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Literaturgeschichte des 19.Jahrhunderts. Zusammenfassung

Zusammenfassung 2015 8 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

VO Literaturgeschichte 19.Jhd.

WS 2014/15

Themen

- Zeit und Raum (Konstruktion u. Repräsentation: Weltausstellung, Eiffelturm, Crystal Palace London, Freiheitsstatue New York) – Jhd. d. künstl. Paradiese
- Gefühlsgeschichte: Identitäten, Hoffnungen, Ängste
- Narrative, Mythologien, Figuren, Allegorien (Helden u. Monster – Ring d. Nibelungen, Prometheus = Titan d. griech. Mythologie, bildet Menschen aus Lehm u. belebt sie, stiehlt Göttern d. Feuer – auch bei Goethe, Mary Shelley´s Frankenstein or the Modern Prometheus – erschafft künstl. Menschen in Retorte, Bram Stoker´s Dracula – Wiederkehr des Verdrängten, Schrecken d. 19.Jhd. alle auf einmal: Parasit suchtProduktiven heim, europ. Osten den Westen, Dunkel d. Licht der Moderne, Aristokrat d. Bürger,…)
- Wirklichkeiten: Darstellbarkeit der Welt (Inszenierungen, Verkleidungen)
- Ästhetiken und Politiken (Intellektuelle als Politiker: Georg Büchner, Karl Marx, Richard Wagner; Poeta Vates = Dicher als Seher, als Prophet, als überird. Mahner: Stefan George als Dante Alighieri)
- Intellektuellengeschichte und Ideengeschichte der Massen

19.Jahrhundert historisch

- 1789: Französische Revolution
- 1814/15: Wiener Kongress, Neuordnung Europas, Fürst Metternich
- 1830: Julirevolution Paris
- 1848: Revolutionen in Paris und Mitteleuropa à 1848/49 Parlament in der Frankfurter Paulskirche
- 1859: Solferino
- 1861-65: Amerikan. Bürgerkrieg
- 1866: Preußisch-Österr. Krieg (Königgrätz)
- 1870: Deutsch-Frz. Krieg
- 1878: Berliner Kongress, Berliner Antisemetismusstreit
- 1878-90: Verbot der Sozialdemokratie in D u. Ö, dann Jahrhundertwende, fin de siecle

Epochen

- Klassik 1786-1805
- Romantik 1797-1840
- Biedermeier 1815-1848 (Vormärz, Junges Deutschland, Junges Ö/Böhmen)
- bürgerl./poet. Realismus 1848-1890 (Nachmärz, Gründerzeit, Naturalismus)
- danach Ästhetizismus, Symbolismus, Expressionismus

Allegorien – Goethes Faust II

- Goethe: 1749-1832
- 1775: Weimar, Minister – Urfaust, Götz v. Berlichingen, D. Leiden d. jungen Werthers
- Klassik (bis 1805): Italienreise, Freundschaft m. Schiller, Iphigenie auf Tauris, Faust (1808), Balladenjahr 1797 (m. Schiller)
- Faust – Aspekte: Geburt d. Moderne (Übergang feudale in bürgerl. Gesellschaft), Sozialbeziehungen, Zeichenpraktiken, Figurationen anonymer Prozesse, Abschied v. d. geschlossenen Form (Mischform), v. subjektivem zum objektiven Drama, Reflexion/Spiegelung statt Spannung, Kunst u. Wissenschaft (Metamorphose), Farbenlehre, Geologie, künstl. Mensch, kulturelle Großformationen Antike u. Moderne
- Stoffgeschichte: histor. Figur Johann Faustus geb. 1480 (Wanderarzt, Wahrsager, Astrologe – wenige aber gute Belege, Faustus als sprechender Name = beglückt)
Teufelsbündnis (Teufelsbeschwörung, Pakt, Belehrungen über Hölle), Fausts Abenteuer (Astronomie, Jahreszeiten, Weltall, Sternenfahrt, Weltreise, Kometen), Fausts Zaubereien (beschwört Alexander d. Großen u. Helena), Fausts letztes Lebensjahr (Testament, Todesangst, Abschiedsrede an Studenten)
- Faust als Präfiguration d. Moderne – Vergehen im Faust-Volksbuch
- Faust II: Kaiserhof (Maskenspiel Mummenschanz, Geld, Helena), gotisches Zimmer (Homunkulus, klass. Walpurgisnacht), Helena (Phantasmagorie, heiratet Helena u. zeugt Euphorion), Krieg m. Gegenkaiser (Wolkenmonolog), Landnahme, Philemon u. Baucis, Landgewinnung, Rettung Fausts (Ziel in sich haben, Selbstverwirklichung nach Aristoteles)
- Mummenschanz: gr. Audiovisuelles Spektakel, Verse einzelner Sprecher/Sprechchöre/Gemurmel/Wechselgeschrei zusammen m. Instumentalmusik, Ballett u. Pantomime = Gesamtkunstwerk, epische Anlagen: Anweisungen Stegreifspiel (commedia del´arte)
- Allegorie = fortgesetzte/erweiterte Metapher, Textsegement m. zweiter Bedeutungsebene, Personifikation m. Attributen (Schwert u. Waage f. Gerechtigkeit), Abgrenzung zu Symbol (barock, intellektuell, nicht-organisch, künstl., keine Einheit), Bsp. Knabe Wagenlenker, Herold, Euphorion (Sohn v. Helena u. Faust, Synthese/Produkt zw. Antike u. Moderne, Schönheit u. Kraft, Gegenüberstellung d. gr. kulturellen Formationen – interne Spiegelung: Euphorion-Knabe Lenker-Homunkulus, extern Bezug zu Lord Byron)
- Metrik: Jambischer Trimeter bei Helena, neuartiger Kosmos alter u. neuer Versmöglichkeiten, alle Versformen verwendet à gleiches Recht, Harmonisierung, Einheit autonomer rhythmischer Ausdruckskunst, „Summa Metrica“ als Mitausdruck des Gedankens (Klopstock)

Ende der Kunstperiode – Lyrik zwischen Romantik u. Vormärz

- Bsp: Heinrich Heine (Der Doppelgänger), August v. Platen, Joseph v. Eichendorff
- Lyrik v. Lyra (musikalisch)
- Postkarte als zentrales Medium (Lorelei)
- Wasser als wesentl. Bild (Symbol f. Fluss u. Zerstörung)
- Heinrich Heine: geb. 1797 in Düsseldorf, jüd. Familie (Ärzte, Bankiers), Banklehre, Jusstudium, Berlin, Übertritt zum Christentum, Paris, Verbot m. Jungem Deutschland, gestorben 1856 in Paris, 1827 „Buch der Lieder“, 1836 „Die romantische Schule“ (= satir. Darstellung v. Goethes Ende, Zerfall d. lyr. Sprechens, Zeit zu handeln)
- Heine „Die Heimkehr“: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…, Wiederholungsstrukturen, zeitl. Distanz, reflektierendes Ich, Lorelei-Volksmythos als romantischer Kunstmythos, Gedicht über das Volkslied, mechan. Duktus bestimmt Gedicht, Antiklimax (Schwalbe-Nachtigall-Gimpel)
- Heine „Die Rose, die Lilie“: Schlag- und Echoreime, Assonanzen, Desemantisierung
- Heine „Lyrisches Intermezzo“: ironischer Bezug aufs Volkslied, Intertextualität, Sentimentalität à Volkslied
- Heine „Berg u. Burgen“: gebrochen/ungebrochen, parallel u. antithetisch, Sinnbild Strom u. Strudel, Wendung in Strophe 4 verschwindet weil Strophenlied
- „Volkslieder“ v. Heine: Metrum nach Wilhelm Müller, reiner Klang u. wahre Einfachheit beeindruckten ihn, Inhalt jedoch nicht volkstümlich
- Heine Aspekte: Virtuosität d. Mittel bei stereotypen Themen (enttäuschte Liebe), Pointenstruktur (Weckung u. Enttäuschung d. Erwartung, unerwartete Auflösung), Volksliedstrophe statt antiker Metren, sentimentales Verhältnis zum Naiven (Sentimentales aber nur Missverständnis), Distanz, Ironie, Konventionelles
- Heine „Reisebilder“: gegen Platens Formkunst (Eiertanz, Seiltanz, Kunstspringen), Rhetorik nicht Poesie, tiefe Naturlaute wie im Volkslied, dichtete nur auf der G-Saite (wie Paganini auf der Violine)
- Heine-Platen-Affäre: Antisemitismus (Platen gegen Heine) und Homophobie (Heine gegen Platen, Platens Schwärmerei f. Jünglinge) – Heine fühlt sich provoziert Ò emotionale Stellungnahme als Spiegelbild, tief unbewusst bei Platen, schmerzhaft bewusst bei Heine Ò doppelter Vorgang der Selbstidentifikation des Angreifers m. d. Angegriffenen
- Heines Sprache (Judentum): Adorno „Die Wunde Heine“ – verfügt über Sprache wie ein Instrument, weil es nicht die seine ist, keine Heimat in der Sprache
- Platen „Ich bin wie Leib dem Geist“, „Los des Lyrikers“, „Sonett an Goethe“ – Formenreichtum, Transfiguration v. verachteter Natur, homosexueller Lyriker (Ò Darstellung des Ich u. Lyr. Ich)
- Umgangsweisen m. Volksdichtung: suchen, sammeln, herausgeben, wissenschaftl. Quellenforschung, Textkritik, Edition (Philologie u. Volkskunde, Beginn m. Brüdern Grimm), ästhetischer Anschluss an die kollektive Kreativität d. Volkes (Herder, Goethe, Romantiker wie Eichendorff)
- Joseph v. Eichendorff „Mondnacht“: nicht Fortschritt/Zukunft/Ironie sondern Rückbezug auf Heimat, Sehnsuchtsort Kindheit als goldenes Zeitalter
- Eichendorff „Eldorado: Kindheit als verstellte, unmögl. Heimat, harmon. Ausgangszustand – Entfremdung/Entzweiung/Individuation – Versöhnung
- Adorno zum Gedächtnis Eichendorffs: Dichter d. Heimwehs, gespannte Utopie aber nicht Erfüllung, Eichendorff konservativ (Restauration d. Feudalen, Widerstand gegen destruktives Bürgertum Ò Volksvermeidungsstrategien)

Grillparzer

- österr. Klassiker: 1791 in Wien geboren, Studium Philologie u. Jus, Reisen nach Griechenland, Italien, Deutschland, Frankreich, Türkei, Treffen m. Goethe, 1872 in Wien gestorben
- Werke: Das Kloster v. Sendomir, Weh dem der lügt, Der arme Spielmann, Das goldene Vließ
- Das goldene Vließ: Trilogie 1821, Der Gastfreund – Die Argonauten – Medea, Quellen sind Euripides, Seneca, Ovid, Valerius,…
- Geschichte: Phryxus bring goldenes Vließ (Widderfell) aus Delphi nach Colchis, wird v. Medeas Vater (König) ermordet, Jason u. Argonauten suchen Vließ u. gewinnen es m. Medeas Hilfe aus d. Drachenhöhle, gehen gemeinsam nach Griechenland, Jason wird Heimatrecht verwehrt, König Kreon nimmt ihn ohne Medea u. Kinder auf, Tochter Kreusa u. Jason Jugendliebe – Medea tötet Kreusa u. Kinder, Jason verstoßen, Medea bringt Vließ zurück nach Delphi
- „Medea“ als modernstes Drama, Katastrophe (cultural clash) – goldenes Vlies nach Colchis – Kulturdifferenz (barbar = Stammler) = Migrationstragödie
- Vließ als sinnliches Zeichen d. Wünschenswerten, m. Begierde Gesuchtem, zu Unrecht Erworbenem, sinnliches Zeichen (Symbol) eines Mangels, Kinder als Zeichen des Mangels
- Strukturmomente: Tektonik Ò Streit um Kinder, Ehetragödien sind Trauerspiele d. Kinder; Colchis/Migranten Ò sprechen über Barbaren, Medea vertritt Wörtlichkeit, Seelenlage die keinen Abstand erlaubt zw. Wort u. Gegenstand, Jason hat radikalen Unglauben an Macht d. Sprache; Zivilisation/Vließ Ò Zeichen die eine Kultur stiften, gespaltene Zeichen, m. Fremdem als verdrängtem Eigenen auseinandersetzen, Weg dieser Zeichen markiert durch Missverstehen, Aggression, Gewalt, blinde Zerstörung
- Schluss: ertragen, dulden, büßen (Traum ein Leben, Leben ein Traum), Schuldumkehr (dreifache Mörderin Medea als Heroine)

Biedermeier

- Gegenbegr. zu Vormärz (später Restauration u. Vormärz), nicht-romantische u. nicht-polit. Literatur v. 1815-1848
- Harmoniebedürfnis, Ruhe, heile Welt, Bürgerkultur, Familie u. Heim als Rückzugsort, Idylle als Utopie, letzte Etappe d. Aufklärungsoptimismus, Klassizismus (weiß als Reinheitsbegehren, Marmorstatuen)
- Restauration als neue Perspektive seit 1970: „abgründiges“ Biedermeier bei Grillparzer u. Stifter, Familie als Brutstätte v. Neurosen, repressive Staatsapparate, Industrialisierung u. Proletariat bedrohen Bürgerkultur, gestörte Idyllen, idyllische Szenarien in Texten als Verdrängung, literaturgeschichtl. Aufmerksamkeit auf Brüche, Risse, Abgründe (Text-Löcher)
- Junges Deutschland: polit. engagierte liberale Literatur Ò Verbot durch dt. Bundesversammlung 1835 (Heine, Laube, Börne, Büchner), Einheitsstreben, Religion u. Sittlichkeit angegriffen, polit. Lyrik d. 1840er Jahre = Georg Herwegh, Franz Dingelstedt, Ferdinand Freiligrath; Junges Österr./Böhmen = Anastasius Grün, Alfred Meissner, Moritz Hartmann
- Tendenzen: Prosa als Kunstliteratur (Emanzipation), Marktvermitteltheit v. Literatur u. Publizistik (Massenware, Unterhaltungsliteratur, aktuelle Themen), Technik u. Politik als Themen, Ausweitung d. sozialen Horizonts (auch Unterschichten), Politisierung, Antiklassizismus, Allegorie als poet. Mittel, Zerrissenheit-Weltschmerz-Byronismus (stolzes Außenseitertum, Melancholie), Ästhetik d. Hässlichen, positive Rolle neg. Emotionen
- Geld: bei Stifter Zeichen d. Bedürfnisses, Erzeuger d. Mangels, allgemeines Ding, Medium wird Substanz, Mittel wird Zweck; bei Marx Gegenstand im eminenten Besitz, Allmacht, Kuppler zw. Bedürfnis u. Gegenstand (Literatur als Erkenntnismedium der Philosophie u. Ökonomie), Band aller Bande, wahrhaft schöpferische Kraft, allgemeine Verwechslung u. Vertauschung
- Paradoxien d. Geldwirtschaft: Geld als Bindungsmittel u. Scheidemünze, bindet u. löst, Vermittler ist Schöpfer, verkehrende Macht d. Geldes, Verbrüderung d. Unmöglichkeiten
- F. Engels „Die Lage da. Arbeitenden Klassen in England“: Stadtansichten – imposante Weltstadt, Opfer in den schlechten Vierteln, Krieg aller gegen alle, Privatisierung/Individualisierung/Atomisierung, Apokalypsen d. Kapitalismus (soziale Gegensätze produzierende Ökonomie), Zerlumpte steigen ans Tageslicht – Krieg in der Gesellschaft, Gleichzeitigkeit eines Blicks auf Errungensch. d. industriellen Revolution, Staunen über Kultur, doch auch Opfer gefordert (Elendsviertel nahe d. Prachtpaläste)
- polit. Lyrik d. Vormärz = Junges Österreich: Anastasius Grün – polit. Allegorien (Metternich als Steuermann d. Staatsschiffs Austria, Personalisierung), Ferdinand Freiligrath – sozialist. Lyrik, Von unten auf! (Umsturz, erneut Allegorie des Staatsschiffs, Proletarier als Maschinisten), Nikolaus Lenau – soz. Energien literar. artikuliert (Hass – Die drei Indianer)
- Eduard Mörike: 1804-1875, schwäb. Schule, evang. Pfarrer u. Literaturlehrer
- Eduard Mörike „Auf eine Lampe“ 1846: Dinggedicht auf Gegenstand, ornamentale u. figurale Darstellung, „Form“ = Begr. d. Ästhetik, Ambivalenz scheinen (leuchten, so aussehen wie), Staiger sieht Mörike als Epigone (Nachmacher), Gedicht als Spätling (im Schatten, Thema ist Erinnerung), Goethe-Periode vorbei, Periode d. Proletariats, Klassizismus – Hang zum Pretiösen, Stil in sprachl. Fassung, in Idee u. Motiv
- Georg Büchner: 1813-1837 (24 Jahre), als Arztsohn in Hessen geboren, Medizinstudium, gründet Gesellsch. f. Menschenrechte, Flucht nach Straßburg (steckbriefl. Fahndung weil illegale Flugschrift „D. Hessische Landbote“ verfasst – soll d. hess. Lande d. Wahrheit melden), Dissertation u. Promotion in Zürich, 1837 Tod durch Typhus, Werke: Dantons Tod, Lenz, Leonce u. Lena, Woyzeck (Alban Berg Oper Woyzeck)
- Hess. Landbote: Friede den Hütten! Krieg den Palästen! – Differenzen in d. Opposition: Weidig liberal gegen Aristokratie, Büchner sozialradikal gegen Aristokratie u. Besitzbürgertum
- Kunstgespräch in Büchners Lenz: Realismus vor d. Realismus, gegen idealistische Periode, Lenz als Sturm u. Drang-Figur, gegen Klassik u. Nachklassik, sermo humilis = sich in das Leben d. Geringsten senken

Bedrohungen – Hoffnungen – Apokalypse u. Umsturz aller Dinge

- Adalbert Stifter (1805-1868): geb. in Böhmen, Stiftsgymnasium Kremsmünster, studiert Rechtswissenschaft u. Naturwissenschaft in Wien, Tätigkeit als Schulrat in Linz, gestorben in Linz – „Bunte Steine“ (Erzählungen für die Jugend 1853)
- Stifter „Die Sonnenfinsternis“: Drama? wissenschaftl. u. moralischer Diskurs, moral. Gewalt in phys. Hergang, Sterne als Schrift Gottes, unirdisches furchtbares Licht, Menschen als hohle Gespenster, Drohung Licht auszulöschen – romantische u. postromantische Vision (Wissenschaft u. Erhabenes, Rahmung, Mechanik d. Himmels, Ambivalenz Gottes), Synästhesie (tragische Musik v. Farben, Lichtmusik – Literatur, Malerei, Wissenschaft), Deismus oder Theismus (Uhrmachergott od. personaler Gott
- Intertextualität: Lord Byron „Darkness“ (Auslöschung der Sonne), Jean Paul „Siebenkäs“ (Christus als Gottessohn, dessen Vater es nicht gibt)
- Karl Marx: Philosoph, 1818 in Trier geboren, 1883 in London gestorben, ökonomisch-philosoph. Manuskripte, Manifest d. kommunist. Partei 1848, Das Kapital
- Manifest d. kommunist. Partei: Marx/Engels Freundschaft m. Heine, Weerth, Herwegh, Freiligrath, Engels als jungdeutscher Literaturkritiker, literar.-journalist. Schreibweise (Gattungsfusion m. Philosophie/Ökonomie)
- zentrale Motive: Anknüpfung an franz. Sozialismus, engl. Nationalökonomie u. dt. Philosophie, Verwirklichung d. Philosophie (Philosophen wie Feuerbach nur Welt interpretiert, muss sie aber verändern), Geschichte v. Klassenkämpfen, Abfolge v. Produktionsweisen, Entfremdung (Produkte beherrschen Produzenten, Pradoxie d. Industrialisierung: Armut durch Produktion v. Reichtum, Arbeiter als produzierte Ware, eig. Produkt als fremdes Wesen), Lob d. Bourgeoisie, Beseitigung d. Illusionen, Rückführung auf Geldverhältnis, Wunderwerke der Bourgeoisie, Lob d. Globalisierung (Weltmarkt, Weltliteratur), Kapital als Unruhe (treibt über natürl. Schranke hinaus, Vernichtung d. Raumes durch d. Zeit), Dialektik: Sieger produziert seinen Totengräber (Kapital produziert Proletariat)
- lt. Umberto Eco Meisterwerk polit. Rhetorik, außerordentl. rhetor.-argumentative Struktur
- Anfang: Gespenst in Europa (Kommunismus), Ende: Ketten (Proletarier sollen Ketten verlieren u. sich vereinigen)

1848 – Revolution

- 24.2. Februarrevolution Paris
- Märzrevolution Mitteleuropa („bürgerl. Revolution“, Pressefreiheit, Verfassung à Sturz Metternichs à Interessen d. Intellektuellen u. Industrie
- Mai/Juni: soziale Unruhen in Wien
- Junimassaker Paris
- Wiener Oktoberaufstand – Niederschlagung unter Windischgrätz, 2000 Tote, Kriegsminister Latour gelyncht
- Frankfurter Nationalversammlung Mai 1848-49 in d. Pauluskirche: Verfassungsentwurf, Professorenparlament
- Niederschlagung d. ungar. Aufstands Okt. 1849
- Exilanten: Kossuth, Wagner, Hartmann

1848: Nachmärz

- Robert Burns „A Man´s A Man For A´ That“: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit
- Ferdinand Freiligrath „Trotz Alledem!“ als Variation, veränderte Kampflinien – nicht Aristokrat sondern Bourgeoisie am Thron, neuere polit. u. soziale Gedichte (Bsp. „Wien“, beten für Wien, Herbst ist angebrochen, kalter Winter naht)

Nachmärz/Realismus

- Realpolitik: Einigungsbewegungen u. nationale Arrondierungskriege
- 1859 Krieg Ö/Frankreich (Niederlage Solferino), dt.-dän. Krieg, Ö/D gegen Preußen (Niederlage Königgrätz 1866), italien. Unabhängigkeitskriege
- Realismus 1848-1890: Theodor Fontane u. Theodor Storm (D), Adalbert Stifter, Ferdinand v. Saar, Ludwig Anzengruber, Marie v. Ebner-Eschenbach (Ö), Gottfried Keller, C.F.Meyer (CH), Balzac, Emile Zola (F), Charles Dickens, George Eliot (GB), Leo Tolstoi (R, Krieg u. Frieden, Anna Karenina)
- Literar. Tendenzen:
- Vorgeschichte: Mimesis-Konzepte (Nachahmung), dt. Idealismus/Empirismus
- Mittellage (Vermeiden v. formalen u. inhaltl. Extremen), gegen Romantik u. Vormärz, gegen Geniekult, Nähe zu Handwerk
- Beschreibung, Ruhe, langsame Bewegung, Furcht vor Katastrophen
- Dorfgeschichten, Kleinstadtwirklichkeit, Vermeidung v. Industrie
- wirkliche Wirklichkeit, Realidealismus, Verklärung, Poesie d. Wirklichkeit, Roman als Widerspiegelung wirklichen Lebens
- Dominanz v. Erzählprosa (Roman, Novelle, Erzählung)
- Dominanz d. Raumes über d. Zeit, zuordenbare Geographien, Distanz zur unmittelbaren Zeitgeschichte
- Anschaulichkeit – Maler als Spiegelungen d. Dichter u. Schriftsteller
- langsame Bewegung in Abstraktion
- Adalbert Stifter „Bunte Steine“: Vorrede als Manifest d. Nachmärz, Abwehr alles Gewaltsamen u. Plötzlichen, Ritualisierung d. Erzählsprache (Paratexte, Wiederholungsstrukturen), Naturwissenschaft (langsames Sammeln u. Ordnen, Geologie u. Geographie), Bildungsroman (pädagog. Szenarien)
- Aspekte: Katastrophenserien, Psychopathologien, Außenseiter
- Granit: Vergegenwärtigung d. Welt durch Namen; Kalkstein: Fetischismus u. Pädagogik, Turmalin: Stadt als unheiml. Ort, Pathologie d. fixen Idee; Bergkristall: Orientierungsverlust, Auslöschung d. Perspektiven; Katzensilber: Katastrophenserie
- Gottfried Keller: 1819-1890, in Zürich geboren, Heidelberg Geschichte/Philosophie/Literatur studiert, in Zürich gestorben
- Keller „D. grüne Heinrich“: demonstrative Ästhetik (Künstlerfest, histor. Festzug), Weg in d. Abstraktion (Spinnennetz), Bildung/Wissen/Immanenz (Anthropologievorlesung), Ökonomie (Logik d. Spekulation)
- Keller „Romeo u. Julia auf dem Dorfe“: Dorfgeschichte beruht auf wirkl. Vorfall, method. Reduktion gesellschaftl. Komplexität, Raumkonzept u. semant. Felder: Gesellschaft durch vergangene Schuld korrumpiert, gestörte Idylle (Besitz auf Basis v. Betrug u. gesellschaftl. Ausgrenzung), Durchsichtigkeit v. realistischer u. symbol. Struktur (Geiger als Außenseiter), Acker/Sesshaftigkeit/Bodenbebauung, Verflüssigung d. Ackers in Geld führt ins Wirtshaus, Fluss/Straße als Übergangsräume, Bankrott macht Integration nicht mögl., Alternativen zum Liebestod: Eingliederung in korrupte Gesellsch. oder Eingliederung in Exklusion (schwarzer Geiger)

[...]

Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668783027
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437816
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
2,00
Schlagworte
Literaturgeschichte 19.Jahrhundert Biedermeier Faust Grillparzer Nachmärz

Autor

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Titel: Literaturgeschichte des 19.Jahrhunderts. Zusammenfassung