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Kommt die Rational Choice Theorie bei der Wahlentscheidung an seine Grenzen und inwiefern könnte die Praxistheorie eine bessere Alternative darstellen, das Wahlverhalten zu begründen?

Hausarbeit 2017 25 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Theorien des Wahlverhaltens
1. Der soziologische Erklarungsansatz
a) Mikrosoziologischer Ansatz
b) Makrosoziologischer Ansatz
2. Individualpsychologischer Ansatz
3. Modell des Sozialen Mileus
4. Modell des rationalen Wahlers

C. Grundannahmen der Rational Choice Theorie
1. Methodologischer Individualismus
2. Rationalitatsprinzip
3. Praferenzgeleitetes Handeln
4. Nutzenmaximierung

D. Zusammenfassung der Annahmen anhand des RREEMM-Modell

E. Modell des rationalen Wahlers

F. Das Wahlparadoxon - Grenze des RCT

G. Die Praxistheorie
1. Grundannahmen der Praxistheorie
2. Die Wahlentscheidung als politische Praktik

H. Fazit - Vergleich Rational Choice Theorie und Praxistheorie

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Am 24. September 2017 findet die Wahl zum 19. Bundestag der Bundesrepublik Deutschland statt. GemaB dem deutschen Wahlrecht durfen alle deutschen Staatsburger wahlen, welche das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in der Bundesrepublik Deutschland wohnen. Laut des Bundeswahlleiters sind fur die Bundestagswahl 2017 insgesamt 61,5 Millionen Menschen wahlberechtigt. Diese durfen uber das personalisierte Verhaltniswahlrecht uber die Zusammensetzung des Bundestags sowie indirekt uber den Bundeskanzler abstimmen. Mit der Erststimme wird ein Vertreter des Wahlkreises gewahlt, derjenige mit den meisten Stimmen erhalt dann einen Sitz im Bundestag. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewahlt, die anhand des Ergebnisses dementsprechend viele Sitze im Bundestag zugesprochen bekommt. Nachdem der Bundestag direkt gewahlt wurde, durfen diese dann den Bundeskanzler wahlen (Rudzio 2006: 161f.). Hierfur treten die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU, Martin Schulz von der SPD, Katrin Goring Eckard und Cem Ozdemir von den Grunen sowie Dr. Sarah Wagenknecht und Dr. Dietmar Bartsch von den Linken zur Wahl an, um nur einige von den zehn Kandidaten fur das Amt des Bundeskanzlers zu nennen. Die Ernennung der Spitzenkandidaten durch die Parteien spiegelt seit den 1970er Jahren die zunehmende Personalisierung der Politik wieder. Gerade mit den Spitzenkandidaten versuchen die Parteien die Wahler von sich zu uberzeugen und so die Mehrheit im Bundestag fur sich zu gewinnen (Hans 2016: 249). In Zeiten in denen eine zunehmende Politikverdrossenheit[1] zu beobachten ist, erscheint dies ein geeignetes Mittel, Personen zu uberzeugen sich an der kommenden Wahl zu beteiligen. Hier wird versucht uber Sympathiewerte der Kandidaten auf Stimmenfang zu gehen und dadurch der sinkenden Wahlbeteiligung in Deutschland gegenzusteuern. Es stellt sich zum einen die Frage warum sich Menschen an einer Wahl beteiligen bzw. sich ihrer Stimme enthalten und zum anderen warum sich der Wahler fur Partei A entscheidet anstatt fur Partei B. Des Weiteren stellt sich die Frage inwiefern die Wahlentscheidung durch soziologische Handlungstheorien begrundet werden kann?

Diese Literaturarbeit versucht diese Fragen zu beantworten, indem die Wahlentscheidung einmal anhand der Rational Choice Theorie und zum anderen aus der Sicht der Praxistheorie erklart werden soil. Zu der Rational Choice Theorie in Bezug auf die Wahlentscheidung gab es in der Soziologie und Politikwissenschaft seit 1970 unzahlige wissenschaftliche Beitrage. Die Grundlage fur dieses Forschungsparadigma legte Anthony Downs 1968 mit seinem Buch „Okonomischen Theorie der Demokratie“, in dem er das Modell des rationalen Wahlers vorstellte. Dieses Modell hat sich in den Sozialwissenschaften etabliert und wird bis heute kontrovers diskutiert (Esser 1990; Zintl 1998; Mensch 1999; Kroneberg 2006, 2009; Dylla 2008; Frochling 2008). Das Wahlparadoxon, welches in dieser Arbeit in einem eigenen Kapitel behandelt wird, steht im Mittelpunkt dieser wissenschaftlichen Diskussion. Clemens Kroneberg, ein bedeutender soziologischer Handlungstheoretiker, hat in den letzten Jahren das Wahlparadoxon immer wieder aufgegriffen. Zum einen ist seine Dissertation[2] zu nennen und zum anderen ein Beitrag aus dem Jahr 2006 „Die Erklarung der Wahlteilnahme und die Grenzen des Rational-Choice-Ansatzes. Eine Anwendung des Modells der Frame- Selektion“. Die Praxistheorie stellt die zweite Theorie in dieser Arbeit dar, anhand der das Wahlverhalten erklart werden soll. Diese hat sich neben der Soziologie auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen etabliert und wird auch bis heute kontrovers diskutiert (Schafer 2016: 14f.). Einen umfassenden Uberblick uber dieses Forschungsfeld bietet das Sammelwerk von Hilmar Schafer „Praxistheorie - ein soziologisches Forschungsprogramm“. Aber auch die Beitrage von Andreas Reckkwitz und Theodore R. Schatzki zur Praxistheorie sind in diesem Zusammenhang zu nennen, da sie im deutschsprachigen Raum zu den bekanntesten Vertretern der Praxistheorie gehoren. Eine praxistheoretische Sicht auf die Wahlentscheidung ist bisher nicht zu finden. Die Theorie der politischen Praktik von Pritzlaff und Neumeier versucht politische Prozesse als politische Praktik zu verstehen und baut auf der Praxistheorie auf, welche als Grundlage fur die Praxistheoretische Sicht auf die Wahlentscheidung dient.

Es soll der Forschungsfrage nachgegangen werden, inwiefern die Rational Choice Theorie bei der Wahlentscheidung an seine Grenzen stoBt und ob die Praxistheorie eine bessere Alternative darstellt die Wahlentscheidung zu begrunden. Im ersten Punkt dieser Arbeit sollen hinfuhrend zum Thema vier grundlegende Ansatze vorgestellt werden, die versuchen die Wahlentscheidung von Individuen zu erklaren. Im nachsten Punkt soll auf die Grundzuge der Rational Choice Theorie eingegangen werden und anschlieBend soll das Modell des rationalen Wahlers nach Downs in groben Zugen dargestellt werden. Am Beispiel der Wahlbeteiligung ist zu beobachten, dass das Modell des rationalen Wahlers hierbei leicht an seine Grenzen stoBt, was unter dem Wahlerparadoxon genauer erlautert wird. Daraufhin sollen die Grundzuge der Praxistheorie dargestellt werden und diese Theorie wiederum auf die Wahlentscheidung angewendet werden. In einer Abschlussdiskussion soll die Rational Choice Theorie mit der Praxistheorie verglichen werden und festgestellt werden, ob die Praxistheorie eine bessere Alternative zur Erklarung der Wahlentscheidung darstellt.

B. Theorien des Wahlverhaltens

Es gibt verschiedene Erklarungsansatze warum Menschen ihre Stimme bei einer Wahl abgeben. Vor jeder Wahl versuchen Wahlforscher den Ausgang der Wahl zu prognostizieren und beschaftigen sich zudem mit der Frage warum sich der Wahler fur Partei A entscheidet und nicht fur Partei B. Diese Fragen sind ein zentrales Anliegen und stehen im Mittelpunkt der Wahlforschung. Um diese Fragen beantworten zu konnen, gibt es verschiedene Ansatze, die alle zu den Theorien des Wahlverhaltens zahlen. Diese lassen sich insgesamt in vier Ansatze gliedern. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte unterscheidet in den soziologischen Erklarungsansatz, individualpsychologischen Erklarungsansatz, das Modell des sozialen Mileus und das Modell des rationalen Wahlers. Die vier Ansatze zur Erklarung des Wahlverhaltens sollen kurz dargestellt werden.

1. Der soziologische Erklarungsansatz

Innerhalb des soziologischen Erklarungsansatzes wird einmal in den mikrosoziologischen und makrosoziologischen Ansatz unterschieden (Korte 2005: 88f.).

a) Mikrosoziologischer Ansatz

Der Mikrosoziologische Ansatz stellt auf das soziale Umfeld des Wahlers ab. Den Grundstein fur den mikrosoziologischen Ansatz legten 1944 Lazarsfeld mit der Studie „The People’s Choice“ und Berelson mit dem Werk „Voting“. Sie gehen davon aus, dass die sozialen Merkmale einer Person entscheiden, in welchem sozialen Umfeld sich die Person bewegt und dieses soziale Umfeld wiederum Einfluss auf die Wahlentscheidung nimmt: „a person thinks, politically, as he is, socially. Social characteristics dermine political preference“ (Lazarsfeld et al. 1944: 27). Dies bedeutet, dass wenn Wahler in Gruppen mit den gleichen politischen Ansichten eingebunden sind, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit fur die Ausbildung einer festen Parteipraferenz. Die Zugehorigkeit zu einer Gruppe, deren Mitglieder unterschiedliche Parteipraferenzen verfolgen, konnen einen Stimmwechsel begunstigen oder die Parteipraferenz der Person festigen. Bleiben die Mitglieder einer Gruppe komplett von der politischen Teilnahme fern, so begunstigt dies die Entscheidung eines Individuums nicht wahlen zu gehen. (Gabriel/Westle 2012: 44).

b) Makrosoziologischer Ansatz

Der mikrosoziologische Ansatz kann jedoch nicht erklaren, weshalb den Arbeitern in Deutschland eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zur Parteipraferenz zur SPD vermittelt wird. Diese Lucke versucht der makrosoziologische Ansatz zu schlieBen. Im Mittelpunkt steht die Theorie sozialer Konfliktlinien von Lipset und Rokkan, welche die Entstehung von Parteisystemen in westeuropaischen Demokratien beschreibt. Diese Konfliktlinien fuhrten dazu, dass sich die von dem Konflikt betroffenen Gruppen zusammenschlossen und zur Durchsetzung ihrer Interessen sich am politischen System beteiligten. So kann erklart werden, weshalb die Arbeiter eine Parteipraferenz fur die SPD innehaben und deshalb die Gruppe der Arbeiter bei einer Wahl fur die SPD stimmen. Mit den soziologischen Ansatzen lassen sich langfristige Bindungen der Wahler an bestimmte Parteien erklaren, jedoch nicht kurzfristige Veranderungen hinsichtlich der Parteipraferenz (Gabriel/Westle 2012: 45).

2. Individualpsychologischer Ansatz

Unter dem Individualpsychologischen Ansatz - auch Ann-Arbor oder Michigan Ansatz genannt - versteht man die individuelle psychologische Beziehung zu einer Partei. Diese resultiert aus drei Komponenten: Zum einen aus der Parteiidentifikation. Diese ergibt sich aus der politischen Sozialisation durch das Elternhaus, durch den Freundeskreis oder auch durch die Mitgliedschaft in bestimmten Gruppen. Die politische Sozialisation pragt die individuelle Wahrnehmung des Individuums auf das politische Geschehen und dessen Bewertung. Der zweite Punkt stellt die Einstellung gegenuber aktuellen politischen Streitfragen dar und der dritte Punkt ist die Einstellungen zu den Spitzenkandidaten. Die individuelle Wahlentscheidung ergibt sich nun aus dieser Variablentrias und kann somit auch kurzfristige Veranderungen bei der Wahlentscheidung erklaren.

3. Modell des Sozialen Mileus

Ein weiterer Erklarungsansatz in der Wahlforschung bietet das Modell der sozialen Mileus. Hierbei wird angenommen, dass die Sozialstruktur und die Wertorientierungen des Einzelnen Einfluss auf das Wahlverhalten nehmen. Neben diesen beiden Faktoren wird der sozialen Integration, dem sozialen Lebensraum, der Position im Lebenszyklus und das Konsumverhalten sowie die Freizeitgewohnheiten Einfluss auf das Wahlverhalten zugesprochen (Gabriel/Westle 2012: 72). Gero Neugebauer beschreibt in seiner Studie „Politische Mileus in Deutschland“ insgesamt neun verschiedene soziale Mileus in Deutschland. So nennt er zum Beispiel ein Mileu „die Bedrohte Arbeitnehmermitte“ und spricht diesen eine Starke Praferenz fur die SPD zu (Neugebauer 2006: 68f.).

4. Modell des rationalen Wahlers

Nach Korte stellt das Modell des rationalen Wahlers einen weiteren Ansatz zur Erklarung von Wahlverhalten dar. Dieses Modell ist bis heute einer der einflussreichsten Ansatze und geht auf Anthony Downs zuruck. Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass die Beteiligung und eine bestimmte Parteipraferenz auf einem individuellen Kosten-Nutzen Kalkul beruht. Das Modell orientiert sich an den Grundannahmen der Rational Choice Theorie. Da in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf die Erklarung des Wahlverhaltens anhand des Modells des rationalen Wahlers gelegt wird, sollen im Folgenden Kapitel die Grundannahmen des Rational Choice Ansatzes erlautert werden, damit dann genauer auf das Modell des rationalen Wahlers von Anthony Downs eingegangen werden kann.

C. Grundannahmen der Rational Choice Theorie

Die Theorie des rationalen Handelns oder auch als Rational Choice Theorie bezeichnet, stammt aus der Mikrookonomik und hat sich erst 1980 in der Soziologie etabliert. Die Theorie hat sich mittlerweile zu einem eigenen Forschungsparadigma weiterentwickelt, welches zu einem der einflussreichsten und am starksten kontrovers diskutierten Paradigma in der Sozialwissenschaft zahlt (Diefenbach 2009: 239). Wichtig in diesem Kontext ist, dass es nicht die eine Rational Choice Theorie gibt, sondern je nach Modellannahmen verschiedene Varianten des Rational Choice gibt. Sie gehen dabei auf Grundkonzepte der Okonomie zuruck, auf spieltheoretische Uberlegungen oder man unterscheidet in den weiten und engen Rational Choice Ansatz. Im Mittelpunkt des Ansatzes steht das soziale Handeln des Individuums, welches sich nach Weber in vier Handlungstypologien unterteilen lasst. Er unterscheidet in zweckrationales, wertrationales, affektuelles und traditionelles Handeln. Die Rational Choice Theorie ist dem zweckrationalen Handeln zuzuordnen (Braun/Gautschi 2011:56): „Zweckrational handelt, wer sein Handeln nach Zweck, Mitteln und Nebenfolgen orientiert und dabei sowohl die Mittel gegen die Zwecke, wie die Zwecke gegen die Nebenfolgen, wie endlich auch die verschiedenen moglichen Zwecke gegeneinander rational abwagt: also jedenfalls weder affektuell (und insbesondere nicht emotional), noch traditional handelt“ (Weber 1972: 13). Alle Varianten des RC gehen davon aus, dass Handlung, die aus mehreren Handlungsalternativen gewahlt wurde, rational ist. Insgesamt lassen sich vier Kernannahmen fur die Theorie des rationalen Handelns identifizieren: Der methodologische Individualismus, das Rationalitatsprinzip, praferenzgeleitetes Handeln und das Prinzip der Nutzenmaximierung (Braun/Gautschi 2011: 66, Mensch 1999: 76, Kunz 2004: 36).

1. Methodologischer Individualismus

Auf dem methodologischen Individualismus basieren alle Rational Choice Analysen. Man geht davon aus, dass Phanomene in der Makroebene durch das Handeln der Akteure in der Mikroebene erklart werden konnen. So wirkt sich die Entscheidung des Einzelnen sich an einer Wahl zu beteiligen und sich fur eine bestimmte Partei zu entscheiden auf das politische System aus, indem die Individuen durch die Teilnahme an der Wahl die Parteien im politischen System legitimieren. Anderenfalls kann aber auch die individuelle Entscheidung nicht wahlen zu gehen ebenfalls Auswirkungen auf das politische System haben. Geht ein GroBteil der Gesellschaft nicht wahlen, was auf die individuelle Entscheidung des einzelnen Akteurs zuruckzufuhren ist, zeigt sich dies an einer geringen Wahlbeteiligung. Aufgrund der geringen Wahlbeteiligung konnte man folgern, dass die Gesellschaft allgemein unzufrieden mit der Politik ist und die Parteien daraufhin reagieren mussen (Braun 2013: 398). Dies zeigt, dass das individuelle Handeln Einfluss auf die Makroebene hat. Genau dieses individuelle Handeln steht im Mittelpunkt der Rational Choice Theorie. „Der Ruckgriff auf die individuelle Ebene ist deshalb notwendig, weil den Akteuren bewuBtes, zielorientiertes Handeln [...] zugewiesen wird“ (Mensch 1999: 79).

2. Rationalitatsprinzip

Grundlegend fur die Theorie rationalen Handelns ist das Rationalitatsprinzip. Man geht zum einen davon aus, dass Akteure bestimmte Ziele verfolgen. Auf die Entstehung und die Veranderung dieser Ziele wird in der Rational Choice Theorie nicht naher eingegangen. In einer bestimmten Entscheidungssituation mit mehreren Handlungsalternativen gilt es fur das Individuum, die Handlungsalternative auszuwahlen, welche die vorzugswurdigsten Folgen mit sich bringt. Also die Handlungsalternative auszuwahlen, welche in der speziellen Situation am rationalsten ist. Wichtig ist, dass dem Akteur ein bewusstes Handeln - zumindest im Forschungsbereich der Sozialwissenschaft - unterstellt wird und man sich in diesem Zusammenhang von unbewussten Handlungen wie Bewegungen im Schlaf oder reflexartige Bewegungen abgrenzt (Mensch 1999: 76 f.).

3. Praferenzgeleitetes Handeln

Als weitere unstrittige Kernannahme ist das praferenzgeleitetes Handeln zu nennen. Man geht davon aus, dass die Akteure uber bestimmte Ressourcen wie Einkommen, Zeit etc. verfugen oder sich an bestimmte Restriktionen wie Gesetze, Auflagen und Normen halten mussen. Dadurch wird zum einen der Handlungsspielraum des Akteurs eingeschrankt und zum anderen ergeben sich aus diesen Ressourcen und Restriktionen verschiedene Handlungsalternativen. Diese Handlungsalternativen werden vom Akteur nun bewertet und in eine bestimmte Rangordnung gebracht. Die individuelle Bewertung der einzelnen Praferenzen hangt von den Ressourcen ab, die dem Akteur zur Verfugung stehen. Wie Braun und Gautschi in diesem Zusammenhang anmerken, dass die Praferenz „auf die Vorlieben des betrachteten Entscheidungstragers bezuglich der mit seinen Handlungsalternativen verknupften Aussichten abgestellt wird“. Zur Veranschaulichung dient folgendes Beispiel: Person A wunscht sich einen teuren und schnellen Sportwagen. Er unterliegt jedoch der Restriktion, dass seine Einkommenssituation unter keinen Umstanden zulasst sich ein Auto in diesem Preissektor zu kaufen. Er hat nun die Wahl

[...]


[1] Unter Politikverdrossenheit versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch die Unzufriedenheit der Burger mit der Politik. Zur weiteren wissenschaftlichen Diskussion zum Begriff Politikverdrossenheit bietet sich das Werk von Jurgen Maier aus dem Jahr 2000 ^Politikverdrossenheit in der Bundesrepublik Deutschland. Dimensionen - Determinanten - Konsequenzen“ an.

[2] Clemens Kroneberg geht in seiner Dissertation „Das Modell der Frame Selektion - Grundlagen und soziologische Anwendung einer integrativen Handlungstheorie“ in einem eigenen Kapitel auf das W ahlparadoxon ein und stellt zudem eine Ubersicht der Auflosungsversuche dar.

Details

Seiten
25
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668793699
ISBN (Buch)
9783668793705
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v439431
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Institut für Sozialwissenschaften
Note
3,0
Schlagworte
kommt rational choice theorie wahlentscheidung grenzen praxistheorie alternative wahlverhalten vergleich

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