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Arbeitswelt 4.0. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeitsweisen von Hochschulen aus?

Hausarbeit 2018 17 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Arbeitswelt 4.0
2.1 Die Revolutionen
2.2 Digitalisierung

3. Die Hochschule
3.1 Definition
3.2 Typen

4. Auswirkungen der Digitalisierung
4.1 Strukturwandel an Hochschulen
4.2 Anforderungen an Mitarbeiter
4.3 Maßnahmen zum Kompetenzaufbau

5. Fazit

1. Einleitung

Mensch gegen Maschine - dies ist häufig eines der ersten Bilder die die Menschen im Rahmen des öffentlichen Diskurses zum Thema Digitalisierung im Kopf haben. Auf der einen Seite arbeitet Forschung und Wirtschaft immer stärker hin zu einer voll digitalen Welt, in der viele Arbeitsbereichen die heutzutage Millionen Menschen auf der Welt den Arbeitsplatz sichern einfach verschwinden, während auf der anderen Seite die Rufe laut werden, die vor genau so einer Zukunft warnen. Egal zu welcher Seite man sich persönlich zuordnen mag, die Digitalisierung ist und bleibt einer der Haupttrends unserer Zeit und wird in den nächsten Jahren exponentiell wachsen. Doch was genau bedeutet das für unser Arbeiten? In dieser Hausarbeit möchte ich mich genau mit dieser Frage beschäftigen und dies im Rahmen eines speziellen Arbeitsbereiches - der Hochschule. Wie muss sich das Hochschulsystem den wachsenden Herausforderungen und Ansprüchen einer digitalen Welt anpassen? Wie wird man diesem neuen Konstrukt, welches sich hinter dem doch recht harmlosen Begriff Arbeiten 4.0 versteckt, gerecht? Doch hier liegt nicht der alleinige Fokus auf den Mitarbeitern. Die Digitalisierung an Hochschulen erhebt eine ganze Menge an Ansprüchen sowohl an Mitarbeiter, Fachkräfte aber auch Studierende. Die bis dato bestehenden Arbeitsformen werden durch Digitalisierung und Automatisierung schwieriger, die Systeme dahinter sind häufig komplexer als die ursprünglichen Arbeitsprozesse. Diese neue Technik ergänzt oder ersetzt in der Zukunft nicht nur die manuellen Tätigkeiten, sondern übernimmt zunehmend analytisch-intellektuelle Aufgaben. Solche Veränderungen gehen mit einem gesellschaftlichen Wandel und neuen individuellen Wertvorstellungen einher, die sich ebenfalls auf die Arbeitswelt auswirken. Beginnen werde ich mit einer Einführung in das Konzept des Arbeiten 4.0, erkläre hier zum einen den Wandel der Arbeitswelten und definiere danach was genau Digitalisierung ist. Im Folgenden gehe ich noch einmal genauer auf die Hochschule an sich ein, erkläre die Grundbegriffe und Typen dieser Institution. Danach versuche ich beides zusammen zu bringen und erkläre welche Auswirkungen die Digitalisierung nun auf das System der Hochschule hat, wie der benötigte Strukturwandel aussehen kann und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Kompetenzen der unterschiedlichen Gruppen einer Hochschule optimal an die aufkommenden Herausforderungen anzugleichen. Ich beende meine Hausarbeit mit einem kurzen Fazit, in dem ich noch einmal alle Ergebnisse zusammenfassend reflektiere.

2. Die Arbeitswelt 4.0

"Bisher hatten wir es vereinfacht gesagt mit Trivialmaschinen zu tun, die es schon seit der Antike gibt. Man drückt auf einen Knopf, und der hat eine eindeutige Wirkung. Heute haben wir es mit Maschinen zu tun, die durch Mustererkennung selbst während des Prozesses Entscheidungen treffen. Die Frage ist, entmachtet das eigentlich uns selbst, oder konzentriert es Macht womöglich?" (Soziologieprofessor Armin Nassehi zur Digitalisierung am Arbeitsplatz).

2.1 Die Revolutionen

Das Schlagwort der digitalisierten Arbeitswelt Arbeiten 4.0, versteht sich innerhalb einer Gesellschaft die nachhaltig durch die Industriegeschichte verändert wurde. Alles begann mit der Industrie 1.0 und den ersten Annäherungen zur Industriegesellschaft. Diese erste industrielle Revolution war durch die Erfindung der Dampflock entstanden und ermöglichte den Menschen das schnelle Reisen und den schnellen Transport von Gütern über weite Distanzen. Diese erste Revolution zeichnete sich bereits durch eine Ersetzung von menschlicher Arbeit durch Maschinen aus und erfasste über Großbritannien später ganz Europa. Doch dies waren nicht die einzigen wichtigen industriellen Entwicklungen dieser Zeit. Dieselben Kolben, die für den mechanischen Antrieb der Lokomotiven nötig waren, wurden auch in derTextilbranche benutzt und ermöglichten Produktion in bisher unerreichbaren Ausmaßen. Auch der Bergbau wird für die Energiegewinnung aus Kohle immer weiter ausgebaut und ermöglicht auch hier ein schnelles wirtschaftliches Wachstum. Im Zeichen der Industrie 2.0 steht die elektrische Energie, die mithilfe der arbeitsteiligen Massenproduktion zu ihrer Blütezeit fand. Unter Henry Ford startete 1913 die Fließbandfertigung von Automobilen und damit auch die Unterteilung von spezialisierten Produktionsschritten. Die anfänglich manuellen Montagen der einzelnen Autoteile werden aber auch zunehmend automatisiert, vornehmlich zum wohl der Effizienz aus Zeit- und Kostengründen. Ende der 1970er Jahre startet dann die Industrie 3.0 und mit ihr das Zeitalter der Computer - oder auch PC (Personal Computer). Die von Konrad Zuse erfundene und zunächst als teures Spielzeug deklarierte Maschine revolutionierte die Arbeitswelt schnell und ist bis heute Mittelpunkt der Industrie.

Ab da an begann der Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung - kurz EDV und ermöglichte der Industrie hochautomatisierte Arbeits- und Datenverarbeitungsprozesse. Viele äußerst schwierige und gefährliche Arbeiten wie bspw. das Schweißen werden seitdem von Automaten erledigt, mit einer für Menschen nicht möglichen Präzision. Dem folgt die Verknüpfung von Produkten und Prozessen über das Internet als Kernelement der zurzeit laufenden industriellen Revolution - Industrie 4.0 (vgl. Böwer 2016: s. 8 f).

Industrie 4.0 steht für ״eine neue Welle der Industrialisierung und Digitalisierung, die innovative Produkte und Dienstleistungen hervorbringt und so Arbeit und Einkommen für das kommende Jahrzehnt sichern wird" (Mülder 2016: 22). Wichtiges Stichwort hier ist die Vernetzung, in der nicht nur Systeme innerhalb einer Produktionsstätte in digitaler Verbindung miteinander treten, sondern auch Systeme entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Intelligente Systeme tauschen und verbreiten so Informationen und Daten über Maschinen und Fertigungsteile und sorgen so für den höchsten Grad an produktioneller Effizienz. Aber auch die Menschen innerhalb dieses Systems tauschen sich aus, um beispielsweise Termine zu koordinieren und so Handlungsabläufe besser zu organisieren. Gerade in diesem Zeitalter ist also eine funktionale Interaktion zwischen Mensch und Maschine wahnsinnig wichtig und muss gerade im Rahmen der aufkommenden Digitalisierung vieler Arbeitsstätten garantiert werden. Gerade dieser Blick in die Zukunft ist auch maßgeblich für den Begriff der Arbeitswelt 4.0. Damit wird nämlich nicht die heutige Normalität, sondern Perspektiven, Szenarien und Gestaltungschancen für die Zukunft beschrieben. Dabei müssen aber auch die Konsequenzen betrachtet werden - sowohl die technischen als auch die sozialen. Man kann vermuten, dass durch die Arbeitswelt 4.0 eine Art der Arbeitsplatzverdichtung zunehmen wird, sich die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen wird und die Komplexität der Aufgaben steigt. Eine wachsende Angst die mit der Digitalisierung einhergeht ist, dass dadurch der Anteil an hochqualifizierten Arbeitnehmern exponentiell steigen wird und so kein Platz mehr bleibt für das Handwerk oder andere Branchen und ihre Mitarbeiter. Doch zwischen all dem Pessimismus bietet diese neue Revolution auch ein Versprechen von neuen Arbeitsbereichen und wirtschaftlichen Wachstum.

"Der Ansatz ermögliche die fortlaufende Optimierung der Ressourceneffizienz über gesamte Wertschöpfungsnetze hinweg, Arbeit könne nicht nur demografie-sensibel und sozialer gestaltet werden, sie werde auch kreativer und von Routineaufgaben entlastet und biete künftig verbesserte Weiterbildungs- und Vereinbarkeitschancen." (Sabine Pfeifer, bpb: 2015)

2.2 Digitalisierung

"Der Begriff der Digitalisierung hat mehrere Bedeutungen. Er kann die digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation oder die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen ebenso meinen wie die digitale Revolution, die auch als dritte Revolution bekannt ist, bzw. die digitale Wende. Im letzteren Kontext werden nicht zuletzt "Informationszeitalter" und "Computerisierung" genannt." (Wirtschaftslexikon Gabler)

Die Digitalisierung wird heute häufig mit der digitalen Transformation gleichgesetzt. Letztere bedeutet den durch Informationstechnologien hervorgerufenen Wandel. Diese Transformation lässt sich mittlerweile in allen gesellschaftlichen Bereichen erkennen. Beispielsweise verändern sich durch die digitale Transformation Angebot und Nachfrage auf Arbeitsmärkten, rechtliche Rahmenbedingungen des Handelns oder auch politische Meinungsbildungen und Richtungen. Selbsterklärend ist die digitale Transformation daher gerade in der Wirtschaft von besonderer Relevanz. Agieren Unternehmen doch durch diesen Wandel in stark veränderten Märkten und modifizierten Wertschöpfungsstrukturen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, sich den gegebenen Rahmenbedingungen anzupassen und sich mit der Veränderung ihrer Kernprozesse in den Bereichen Effizienz und Kundenorientierung, ihrer Kundenschnittstellen, ihrer Services und Produkte wie auch ihrer übergreifenden Geschäftsmodellen zu widmen. Um diese Herausforderungen systematisch zu bewältigen, arbeiten Unternehmen heutzutage auch an modernen

Managementstrukturen, um die Chancen und Risiken des digitalen Wandels zu fassen und zu bewältigen.

3. Die Hochschulen

3.1 Definition

"Stätte für wissenschaftliche Forschung und Lehre, d.h. Weitergabe praktischer und theoretischer Kenntnisse in wissenschaftlicher Form an die Studierenden, an die bei Nachweis der erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten durch die vorgesehene Abschlussprüfung akademische Würden erteilt werden können. Laut Hochschulrahmen­Gesetz (HRG) obliegen der Hochschule die Aufgaben: Pflege der Wissenschaften und der Kunst; Grundlagenforschung; wissenschaftsbezogene Lehre zur Vorbereitung auf entsprechende Berufe; Dienstleistungen auf wissenschaftlicher Grundlage. Hochschulen werden i.d.R. in der Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts betrieben und sind zugleich staatliche Einrichtungen (§58 HRG)." Wirtschaftslexikon Gabler

3.2 Typen

Hochschulen beziehungsweise qualifizierte und meist staatliche Bildungsstätten gibt es auf der ganzen Welt in unterschiedlichen Formen. Gemeinhin versteht man unter dem Sammelbegriff: Universitäten, Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen. Im klassischen Sinne versteht man gerade die Bildungsstätten, die das Promotions- und Habilitationsrecht innehaben, die Forschung und Lehre gewährleisten, alle Wissenschaften (Natur- sowie Geisteswissenschaften) berücksichtigen und die damit verbundenen Autonomierecht aufweisen als Universitäten. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit auch in der Hochschullandschaft unterschiedlichste Veränderungsprozesse ergeben, die dazu geführt haben, dass einige neue Profil und Strukturen gebildet wurden, sodass die Universität nicht mehr als alleinige Organisationsform agiert. Um einen stärkeren Bezug zur Wirtschaft und Praxis zu schaffen, wurden in den 70er Jahren Fachhochschulen gegründet. Sie zeichneten sich durch einen starken Anwendungsbezug und sowie kürzere Studienzeiten aus. Beispielsweise kam die anwendungsorientierte Forschung, als weiteres Aufgabenfeld, erst Jahre später dazu.

Ein wichtiges neues Konzept war die Freiheit der neuen Lehre, wodurch beispielsweise auch Fachhochschulen Forschungsaufgaben nach Artikel 5 Absatz 3 Satz 1 Grundgesetz übertragen wurden. Demnach haben sich im Rahmen des Bologna-Prozesses Universitäten und Fachhochschulen angenähert. Als dritte große Gruppe zeichnen sich die Kunst- und Musikhochschulen durch künstlerische, pädagogische und wissenschaftliche Ausbildung in Theorie und Praxis als ganz besondere Bildungseinrichtung aus. Speziell ist hier die Verbindung zwischen künstlerischer Lehre, der Kunstausbildung und Forschung. Eine Kombination die so an Universitäten und Fachhochschulen nicht zu finden ist (vgl. Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz: 2017).

4. Auswirkungen der Digitalisierung

Die Hochschullandschaft ist divers und heterogen. Man kann in ihr Studierende, sowie forschende Projekt- und Verwaltungsmitarbeitende oder Hausmeister sowie Verbeamtete und nicht Verbeamtete finden. Den einzig richtigen und in sich geschlossenen Weg zu einem produktiven Umgang mit der Digitalisierung kann es daher bereits per se nicht geben. Neben den wachsenden Anforderungen an alle Individuen innerhalb der Institution, erfordert die Digitalisierung ebenfalls eine erweiterte Profilbildung. Dies hat zur Folge, dass alle digitalen Lehr- und Lernangebote, Lehrpläne, sowie die Struktur der angebotenen Studiengänge genau durchdacht und angepasst werden sollten. Dies kann ganz unterschiedliche Formen annehmen, je nach betroffenem Hochschultyp. Immerhin geht es hier auch häufig um die einzelne Positionierung einer Hochschule in der Öffentlichkeit. Doch auch die Anforderungen an Leistungsprofile diverser Hochschulmitglieder wie bspw. der Lehrenden und der Verwaltungsmitarbeiter steigen an. Doch dies erhöht auch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und eröffnen völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Lehre. Beispiele dafür wäre eine völlig neu aufgesetzte Didaktik, technische Infrastrukturen die mithilfe qualifizierter Programmierer erneuert werden. Im organisatorischen Bereich erfordert die Digitalisierung umfassende Fort- und Weiterbildungen in den Bereichen Onlinekommunikation bzw. Onlinelehre durch Webbinare oder YouTubinare. Doch der Trend bewegt sich auch weg vom statischen und Starren Arbeitsplatz hin zum Home Office und flexibleren Konzepten innerhalb der Work-Life Balance.

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668796898
ISBN (Buch)
9783668796904
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438862
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
Arbeit Digitalisierung Schule Uni Hochschule Arbeitsweise

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Titel: Arbeitswelt 4.0. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeitsweisen von Hochschulen aus?