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Der Begriff "Honor Imperii" bei Friedrich I.

Eine Analyse zum realpolitischen Bezug

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 16 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Forschung nach dem Begriff

Die Politik Friedrichs I.

Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Ausgangspunkt für diese Hausarbeit ist das Proseminar „Kaisertum im Mittelalter“.

Als Friedrich I. 1152 zum römisch-deutschen König ernannt wurde, musste seine Machtposition im Reich erst ausgebaut werden. Seine Herrschaftsgrundlagen waren nach Erbstreitigkeiten nicht gefestigt. Die eigene Herrschaft beruhte auf der Mitbestimmung von geistigen und weltlichen Würdenträgern.[1] Ebenfalls konnte er auf die Reichsgüter und Reichsrechte zurückgreifen.[2] Im nachfolgenden Text möchte ich daher auf den Begriff des „Honor Imperii“ eingehen und prüfen, inwieweit der König und spätere Kaiser Friedrich I. sich diese Begrifflichkeit zu Nutzen machte, um Untergebene für seine Politik zu gewinnen.

Friedrich I. war geprägt vom ritterlichen Ehrgefühl und den ständischen Gebrauchsformen, daher ist es umso wichtiger, diese Aspekte im Zeichen seiner Zeit zu benennen und zu erklären, damit man einen besseren Eindruck von seiner Politik bekommen kann.[3] Grundlage dieser Arbeit stellen neben den Quellen Otto von Freisings in den „Thaten Friedrichs“, die Vertragstexte des Konstanzer Vertrages von 1153 und 1155 dar. Weiterführend beziehe ich mich vorrangig auf den Aufsatz von Knut Görich über „Die Ehre des Reichs“, Heinrich Appelts „Die Kaiseridee Friedrich Barbarossas“ und Rassows „Honor Imperii“.

Zu Beginn der Hausarbeit werde ich deswegen kurz den Begriff des „Honor Imperii“ umreißen und beleuchten. Nach der Begriffserklärung werde ich einige Beispiele aus Friedrichs politischem Leben anhand der genannten Quellen näher erklären und den Bezug zum Begriff des „Honor Imperii“ herstellen.

Abschließend schließe ich ein Fazit und beantworte die Frage, ob Friedrich I. über „Honor Imperii“ eine wirksame Waffe zu realpolitischen Fragen gefunden hatte.

Forschung nach dem Begriff

Honor, was Lateinisch ist und mit Recht oder Ehre ins Deutsche übersetzt werden kann, war ein im Mittelalter ständig präsenter Begriff. In Verbindung mit „Imperium“ als „Honor Imperii“ kommt man folglich auf eine Übersetzung wie Recht des Reiches oder Ehre des Reiches. Erstmalig tauchte eine wissenschaftliche Diskussion mit Rassows „Honor Imperii“ auf, wo er 1940 den Begriff rein rechtlich auffasste. Er begründete damit den Rechtsanspruch des Kaisers auf Italien, von Norden bis Süden. Die im Konstanzer Vertrag gegenseitig anerkannten Rechtsansprüche zwischen König Friedrich I. und dem Papst, seien also explizit ein Zugeständnis des Papstes, Italien dem zukünftigen Kaiser zu überlassen.4

Eine weitere wichtige wissenschaftliche Dimension eröffnete Gunther Wolf 1969, als er den Begriff der mittelalterlichen Ehre in die geistige Verwandtschaft zu „Gloria“ und „Dignitas“ führte und somit klarstellte, dass dieser Ehrbegriff auch eine sakrale Komponente aufweist.[4] Vor diesem Aspekt musste die Einhaltung der „Honor Imperii“ auch immer ein Dienst an Gott gewesen sein, da in der Forschung von einem Gottesgnadentum als Königsherrschaft gesprochen werden musste.

Dieter von Nahmer sprach sich 1974 gegen die These Rassows aus und plädierte stattdessen für eine wörtliche Übersetzung von „Honor“ mit dem Wort Ehre. [5] Von Nahmer fasst zusammen: „Beanspruchte das Reich Ehre, so verlangte das von den Gliedern des Reiches, dass man dem Kaiser gemäß seinem höheren Rang begegnete und seine Rechte aus ehrerbietiger Haltung beachtete“. Er stellte weiterführend auch klar, dass eine Ehrdarbietung nur im öffentlichen Raum geschehen konnte. Von Nahmers Deutungsansatz konnte sich in der Forschung nicht durchsetzen.

Während Günter Rauch den Konstanzer Vertrag als Ursprung für Friedrichs I. Italienpolitik ansieht,[6] steht für Heinrich Appelt fest, dass „Honor Imperii“ eine Forderung nach Herrschaftsrechten über die ewige Stadt, Rom implizieren würde[7] und dass „Honor Imperii“ und Italienpolitik untrennbar seien. In der jüngeren Forschung arbeitete der Historiker Knut Görich mit dem Begriff „Honor Imperii“. Er bekräftigte 2006, dass Rassows „Honor Imperii“ als „juristischer Zentralbegriff“ die Schwäche besitze, die mittelalterlichen Verhältnisse nicht einzufassen und eher für neuzeitliche Rechtsordnungen gelten könne. Das Problem wird deutlich, wenn man bedenkt, vor welchem weltlichen Richter sich Barbarossa seine Zugeständnisse hätte einklagen können. Aus diesem Grund muss man sich davon distanzieren, „Honor“ einzig mit Recht, Besitz oder Rechtsanspruch zu übersetzen.[8]

Heinrich Appelt versuchte den Begriff „Honor Imperii“ wie folgt zu definieren: „Geboren aus dem ritterlichen Geist des Feudalismus, bezeichnet der Ausdruck nicht nur die Ehre des Reichs, sondern auch den Rang und die Würde, den äußeren Glanz und die Machtentfaltung, das Amt und die mit ihm verbundene innere

Verpflichtung des Kaisers, keine Minderung seiner Gerechtsame zu dulden“.[9]

Aus diesem Grund rückt Appelt den Begriff „Honor“ in die Nähe zu Wörtern wie Macht, Prestige, Ehrerweisung und Standeswesen. Mit Gottfried Koch wurde der Begriff „Honor Imperii“ in geopolitischen Strategien erörtert. Gottfried Koch sah „Honor Imperii“ einzig als „[...]propagandistische […] Funktion für expansive Italienpolitik“ an.[10] Hierbei ist zu erkennen, dass eine sogenannte Beleidigung oder Missachtung der „Honor Imperii“ auch immer eine Beleidigung am Reich, seinem Kaiser und in letzter Instanz damit auch an seinem Adel, seinen Fürsten bedeutete.[11] Die Figur des Herrschers war also transpersonal und wurde in damaliger Zeit auf den gesamten Staatskörper mit all seinen Untergliederungen übertragen. So stellt Görich über die Fürsten fest, „[…]daß die imperiale Politik angeblich mit ihren ureigensten Interessen identisch sei“ und aus diesem Grund der Begriff „Honor Imperii“ auf seine ideologische Wirkung geprüft werden muss.[12] Görich kritisiert, dass bei dieser Theorie die Fürsten nur eine passive Rolle spielen würden und keine eigene Wahrnehmung oder Handlungsweise zugeschrieben bekommen. In der vergangenen Forschung wurde immer wieder dieser Gedanke als Rechtsbindung angesehen. Hierbei wird der Schluss zu Recht und Rechtsgedanken gezogen. Barbarossa sei seiner Zeit ein moderner Mensch gewesen, der es verstand, die Rechtsmöglichkeiten so zu seinen Gunsten auszunutzen, dass ein Vorteil für ihn gegenüber den Fürsten entstand. Allerdings wird bei diesem Deutungsansatz der Begriff der Ehre vollkommen ausgeklammert. Auch die Modernisierungsbestrebungen die Barbarossa nachgesagt werden, sind durch heutige Juristen, aber auch durch Rechtshistoriker kritisch betrachtet worden.[13]

Man kann folglich davon sprechen, dass eine gewisse Handlung unter Beobachtung verschiedener Personen stattfinden muss, damit eine Ehrerweisung überhaupt nachvollzogen werden konnte. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass alle Bereiche mit „Honor Imperii“ durchzogen waren, die auch durch Ansehen, Rang und Herrschaft berührt werden konnten. In vielerlei Hinsicht ist „Honor Imperii“ mit der Autorität des Herrschers verknüpft, die natürlich vor den Augen der Öffentlichkeit schnell herausgefordert werden konnte. Aus diesem Gedanken heraus betrachtet, muss man von einem regelrechten Zwang sprechen, unter dem der König und spätere Kaiser stand, da sein Handeln immer vor dem „Honor Imperii“ zu rechtfertigen war. Von der Nahme stellte auch heraus, dass ein großer Unterschied zwischen einer Rechts- und einer Ehrverletzung vorlag, sodass man beim „Honor Imperii“ nicht in genügendem Maße über ein Recht des Reiches sprechen konnte.[14] Weiterführend heißt es: „Also begründete nicht der materielle Nachteil, der beispielsweise aus der Entfremdung eines kaiserlichen Rechts entstand, den Vorwurf einer Verletzung des honor imperii, sondern die in der Entfremdung offenkundig gewordene Mißachtung der ganzen, in der Person des Kaisers vor Augen tretenden, gottgewollten Ordnung“. [15]

Wichtig für den Gedanken „Honor Imperii“ ist das Ansehen eines adligen Herrschers. So kann man davon ausgehen, dass er einen gewissen Ruf und Reputation genießen wollte. Diese Reputation bei seinen Zeitgenossen, aber auch späteren Nachverfahren konnte nur gewährleistet werden, wenn man sein Handeln danach ausrichtete. Aus diesem Grund leitete es sich auch ab, dass man eine Schädigung der „Honor Imperii“ dennoch rückgängig oder negieren konnte: „Die Verbindung zwischen Ehre und symbolischen Handlungen ist im Akt der deditio besonders anschaulich: Die demütigenden Formen der öffentlichen Unterwerfung heilten die verletzte Ehre des Herrschers und waren daher als Bestandteil eines Friedensschlusses unerläßlich“.[16] Es ist folglich festzuhalten, dass ein Verletzen oder Missachten der „Honor Imperii“ nicht zwangsläufig endgültig war, sondern vielmehr durch einen entsprechenden Akt der eigenen Demütigung und der Schmähung der eigenen Ehre vor dem Lehnsherrn, zu einer Aufhebung des Bannes und des Konfliktes führen konnte.

Ein weiterer Aspekt ist, dass durch das Einbeziehen der anderen Fürsten, welche durch gleiche Strukturen des Ständewesens und der eigenen Ehre geprägt waren, Barbarossa einen Interessenskonflikt mit dem „Honor Imperii“ zu schlichten versucht haben könnte. In erster Linie ist hierbei vom staufisch-welfischen Thronstreit zu sprechen, der sich über Jahre hinweg zog und aus diesem Grund immer ein Unruheherd im Reich war. Die Fürsten durch den „Honor Imperii“ als Körperschaft zu formieren.[17]

Dennoch muss man nicht nur den Begriff „Honor“ betrachten, sondern ebenfalls hat eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Imperium“ stattzufinden. Die Diskussion um den Begriff „Imperium“ ist daher so schwierig, da es ein gewisses Staatsverständnis vom damaligen Reich eröffnet, was mit der Vorstellung eines heutigen Nationalstaates wenig zu tun hat. 16 Es ist also logisch zu sagen, dass „Honor Imperii“ als Staatsräson gesehen werden kann. Das römisch-deutsche Territorium wurde nicht über Institutionen vertreten, sondern über Personen. Die höchste Person im Reich war der König bzw. der Kaiser. Auf diese Weise hängt die gesamte Diplomatie von einer Person im Reich ab, die für alle anderen Würdenträger Entscheidungen treffen musste und die Gesamtheit nach Außen vertrat. Gottfried Koch spricht davon, dass „Honor Imperii“ primär genutzt wurde, „[…]um die Fürsten für die Heerfahrt nach Italien zu gewinnen“.[18] Daher argumentiert Koch hierbei logischerweise von einer Staatsauffassung, die das Reich unter Friedrich als agierendes zusammenhängendes Organ sieht.[19] Feststeht, dass sich die Macht der Fürsten innerhalb des Reiches weiter vergrößerte. Ob daher eine strikte Instrumentalisierung der Fürsten das Ziel Barbarossas war, bleibt fragwürdig. Wenn man „Honor“ mit Ehre übersetzt, dann kommt man zwangsläufig zu dem Problem, dass ein Reich nicht Ehre sammeln oder verlieren kann. Die Ehre ist nicht an Objekte und Gegenstände gekoppelt, sondern vielmehr an das Handeln von Personen. Görich setzt sich dafür ein, dass das Reich als Kollektivsubjekt verstanden werden muss.19 Die Begrifflichkeit, die wir heute vom Staat und der Nation haben, sind nicht anwendbar für das mittelalterliche Reich.[20] Die Ehre des Reiches kann nur so behandelt werden, dass wir auch für die damalige Zeit eine gerechte Erklärung finden. Deshalb muss man davon sprechen, dass die Fürsten selbst das Reich widerspiegelten. Knut Görich stellt klar, dass „[…] das Reich eine Metapher für die Gemeinschaft der Fürsten, die es trugen, [war], und in deren Versammlung am Hof […] sichtbar wurde“. [21]

[...]


[1] Töpfer, Bernhard:Kaiser Friedrich Barbarossa. Grundlinien seiner Politik, in

Kaiser Friedrich Barbarossa. Landesausbau. Aspekte seiner Politik. Wirkung, 1994 Weimar. S. 14.

[2] Wieser, Eberhard, Deutsche Geschichte des Mittelalters, Remscheid 2015, S. 52f.

[3] Krieg, Heinz:Herrscherdarstellung in der Stauferzeit. Friedrich Barbarossa im Spiegel seiner Urkunden u. der staufischen Geschichtsschreibung, Ostfildern 2003. S. 162.

[4] Görich, Knut, Die Ehre des Reichs (honor imperii). Überlegungen zu einem Forschungsproblem, in: Laudage, Johannes (Hrsg.), Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit, Köln 2006, S. 46.

[5] Ebenda, S. 47.

[6] Rauch, Günter, Die Bündnisse deutscher Herrscher mit Reichsangehörigen, 1966 Aalen, S.11.

[7] Appelt, Heinrich, Die Kaiseridee Friedrich Barbarossas, in: Österreichische Akademie der Wissenschaft, Band 252, Wien 1967, S. 31.

[8] Görich. Die Ehre des Reichs. S. 40.

[9] Ebenda. S. 40.

[10] Ebenda, S. 6.

[11] Ebenda. S. 41.

[12] Ebenda. S. 41.

[13] Ebenda. S. 43.

[14] Görich. Die Ehre des Reichs S. 48.

[15] Ebenda, S. 49.

[16] Ebenda, S. 53.

[17] Görich. Die Ehre des Reichs S. 65.

[18] Ebenda, S. 65.

[19] Ebenda, S. 65.

[20] Ebenda, S. 66.

[21] Ebenda. S. 67.

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668787223
ISBN (Buch)
9783668787230
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438092
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Philosophische Fakultät
Note
1,30
Schlagworte
kaiser friedrich I. Honor imperii Honor regnus regni imperium könig friedrich

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Titel: Der Begriff "Honor Imperii" bei Friedrich I.