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Soziale Ungleichheit. Die umstrittenen Ursachen von globaler Armut und die Rolle der WTO

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. WAS IST ARMUT?
2.1 Relative VS. ABSOLUTE Armut
2.2 Vergleich zwischen früher und heute
2.3 Theoretischer Diskurs - Ist eine Ungleichheit notwendig?

3. DIE UMSTRITTENEN URSACHEN VON ARMUT UND UNGLEICHHEIT
3.1 Globalisierung als Grund für die Ungleichheit
3.2 Nord-Süd-Machtgefälle - Die Rolle der internationalen Finanzorganisationen

4. DIE DOHA-RUNDE - LÖSUNG UND PROBLEM ZUGLEICH

5. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung]: Das BIP pro Kopf weltweitvon 1990-2014

Abbildung 2: Ungleiche Verteilung des Vermögens weltweit

Abbildung 3 : Verhandlungsgruppen bei der Doha-Runde

1. Einleitung

62 Einzelpersonen besitzen so viel wie 3,6 Milliarden Menschen auf dieser Welt - und damit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (Oxfam, 2016: 2). Der Abstand zwischen den reichen und armen Menschen ist trotz schnellen wirtschaftlichen Wachstums immer noch enorm groß. Diese ungleichen Verhältnisse können in Zukunft bei aktueller Entwicklung sogar weiter zunehmen. Die soziale und globale Ungleichheit versuchen Industrieländer etwa durch Entwicklungszusammenarbeit im engeren wie weiteren Sinne zu bekämpfen. Dennoch ist der Zustand der globalen Ungleichheit immer noch präsent.

Entscheidend in dieser Arbeit ist es, eine mögliche Ursache für Armut und Ungleichheit zu analysieren. Daraus ergeben sich mögliche Handlungsfelder, um die Probleme zu lösen.

Zu Beginn wird zunächst der Armutsbegriff knapp definiert. Nachdem die Grundlagen geschaffen worden sind, soll in einem kurzen Beitrag die Vermessung der globalen Armut von der Weltbank und von Oxfam dargestellt werden. Gleichzeitig wird in diesem Kapitel die These, dass die Reichen reicher und die Armen immer ärmer werden, überprüft. Im theoretischen Diskurs soll die Frage geklärt werden, ob Ungleichheit ein notwendiger und unvermeidbarer Zustand ist.

Aufbauend darauf wird im darauffolgenden Kapitel die Armutsursache vorgestellt. Im Rahmen dieser Seminararbeit und aufgrund der Komplexität wird lediglich eine mögliche und ausgewählte Ursache kritisch hinterfragt: Diese ist die Globalisierung. Neben den wirtschaftlichen Aspekten soll auch das Nord-Süd-Machtgefälle innerhalb der Finanzorganisationen dargestellt werden. Letztere haben als international agierende Organisationen besonders großen Einfluss auf die die teils hochverschuldeten Entwicklungsländer im Kontext der Globalisierung und damit auch auf die Ungleichheit. Die Rolle der Organisationen wird in diesem Teil kritisch betrachtet.

Verhandlungsrunden wie die in Doha sind ein wichtiger Schritt für eine globale Kooperation, die im Endeffekt eine Reduzierung der Ungleichheit und damit Armut bewirken können. Vertreten sind hierbei über 160 verschiedene Staaten, die wiederum unterschiedliche Interessen haben. Das problematische Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Akteuren ist seit längerem bekannt. Der Konflikt aber auch das Potenzial einer solchen Verhandlungsrunde soll in diesem Kapitel erläutert werden.

Die Arbeit fasst im Schlussteil die wesentlichen Aussagen und Ergebnisse in einem Fazit zusammen.

2. Was ist Armut?

Es existieren zahlreiche unterschiedliche Definitionen für den Begriff ״Armut". Dies hängt damit zusammen, dass abhängig davon, aus welcher wissenschaftlichen Disziplin sowie Gesellschaft bzw. Kultur ״Armut" gedeutet wird, andere Faktoren im Fokus stehen. Einen allgemeingültigen und objektiven Erklärungsansatz zu finden, ist aufgrund der Komplexität des Themas nicht möglich. Nach Burri basieren alle Definitionen zur Armut letzten Endes auf Wertvorstellungen, die sich wiederum individuell unterscheiden (Burri, 1998: 7). Fakt ist, dass gerade wegen der Komplexität eine umfassende transdisziplinäre Herangehensweise für das Verständnis notwendig ist.

Ein häufig verwendeter Indikator zur Messung von Armut, ist die Berechnung von statistischen Armutsgrenzen, sogenannte poverty lines, die ein in der jeweiligen Gesellschaft vermutetes Existenzminimum festlegen (Nuscheler, 2012: 89). Eine Methode zur Festlegung der Armutsgrenze ist die von der Weltbank erstellte Living Standard Measurement Survey (LSMS), wo der quantitative Maßstab in der Regel ein Pro-Kopf-Einkommen ist, das 50 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt liegt und den existenziellen Mindestbedarf decken soll (ebd.). Es besteht auch die Möglichkeit das Konsumniveau durch ein zusammengestelltes Warenbündel zu definieren, das für die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse als notwendigerachtet wird (ebd.). Die Wahl des Maßes selbst ist hierbei ein Werturteil. In dieser Arbeit wird grundsätzlich zwischen relativer und absoluter Armut unterschieden.

2.1 Relative VS. absolute Armut

Mit der relativen Armut wird die Lebenslage von Bevölkerungsgruppen, die im Verhältnis zum allgemeinen Wohlstandsniveau am unteren Ende der Einkommens- und Wohlstandspyramide leben (Nuscheler, 2012: 89). So gelten in Deutschland demnach alle Menschen als armutsgefährdet, deren Haushaltseinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt (bpb, 2012: O.S.). Im Jahr 2009 belief sich dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person inklusive staatlicher Sozialleistungen bei etwa 940 Euro im Monat (ebd.). Es gibt somit keine absolute Grenze, die auf ein Existenzminimum beruht. Gleichzeitig kann die Armut nur in Relation zum nationalen Durchschnittseinkommen gemessen werden. Solche statistischen Erhebungsmethoden werden deshalb häufig innerhalb von Industriestaaten angewendet.

Statistiken die die Armut relativ messen sind für Fehler anfällig und irreführend. So scheint einzig und allein ein niedriges Einkommen als Kriterium ausschlaggebend zu sein. Diese Erhebungen setzen jedoch nicht das eigene Einkommen mit den Lebenshaltungskosten ins Verhältnis. Demzufolge müssen erwerbstätige Menschen mit einem niedrigen Einkommen nicht zwangsläufig als arm kategorisiert werden, solange diese die Lebenshaltungskosten auch bezahlen können. Die Messung der Armutsgrenze anhand des Durchschnitteinkommens ist zudem stark regional und national abhängig. Eine Armutsgrenze für ein ganzes Land festzulegen ist fehlerbehaftet, da bei einem solchen Messwert nicht etwa zwischen strukturstarken und -schwachen Regionen unterschieden wird. Methodisch sind zudem viele weitere Faktoren miteinzubeziehen. streng genommen wird hier nicht die Armut bewertet, sondern die soziale Ungleichheit.

Absolute Armut liegt vor, wenn Menschen nicht über die zur Existenzsicherung notwendigen Güter (z.B. Nahrung, Kleidung, Wohnung) verfügen (Nuscheler, 2012: 89). Dies bedeutet auch, dass die Menschenwürde nach dieser Definition als Maßstab genommen wird. Kulturell könnte diese jedoch unterschiedlich gedeutet werden. Auch die Weltbank hat hierzu eine poverty line definiert. Menschen gelten als absolut arm, die mit weniger als 1,90 US-Dollar per Kaufkraftparität pro Tag auskommen müssen (Ferreira, 2015: O.S.). Die statistische Erhebungsmethode der Weltbank wird dabei häufig kritisiert und in Frage gestellt. Nach Nuscheler gebraucht die Weltbank ״einen sehr einfachen, allerdings auch groben Maßstab" (2012: 90). Bei der Erhebung werden wichtige Faktoren wie die Subsistenzwirtschaft vernachlässigt. Menschen die ihre Nahrung selbst anbauen und damit nicht notwendigerweise auf ein hohes Einkommen angewiesen sind, werden in der Statistik zu den absolut Armen gezählt. Das Konzept der absoluten Armut ist in Industrieländer oft nicht anwendbar, da in Ländern wie Deutschland die physiologische Existenzsicherung durch das staatliche Sozialsystem abgesichert ist.

Auffallend ist, dass nach den bisher benannten statistischen Erhebungsmethoden, sowohl bei der relativen und als auch bei der absoluten Armut, die monetären Faktoren dominieren. Es wird angenommen, dass das eigene Einkommen mit dem Lebensstandard stark korreliert. Brodbeck kritisiert, dass die Armut als ein ״natürliche[r] Zustand" angesehen, Reichtum dagegen als individuelle Leistung bewertet wird (vgl. 2005: 66). Die Armut wird somit auf das Einkommen reduziert und gilt sogar als selbstverschuldet (ebd.). Das subjektive Armutsempfinden des Menschen wird dagegen nicht thematisiert.

Kritikpunkt ist demzufolge die einseitige perspektivische Bewertung der Armut seitens der Industrieländer bzw. der Institutionen. Um die Armutsgruppen selber zu Wort kommen zu lassen, wurde von Lokalexperten eine Bewertung, etwa im Rahmen der Participatory Poverty Assessment (PPA) beispielsweise in Kenia durchgeführt, um einen Denkanstoß zu geben und eine Diskussion bei der Weltbank anzuregen (Narayan u. Nyamwaya, 1996). Die Ergebnisse aus den PPA's zeigen, dass die Menschen Sicherheit vor allerlei Risiken und die Chance erhalten wollen, ihr Leben selbst zu bestimmen (Nuscheler, 2012: 93). Die ״objektiven" Daten unterscheiden sich also erheblich von den Selbsteinschätzungen (ebd.).

2.2 Vergleich zwischen früher und heute

Wie aus dem vorigen Kapitel ist das Problem klar erkennbar: Es gibt nicht den einen Index, um Armut messbar zu machen.

Entscheidend ist in dieser Arbeit jedoch nicht die verschiedenen Erhebungsmethoden aufzuzeigen, sondern vielmehr die Entwicklung der Armut darzustellen. Letztere soll durch die folgende Abbildung anhand des weltweiten Bruttoinlandsproduktes pro Kopf (kaufkraftbereinigt) visualisiert werden:

Abbildung 1 : Das BIP pro Kopf weltweit von 1990-2014

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: data.worldbank.org: GDP per capita, ppp (current international $); O.J.; (abgerufen am 15.03.2017)

Die Abbildung verdeutlicht, dass das durchschnittliche Einkommen weltweit seit 1990 angestiegen ist. Die Globalisierung ermöglichte sowohl armen als auch reichen Menschen zunehmend den Elandel von Waren und Dienstleistungen. Inflationsbereinigt ist somit das BIP pro Kopf von 1990 bis 2014 um nahezu das Dreifache gestiegen (s. Abb. 1).

Die obige Abbildung stellt zwar die Entwicklung des BIP pro Kopf weltweit dar, jedoch ist unklar, wer genau dafür verantwortlich ist. Es ist nicht ersichtlich, ob die Reichen oder Armen diese Entwicklung durch ihr steigendes bzw. stagnierendes oder sogar gesunkenes Einkommen beeinflusst haben.

Insgesamt hat sich dennoch die Zahl der Menschen, die in extremer bzw. absoluter Armut leben, von 1990 bis 2010 in den Entwicklungsregionen mehr als halbiert (Vereinte Nationen, 2014: 4). China konnte in diesem Zeitraum die Zahl der extrem Armen von 60 Prozent sogar auf 12 Prozent reduzieren (Vereinte Nationen, 2014: 8).

Lässt sich also mit diesen Informationen die These widerlegen, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Fakt ist, dass trotz der teils erfolgreichen Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN) immer noch viele Menschen mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag leben müssen. An der folgenden Abbildung soll die Ungleichheit zwischen Arm und Reich deutlicher dargestellt werden:

Abbildung 2: Ungleiche Verteilung des Vermögens weltweit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Oxfam; An economy for the 1%, 2016: 3

Abbildung 2 zeigt, dass das Einkommen der unteren Hälfte der Weltbevölkerung bis 2010 deutlich gestiegen ist. In den darauffolgenden Jahren sinkt das Einkommen stetig und stagniert bei etwa 1,7 bis 1,8 Milliarden US-Dollar im Jahre 2015. Das Vermögen der 62 reichsten Menschen dagegen, nähert sich stetig an die Kurve der unteren Hälfte der Weltbevölkerung an. Die Tendenz ist bei ersteren zudem weiterhin positiv. Der Grafik von Oxfam zufolge bedeutet dies, dass das Vermögenswachstum weltweit bei beiden Gruppen in diesem Zeitraum generell positiv ist, ungeachtet der verschiedenen Krisen.

Die hier zu überprüfende These ist somit nur teilweise richtig: Die Lebenssituation hat sich für die Armen insgesamt im Laufe der Zeit verbessert. Richtig ist, dass die Reichen ihr Einkommen deutlich erhöhen konnten und es bei aktueller Entwicklung weiterhin werden.

2.3 Theoretischer Diskurs - Ist eine Ungleichheit notwendig?

Bei dieser Thematik werden oft ״Chancengleichheit" und ״Globalisierung" im selben Satz erwähnt, wie etwa im Rahmen des 6. deutsch-französischen Ministerrats:

״Die Europäische Union muss die Globalisierung gestalten und ihre Chancen nutzen. Chancengleichheit und Integration sind Schlüssel für die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Zukunft Europas." (Bundesregierung, 2006:1).

Diese Forderung nach Chancengleichheit bei gleichzeitiger und Aufrechterhaltung von Ergebnisungleichheit ist in der liberalen Denktradition angesiedelt (S0LGA et al., 2009: 23).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668792333
ISBN (Buch)
9783668792340
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v439040
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Geographisches Institut der Universität Bonn
Note
1,8
Schlagworte
Ungleichheit Globalisierung Entwicklung Armut Doha-Runde Diskurs

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Titel: Soziale Ungleichheit. Die umstrittenen Ursachen von globaler Armut und die Rolle der WTO