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Die Geschichte der Anna Katharina Emmerick. Ein Leben in Jahren des Umbruchs

Säkularisation, französische Herrschaft und der Anschluss Münsters an Preußen

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jahre des Umbruchs (1803-1815)
2.1 Die erste Angliederung an Preußen (1802-1806)
2.2 Die französische Herrschaft (1806-1813)
2.3 Wiederanschluss an Preußen (1813-1815)
2.4 Die katholische Kirche in den Jahren des Umbruchs

3. Zur Person Anna Katharina Emmerick
3.1 Biografisches
3.2 Die Krankengeschichte Emmericks
3.3 Die mystischen Erfahrungen Emmericks
3.4 Die Wirkung der Symptome und Erfahrungen Emmericks auf die damaligen Zeitgenossen vor dem Hintergrund der Romantik

4. Zusammenfassendes Fazit – Bezug zwischen der damaligen (kirchen-)politischen Situation und Emmerick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie Anna Katharina Emmerick, die „Mystikerin des Münsterlandes“, die katholische Kirche und das politische Leben in Münster in Jahren der Veränderung und des Umbruchs beeinflusst hat. Dazu wird zunächst allgemein die Situation Münsters zur Zeit der Angliederung an Preußen, Säkularisation und französischen Fremdherrschaft geschildert und im Anschluss auf die Rolle und die Entwicklung der katholischen Kirche zu dieser Zeit eingegangen. Als Quellen hierfür dient Sekundärliteratur die Geschichte der Stadt und des Bistums Münster betreffend.

Im darauf folgenden Teil soll es um die Person Anna Katharina Emmerick gehen, um ihre mystischen Erfahrungen, ihre Krankheitsgeschichte und um ihre Wirkung auf die damaligen Zeitgenossen vor dem Hintergrund der Romantik. Hierzu werden als Literatur einschlägige Sekundärwerke über Emmerick verwendet.

Im Fazit wird versucht, die beiden Teile, also die damalige (kirchen-)politische Situation und die Geschichte der Anna Katharina Emmerick in Bezug zueinander zu setzen, indem einerseits die Auswirkungen der politischen Situation auf das Leben Emmericks herausgestellt werden und andererseits schwerpunktmäßig die Bedeutung Emmericks für die Entwicklung Münsters in der damaligen Zeit betrachtet wird.

2. Jahre des Umbruchs (1803-1815)

2.1 Die erste Angliederung an Preußen (1803-1806)

Der 3. August 1802 ist der Tag, an dem Münster von Preußen in Besitz genommen wurde. Was folgte waren dreizehn durch Unruhe geprägte Jahre, in denen die politische Zugehörigkeit mehrfach wechselte. Die einstige fürstbischöfliche Landeshauptstadt Münster erlebte in dieser Zeit einen tiefgreifenden Verfassungs- und Verwaltungswandel die kirchliche Ordnung, die Gesellschaft, sowie Wirtschaft und Kultur betreffend, in Zuge dessen jahrhundertealte Traditionen umgekrempelt wurden.

1802/03 fand eine Säkularisation der deutschen Fürstbistümer statt, die durch die Abtretung linksrheinischer Reichsgebiete als Entschädigungen an das in den Revolutionskriegen siegreiche Frankreich veranlasst wurde.

Eine weitere Ursache für die Säkularisation waren aber auch Forderungen nach einer Entflechtung weltlicher und kirchlicher Einflussbereiche im Sinne einer grundsätzlichen Diskussion über die Existenz geistlicher Staaten vor dem Hintergrund des Aufklärungsdenkens. Kritisiert wurde vor allem der häufige Regentenwechsel durch den Wahlstaatscharakter der Fürstbistümer und der angeblich den Fortschritt hemmende Einfluss des Klerus.[1]

Anfang 1795, als französische Truppen zum Einmarsch in Westfalen bereit waren, drohte Münster selbst von den Kriegswirren erfasst zu werden. Dann jedoch schied Preußen aus der antifranzösischen Koalition aus und der daraufhin geschlossene Friedensvertrag von Basel erklärte den gesamten norddeutschen Raum als Neutralitätszone. Unmittelbar bevor stand jedoch für Münster die Säkularisation, weil Preußen der Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich und der Entschädigung durch Fürstbistümer zugestimmt hatte. Nachdem sich Hoffnungen Münsters auf Österreich bezüglich der Stütze durch die drei geistlichen Kurfürstentümer nicht erfüllten, leitete Napoleon in Anlehnung an den Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 den Prozess der Reichsauflösung ein, der sich dann 1806 vollendete.

Den Reichsdeputationsschluss nicht abwartend annektierte Preußen schon im August 1802 die ihm im französisch-preußischen Vertrag zugesprochenen Gebiete, in dem Preußen etwa fünffach für die linksrheinischen Gebiete entschädigt wurde.

Die nördlichen und westlichen Gebiete des Fürstbistums Münster blieben den Preußen jedoch verwehrt, zugesprochen wurden ihnen die Osthälfte einschließlich der Landeshauptstadt. Auch wenn kein ernsthafter Wiederstand die verwaltungsmäßige Angliederung begleitete, so gab es doch abhängig von den einzelnen Bevölkerungsschichten Vorurteile und Sorgen dem ungeliebten Preußen gegenüber, das in Münster für Bürokratie, Steuerbelastung und Militärdrill stand. Zu erwähnen ist aber vor allem das wohl größte Problem in Form der Religionsverschiedenheit zwischen dem katholischen Münster und dem protestantischen Preußen.

Der oberste Verwaltungsbeamte Freiherr vom Stein und dessen Nachfolger Ludwig von Fincke versuchten jedoch die Münsteraner langsam für den preußischen Staat zu gewinnen und erhielten eine Ständevertretung, um so Mitsprache zu gewährleisten.[2]

Die anlaufenden Eingliederungsmaßnahmen Münsters in den preußischen Staat wurden von September 1805 an durch einen möglichen Kriegseintritt Preußens in Frage gestellt. Die Konstituierung des Rheinbundes am 12.06.1805 sorgte schließlich dafür, dass die preußischen Provinzen im Westen von Staaten unter der Herrschaft des französischen Kaisers umzingelt waren. Im August machte Preußen dann die Truppen mobil.[3]

2.2 Die französische Herrschaft (1806-1813)

Nach nur kurzem Krieg erlitt Preußen am 14. Oktober 1806 eine kriegsentscheidende Niederlage. Die Münsteraner freuten sich über den Sieg der Franzosen. Napoleons Absicht, das eroberte Gebiet in seinen Machtbereich einzubeziehen, wurde in Münster begrüßt. Im Raum zwischen Rhein und Weser ließ Napoleon zwei französische Militärgouvernements einrichten. Diese fast anderthalb Jahre dauernde Gouvernementszeit war geprägt durch die militärische Herrschaft der Franzosen, was sich in hohen Abgaben ausdrückte, die von der Bevölkerung zunächst jedoch gerne bezahlt wurden, mit dem Ziel die Gunst der Franzosen zu gewinnen.

Am 21. Januar 1808 wurde das ehemalige Fürstentum Münster Teil des Großherzogtums Berg, einem Rheinbundstaat, der sich durch Reformen im französischen Sinne in einer Phase der Veränderung der Verfassungs-, Verwaltungs-, Rechts- und Sozialordnung befand.

[...]


[1] Vgl. Damberg, Wilhelm. Moderne und Milieu. 1802-1998. (Geschichte des Bistums Münster, 5). Münster 1998, 17+20.

[2] Vgl. Lahrkamp, Monika. Jahre des Umbruchs – Säkularisation und französische Herrschaft (1802- 1815). In: Jakobi, Franz-Josef (Hg.). Geschichte der Stadt Münster. Band 2. Münster 1994, 2-7.

[3] Vgl. Lahrkamp, Jahre 23+24.

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638415736
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43877
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für mittlere und neuere Kirchengeschichte
Note
2,0
Schlagworte
Geschichte Anna Katharina Emmerick Hintergrund Angliederung Münsters Preußen Säkularisation Herrschaft Wirkung Kirche Proseminar

Autor

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