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Frauen im NS-Regime. Eine Erinnerungskultur auf dem Prüfstand

Hausarbeit 2018 17 Seiten

Soziologie - Krieg und Frieden, Militär

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erinnerungskultur
2.1 BRD und DDR
2.2 Gesamtdeutschland

3. Täter, Opfer und die Frauen
3.1 Täter/innengruppen
3.2 Weibliche Opfer und Zuschauer
3.3 Die Rolle der Frau

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus in Deutschland befindet sich seit je her in einem stetigen Prozess. Während die Debatte im Laufe der Jahrzehnte auf der einen Seite an Breite gewonnen hat - von einer stetigen Präsenz in Politik, Medien und Öffentlichkeit hin zu einem differenzierterem und offenerem Umgang mit der Thematik – blieb auf der anderen Seite ein Faktor der NS Zeit weiterhin unangetastet. Frauen als Täterinnen spielen in der deutschen Erinnerungskultur weiterhin eine untergeordnete Rolle, während das Bild des Opfers oder auch der unbeteiligten Zeitgenossin weiterverbreitet wird. Mit der Frauenbewegung in den 1970er Jahren begann man sich auch mit diesen Vorurteilen differenzierter auseinanderzusetzen und hinterfragte die aktive Beteiligung von Frauen an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Betrachtung der Frauen musste also revidiert werden. Auch wenn es in der Zwischenzeit eine Vielzahl geschichtswissenschaftlicher Publikationen gibt, welche die Täterschaft von Frauen thematisieren, spielt die Thematik in der Erinnerungskultur und der öffentlichen Wahrnehmung bisher keine große Rolle. „Diese Handlungsspielräume ganz normaler Frauen in der NS-Diktatur liegen für die Öffentlichkeit immer noch weitgehend im Dunkeln.“ (Kompisch 2008: 67). Schuld und Täterschaft werden weiterhin hauptsächlich mit Männern assoziiert, während die Frau weiterhin als passiv und unpolitisch dargestellt wird. Man kann also sagen, dass egal wie entwickelt die deutsche Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus zu sein scheint, das Bild der Frau eine erhebliche Lücke darstellt.

Dies ist der zentrale Punkt meiner Arbeit. Wie kommen diese geschlechterspezifischen Assoziationen zu Stande und wieso dient dies einer andauernden Verklärung der Geschichte? Dazu beschäftige ich mich mit fundamentalen Faktoren wir der Schuldabwehr und Läuterung von Täter/innengruppen und der ‘‘unschuldigen‘‘ deutschen Bevölkerung. Ich beginne mit einer Analyse der deutschen Erinnerungskultur, aufgeteilt nach DDR und BRD, und beschäftige mich dann mit einer Abgrenzung der involvierten Gruppen nach Tätern, Opfern und Zuschauern. Diese Ergebnisse untersuche ich dann auf die Frage nach der Rolle der Frau und beende die Hausarbeit mit einem kurzen Fazit, in dem ich die Erkenntnisse abschließend im Rahmen der Fragestellung reflektiere.

2. Die Erinnerungskultur

„Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, daß man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußstsein. Sondern man will einen Schlussstrich darunterziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“ (Adorno 1977: 102)

Dieses Zitat von Adorno legt bereits nahe, dass die Fragestellung dieser Hausarbeit alles andere als eindimensional zu betrachten ist. Daher ist es sinnvoll sich zunächst Gedanken über die allgemeine Betrachtung von Erinnerungskultur zu machen. Was bedeutet also der Begriff Erinnerungskultur? Ganz einfach ausgedrückt umfasst er alle Formen des Umgangs und der Beschäftigung mit der Vergangenheit. In unserem Fall ist das die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus in Deutschland. Folgerichtig existieren hier also ganz unterschiedliche Theorien und Strömungen, Sichtweisen auf das Vergangene die auch häufig parallel zueinander existieren beziehungsweise sich parallel entwickeln. Daher kann es nie die Erinnerungskultur per se geben, das Thema ist dafür viel zu subjektiv. Was sich in der Betrachtung aber eindeutig herausarbeiten lässt, sind gewisse Tendenzen, welche sich in fast allen Phasen der deutschen Erinnerungskultur erkennen lassen. Am Zitat Adornos lässt sich erkennen, was alle Erinnerungen gemeinsam haben: den Wunsch einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Dies ist durchaus kein umstrittener Punkt, gerade im thematischen Rahmen des Nationalsozialismus. Dennoch trat dieser Drang, obwohl er durchaus in unterschiedlichsten Formen entdeckt werden kann, unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf, eine Zeit in der sich Deutschland im Grunde noch in einer Art Schockstarre befunden hat. Dies hatte zum Ziel eine möglichst starke und klare Abgrenzung zum Vergangenen aufzubauen und wieder einen positiven Bezug zur Nation zu entwickeln. Dabei geht es nicht primär um eine tatsächliche Aufarbeitung der Schrecken des Nationalsozialismus, sondern eher um den Aufbau von entlastenden Argumenten, ein Versuch der offiziellen, staatlichen Erinnerungskultur. Die Verdrängung – ein wichtiger Teil einer Erinnerungskultur, begann bereits direkt in der Nachkriegszeit und machte damit einen verantwortungsvollen und produktiven Umgang mit dem Vergangenen schwierig. Eine wahre Aufarbeitung und Verarbeitung des Nationalsozialismus konnte so in Deutschland nicht wirklich stattfinden.

2.1 BRD und DDR

Es existierten in den beiden Teilen Deutschlands während der Nachkriegszeit unterschiedlichste Auffassungen darüber, wie man mit dem Vergangenen umgehen sollte. Die Annahme, dass die Abgrenzung vom Nationalsozialismus ausschlaggebend für die beiden Staatsgründungen sei, war dabei die einzige Konstante. In der DDR und früheren sowjetischen Besatzungszone hat man versucht die Geschichte des Nationalsozialismus in die Geschichte des antikapitalistischen Kampfes umzuschreiben. Diese begann mit der Politik der KPD vor 1933, ging über in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und mündete dann in der Entstehung der DDR. Die Geschichtsphilosophie sei nach Sabine Moller: „die Erfahrungen und Vorstellungen einer Minderheit innerhalb der kommunistischen Widerstandskämpfer auf die ostdeutsche Gesellschaft projiziert“ (Moller 2003: 42). Hieraus kann man zwei maßgebliche Faktoren für die DDR Sicht herauslesen: eine Vereinnahmung jeglicher Widerstandshandlungen gegen den Nationalsozialismus und der Versuch den Siegeszug des Sozialismus als fortwährende Geschichte zu propagieren. Was durch diese Überbetonung des Widerstands einhergeht, ist eine Verschiebung der Betrachtungsweise weg von den Tätern. „Die vergangenheitspolitischen Bemühungen der Sovjets und der deutschen politischen Führung in der SBZ konzentrierten sich von Anfang an darauf, neben der Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher die als maßgeblich verantwortlich für den Faschismus angesehene „Ausbeuterklasse“ auszuschalten.“ (Moller 2003: 43).

Die Schuld an den Verbrechen und die Entstehung des Nationalsozialismus wird also einer klar abgegrenzten Gruppe zugeschrieben. Als ein machtloses Opfer faschistischer Verführung sei daher der Großteil der Bevölkerung anzusehen. Die Maßnahmen der sowjetischen Befreiungstrupps die Entnazifizierung voranzutreiben und alle Ämter im öffentlichen Bereich neu zu besetzen, wurden spätestens zur Staatsgründung der DDR stark reduziert. Die zu Beginn der Nachkriegszeit noch stark befürworteten Maßnahmen fanden im Selbstverständnis der DDR keinen Platz mehr. Dadurch konnte auch keine wirkliche Auseinandersetzung mit den sozial gesellschaftlichen Missständen im Bereich Rassismus und Antisemitismus stattfinden. Da der Antisemitismus, Faschismus und Rassismus innerhalb der kommunistischen Ideologie primär als Folge des Kapitalismus verstanden wurde, galt für die kommunistische Gesellschaft keine Gewahr in diese Ideologien zu verfallen.

So heißt es etwa in der Verfassung:

„Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des Volkes und den internationalen Verpflichtungen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet.“ (Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik 1974)

Die Frage nach der NS-Beteiligung der Bevölkerung wurde durch diese Satzung des antifaschistischen Selbstverständnisses ignoriert. Nach und mit dem Ausbruch des kalten Krieges fand die DDR eine weitere Gelegenheit sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren und die personelle Kontinuität und den verbliebenen Faschismus in Westdeutschland zu propagieren. Somit entzog sich die DDR der Verantwortung einer produktiven Aufarbeitung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verarbeitung und Aufarbeitung des Nationalsozialismus keine Rolle innerhalb der DDR gespielt hat, somit auch die Frage nach möglichen Tätern bzw. Täterinnen beiseitegestellt wurde. Darüber hinaus wurden innerhalb der Geschichtsphilosophie der DDR andere Opfergruppen, außer kommunistischer Widerstandkämpfer, komplett ignoriert und somit eine Verblendung der Geschichte vollzogen (Moller 2003: 53). Das Ignorieren der Ideologien Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus führte dabei nicht zur gesellschaftlichen Überwindung, sondern eher noch zum Weiterbestand dieser Missstände. Der Faschismus sei eine Klassengesellschaft gewesen und damit per se nicht anfällig für antisemitisches Gedankengut.

Im Gegensatz zur DDR sah sich die Bundesrepublik, kurz BRD, als Rechtsnachfolgerin des nationalsozialistischen Deutschland und grenzte sich nicht in einem antifaschistischen Selbstverständnis vom Vergangenen ab. Dies soll nicht bedeuten, dass es nicht entsprechende Strömungen und Versuche gab. „Verführung, Verhängnis, Schicksal sind korrespondierende universalisierende Deutungen, denen im westdeutschen Repertoire der Umgangsstrategien eine ähnliche abstrahierende Funktion zukam wie dem entkonkretisierten Faschismusbegriff im Osten.“ (Moller 2003: 58) Was die Sicht der Bundesrepublik auf die Schrecken des Nationalsozialismus ausmachte, war die Grundannahme einer Art Fremdherrschaft innerhalb dieser Zeit. Dieser Herrschaft fiel das deutsche Volk zum Opfer und sah sich in der Nachkriegszeit daher auch nicht unbedingt in der Pflicht eine ausreichende Entnazifizierung einzuführen, dies waren Bemühungen der Alliierten. Nach den Hauptkriegsverbrecherprozessen in Nürnberg, unternahm man auch den Versuch, der deutsche Bevölkerung zur Demokratie zu erziehen.

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668788763
ISBN (Buch)
9783668788770
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438859
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
frauen ns-regime eine erinnerungskultur prüfstand

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Titel: Frauen im NS-Regime. Eine Erinnerungskultur auf dem Prüfstand