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Brain Drain oder Brain Gain? Die Auswirkungen der Migration von Hochqualifizierten auf Abgabe- und Aufnahmeländer am Beispiel von Indien

Essay 2018 12 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Einleitung

Brain Drain- und Brain Gain Prozesse sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig. In den letzten Jahren wurden diese Denkansätze diskutiert und weiterentwickelt. Der Prozess der Migration von Hochqualifizierten wird in neueren Ansätzen nicht mehr als ein in sich abgeschlossener Prozess angesehen, bei dem es von Seiten der Abgabeländer ausschließlich Verluste für deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung gibt. Stattdessen wurde der Begriff der Brain Circulation entwickelt. Er sieht die Migration von Hochqualifizierten als keinen abgeschlossenen, sondern als zirkulären Prozess. Dadurch entstehen nicht nur Vorteile auf Seiten der Aufnahmeländer, auch Abgabeländer, darunter hauptsächlich Schwellen- und Entwicklungsländer, profitieren vom Migrationsprozess. Dabei wird Indien in der Literatur häufig als Beispiel für einen solchen Brain Circulation Prozess herangezogen. Die ״klassischen Einwanderungsländer“, wie Z.B. die USA, haben langjährige Erfahrungen mit der Anwerbung gut ausgebildeter und hochqualifizierter Migrantinnen und Migranten. In den USA haben sie nicht unwesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der 90er Jahre bei getragen. Die Politik in diesen Ländern hat die Weichen für die Anwerbung und Aufnahme dieser Zuwanderer gestellt. In diesem Essay soll der Brain Drain und Brain Gain Prozess mithilfe des vermeintlichen Abgabelandes Indien und dem Aufnahmeland Amerika aufgezeigt und analysiert werden.

Die Ausarbeitung ist in fünf Kapitel unterteilt. Nach der Einleitung gibt es eine Einführung in das Land Indien und warum es als Variable ausgewählt wurde. Im zweiten Kapitel sollen die wichtigsten Begrifflichkeiten definiert werden. Dazu zählen sowohl die Begriffe der Migration und Hochqualifizierten als auch die Brain Drain, Brain Gain und Brain Circulation Ansätze. Anschließend soll im dritten Kapitel der Brain Drain in Indien analysiert werden mit seiner Entwicklung, Folgen und daraus resultierenden Ursachen. Kapitel vier untersucht die These ״vom Brain Drain zum Brain Gain in Indien“, mögliche Chancen und Faktoren für einen möglichen indischen Erfolg im Migrationsprozess. Abschließend werden im fünften Kapitel die Ergebnisse und Erkenntnisse zusammengetragen und in einen Fazit bewertet.

Entwicklung, wenngleich diese sehr hohe Disparitäten innerhalb der indischen Bevölkerung zwischen Nord- und Südindien sowie zwischen urbanen- und ländlichen Räumen aufweist. Mit dem Human Development Index (HDI) lässt sich ein internationaler Vergleich über die sozioökonomische Entwicklung ziehen. Dabei liegt Indien mit einem HDI von 0,624 auf Platz 131 von 188 und belegt damit das untere Mittelfeld. Betrachtet man allerdings die Entwicklung der letzten Jahrzehnte, so zeigt sich eine positive Entwicklung. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern, wie beispielsweise Mexiko und Brasilien, die mit einem HDI von 0,762 und 0,754 auf Platz 77 bzw. 79 liegen, weißt Indien einen niedrigen Stand der Sozioökonomisehen Entwicklung auf (Human Development Report 2016). Disparitäten zeigen sich vor allem beim Blick auf urbane und ländliche Räume. Während Städte und Unionsterritorien einen Stand der Entwicklung aufweisen, der mit einigen Staaten in Europa vergleichbar ist, leben in Indien rund 280 Millionen Einwohnerinnen, vorwiegend in ländlichen Regionen, von weniger als 1,90$ pro Tag.

2. Begriffsdefinitionen

Im Folgenden sollen die Begriffe Migration, Hochqualifizierte, Brain Drain, Brain Gain und Brain Circulation definiert werden, da sie einen elementaren Bestandteil der Analyse einnehmen.

2.1 Migration:

Der Begriff Migration leitet sich von dem lateinischen Wort ״migrare/migratio“ ab und bedeutet übersetzt so viel wie ״wandern“ oder ״wegziehen“. Innerhalb der Sozialwissenschaften sind mit dem Begriff der Migration Personen gemeint, die einen dauerhaften Wohnortwechsel vornehmen (vgl. Han 2016: 6). Statistisch werden Personen als Migranten erfasst, wenn sie ihren Wohnsitz für mindestens ein Jahr von ihrem Herkunftsland in ein anderes Land verlegen. Migration wird als ein Prozess betrachtet, der sich von der Vorbereitung über den Verlauf bis hin zu einem vorläufigen Abschluss streckt. Dabei stellt ein erfolgter Wohnortwechsel keineswegs das Ende des Migrationsprozesses dar. Der Migrationsprozess wird in vier Dimensionen unterteilt. Die räumliche Dimension (1), die motivationale Dimension (2), die zeitliche Dimension (3) und die soziokulturelle Dimension (4). Des Weiteren wird in der Literatur zwischen zwei Arten der Migration, der Binnen- und Internationalen Migration, unterschieden, weshalb es stets einer Zuordnung bedarf (vgl. Han 2016: 7). Diese Ausarbeitung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Internationalen Migration.

2.2 Brain Drain:

Unter dem englischen Begriff Brain Drain ist wörtlich vom ״Abfluss der Gehirne“ die Rede, der Begriff wurde allerdings als ״Elitenmigration“ ins Deutsche übersetzt (Han 2016: 29). Erstmals wurde der Begriff im Zuge der Auswanderung von hochqualifizierten Fachkräften aus Großbritannien in die USA verwendet. Seit Anfang der 1960er Jahre werden vermehrt Schwellen- und Entwicklungsländer als Hauptabgabeländer identifiziert. Wichtigstes Aufnahmeland waren die USA und eines der größten Abgabeländer war und ist Indien (vgl. Hunger 2003: 10). In der Diskussion über den Brain Drain gibt es zwei gegeneinander argumentierende Sichtweisen. Die Erste sieht im Brain Drain den Verlust von Humankapital auf Seiten der Herkunftsländer. Die zweite Sichtweise wertet den Brain Drain als eine für das Herkunftsland hilfreiche Ventilfunktion:

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Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668785960
ISBN (Buch)
9783668785977
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438696
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Brain Drain Brain Gain Indien Hochqualifizierte Migration

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Titel: Brain Drain oder Brain Gain? Die Auswirkungen der Migration von Hochqualifizierten auf Abgabe- und Aufnahmeländer am Beispiel von Indien