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Einige Beobachtungen zur Forschungsgeschichte der MSA-Sprachen

Seminararbeit 2018 16 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Stellung der MSA-Sprachen in der semitischen Sprachfamilie

3 Überblick über die Forschungsgeschichte

4 Die einzelnen MSA-Sprachen
4.1 Mehri
4.2 Ḥarsūsi
4.3 Baṭḥari
4.4 Hobyōt
4.5 Jibbali
4.6 Soqoṭri

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Süden der Arabischen Halbinsel, in der Republik Jemen und im Sultanat Oman, leben rund 200.000 Araber, deren Muttersprache nicht das Arabische ist, sondern die eine oder andere Sprache aus einer Gruppe, die wir heute als neusüdarabische Sprachen bezeichnen. Der Eintrag auf der deutschsprachigen Wikipedia-Seite lautet: „Neusüdarabische Sprachen“; auf der englischen Seite finden wir hier „Modern South Arabian languages“, „Langues sudarabiques modernes“ auf der französischen, „Lenguas sudarábigas modernas“ auf der spanischen, „Lingue sudarabiche moderne“ auf der italienischen und „Современные южноаравийские языки“ auf der russischen Seite.[1]

In der wissenschaftlichen Literatur ist dafür die Abkürzung MSAL gebräuchlich geworden. Die Gruppe gehört zu den westsemitischen Sprachen. Trotz der engen Verwandtschaft mit anderen westsemitischen Sprachen ist der Abstand zwischen den einzelnen MSA-Sprachen und dem Arabischen so groß, dass eine Verständigung zwischen Sprechern der einzelnen MSA-Sprachen und Sprechern des Arabischen nicht möglich ist.[2]

Die MSA-Sprachen weisen viele Gemeinsamkeiten mit den semitischen Sprachen Äthiopiens (wie zum Beispiel Amharisch, Tigrinya und Silt’e) auf. Ihr Zusammenhang mit den altsüdarabischen Sprachen wird indessen noch diskutiert. Wegen dieses zur Gruppe der altsüdarabischen Sprachen (aber auch zum Arabischen) nicht allzu engen Verhältnisses finden wir in der Literatur den Hinweis, dass die Bezeichnung als neusüdarabische Sprachen, weil sie irreführend sein könnte, eine unglückliche ist.[3]

Es gibt sechs MSA-Sprachen: Mehri (M), Ḥarsūsi (Ḥ), Baṭḥari (B), Hobyōt (Hb.), Jibbali (Jib.) und Soqoṭri (S). Für Jibbali findet man auch die Bezeichnungen Ehhkili, eḫkli, šhawri, šxawri, šḥeri, śḥeri, qarāwi.[4] Mehri, Jibbali und Soqoṭri haben ihrerseits wieder eine Anzahl Dialekte. Das Vorkommen der MSA-Sprachen ist eingeschränkt auf den östlichen Jemen, den westlichen Oman und die Inselgruppen Soqoṭra und Kuria Muria. Keine der MSA-Sprachen hat eine Schrifttradition.[5]

Die sechs MSA-Sprachen sind nicht gleich gut erforscht. Im Falle von Mehri, Jibbali und Soqoṭri wurden seit den ersten Untersuchungen zwischen 1834 und 1840 umfangreiche Datensammlungen herausgegeben, während es zu den Sprachen Ḥarsūsi und Baṭḥari weit weniger Material gibt und seit den 1980er Jahren keine neuen Forschungen durchgeführt wurden. Für Hobyōt, die zuletzt erforschte Sprache, liegt noch keine ausführliche Untersuchung vor.[6] Der im September 2004 bei einem Autounfall im Jemen ums Leben gekommene[7] österreichische Semitist Alexander Sima[8] hat eine umfangreiche Bibliographie zu den neusüdarabischen Sprachen verfasst, die im Internet abrufbar ist.[9] Die folgende Abbildung zeigt das Verbreitungsgebiet der MSA-Sprachen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abb. 1: Verbreitungsgebiet der MSA-Sprachen[10]

2 Die Stellung der MSA-Sprachen in der semitischen Sprachfamilie

Die semitische Sprachfamilie ist nicht nur eine seit ältesten Zeiten bezeugte und genauestens untersuchte, sondern mit ca. 260 Millionen Sprechern - vor allem aufgrund der Verbreitung des Arabischen - auch eine der weitverbreitetsten Gruppe von Sprachen. Die Familie umfasst einst bedeutende, heute ausgestorbene Sprachen wie Phönizisch, Ugaritisch, Babylonisch. Die wichtigsten lebenden semitischen Sprachen sind Hebräisch und Arabisch.[11]

Die interne Klassifikation der semitischen Sprachen ist (noch) nicht abschließend geklärt.[12] Gleichwohl kann davon ausgegangen werden, dass die MSA-Sprachen - ebenso wie der äthiopische Zweig - vom zentralsemitischen Zweig abgesondert sind. Die Beweisführung in der linguistischen Fachliteratur erfolgt im Wege der Ableitung eines morphologischen Merkmals aus dem Protosemitischen über die Beobachtung, dass es in den äthiosemitischen ebenso wie in den MSA-Sprachen keinen Hinweis auf die Verbform yaqtulu gibt.[13]

Einklang besteht unter den Fachgelehrten über die Teilung in einen Ost- und einen Westsemitischen Hauptzweig. Dabei bleibt weiterhin die Frage bestehen, ob die MSA-Sprachen und die äthiosemitischen Sprachen einem gemeinsamen Ausgangspunkt entspringen.[14] Aaron D. Rubin plädiert für die Anschauung, dass die MSA-Sprachen als ein unabhängiger Zweig der westsemitischen Sprachen anzusehen sind.[15] Die folgende Abbildung zeigt eine mögliche, interne Klassifikation der semitischen Sprachen, die mit dem zuletzt genannten Kriterium übereinstimmt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Interne Klassifikation der semitischen Sprachen[16]

Seit der Erstentdeckung der MSA-Sprachen im neunzehnten Jahrhundert bis vor kurzem wurde von den meisten Gelehrten angenommen, dass die altsüdarabischen Sprachen Vorfahren der neusüdarabischen Sprachen sein müssten. Beide Gruppen sind im südlichen Arabien nachgewiesen; beide Gruppen haben - im Gegensatz zu beinahe allen anderen semitischen Sprachen - die drei protosemitischen Zischlaute (s, š, ś) bewahrt; in beiden ist die Verwendung des gebrochenen Plurals (جَمْعُ تَكْسِيرٍ) weitverbreitet; und die Sprachen teilen eine Menge lexikalischer Gemeinsamkeiten.

Der deutsche Semitist Norbert Nebes hat indessen aus der Schreibweise schwacher Wortwurzeln abgeleitet, dass MSA-Sprachen - so auch das Arabische - einen Imperfektiv des zentralsemitischen Typus besitzen.[17] John Huehnergard, namhafter amerikanischer Semitist, hat seither weitere Beweise zugunsten einer Klassifizierung der MSA-Sprachen als zentralsemitische Sprachen entdeckt. Der allgemeine Konsens, dass MSA-Sprachen als zentralsemitische Sprachen zu klassifizieren sind, hat die Klarstellung herbeigeführt, dass sie nicht auf die altsüdarabischen Sprachen zurückgeführt werden können.[18]

[...]


[1] Alle Bezug genommenen Sprachvarianten abgerufen am: 21. April 2018. Die deutschsprachige Seite ist abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Neus%C3%BCdarabische_Sprachen [Abruf: 21. April 2018].

[2] Simeone-Senelle, Languages, 378.

[3] Rubin, Mehri, [1].

[4] Simeone-Senelle, Languages, 378.

[5] Rubin, Mehri, [1].

[6] Simeone-Senelle, VI. 64. Arabian, 1074.

[7] Die Information wurde der folgenden Internet-Seite entnommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Sima#Alexander-Sima-Ged%C3%A4chtnispreis [Abruf: 21. April 2018].

[8] Zum Werdegang des Verfassers siehe: http://semitistik.uni-hd.de/sima_w.html [Abruf: 21. April 2018].

[9] Unter: http://semitistik.uni-hd.de/md/semitistik//mehri_bibliographie.pdf [Abruf: 21. April 2018].

[10] Graphik: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Modern_South_Arabian_Languages.svg [Abruf: 27. August 2018].

[11] Störig, Abenteuer, 269.

[12] Rubin, Mehri, 7.

[13] Für die Details zu dieser Beweisführung siehe: Huehnergard, John und Aaron D. Rubin, II. 9. Phyla and Waves: Models of Classification of the Semitic Languages, in: Weninger, Stephan (Hrsg.), The Semitic Languages, An International Handbook, London, 1997, 270f.

[14] Rubin, Mehri, 7.

[15] Rubin, Mehri, 8.

[16] Graphik: http://individual.utoronto.ca/holmstedt/Welcome_files/tree.jpg [Abruf: 27. August 2018].

[17] Siehe dazu: Nebes, Norbert, Zur Form der Imperfektbasis des unvermehrten Grundstammes im Altsüdarabischen, in: Festschrift Ewald Wagner zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von W. Heinrichs und G. Schoeler, Bd. 1. Semitische Studien unter besonderer Berücksichtigung der Südsemitistik, Beirut 1994, 59-81 (Beiruter Texte und Studien - BTS 54).

[18] Rubin, Mehri, 8.

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668787544
ISBN (Buch)
9783668787551
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438682
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft
Note
1,00
Schlagworte
Forschungsgeschichte MSA-Sprachen Mehri Ḥarsūsi Baṭḥari Hobyōt Jibbali Soqoṭri

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