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Kryptowährungen als Wertspeicher. Welche Möglichkeiten bietet Bitcoin in stark inflationären Regionen?

Studienarbeit 2018 17 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Bitcoin
2.1 Aufbau des Bitcoin-Netzwerks und Entstehung des Bitcoins
2.2 Umgang und Nutzen des Bitcoins

3 Grundfunktionen des Geldes
3.1 Anforderungen an Geld
3.2 Risiken einer Inflation

4 Bitcoin als Parallelwährung
4.1 Handhabung des Bitcoins als Tauschmittel
4.1.1 Zugang und Speicherung
4.1.2 Transaktionskosten
4.1.3 Sicherheit und Zuverlässigkeit
4.2 Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel

5 Fazit

6 Literatur

Internetverzeichnis

1 Einleitung

„Tulpenmanie“1 oder „die größte Blase aller Zeiten“2, dies sind nur einige Schlagzeilen, die in letzter Zeit im Zuge des Preisanstiegs von Kryptowährungen, insbesondere die des Bitcoins, gefallen sind. Ob es sich hierbei wirklich um eine Blase oder eine disruptive Zukunftstechnologie handelt, ist im Moment wohl eines der am heißest diskutierten Themen schlechthin und wird als solches auch von bekannten Börsen- und Finanzexperten wie Warren Buffet3 oder Dirk Müller4 thematisiert. Von seinen Fans wird der Bitcoin als das neue digitale Zahlungsmittel gefeiert. Der Bitcoin ist ein „Peer-to-Peer Electronic Cash System“, welches von dem Pseudonym Satoshi Nakamoto 2008 veröffentlicht wurde. Praktisch bedeutet das, dass hier ein Transaktionssystem erschaffen wurde, in dem es ohne Hilfe von Dritten möglich ist, digitale Werte zu versenden, sprich Zahlungen zu tätigen (Vgl. 2.1). Als digitaler Wert wird hier der Bitcoin verwendet, der somit die digitale Währung in diesem System darstellt.5

Doch kann Bitcoin den Erwartungen der Kryptofans als digitale Währungsrevolution gerecht werden? Im Rahmen dieser Arbeit soll der Fokus insbesondere auf der Verwendung des Bitcoins als mögliches Zahlungsmittel in stark inflationären Regionen liegen. Dafür soll zunächst ein kurzer Überblick über den Aufbau des Bitcoins gegeben und dessen Eigenschaften mit denen von etablierten Währungen verglichen werden. Im Anschluss soll geklärt werden, inwiefern seine Eigenschaften es Nutzern ermöglicht, die Folgen einer starken Inflation abzumildern.

2 Der Bitcoin

2.1 Aufbau des Bitcoin-Netzwerks und Entstehung des Bitcoins

Um den Bitcoin zu verstehen, muss zunächst einmal klar werden, dass es sich hier nicht nur um eine reine Währung wie den Euro oder Dollar handelt. Das Besondere an diesem Transaktionssystem (vgl. Einleitung) stellt die Dezentralität seines Netzwerks dar. Im Vergleich zu Transaktionen in Euro wird bei Bitcoin-Transaktionen kein Intermediär, in der Regel eine Bank, benötigt. Das Bitcoin-Netzwerk besteht ausschließlich aus Nutzern, die sich mithilfe eines Bitcoin-Clients, also einer Software, untereinander vernetzen können. Als Transaktionsmittel kommt nun der eigentliche Bitcoin ins Spiel, der an dieser Stelle als digitale Währung verwendet wird. Möchten Nutzer also einen Bitcoin transferieren, sprich eine Zahlung tätigen, können sie die Transaktion innerhalb des Netzwerks durchführen, ohne eine Drittpartei involvieren zu müssen.6

Revolutionär am Bitcoin ist somit nicht der Bitcoin als Zahlungsmittel für sich, sondern die Art, wie dieser transferiert werden kann. Das beschriebene Transaktionssystem ohne Intermediär wird als Blockchain-Technologie bezeichnet. Um die Blockchain-Technologie besser zu verstehen, soll diese hier einmal kurz durch eine fiktive Beispieltransaktion illustriert werden: Um einen Bitcoin zu überweisen, muss die Transaktion von einem Nutzer, also einen Bitcoin-Besitzer (Person A), in die Wege geleitet und mit seinem „private key“ digital unterschrieben werden. Der private key ist das Passwort, welches als Zugang zu den eigenen Bitcoin-Beständen benötigt wird. Die Information, dass die Überweisung des Bitcoins von Person A zu Person B stattfinden soll, wird nun innerhalb des Netzwerks verteilt und von anderen Nutzern auf seine Richtigkeit geprüft. Geprüft wird hierbei, ob Person A auch in Besitz der nötigen Anzahl an Bitcoins für die Transaktion ist. Wird die Transaktion von der Mehrheit der Nutzer als richtig erachtet, wird diese ausgeführt. Zur endgültigen Bestätigung der Transaktion wird sie final in einem „Block“ irreversibel gespeichert. Dieser Datenblock wird nun Teil der Blockchain, also einer Datenbank, die sämtliche Transaktionsinformationen des Systems speichert, sodass sich genau nachverfolgen lässt, wann wie viel Bitcoins wohin geflossen sind.7

Da es, wie oben bereits geschildert, in diesem System keine zentrale Kontrollinstanz gibt, sind die Nutzer zur Bestätigung der Transaktion von besonderer Bedeutung, da ihre Gesamtheit die Kontrollfunktion im Netzwerk übernimmt. Mittlerweile wird jedoch spezielle Hardware benötigt, um dieser Kontrollfunktion nachzugehen. So wird sie de facto nur von einem Teil der Nutzer, den sogenannten Minern, ausgeübt. Um als Miner im Netzwerk die Transaktionen bestätigen zu dürfen, muss ein proof-of-work, also ein Arbeitsnachweis, erbracht werden. Dieser Arbeitsnachweis besteht darin, mit eigenen Rechenkapazitäten der Computerhardware eine Art Zahlenrätsel zu lösen.8 Der entstehende Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten sollen dementsprechend verhindern, dass einzelne Personen sehr einfach eine Netzwerkmacht aufbauen können und damit Transaktionen für sich selbst auslösen können. Für die Aufrechterhaltung des Netzwerks werden die Miner somit dringend benötigt. Um für diese das Mining rentabel zu machen, wurde ein Anreizsystem geschaffen. Zunächst einmal muss für jede gemachte Überweisung eine Transaktionsgebühr vom Überweisenden gezahlt werden. Die zweite Einnahmequelle für die Miner besteht darin, mit ihrer Hardware das bereits erwähnte Zahlenrätsel als Erster zu lösen. Zeitgleich zur Lösung wird nun der zuvor gesammelte Datenblock zur Blockchain als Datensatz hinzugefügt und der Miner erhält Bitcoins für seine Leistung.9 Der Schwierigkeitsgrad für das Rätsel wird vom Netzwerk so eingestellt, dass es etwa alle 10 Minuten zu einer Lösung und Ausschüttung kommt. Da die Schöpfung des Bitcoins auf unter 21 Millionen begrenzt ist, halbiert sich die Ausschüttungshöhe alle 4 Jahre, bis im Jahr 2140 keine Ausschüttungen mehr vorgenommen werden. Aktuell bekommt der schnellste Miner für seinen Aufwand 12,5 Bitcoins.10

2.2 Umgang und Nutzen des Bitcoins

Der Bitcoin hat seit seiner Erfindung in der Welt stark an Popularität gewonnen. Einer Umfrage des Bitkoms zufolge kennen 64% der Befragten den Bitcoin im Jahr 2018 im Vergleich zu 13% im Jahr 2013. 11 Die gestiegene Popularität kann aber auch anhand weiterer Parameter festgemacht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der täglichen Transaktionen, Quelle: Blockchain Luxembourg S.A. (Hrsg.) (o.J.): The number of daily confirmed Bitcoins transactions, online unter https://blockchain.info/de/charts/n- transactions?timespan=all&daysAverageString=7, letzter Zugriff 02.03.2018.

In Abbildung 1 werden die täglichen Transaktionen mit Bitcoin seit 2009 dargestellt. Hier ist ein klarer Aufwärtstrend erkennbar. Wenn auch hier der Zeitraum der Umfrage als Vergleich

verwendet wird, stehen hier im Jahr 2013 unter 50.000 tägliche Transaktionen zu im März 2018 150.000 täglichen Transaktionen gegenüber. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich dieser Trend weiterentwickelt, da der im Dezember 2017 erreichte Höchststand von etwa 390.000 Transaktionen sich bereits mehr als halbiert hat. Einen noch stärkeren Hype um den Bitcoin konnte vor allem der Preis je Bitcoin verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Preis je Bitcoin in US-Dollar, Quelle: Blockchain Luxembourg S.A. (Hrsg.) (o.J): Average USD markt price across major bitcoin exchanges, online unter https://blockchain.info/de/charts/market-price, letzter Zugriff 02.03.2018

Von Anfang 2013 mit 13$ konnte der Bitcoin bis auf 1151$ klettern, um dann wieder auf ein Niveau von etwa 250$ zu fallen. Besonders auffällig im vorliegenden Chart in Abbildung 2 ist der Preisanstieg im Jahr 2017, auf den ebenfalls wieder ein starker Einbruch von über 60% folgte.

Doch wie kann man eigentlich Teil dieses Hypes werden? Um Bitcoins senden und empfangen zu können wird eine Wallet benötigt, die eine digitale Geldbörse für Bitcoins darstellt und welche zum Beispiel über das Smartphone oder den Computer genutzt werden kann. Auf diese Wallet wird der private Zugang zu den eigenen Bitcoinbeständen gespeichert, da sich Bitcoins virtuell nur in der Blockchain befinden.12 Gekauft werden können Bitcoins auf einer der mittlerweile zahlreichen Bitcoin-Börsen. Bekannte Vertreter mit großen Handelsvolumina sind zum Beispiel OKEx, Bitfinex oder Binance.13 Ein bekannter Vertreter aus Deutschland ist die Börse bitcoin.de, die von der Bitcoin Group SE betrieben wird. Die Bitcoin Group SE konnte, so wie der Bitcoin, in letzter Zeit einen starken Wertzuwachs verzeichnen und kommt auf eine 1-Jahresperformance von 659,44%.14

Motive, Bitcoins zu kaufen, scheinen auf dem ersten Blick zunächst klar zu sein: Der Kauf einer Währung geht in der Regel mit deren Nutzung einher. Die bereits erwähnte Umfrage von Bitkom zeigt jedoch andere Motive der Käufer in Deutschland: Nur 31% der Befragten, die angaben, sich vorstellen zu können, Bitcoin zu nutzen, gaben als Grund die Bezahlung im Internet an. 51% der Menschen gaben an, Bitcoin aus reiner Neugier nutzen zu wollen und sogar die Unzufriedenheit mit der Geldpolitik der Zentralbanken wurde als Grund häufiger genannt, als der Wunsch mit Bitcoin zu bezahlen.15 Auch die Zahl der aktiven Nutzer ist bisher sehr klein: Es wird geschätzt, dass es 2017 etwa 2,9-5,8 Millionen aktive Nutzer gibt.16 Und so wie die Anzahl der aktiven Nutzer bisher noch sehr gering ausfällt, so ist auch die Akzeptanz bei Händlern im Moment noch sehr überschaubar. Nach Untersuchungen der US- amerikanischen Bank Morgan Stanley akzeptierten im 4. Quartal 2017 nur drei der 500 größten E-Commerce Händler den Bitcoin als Zahlungsoption.17 Im Moment wird die Kryptowährung Bitcoin also noch nicht als Währung im eigentliche Sinne verwendet.

3 Grundfunktionen des Geldes

Um zu evaluieren, ob Bitcoin dennoch das Potential hat als vollwertige Währung genutzt zu werden, soll hier zunächst einmal erläutert werden, welche Anforderungen an Geld gestellt werden.

3.1 Anforderungen an Geld

Um in der Volkswirtschaftslehre von Geld zu sprechen, müssen mehrere Kriterien nach der Geldtheorie eingehalten werden:

Funktion als Tauschmittel

Die wohl wichtigste Funktion des Geldes ist, dieses gegen reale Güter eintauschen und so auf den Tausch Ware gegen Waren verzichten zu können.18

Recheneinheit

Geld dient außerdem als Recheneinheit in der Warenwirtschaft. Das bedeutet, dass durch Geld als Wertäquivalent verschiedene Güter zueinander ins Verhältnis gesetzt und Relationen ausgemacht werden können.19

Wertaufbewahrungsmittel

Die Funktion der Wertaufbewahrung dient dazu, bereits erbrachte Leistungen für die Zukunft zu speichern.20 Ein Phänomen, welches der Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel entgegensteht, ist die Inflation.

3.2 Risiken einer Inflation

Als Inflation wird im Allgemeinen ein Anstieg des Preisniveaus von Waren bezeichnet. Gemessen wird die Inflation dabei über eine determinierte Zeitperiode und anhand eines festgelegten Warenkorbs. Wenn nun zu Zeitpunkt A und bei Zeitpunkt B die Preise gemessen werden, können mögliche Preisdifferenzen ausgemacht werden. Wird zum späteren Zeitpunkt B mehr Geld zum Kauf des Warenkorbs benötigt, wird von Inflation gesprochen. 21 In Deutschland wird die Inflation anhand des Verbraucherpreisindex berechnet. Der Verbraucherpreisindex soll den durchschnittlichen Konsum von Waren und Dienstleistungen bei privaten Haushalten in Deutschland repräsentieren.22 In Deutschland lag die Inflation 2017 bei 1,7% im Jahr. Diese Maßzahl liegt damit nahe dem von der Europäischen Zentralbank ausgegebenen Inflationsziel von knapp unter 2% und wird somit als preisstabil erachtet. 23

Gefährlich wird es, wenn dieses Inflationsziel verfehlt wird und die Inflation stärkere Ausmaße annimmt. Ab einer wöchentlichen Inflation von über 50% wird von einer Hyperinflation gesprochen, wie sie in Deutschland zum Beispiel 1923 auftrat. Aufgrund einer starken Inflation verliert das Geld seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel (vgl. 3.1). Durch die ständige Abwertung und damit einhergehende Wertänderung werden ebenfalls die Nutzung als Tauschmittel und Recheneinheit erschwert. Das Geld verliert somit seinen Nutzen und Funktionen als Zahlungsmittel in der Gesellschaft und wird durch Äquivalente ersetzt. Auf die Vorteile und die Funktion einer Inflation soll aus Kapazitätsgründen in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. 24

[...]


1 Vgl. Hübner, Manfred (2017), Titel im Hauptframe.

2 Vgl. Monaghan, Angela (2018), Titel im Hauptframe.

3 Vgl. Dörner, Astrid (2018), erster Absatz im Hauptframe.

4 Vgl. Börse Online (Hrsg.) (2018), erster Absatz im Hauptframe.

5 Vgl. Sixt, E (2017), S. 1. 1

6 Vgl. Sixt, E. (2017), S. 29 f.

7 Vgl. Neugebauer (2018), S. 313 f.

8 Vgl. Halaburda, H., Sarvary, M. (2016), S. 106 ff.

9 Vgl. Halaburda, H., Sarvary, M. (2016), S. 106 ff.

10 Vgl. Macheel, Tanaya (2016).

11 Vgl. Bitkom e. V. (Hrsg.) (2018), erster Absatz im Hauptframe.

12 Vgl. Sixt, E. (2017), S. 36 f.

13 Vgl. CoinMarketCap. (Hrsg.) (o.J.), Hauptframe.

14 Vgl. boerse.ARD.de (Hrsg.) (o.J.), Hauptframe.

15 Vgl. Bitkom e.V. (Hrsg) (2018), zweiter Absatz im Hauptframe.

16 Vgl. Hileman, G., Rauchs, M. (2017), S.8.

17 Vgl. Faucette, J., Graseck, N., Moore, J. (2017), S.18.

18 Vgl. Welfens, P. (2008), S.127. 5

19 Vgl. Welfens, P. (2008), S.127.

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. O’Neill, Ralph, A. Smith (2017), S. 21.

22 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (o.J.), erster Abschnitt im Hauptframe.

23 Vgl. Sievering, O. (2018), S. 163. 6

24 Vgl. Conrad, C. (2017), S. 91 f.

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668777361
ISBN (Buch)
9783668777378
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437572
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Bitcoin Krisenwährung Zahlungsmittel Kryptowährung Blockchain Parallelwährung Wertaufbewahrungsmittel Geldfunktion Geld Kryptos digitales Gold

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