und Gesundheitsorganisationen zum Thema Radon sich je nach Lokalität und Zuständigkeitsbereich unterscheiden, sollen einige dieser Kommunikationsstrategien im Rahmen dieser Studienarbeit recherchiert und dokumentiert werden. Eine anschließende Gegenüberstellung der erzielten Erkenntnisse im nationalen bzw. internationalen Vergleich soll diese überschaubar und transparent darstellen. Abschließend soll auch die daraus resultierende Radon-Risikowahrnehmung in der Öffentlichkeit bestimmt sowie mögliche Gründe für etwaige Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen bezüglich der Radon-Risikowahrnehmung diskutiert werden.

2 Radon

2.1 Allgemeiner Überblick

Bei Radon handelt es sich um ein radioaktives Edelgas, das sich wie alle Edelgase in der achten Hauptgruppe des Periodensystems der Elemente befindet, jedoch im Gegensatz zu den leichteren Edelgasen keine stabilen Isotope besitzt. Das langlebigste und auf der Erde größtenteils vorkommende Isotop Rn-222 hat eine Halbwertszeit von 3,825 Tagen entsteht als Zwischenprodukt in der Zerfallsreihe des primordialen U-238. Die nachfolgende Abbildung 1 veranschaulicht die Entstehung von Rn-222 in der Uran-Radium-Zerfallsreihe:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Uran-Radium-Zerfallsreihe [1]

Rn-222 entsteht unmittelbar aus einem α-Zerfall des Ra-226 und zerfällt wiederrum unter Aussendung eines α-Teilchens zu Po-218. Andere erwähnenswerte, natürlich vorkommende Isotope sind Rn-219 bzw. Rn-220. Unter anderem aufgrund deren geringen Halbwertszeiten von einigen Sekunden bzw. unter einer Minute machen diese jedoch einen geringen Anteil im Isotopenverhältnis aus. Radon wird im Erdreich gebildet und liegt vermehrt in Gebieten mit höheren Uran- bzw. Thoriumvorkommen vor. Aus den obersten Bodenschichten diffundiert das Radon als gasförmiges Zwischenprodukt der Zerfallsreihen in die Umgebung.

2.2 Gefahren durch Radon

In der freien Atmosphäre bildet Radon zwar den kleinsten Bestandteil, dennoch herrschen in Gebieten mit hohen Uranvorkommen folglich auch relativ hohe Radonaktivitätskonzentrationen in der Außenluft. Die mittleren Radonaktivitätskonzentrationen in der Außenluft beziffern sich für Deutschland auf 3 – 40 Bq/m³. Da Radon aus dem Boden auch in bodennahe Wohnräume diffundiert, können hier sehr viel höhere Aktivitätskonzentrationen erreicht werden. Der mittlere Wert für die Radonaktivitätskonzentration in deutschen Wohnräumen liegt bei 50 Bq/m³. [2] Dieser Wert schwankt jedoch, da in schlecht isolierten und unzureichend belüfteten Wohnräumen in Bodennähe auch sehr viel höhere Konzentrationen (bis zu über 100000 Bq/m³) erreicht werden können.

Als natürlich vorkommender Bestandteil der Luft gelangt das gasförmige Radon vor allem über die Atemwege in den menschlichen Körper. Im Gegensatz zu seinen kurzlebigen Zerfallsprodukten geht vom Radon selbst eine eher weniger große Gesundheitsgefährdung aus, da der größte Teil des eingeatmeten Radons aufgrund seiner Edelgaseigenschaften und der Halbwertszeit von 3,825 Tagen wieder ausgeatmet wird. [3] Die kurzlebigen Zerfallsprodukte, die infolge des Radonzerfalls entstehen, stellen die höhere Gesundheitsgefahr dar. Isotope der Elemente Polonium, Blei und Bismut, die infolge des Radonzerfalls entstehen, besitzen teilweise sehr geringe Halbwertszeiten (siehe Abbildung 1) und lagern sich an Aerosole oder Staubteilchen in der Luft an. Durch Inhalation gelangen diese in den menschlichen Körper, wo die emittierten α-Teilchen vor allem in der Lunge Zellschädigungen hervorrufen können.

Die im Jahr 2005 veröffentlichte europäische Pooling-Studie zur Radonthematik bestätigte, dass das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken mit zunehmender mittlerer Radonkonzentration deutlich ansteigt. [4] In der nachfolgenden

Abbildung 2 ist der Anstieg des relativen Risikos an Lungenkrebs zu erkranken, in Abhängigkeit von der gemessenen Radonkonzentration dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Relatives Lungenkrebsrisiko in Abhängigkeit der gemessenen Radonkonzentration [4]

Das erhöhte Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, ist epidemiologischen Studien zufolge die einzige erwiesene gesundheitliche Auswirkung, die von Radon ausgeht. Ein Nachweis anderer gesundheitlicher Auswirkungen wurde bisher nicht erbracht. [5] (Seite 3 der Quelle)

3 Rechtliche Grundlagen

3.1 Richtlinien zur Radonthematik in Deutschland

Bis zur Inkraftsetzung des StrlSchG gab es nur in der Trinkwasserverordnung [6] und in den in Anlage XI Teil A der StrlSchV genannten Arbeitsfeldern rechtliche Bestimmungen zum Thema Radon. Um nachvollziehen zu können, welche Neuregelungen zum Schutz vor Radon im StrlSchG vorgeschrieben sind, werden diese rechtlichen Grundlagen zunächst genauer betrachtet. Im StrlSchG wurden die Festlegungen bzw. Neuerungen zum Umgang mit dem Edelgas Radon in Kapitel 2 „Schutz vor Radon“ zusammengefasst.

3.1.1 Radonmaßnahmenplan

Die gemeinsamen Vorschriften im ersten Abschnitt von Kapitel 2 des StrlSchG umfassen die §§ 121 – 123. Unter § 122 StrlSchG sind die Regelungen zum Radonmaßnahmenplan festgeschrieben. Ausgehend vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und in Zusammenarbeit mit den Ländern wird zunächst ein Radonmaßnahmenplan erstellt. Im selbigen Paragraphen sind zudem Ziele definiert worden, die mithilfe des Radonmaßnahmenplans erreicht werden sollen:

„Er […] enthält Ziele für die Bewältigung der langfristigen Risiken der Exposition durch Radon in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen in Innenräumen hinsichtlich sämtlicher Quellen, aus denen Radon zutritt, sei es aus dem Boden, aus Bauprodukten oder aus dem Wasser.“ (§ 122 Abs. 1 StrlSchG)

Der Radonmaßnahmenplan sieht demnach vor, die langfristigen Risiken, die durch erhöhte Radonkonzentrationen in Aufenthaltsräumen und Arbeitsplätzen einhergehen, zu minimieren. Hierfür ist die Konkretisierung von Maßnahmen notwendig, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Austausch mit den Ländern erläutert werden. Neben Festlegungen zur Bekanntmachung und der regelmäßigen Aktualisierung des Radonmaßnahmenplans (siehe § 122 Abs. 2 und 3 StrlSchG) sind in einem weiteren Absatz die Pflichten vonseiten der zuständigen Behörde niedergeschrieben:

„Die zuständige Behörde entwickelt für ihren Zuständigkeitsbereich an die jeweiligen Bedingungen angepasste Strategien zum Umgang mit langfristigen Risiken der Exposition durch Radon. Sie berücksichtigt dabei den Radonmaßnahmenplan. Sie erhebt die erforderlichen Daten.“ (§ 122 Abs. 4 StrlSchG)

Die jeweils zuständige Behörde ist demnach für die Entwicklung von individuell angepassten Strategien verantwortlich, die zur Schärfung der Risikowahrnehmung in Bezug auf das natürlich vorkommende Edelgas Radon dienen. Eine Anpassung der Strategie ist unter anderem hinsichtlich der variierenden Radonkonzentration in der Bodenluft in Deutschland sinnvoll. Einige Regionen in Deutschland besitzen (im regionalen Maßstab betrachtet) höhere Konzentrationen an Radon in der Bodenluft als die meisten anderen Regionen Deutschlands. [7]

3.1.2 Referenzwert für Radon

Zusätzlich zum Radonmaßnahmenplan wurde auch ein Referenzwert für die Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft von Aufenthaltsräumen und Arbeitsplätzen in Innenräumen festgelegt. Die beiden §§ 124 und 126 StrlSchG definieren diesen Referenzwert auf 300 Bq/m³, wobei sich dieser Wert auf die über das Jahr gemittelte Aktivitätskonzentration von Radon-222 in der Luft in Aufenthaltsräumen bzw. an Arbeitsplätzen bezieht. Die Einführung eines solchen Referenzwertes für die Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft ist hinsichtlich der Gesetzgebung in anderen Ländern (z.B. in den USA) zwar kein Novum. Dennoch gibt es Diskussionen darüber, ob die Festlegung auf einen Referenzwert von 300 Bq/m³ zu hoch angesetzt ist. Aus den Ergebnissen der sogenannten „Darby-Studie“ lässt sich ableiten, dass für die gesundheitsschädliche Wirkung von Radon kein Schwellenwert existiert. [8] Hinzu kommt, dass mit steigender Radonexposition das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, signifikant (um etwa 8% je 100 Bq/m³) ansteigt. Um die gesundheitlichen Risiken so gering wie möglich zu halten, empfiehlt die WHO bezüglich der Radonaktivitätskonzentration in Wohnräumen einen Richtwert von 100 Bq/m³ einzuhalten. [5] Trotz dieser Empfehlung der WHO wurde im Bundestag eine Einigung auf einen Referenzwert von 300 Bq/m³ für die Rn-222 Aktivitätskonzentration in Aufenthaltsräumen bzw. Arbeitsplätzen in Innenräumen beschlossen.

3.2 Richtlinien und Standards zum Thema Radon in anderen Ländern

Anders als in Deutschland wurde in anderen Ländern teilweise schon früher auf die Gefahren, die durch die Exposition von Radon entstehen, im Rahmen der Gesetzgebung reagiert. Im internationalen Vergleich ist deshalb die Einigung auf einen empfohlenen Referenzwert bezüglich der vorherrschenden Radonaktivitätskonzentration in der Raumluft keine Seltenheit. Bezüglich der Höhe eines solchen Referenzwertes gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Unter anderem deswegen lohnt sich eine Betrachtung der Radonthematik in Ländern, in denen ein Referenzwert für die Radonaktivitätskonzentration in Innenräumen bereits existiert. Nachfolgend werden Informationen zur Radonthematik (insbesondere geltende Referenzwerte) in weiteren Industrieländern dokumentiert.

3.2.1 Europäische Länder

Das Bestehen der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom bindet die Mitgliedsstaaten der EU atomrechtlich an den Euratom-Vertrag. Neben Deutschland sind auch die weiteren 26 Mitgliedsstaaten der EU hierdurch verpflichtet, in Kraft tretende Richtlinien, die von der Euratom veröffentlicht werden, zu erfüllen bzw. diese in nationales Recht umzusetzen. Im Zuge der Umsetzung der Richtlinie 2013/59/Euratom wurden unter anderem die Bestimmungen zum Schutz vor natürlicher Radioaktivität neu geregelt. [9] Angesichts der Gefahren, die durch Expositionen von Radon auftreten, sind die Vertragspartner aufgefordert worden, national geltende Referenzwerte für die Radonaktivitätskonzentration in Innenräumen festzulegen und diese in nationales Recht umzusetzen. Der festgelegte Referenzwert darf jedoch nicht die Schwelle von 300 Bq/m³ überschreiten. [10] Zusätzlich sind Maßnahmen zum Schutz vor Radon zu treffen, die beispielsweise in einem Radonmaßnahmenplan auszuführen sind. Bis zum 06. Februar 2018 bleibt den Vertragsmitgliedern Zeit, Referenzwerte und Maßnahmen zur Radonthematik zu realisieren. Die Strahlenschutzbehörden einiger Europäischer Staaten (Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island) gaben bereits im Jahr 2009 Empfehlungen bezüglich eines Referenzwertes von 200 Bq/m³ für die Aktivitätskonzentration von Radon in Wohnräumen heraus. Andere Länder wie beispielsweise Frankreich und Österreich haben diesbezüglich schon seit längerer Zeit festgelegte Referenzwerte in ihren Richtlinien für Radon. Die Referenzwerte liegen zwischen 200 – 400 Bq/m³ (abhängig vom Baujahr des Gebäudes) und beziehen sich auf die Empfehlungen der Europäischen Kommission aus dem Jahr 1990. [11] Um die geforderten 300 Bq/m³ aus der Richtlinie 2013/59/Euratom einzuhalten, müssen auch diese Referenzwerte in naher Zukunft aktualisiert werden. Da sich die Richtlinie 2013/59/Euratom nur auf die Mitgliedsstaaten der EU bezieht, lohnt sich ein Blick auf den Umgang mit Radonwerten in Ländern außerhalb Europas.

3.2.2 USA

In den Vereinigten Staaten von Amerika bildet der Kongress die Legislative. Diese setzte im Rahmen des „Radon Act 51“ den empfohlenen Referenzwert für die Radonaktivitätskonzentration in Innenräumen auf 4 picocurie pro Liter (pCi/L). Umgerechnet entspricht dies einer Aktivitätskonzentration von 148 Bq/m³. Die unabhängige Umweltschutzbehörde US EPA (United States Environmental Protection Agency) hatte diesbezüglich die Aufgabe praktische Richtlinien und Empfehlungen festzulegen. [12]

3.2.3 Australien

In Australien beschäftigt sich die staatliche Institution ARPANSA (Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency) mit der Radonthematik. Zwar ist die Radonexposition in Australien etwa um das Vierfache geringer als im weltweiten Durchschnitt, dennoch existieren auch hier Empfehlungen für die Radonaktivitätskonzentration in Haushalten und an Arbeitsplätzen. Für Haushalte beträgt der empfohlene Referenzwert, der nicht überschritten werden sollte, für die Aktivitätskonzentration von Radon 200 Bq/m³ und für Arbeitsplätze beträgt dieser Wert 1000 Bq/m³. [13]

4 Risikokommunikation

Nachdem ein Überblick über die Gesetze bzw. Richtlinien in Deutschland und in anderen Industriestaaten geschaffen wurde, sollen nun Informationen zur Risikokommunikation zusammengetragen werden. Hierfür findet zunächst eine Betrachtung der allgemeinen Ziele und Schwierigkeiten bei der Risikokommunikation statt. Mithilfe dieser Informationen lassen sich Prinzipien, die bei der Risikokommunikation allgemein eine Rolle spielen, auch auf die Radonthematik übertragen.

4.1 Ziele und Schwierigkeiten bei der Risikokommunikation

Der Begriff Risikokommunikation bezeichnet sehr vereinfacht ausgedrückt den Informationsaustausch über Risiken. Da es sich beim Begriff Risikokommunikation um einen sehr komplexen Sachverhalt handelt, steht einleitend die Zweckmäßigkeit dieses Begriffes im Vordergrund. Im Jahr 2000 wurde der Zweck der Risikokommunikation vom Verein Deutscher Ingenieure wie folgt definiert:

„Risikokommunikation dient der Erörterung von Risiken, der sachorientierten und fairen Auseinandersetzung über Differenzen bei der Risikobewertung sowie der Findung von Lösungen bei Konflikten über Risiken.“ [14]

Um Informationen bezüglich der Risiken, die einer Behörde oder einem Unternehmen vorliegen, auch effektiv übermitteln zu können, bedarf es mehr als nur die Informationen selbst.

Die nachfolgende Abbildung 3 veranschaulicht, welche fundamentalen Bausteine notwendig sind, um eine Risikokommunikation erfolgreich zu gestalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Fundament der Risikokommunikation [14]

Risikokommunikation basiert demnach auf der Beziehungsqualität zwischen den Beteiligten, dem Informationsdesign, das beispielsweise von einer Behörde entworfen wird und der Dialoggestaltung, die zwischen den Beteiligten stattfindet. Je nachdem, um welches Risiko es sich handelt bzw. welche Zielgruppe auf das Risiko aufmerksam gemacht werden soll, unterscheiden sich Strategien zur effektiven Informationsvermittlung von Risiken. Die Bekanntmachung von Risiken und die damit einhergehenden Maßnahmen, die getroffen werden, erfordern prinzipiell auch immer eine Möglichkeit für den Dialog mit beteiligten Akteuren (Dialoggestaltung). Sobald es um Themen geht, die die breite Öffentlichkeit betreffen, weitet sich ein solcher Dialog auf die Bevölkerung eines ganzen Landes oder auch auf die gesamte Weltbevölkerung aus. Um Risiken besser verdeutlichen zu können, sind geeignete Risikovergleiche möglich. Risikovergleiche, die beispielsweise die Zahl der durch Radon verursachten Krebserkrankungen mit der Zahl an Krebserkrankungen, die durch das Rauchen von Zigaretten verursacht werden, gegenüberstellen, vereinfachen im Allgemeinen die Risikodarstellung (Informationsdesign).

Bevor die Kommunikationsstrategien einzelner Institutionen zur Radonthematik im weiteren Verlauf dieser Studienarbeit dokumentiert werden, werden zuvor Informationen zu bestehenden Schwierigkeiten bezüglich der Risikokommunikation zum Thema Radon aufgezeigt. Dieser Überblick dient einerseits der vereinfachten Einschätzung der hierauf folgenden Dokumentation von Radon-Kommunikations-Strategien der betrachteten Institutionen. Andererseits können hierdurch einzelne Strategiekomponenten besser eingeordnet und gegebenenfalls auch deren Eignung in Frage gestellt werden.

4.2 Risikokommunikation zur Radonthematik

Viele Institutionen beschäftigen sich national und/oder international in Form von Gesundheitsorganisationen und Strahlenschutzbehörden mit der Radonthematik. Die Institutionen sind unter anderem aus Interesse an geringeren Radonexpositionen für die Bevölkerung und der damit verbundenen Gesundheitsverbesserung jedes Einzelnen an einer Risikokommunikation zur Radonthematik interessiert.

Eine generell erfolgreich funktionierende Radon-Kommunikations-Strategie basiert zum einen auf der Beziehungsqualität und der Dialoggestaltung zwischen Institution und Bevölkerung sowie dem Informationsdesign, das die Institutionen der Bevölkerung präsentiert (siehe Kapitel 4.1). Insbesondere beim Thema Radon kommt es umso mehr auf die Umsetzung einzelner Komponenten an. In der nachfolgenden Abbildung 4 sind diese Komponenten in Abhängigkeit voneinande

Abbildung 4: Komponenten der Risikokommunikation [BQ1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Risikowahrnehmung, Risikobewertung und Risikomanagement stehen in permanenter Beziehung zueinander und werden durch die Kommunikation untereinander beeinflusst. Als beteiligter Akteur spiegelt die Bevölkerung die Wahrnehmung des Risikos in Form von Besorgnissen und Meinungen in der Öffentlichkeit wieder. Damit die vom Edelgas Radon ausgehenden Gefahren jedoch von der Bevölkerung wahrgenommen bzw. eingestuft werden können, muss hierzu eine Risikobewertung vorliegen. Das Risiko, das von Radon ausgeht, wird auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und von zuständigen Behörden, Organisationen oder Ämtern bewertet. Seit dem Jahr 2005 liegen hierzu Erkenntnisse aus der europäischen und der nordamerikanischen Pooling-Studie vor, die genauere Risikoabschätzungen aufgrund der Größe der durchgeführten Studien ermöglichen. [4] Unmittelbar durch die Bewertung des Risikos wird das Risikomanagement beeinflusst. Mithilfe von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien oder Empfehlungen regeln staatliche Stellen das vom Radon ausgehende Risiko, was wiederum Folgen für die Risikowahrnehmung in der Öffentlichkeit hat. Eine effiziente Kommunikation beim Thema Radon stellt sich als komplex heraus. Das natürlich vorkommende Edelgas diffundiert aus dem Erdboden und kann sich so in der Raumluft schlecht isolierter Gebäude (insbesondere in erdbodennahen Räumen) schnell anreichern. Das vom Radon ausgehende Risiko gliedert sich unter anderem deswegen in eine Kategorie von Risiken ein, die für die Öffentlichkeit unterschiedliche Verständnisweisen bzw. Missverständnisse zulässt. Selbst mithilfe von Messgeräten, die die Radonaktivitätskonzentration in Innenräumen bestimmen, ist eine Einordnung der Gefahr aus Sicht von Personen, die unzureichende Kenntnisse zum Thema Radon besitzen, sehr begrenzt möglich. Auch wenn viele Menschen mangels ausreichender Kenntnisse dazu tendieren, sich vor ionisierender Strahlung zu fürchten, ist die Gefahr, die vom Radon ausgeht, nicht auf Anhieb erkennbar. Funktionäre aus New Jersey waren aus besagtem Grund sogar besorgt, dass eine Veröffentlichung über die Radonvorkommen in der Reading Prong Gegend eine öffentliche Panik zur Folge hätte. [15]

Eine effiziente Risikokommunikation zur Radonthematik umfasst die Maßnahme einen möglichst hohen Teil der Bevölkerung anzusprechen. Die Risiken, die von Radon ausgehen, müssen für die Bevölkerung verständlich und unkompliziert wahrgenommen werden. Geltende Referenzwerte für die Radonaktivitätskonzentration in Innenräumen bzw. an Arbeitsplätzen allein reichen hierfür nicht aus. Verschiedene nationale Strahlenschutz- und Gesundheitsorganisationen müssen deswegen dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit ausreichend über die vom Radon einhergehenden Gefahren informiert wird. Unter anderem in Deutschland sollen (je nach Region bzw. Radonvorkommen) angepasste Radonmaßnahmenpläne helfen, die Bevölkerung über die Gefahren, die durch Radonexpositionen entstehen, aufzuklären.

Um herauszufinden auf welche Weise die hierfür zuständigen Institutionen diese Aufgabe bewältigen, werden im folgenden Kapitel die Kommunikationsstrategien ausgewählter Institutionen genauer betrachtet.

5 Betrachtete Institutionen und deren Kommunikationsstrategien

Um einen Überblick zu gewähren, welche Institutionen bei der Betrachtung der einzelnen Kommunikationsstrategien zur Radonthematik genauer betrachtet werden, sind diese in Tabelle 1 aufgelistet:

Tabelle 1: Auflistung der betrachteten Institutionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Radon-Kommunikationsstrategie der weltweit aktiven Gesundheitsorganisation WHO wird unter anderem aufgrund der großen Bekanntheit der Organisation in der Weltbevölkerung betrachtet. Als weitere, weltweit aktive Institution wird auch die ICRP im Hinblick auf Empfehlungen und Veröffentlichungen zum Thema Radon betrachtet. Da sich der Zuständigkeitsbereich beider Institutionen (WHO und ICRU) nicht auf nationale oder regionale Grenzen beschränkt, können nicht nur die publizierten Empfehlungen, sondern auch die Sichtweisen dahinter verglichen werden. Hinzu kommen Recherchen zu den Strategien der beiden deutschen Institutionen BfS (bundesweit tätig) und SMUL (in Sachsen tätig). Das BfS als bundesweit tätige Strahlenschutzinstitution beschäftigt sich intensiv mit der Veröffentlichung von Schutzmaßnahmen vor Gefahren durch Radon. Neben dem BfS beschäftigen sich auch vom hohen geogenen Radonpotenzial betroffene Bundesländer wie Sachsen ausführlich mit der Radonthematik. Das dort zuständige SMUL mit seiner Kommunikationsstrategie soll aus diesem Grund beispielhaft als Landesbehörde betrachtet werden. In Kapitel 3 wurden bereits die geltenden Richtlinien zum Thema Radon in den Ländern USA und Australien dokumentiert. Eine Radon-Strategiebetrachtung der jeweils national zuständigen Institutionen lohnt sich nicht nur hinsichtlich der Tatsachen, dass es sich dabei um hochentwickelte Industrienationen handelt und ausreichend verfügbare Informationen vorhanden sind, sondern auch, weil hierdurch beiläufig interkontinentale Strategieunterschiede transparent gestaltet werden können.

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Details

Seiten
49
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668798250
ISBN (Buch)
9783668798267
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437471
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, früher: Berufsakademie Karlsruhe – Karlsruher Institut für Technologie
Note
1,5
Schlagworte
Strahlenschutz Radon Risikokommunikation Risikowahrnehmung

Autor

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Titel: Radon: Risikokommunikation und Risikowahrnehmung. So wird die Radonthematik in der Öffentlichkeit präsentiert und aufgefasst