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Moderation von Gruppen aus der Sicht der Sozialen Arbeit. Eine Einführung in das Moderieren

Studienarbeit 2009 24 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen im Umfeld von Moderation

2.1 Was ist Moderation?
2.2 Gruppe
2.3 Unterschied Gruppe – Team

3 Der Moderator
3.1 Die Anforderung an den Moderator
3.2 Die Rolle des Moderators
Die Rollenelemente
Die Doppelrolle
Die Authentizität des Moderators

4 Die Moderation
4.1 Der Prozess
4.2 Die Zielsetzung
4.3 Der Ablauf
4.4 Die Phasen
Phase 1
Phase 2
Phase 3
Phase 4
Phase 5
Phase 6
4.5 Der Abschluss

5 Handwerkszeug des Moderators
5.1 Mit Fragen führen
5.2 Professionell visualisieren
5.3 Teilnehmer integrieren

6 Themenzentrierte Interaktion als Methode
6.1 TZI
6.2 Das Konzept der TZI
6.3 Axiome
6.4 Postulate
6.5 Hilfsregeln der TZI
6.6 TZI im Einsatz

7 Schluss

Literaturverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABILDUNGSVERZEICHNIS

Abb 1: Strukturmodell der TZI

1 Einleitung

Die Soziale Arbeit hat das Ziel, die Lebensverhältnisse Bedürftiger zu verbessern und die gesellschaftlichen Bedingungen förderlich zu verändern. In sämtlichen Bereichen ist effektive Kommunikation ein Schlagwort geworden, denn ohne sie ist Sozialarbeit nicht möglich. Teamarbeit scheitert oft daran, dass keine klaren Ziele formuliert sind und zu viel geredet wird. Ewige Zusammenkünfte ohne Einigung, keine konkreten Ergebnisse und viel wertvolle Zeit vergeudet! Ich denke, dass jeder Mensch mindestens eine Veranstaltung erlebt hat, bei der er sich gelangweilt oder geärgert hat, weil keine Information angekommen ist oder keine Ergebnisse erreicht wurden. Aus diesem Grund ist die Idee und die Motivation der Studienarbeit zu dem Thema Moderation von Gruppen entstanden. Der Umgang mit der Moderation ist eine Grundqualifikation, die heute mehr denn je gefragt ist, denn sie bietet Möglichkeiten, Gruppen in begrenzter Zeit zu einem konkreten Ergebnis zu leiten. In einem Arbeitsteam lassen sich gemeinsam getragene Entscheidungen nur in einem unabhängig und gut moderierten Ergebnisfindungsprozess entwickeln. Die Moderation soll dabei ein Klima und die Struktur schaffen, damit die Teilnehmer ihre Erfahrungen und ihr Wissen aktiv einbringen wollen und können. Sie hat ihren festen Platz in der Sozialen Arbeit, denn es hängt viel von der Fähigkeit ab, Inhalte durchdacht und professionell zu präsentieren sowie Gruppenprozesse zielorientiert zu moderieren. Die heutige Sozialarbeit steht mehr denn je vor der Herausforderung, dass die Verteilung von öffentlichen Mitteln zunehmend Probleme bereitet. Ohne ein geplantes und gut präsentiertes Konzept kann eine Projektfinanzierung scheitern. Je mehr Facetten wir der Arbeit mit der Moderation geben und je lebendiger wir sie gestalten, desto wertvoller wird sie für die Gesellschaft. In dieser Arbeit sollen einige Begriffserklärungen den Einstieg in die Moderation erleichtern, in den folgenden beiden Kapitel wird die Rolle des Moderators beleuchtet und auf den Prozess, die Zielsetzung und den Ablauf der Moderation eingegangen. Im fünften und sechsten Kapitel befasse ich mich mit dem Handwerkszeug des Moderators und den Methoden der Moderation. Aus persönlichem Interesse habe ich in dieser Studienarbeit ein besonderes Augenmerk auf die Themenzentrierte Interaktion gelegt. Die Studienarbeit schließt mit meinem Fazit und beleuchtet den Bezug zur Sozialen Arbeit. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich mich durchgängig für die Nennung der männlichen Form entschieden, es sind selbstverständlich immer beide gemeint.

2 Begriffserklärungen im Umfeld von Moderation

2.1 Was ist Moderation?

„Die Moderation ist eine Form des interaktionellen Lernens und Arbeitens. Ihre Wurzeln liegen in der Pädagogik, Humanistischen Psychologie, Soziologie und Gruppendynamik“ (Neuland, 1999, S. 59). Sie ist eine Methode mit und in Gruppen, ist flexibel und aus der Lernlandschaft nicht mehr wegzudenken (vgl. Neuland, 1999, S. 3). Moderation kommt vom lateinischen Wort moderare und bedeutet mäßigen, steuern, lenken. Mitte der 60er Jahre hat das „Quickborner Team“ (Neuland, 1999, S. 56) die Moderations-Methode in einer Zeit der Studentenunruhen und Protestbewegungen in ihrer Grundform entwickelt. Der Wunsch nach Orientierung an Bedürfnissen und einer Beteiligung an Entscheidungsprozessen haben die Entwicklung dieser Methode gefördert, dadurch entstand ein Verständnis für das Planbare sozialer Prozesse. Heute ist der Begriff Moderation den meisten Menschen zum einen aus Funk und Fernsehen bekannt. Moderatoren führen durch das Programm oder die Sendung, erläutern oder fassen die wichtigsten Informationen zusammen - sie lenken im rechten Maß durch das Geschehen. Generell ist die Moderation ist eine ziel- und teilnehmerorientierte Arbeitsweise, mit der Lern- und Arbeitsprozesse von Gruppe organisiert werden. Sie gestaltet Gespräche zwischen Menschen sinnvoll und ergebnisreich. Hierzu werden Methoden der Kommunikation, der Visualisierung und der Präsentation eingesetzt. Somit werden Moderatoren in sämtlichen Bereichen des Berufslebens eingesetzt, dort fungieren sie hauptsächlich als Leitung von Arbeitsgruppen oder Teams (vgl. Pink, 2002, S. 117).

2.2 Gruppe

Seit jeher finden sich Menschen in Gruppen zusammen, um miteinender in Kontakt zu treten und eine verbindliche Zielsetzung als Gemeinsamkeit auszuleben. Von einer Gruppe sprechen wir, wenn mehrer Menschen zueinander in Beziehung treten (vgl. Schmidt-Grunert, 1997, S. 57). „Entscheidend für den Gruppenbegriff ist, ob jedes Gruppenmitglied mit jedem Gruppenmitglied jederzeit kommunizieren kann und ob Kontakte untereinander stärker sind als die Kontakte außerhalb der Gruppe“ (Hartmann, Jacobs & Preuße, 2006, S. 129f).

2.3 Unterschied Gruppe – Team

Die Begriffe Team, Arbeitsgruppe, sowie der Begriff der Gruppe wurden und werden oft synonym verwendet. Sie stehen für jede Form effektiver und konfliktarmer Zusammenarbeit. Ein Team ist eine Arbeitsgruppe, die zeitlich begrenzt erhalten bleibt und einen eigenen Arbeitsstil aufweist. Jedes Team ist ursprünglich eine Gruppe, die sich durch die Bewältigung der gestellten Aufgabe als Team bewährt. Ein ideales Team bündelt die Stärken der einzelnen Mitglieder und erbringt dadurch Höchstleistungen. Nicht nur die Lösung der gestellten Aufgabe, sondern auch eine professionelle Organisation und die Qualität der Kommunikation spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein effizient arbeitendes Team sollte die Sach-, die Organisations- und die Kontaktebene konstruktiv einbeziehen, sind diese Ebenen im Gleichgewicht, kann das Team den Synergieeffekt nutzen und das Projekt zum Erfolg führen (vgl. Pink, 2002, S.115ff).

3 Der Moderator

3.1 Die Anforderung an den Moderator

Fachliches Wissen und Können kombiniert mit optimaler Prozessgestaltung und deren Steuerung bildet eine gute Basis einer erfolgreichen Arbeit mit einer Gruppe. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Kompetenz des Moderators ab und eine professionelle Moderation sollte die Gruppe wirkungsvoll mit bewährten Methoden und Arbeitstechniken unterstützen, das Thema ins Zentrum stellen und die Zeit im Blick haben. Fachwissen allein genügt nicht, denn die Kooperationsprozesse müssen effektiv und effizient gesteuert und gestaltet ablaufen. Der Moderator braucht unabhängig von der Aufgabenstellung sowohl eine methodische als auch eine soziale Kompetenz. Diese beiden Prozesskompetenzen sind nicht isoliert voneinander zu betrachten. Der Moderator soll in schwierigen Situationen angemessen reagieren und aus Fehlern lernen. Moderieren lernt man durch Moderieren, denn nur durch Erfahrungen und Fehler kann die Moderation verbessert werden (vgl. Edmüller & Wilhelm, 2005, S. 57f). Auch die Gruppe hat Prozesskompetenzen und der Moderator soll deren Einsatz so steuern, dass er im Prozessverlauf die richtige Balance halten kann. Der Moderator ist dann gefragt, wenn Verständigungsprozesse durch methodische oder soziale Fähigkeiten unterstützt werden sollen. Der Moderator hat die Aufgaben die Gruppe zum zielgerichteten Arbeiten anzuleiten und ein qualitativ gutes Ergebnis sicherzustellen. Zwischen Menschen entstehen die meisten Missverständnisse dadurch, dass die Vermutung nicht von der Wahrnehmung unterschieden wird und danach diese in eine Bewertung umgewandelt wird. Der Moderator entscheidet sich für eine andere Option, indem er seine Vermutung in eine Frage kleidet. Er kann seine Vermutung auch als seine subjektive Interpretation äußern, dabei lässt er den Gruppenmitgliedern den Freiraum, sich entsprechend dazu zu äußern. Während seiner Arbeit ist sein Werkzeug die Kommunikation mit den Teilnehmern. Er stellt Fragen, fasst zusammen, stellt Widersprüchlichkeiten heraus, bringt die Diskussion auf den Punkt und führt so zu Entscheidungen. Fragen zu stellen ist dabei das Mittel der Wahl die Mitglieder zur Teilnahme zu motivieren und zum Nachdenken zu bringen.

3.2 Die Rolle des Moderators

Beobachten und Interpretieren sind die Basis für Handeln und Reflexion. Wenn wir eine Gruppe leiten, handeln wir und reflektieren unsere Arbeit. Erlernte Sicht- und Beurteilungsweisen geben uns Einblick in unsere und die Wahrnehmung anderer (vgl. Schmidt-Grunert, 1997, S. 119). Der Moderator versteht sich als Dienstleister der Gruppe, indem er einen Lösungs- oder Entscheidungsprozess gestaltet und steuert. Er funktioniert ähnlich wie ein Katalysator, unterstützt methodisch und sorgt für eine ausgewogene Beteiligung aller Teilnehmer, vor allem handelt er nicht aufgrund hierarchischer Macht und sollte die eigenen Meinungen, Ziele und Wertungen zurückstellen können. Mit der Gruppe erarbeitet er Spielregeln des eigenen Umgangs. Wie man gemeinsam schnell zu brauchbaren Ergebnissen kommt ist dabei die zentrale Frage (vgl. Neuland, 1999, S. 59). Der Moderator ist somit:

- ein Prozesshelfer, indem er für Transparenz sorgt, eine fragende Haltung einnimmt und durch Meinungsbildungsförderung den Prozess zur Themenfindung ermöglicht und auf die Einhaltung von Absprachen und Regeln achtet.
- ein Klimaförderer, weil er sich durch Empathie auszeichnet, durch gegenseitige Wertschätzung eine gute Atmosphäre schafft, die Teilnehmer aktiviert und ermutigt.
- ein Schlichter, da er über die nötigen Strategien verfügt, Störungen in der Gruppe zu klären.
- ein Methodenexperte, denn er eröffnet und ermöglicht der Gruppe Wege und führt sie damit zum Ziel, ohne dass er selber aktiv in die Inhaltsdiskussion eingreift (vgl. Dialogforum SoWi, 2009, S. 2).

Die Rollenelemente

Folgende 4 Elemente machen die Rolle des Moderators aus:

- Rollen-Element 1: Personenbezogene Neutralität

Der Moderator geht gemäßigt, bescheiden, eher indirekt und aus dem Hintergrund vor. Er ist kein Chef und kein Vorsitzender, sondern ein Motivierender, er aktiviert zu Ideen und Beiträgen und ist unauffällig, denn komplexe Projekte oder Probleme müssen von unterschiedlichen Seiten angegangen werden. Niemand wird bevorzugt oder benachteiligt, der Moderator hat die Vermittlerrolle und spielt deshalb nicht aktiv mit.

- Rollen-Element 2: Inhaltliche Unparteilichkeit

Der Moderator sollte sich inhaltlich neutral verhalten. Je mehr er thematisch auf dem Laufenden ist, desto mehr läuft er Gefahr sich einzubringen, sich zu engagieren und infolgedessen verliert er den Abstand zu den Ereignissen in der Gruppe und vernachlässigt seine Aufgabe als Moderator. Je stärker er sich inhaltlich einbringt, desto stärker wird er von den Teilnehmern unterschwellig als Konkurrenz wahrgenommen und wird als Moderator immer mehr an Wirkung verlieren.

- Rollen-Element 3: Förderer der Gruppe

Der Moderator sollte in jedem Fall die Zusammenarbeit fördern oder unterstützen und sollte sich nicht in Selbstdarstellung üben. Er ist eine Art Hebamme und seine Rolle besteht darin, die Zusammenarbeit zu erleichtern, er ist zuständig für den Arbeitsprozess und unterstützt die Gruppe in der Zielerreichung.
- Rollen-Element 4: Zweiseitige Verantwortung

Mit der Erfüllung der Rollenelemente 1 bis 3 wird der Moderator seiner Rolle gegenüber den Teilnehmern gerecht. Als Dienstleister der Gruppe erfüllt er seine Verpflichtung optimale Bedingungen für das Arbeiten zu schaffen. Oft wird dem Moderator noch eine zusätzliche Verantwortung zugeordnet, diejenige gegenüber dem Auftraggeber. Er muss dafür sorgen, dass sowohl die Bedürfnisse der Gruppe als auch die Interessen des Auftraggebers berücksichtigt werden (vgl. Sperling, Stapelfeldt & Wasseveld, 2007, S. 15ff).

Die Doppelrolle

Führungskraft und gleichzeitig Moderator sein heißt, sowohl für das Ergebnis als auch für den Prozess verantwortlich zu sein. Diese Doppelrolle wird Führungskräften zu Teil, die gleichzeitig Arbeitsgespräche und Sitzungen leiten, denn oft haben Teams nicht die Möglichkeit, einen externen Moderator zu beauftragen. Wie soll dieser Moderator den Spagat schaffen, dem Auftraggeber, der Sache, dem Prozess und der moderierten Gruppe gerecht zu werden? Die Doppelrolle Führungskraft/Moderator ist eine anspruchsvolle Spitzenleistung, denn der Moderator kann seine Rolle nicht voll und ganz wahrnehmen und kommt daher in zwiespältige Situationen. Neutralität zu wahren erweist sich als schwierig umzusetzen, denn als Führungskraft ist er inhaltlich involviert und somit in seiner Moderatorrolle doppelt gefordert. Will er ein guter Moderator sein, so muss er zwischen zwei Rollen wechseln (vgl. Sperling et al., 2007, S. 19f). Da diese Doppelrolle als schwierig auszuüben ist, sollte geprüft werden, ob eine Moderation an dieser Stelle erforderlich ist, oder ob ein Teammitglied die Moderation übernehmen kann. Abwechselnde Moderation kann bei routinemäßigen Besprechungen dazu beitragen, die Moderationskompetenz im Team zu verbessern, was den Umgang mit Moderation erleichtert. Falls eine Moderation erforderlich ist, sollten einzelne Moderationsaufgaben zur Entlastung der Führungskraft delegiert werden. Im Umgang mit der Doppelrolle sollte der Moderator dem Team erklären, dass er die Verantwortung für zwei Aspekte trägt und er die Gruppe um Kooperation und Unterstützung bittet. Dabei zeigt der Moderator jederzeit transparent, welche Rolle er gerade ausübt und wenn er eigene Beiträge beisteuert, kennzeichnet er diese als solche. Damit die Zusammenhänge transparent und nachvollziehbar werden, ist Visualisierung der wesentlichen Inhalte des Prozessverlaufs eines der wichtigsten Tools in der Moderation (vgl. Sperling et al., 2007, S. 90). Förderlich ist, wenn der Moderator in seiner Doppelrolle eine fragende Haltung einnimmt und damit dem Team mehr Raum zur Entwicklung der eigenen Vorstellungen gibt (vgl. Sperling et al., 2007, S. 21).

Die Authentizität des Moderators

Ehrlichkeit und Offenheit sind die Basis für Glaubwürdigkeit und Vertrauen, denn dies ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Moderation und deshalb ist es wichtig, dass der Moderator keine Rolle spielt, sondern er selbst ist (vgl. Edmüller & Wilhelm, 2005, S. 14). Alles, was der Moderator sagt, muss mit dem übereinstimmen, was er empfindet oder denkt, aber nicht alles, was er denkt oder empfindet, muss er sagen. Wenn seine Innenwelt mit dem was er nach außen kommuniziert übereinstimmt, dann ist der Moderator authentisch. Wir können es auch als in hohem Maße mit den Beteiligten kongruent bezeichnen. Bei einer solchen Kommunikation wird offen über Gefühle und Wahrnehmungen gesprochen, daher ist es nicht notwendig, eine künstliche äußere Fassade aufrecht zu erhalten (vgl. Sperling et al., 2007, S. 328).

4 Die Moderation

4.1 Der Prozess

Die zentrale Aufgabe des Moderators ist die Steuerung des Prozesses, doch was heißt das im Klartext? Für den Moderator bedeutet es, dass er die Verantwortung für das Ergebnis an die Gruppe abgeben muss, doch damit tun sich leider viele Moderatoren schwer. Der Moderator hat es in der Hand, dass durch den Einsatz von bestimmten systematischen Instrumenten, Werkzeugen oder Methoden die Art und Weise der Zusammenarbeit bestimmter Personen verbessert werden kann (vgl. Sperling et al., 2007, S.36). In einigen Unternehmen wird die Meinung vertreten, dass Menschen gut oder schlecht miteinander auskommen und dass dies im negativen Fall auch nicht verbessert werden kann. Genau da setzt die Moderation ein, denn sie kann derartige Situationen entscheidend beeinflussen, dabei spielen in der Gruppe gemeinsam vereinbarte Vorgehensweisen für den Prozess eine bedeutende Rolle. Der Moderator ist für den Prozess des Wann und Wo zuständig und die Gruppe für das Produkt (vgl. Neuland, 1999, S. 211). Um einen bestimmten Auftrag zu erledigen, setzen Menschen ihre Fähigkeiten und Erfahrungen unterschiedlich ein. Entweder setzen sie ihr fachbezogenes Wissen und Können, die sogenannte Fachkompetenz ein, oder aber sie setzen ihre Fertigkeiten wie Zuhören, Planen oder Ideen entwickeln, die sogenannte Prozesskompetenz ein. Für die Moderation ist letztere von zentraler Bedeutung. Als Steuermann des Prozesses muss der Moderator in der Lage sein, Fach- und Prozessprobleme zu unterscheiden, denn seine Aufgabe ist es, Prozessprobleme zu vermeiden, oder diese zu überwinden (vgl. Sperling et al., 2007, S.37). Es gibt zwei Arten von Prozessproblemen. Sie können methodischer Art sein, indem Zielsetzungen versäumt oder nicht eindeutig festgelegt wurden, sie können aber auch persönlicher oder sozialer Art sein und resultieren aus dem emotionalen oder kommunikativen Umgang einzelner Gruppenmitglieder zueinander.

4.2 Die Zielsetzung

Mit unklaren Zielen kann und darf man nicht in eine Moderation einsteigen, denn jeder Teilnehmer würde in eine andere Richtung starten und auch der beste Moderator hätte keine Chance, die Teilnehmer in eine gemeinsame Richtung zu bewegen. Das Chaos wäre vorprogrammiert. Unterschiedliche Menschen verbinden mit dem Begriff Ziel vielfältige Bedeutungen, was uns die Problematik der Zielklärung vor Augen führt (vgl. Sperling et al., 2007, S.48). Ist ein Ziel durch den Auftraggeber vorgegeben, sollte der Moderator die Zielklärung sowohl mit dem Auftrageber, als auch mit der Gruppe vornehmen. Um die Ziele mit einer Gruppe zu definieren, können folgende vier vollständig zu beantwortende Fragen helfen:

- Welches Ergebnis soll erreicht werden?

Das Endergebnis wird konkret definiert, dies schafft Klarheit.

- Für wen tun wir das?

Die Wünsche und Vorstellungen des Auftraggebers oder Kunden werden ermittelt.

- Wozu soll das Endergebnis dienen?

Der Sinn und Zweck des Auftrags wird ersichtlich und seine Bearbeitung verständlich.

- Woran wird das Endergebnis gemessen?

Die Kriterien zur Überprüfung der Zielerreichung werden festgelegt.

Der Moderator sollte darauf achten, dass diese vier Zielfragen gemeinsam Schritt für Schritt erarbeitet und beantwortet werden, denn dann kann er sicher sein, einen reibungslosen Arbeitsprozess moderieren zu können (vgl. Sperling et al., 2007, S.50f). Es ist hilfreich, der Gruppe begreiflich zu machen, dass Arbeitsprozesse zunehmend durch Ziel-Einbindung der Teilnehmer und nicht über Befehle beeinflusst werden. Wenn der Moderator klar machen kann, dass ohne Ziel nicht gearbeitet werden kann und dass ein Auftrag einen Sinn und Zweck hat, steigt die Motivation der Teilnehmer (vgl. Sperling et al., 2007, S.54f). Aus diesem Grund ist die Zwischenzusammenfassung mit erneuter Zielausrichtung ein wichtiges Steuerungsmittel für jeden Moderator. Diese als Zielscheibe bekannte Methode ist ein wertvolles und erprobtes Hilfsmittel für alle Situationen, in denen hoher Mitteilungsbedarf besteht und die Gruppe sofort loslegen will (vgl. Edmüller &, Wilhelm, 2005, S. 64f).

4.3 Der Ablauf

Jede Moderation ist ein einmaliges Ereignis und somit auch nicht durch und durch planbar. Lern- und Arbeitsprozesse werden ähnlich wie bei einem Theaterstück inszeniert, die Veranstaltung ist von allen Beteiligten abhängig. Als Moderator erstellt man eine Dramaturgie - einen Prozessplan aller Schritte bis zum Ziel. Der Arbeitsprozess hängt noch von vielen andern Faktoren ab und daher ist Spontaneität von besonderer Bedeutung (vgl. Neuland, 1999, S. 212). Im Vorfeld jeder Moderation steht selbstverständlich eine auf die Gegebenheiten ausgerichtete Vorbereitung. Auch der Zeitaspekt wird dabei nie aus den Augen gelassen. Je sorgfältiger sowohl Zweck und Interessen, als auch die Bedürfnisse der Gruppe abgeklärt sind, desto weniger Überraschungen werden während der Moderation auftreten. Jeder Moderationsprozess beinhaltet verschiedene Module und jeder Schritt verlangt unterschiedliche Vorgehensweisen und Fähigkeiten, diese sind wiederum spezifisch für die vielen Varianten von Moderationstechniken. Die Einleitung, der Hauptteil und der Schlussteil werden jeweils in unterschiedliche Phasen unterteilt, in jeder Phase haben definierte Inhalte ihren Platz. Von der Vorbereitung bis zum Abschluss der Moderation erleichtern Checklisten jeder Phase alles Wichtige im Blick zu behalten (vgl. Sperling et al., 2007, S. 167). Jede Phase hat ihren Charakter, in jeder reellen Situation gibt es jedoch immer wieder Veränderungen, die die Moderation interessant und einzigartig machen. Für den Moderator ergibt sich die Gelegenheit zu lernen und eine abwechslungsreiche Arbeit zu gestalten (vgl. Neuland, 1999, S. 195).

4.4 Die Phasen

Phase 1

Die Gruppe kommt zusammen und lernt sich kennen. Dies ist die Aufwärmphase. Die Anfangssituation sollte keinesfalls unterschätzt werden, denn in jeder Moderation können sich auch Spannungen aufbauen. Um solche Spannungen zu vermeiden, ist es wichtig, zu Beginn eine offene und vertraute Atmosphäre zu schaffen, denn dies ist die Grundlage aller guten Arbeitsergebnisse (vgl. Neuland, 1999, S. 196).

Phase 2

In dieser Phase werden die Ziele definiert und geklärt. Jeder Teilnehmer hat seine eigenen Vorstellungen und Prioritäten, deshalb ist es wichtig das Ziel der Moderation und die Rahmenbedingungen zu erläutern und abzugleichen (vgl. Sperling et al., 2007, S.48). Der Ablauf wird vorgestellt und die Spielregeln für den Umgang und die Arbeitsweise werden in der Gruppe erarbeitet. Es treffen inhaltlicher Rahmen und persönliche Ebene aufeinender, daher ist es wichtig die Erwartungen zu klären, denn bei nicht realistischen Erwartungen fühlen sich die Teilnehmer nicht ernst genommen und dadurch sinkt die Motivation.

Phase 3

Hier geht es darum, die Teilnehmer für das Thema zu sensibilisieren und den Focus auf das „Hier und Jetzt“ (Neuland, 1999, S. 200) zu lenken. In dieser Phase gibt die Gruppe darüber Auskunft, wie „reif“ (Neuland, 1999, S. 202) sie ist und wie sie mit den Spielregeln umgeht und sie respektiert.

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Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668792630
ISBN (Buch)
9783668792647
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v439497
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,2
Schlagworte
Moderation Gruppen Soziale Arbeit Bedürftige Gesellschaft Kommunikation

Autor

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Titel: Moderation von Gruppen aus der Sicht der Sozialen Arbeit. Eine Einführung in das Moderieren