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Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im interkulturellen Wirtschaftskontext

Seminararbeit 2014 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung und Hintergrund

2. Definition des Begriffs der nonverbalen Kommunikation

3. Übertragungskanäle nonverbaler Kommunikation
3.1. Mimik und Gestik
3.2. Weitere visuelle Signale
3.3. Körperhaltung und Körperkontakt (taktile Signale)
3.4. Auditive Signale

4. Unterteilung des Bewusstseinsgrades
4.1. Bewusste nonverbale Kommunikation
4.2. Unbewusste nonverbale Kommunikation

5. Messung nonverbaler Kommunikation

6. Wirkungen und Funktionen nonverbaler Kommunikation im wirtschaftlichen Umfeld
6.1. Wirkungen nonverbaler Kommunikation
6.1.1. Emotionale Wirkung
6.1.2. Kognitive Wirkung
6.2. Funktionen nonverbaler Kommunikation

7. Soziales Rollenverhalten im Wirtschaftsleben / Interaktion
7.1. Die Auffassung von der Zeit
7.2. Die Körperorientierung
7.3. Individuelle Distanzzonen

8. Zusammenfassung und Fazit

II. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Inhalts- und Beziehungsebene..

1. Einleitung und Hintergrund

„Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren." [1]

Statistischen Erhebungen zufolge hat die nonverbale Kommunikation einen mehr als 90-prozentigen Anteil an unserem täglichen Leben inne. Lediglich 7% der insgesamt stattfindenden Kommunikation finden verbal statt, womit der nonverbale Anteil im Umkehrschluss einen enormen Anteil einnimmt, wie auch das einleitende Zitat veranschaulichen soll. [2] Eine Kommunikation ohne nonverbale Kommunikation ist demnach nicht möglich. Einer Internetquelle zufolge kann der Inhalt einer Botschaft sogar nur dann zum Empfänger gelangen, wenn dieser Inhalt deckungsgleich mit der zugehörigen nonverbalen Kommunikation ist. [3] Häufig ist die Rede von „verborgenen Signalen“ [4] , die mit der eigentlichen Botschaft übermittelt und instinktiv gedeutet werden.

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich nach einigen ausführlichen Erläuterungen zum allgemeinen Verständnis der nonverbalen Kommunikation und den verschiedenen Übertragungskanälen mit der Frage, inwieweit diese Kommunikationsform einen Einfluss auf das interkulturelle Wirtschaftsleben hat – welche Funktionen sie erfüllt und welche Wirkung sie erzielen kann.

2. Definition des Begriffs der nonverbalen Kommunikation

Um eine klare und eindeutige Definition nonverbaler Kommunikation zu ermöglichen, bietet es sich an, zunächst eine Abgrenzung von der gegenteiligen verbalen Kommunikation vorzunehmen. [5] Im Gegensatz zu dieser wird jegliche Übertragung von Informationen, die nicht in Zusammenhang mit der Sprache steht, als nonverbale Kommunikation bezeichnet. [6] Als alternative Begrifflichkeiten werden im Gabler Wirtschaftslexikon die Worte „außersprachliche, nicht sprachliche, nicht linguistische [und] averbale Kommunikation“ [7] genannt. Festzustellen ist also, dass eine konkrete, einheitliche Definition des Begriffes nicht vorliegt. Unter Kommunikation im Allgemeinen werden alle Vorgänge der Informations- und Nachrichtenvermittlung verstanden, unabhängig von der Art der Übertragung. Die nonverbale Kommunikation umfasst alles, was ein Mensch nicht mit Worten, sondern mit seiner Körpersprache ausdrückt. [8]

Zu beachten ist allerdings, dass die verbale und die nonverbale Vermittlung nicht ohne Weiteres voneinander separiert werden können, da nonverbale Kommunikation in den meisten Fällen vielmehr als eine Ergänzung der sprachlichen Nachrichtenübertragung verstanden werden kann, sofern sie dem Unterstützen einer Botschaft dient. [9]

Mit welchen Übertragungskanälen eine solche Art der Kommunikation möglich ist, werden die folgenden Kapitel dieser Seminararbeit veranschaulichen. Die einzelnen Signale nonverbaler Kommunikation werden genauer untersucht und anschließend in einen Zusammenhang mit dem interkulturellen Wirtschaftskontext gebracht.

3. Übertragungskanäle nonverbaler Kommunikation

Wie zuvor bereits angedeutet, lässt sich die nonverbale Kommunikation in verschiedene Übertragungswege unterteilen. So können die zu übermittelnden Botschaften eines „Senders“ in unterschiedlichen Formen bzw. mit unterschiedlichen Signalen an einen Empfänger vermittelt werden.[10] Mögliche interpretierbare Kanäle sind zum einen visuelle Signale wie Mimik und Gestik sowie die Körperhaltung, zum anderen auditive und taktile Signale, die allesamt in den nächsten Abschnitten erläutert werden.[11]

Zur Veranschaulichung soll die folgende Abbildung dienen, auf der erkennbar ist, dass sich eine Botschaft stets aus einer inhaltlichen und einer Beziehungsebene zusammensetzt. Die inhaltliche (direkte) Ebene zeigt lediglich den Teil der Botschaft, der durch Worte und Sprache übertragen wird. Einen erheblichen Teil der Nachricht übermittelt jedoch auch die (indirekte) Beziehungsebene, nämlich die nonverbale Kommunikation, die die Botschaft mit sämtlichen Mitteln außerhalb der verbalen Ebene weiterleitet.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Inhalts- und Beziehungsebene[13]

Überdies ist eine Kommunikation mit anderen Faktoren möglich, zum Beispiel mit olfaktorischen Signalen (beziehen sich auf Gerüche), thermalen Signalen (beziehen sich auf Wärme) und gustatorischen Signalen (beziehen sich auf den Geschmackssinn).[14] Aber auch Aspekte wie Kleidung und Einrichtungsstil sowie Farbgestaltung gehören dazu.[15] Auf jene Faktoren wird aus Gründen des Umfangs dieser Seminararbeit an dieser Stelle nicht näher eingegangen.

3.1. Mimik und Gestik

Zunächst werden Signale der Mimik sowie der Gestik betrachtet, wobei sich zum ersten Bereich der Gesichtsausdruck und der Blickkontakt zählen lassen. Sowohl die Mimik als auch die Gestik sind in die Kategorie der visuellen Signale einzuordnen.[16]

Am Gesicht lassen sich verschiedenste Emotionen und Stimmungen eines Menschen erkennen; es gibt Auskunft darüber, ob jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt positiv oder negativ empfindet.[17] In mehr als der Hälfte der Fälle wird ein Gesichtsausdruck von Gesprächsteilnehmern in der richtigen Art und Weise gedeutet.[18] Als typische Beispiele für mimisches Verhalten gelten zum Beispiel hochgezogene Mundwinkel, also ein Lächeln, als Zeichen der Freude und des Glücks oder auch das Stirnrunzeln als Symbol für Verwirrung oder Missgunst. Gerade das Lächeln kann aber auch bewusst zur Manipulation der inneren Gefühlslage nach außen eingesetzt werden.[19]

Es stellt sich die Frage, inwieweit sich gewisse Gesichtsausdrücke verallgemeinern lassen. Darwin stellte die Vermutung auf, dass „die entsprechenden mimischen Bewegungen angeboren sind, also genetisch von Generation zu Generation weitergegeben“[20] würden. Demnach müsste es eine einheitliche Anwendung der Mimik sowie eine allseits bekannte Dekodierung geben.[21] Verschiedene andere Theoretiker vertreten jedoch den Standpunkt, dass Mimik ein kulturspezifisches Gut ist.[22] Eine Mischform aus beiden Ansichten scheint die übergreifende Meinung der Wissenschaft zu sein – es gebe sowohl mimische Angewohnheiten, die genetisch vererbt würden, als auch spezielle Eigenheiten, die sich unterschiedliche Kulturen angeeignet hätten.[23]

Auf die besondere Bedeutung der Augen wird an späterer Stelle (Abschnitt 3.2.) eingegangen.

Der Gestik, also Bewegungen, die überwiegend mit Händen oder Armen ausgeführt werden, können ebenfalls Hinweise über die Empfindungen einer Person entnommen werden.[24] Die Unwissenheit über die Haltung der Arme und Hände zeugt beispielsweise von Unsicherheit oder Angst. Verschränkte Arme hingegen können auf Abweisung und eine defensive Grundhaltung in einer bestimmten Situation hindeuten. Wird ununterbrochen mit den Fingern auf einer Tischoberfläche getrommelt, ist dies ein Hinweis auf Ungeduld oder bloße Langweile, kann aber ebenso für starke Nervosität stehen.[25] Interessant für die Gesten im wirtschaftlichen Umfeld ist außerdem der Händedruck, der als erster Kontakt bei der Begrüßung einer anderen Person gilt.[26] In vielen Fällen wird ein fester und selbstbewusster Händedruck mit der rechten Hand als sympathisch und selbstsicher empfunden.[27] Ist der Druck zu stark, kann das Gegenüber eingeschüchtert werden. Ist er jedoch zu schwach, lassen sich schnell Desinteresse oder Schwäche deuten.[28] Wie bei der Mimik kann es auch im Bereich der Gestik dazu kommen, dass Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft dieselbe Gestikulation völlig unterschiedlich interpretieren.

Alles in allem gelten sowohl eine „offene“ Handhaltung als auch eine einladende, aber nicht zu offensive Mimik als die angemessene Wahl, um Gesprächspartnern gegenüberzutreten.

3.2. Weitere visuelle Signale

Ferner sind die Augen ein wichtiges Sinnesorgan, da visuelle Kontakte, also Blickkontakte, von Außenstehenden häufig zügig wahrgenommen und auch interpretiert werden können. Nicht umsonst gelten die Augen eines Menschen als „Spiegel seiner Seele“, als Fenster zur inneren Gedanken- und Gefühlswelt und zu seinem emotionalen Zustand.[29] Bezüglich des Blickkontaktes gibt es einige charaktertechnische Unterschiede. So sehen eher introvertierte Personen ihrem Gegenüber öfter in die Augen und höhergestellte Menschen werden eher direkt angesehen als untergeordnete.[30] Auch bekannt ist, dass Frauen ihre Gesprächspartner häufiger ansehen als Männer dies tun. Charakter, Status, Geschlecht, aber auch der Bekanntheitsgrad zweier Personen spielen eine Rolle, wenn es darum geht, wie oft oder wie lange sich zwei Menschen ansehen.[31] Betrachtet man den Zeitfaktor genauer, kann gerade in Konfliktsituationen eine längere Blickdauer als herausfordernd, evtl. auch bedrohlich erachtet werden. Andererseits kann dies situationsbedingt auch ebenso gut ein Zeichen von starker Vertrautheit, besonderem Interesse oder eines sozialen Status‘ sein.[32] Kann dem Blick des Redners nicht standgehalten werden, lassen sich schnell Angst oder Unehrlichkeit des Zuhörers vermuten.[33] Das allseits bekannte Sprichwort „Blicke können töten“ verdeutlicht die Wirksamkeit eines einzelnen Blickes, der situativ eine wesentlich stärkere Aussagekraft haben kann als das gesprochene Wort.[34]

Um in Gesprächssituationen nicht unangenehm aufzufallen bzw. das Interesse des Zuhörers oder Zuschauers nicht zu verlieren, sollte der Gesprächspartner nicht zu selten, aber auch nicht zu häufig bzw. lange angesehen werden. Bei zu wenig Blickkontakt könnte der Verdacht des Desinteresses entstehen, bei zu offensichtlichem Ansehen wird das Interesse am Gegenüber wissentlich oder unwissentlich über den Gesprächsinhalt gestellt.[35]

[...]


[1] PaulWatzlawick.de (10.09.2014)

[2] vgl. Nonverbal-kommunikation.de (09.09.2014)

[3] vgl. Nonverbal-kommunikation.de (09.09.2014)

[4] Rothlauf (2006), S. 154

[5] vgl. Nonverbale-kommunikation.info (09.09.2014)

[6] Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[7] Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[8] vgl. Nonverbale-kommunikation.info (09.09.2014)

[9] vgl. Peglow (2006), S. 2 f.

[10] Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[11] Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[12] Nonverbale-kommunikation.info (09.09.2014)

[13] Nonverbale-kommunikation.info (09.09.2014)

[14] vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[15] vgl. Nonverbal-kommunikation.de (18.08.2014)

[16] vgl. Peglow (2006), S. 8 ff.

[17] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 35

[18] vgl. Kroeber-Riel, Gröppel-Klein (2013), zitiert nach Argyle (1992)

[19] vgl. Peglow (2006), S. 8

[20] Scherer, Wallbott (1984), S. 41

[21] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 41

[22] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 41

[23] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 41

[24] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 32

[25] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 32 ff.

[26] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 40

[27] vgl. Wirtschaftslexikon24 (10.09.2014)

[28] vgl. Wirtschaftslexikon24 (10.09.2014)

[29] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 62

[30] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 62

[31] vgl. Scherer, Wallbott (1984), S. 62

[32] vgl. Peglow (2006), S. 10

[33] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 59

[34] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 50

[35] vgl. Reineke, Damm (1983), S. 51

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668787704
ISBN (Buch)
9783668787711
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438802
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,7
Schlagworte
Cross-Cultural Communication Management nonverbale Kommunikation interkulturell Wirtschaft

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