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Urbanes Grün. Diskursanalysen und Story-lines

Studienarbeit 2017 17 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Urbanes Grün
1.1 Hintergrund
1.2 Definition von Urbanem Grün
1.3 Beispiele für Typen Urbanen Grüns
1.4 politische Programme im Zusammenhang mit Urbanem Grün
1.5 Rechtliche Rahmenbedingungen für Urbanes Grün in Deutschland
1.6 Instrumente zur Entwicklung des Urbanem Grüns

2 Diskursanalyse auf Basis des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“
2.1 wissenschaftliche Basis der Diskursanalyse
2.2 Ergebnisse der Diskursanalyse
2.3 Doppelte Innenentwicklung als städtebaulicher Rahmen für die Erhaltung und Entwicklung des Urbanen Grüns

3 Story-line: die ‚Stadtlandschaft' als urbane Kulturlandschaft
3.1 die Kulturlandschaft als Schutzobjekt des Heimatschutzes
3.2 Typologie der Kulturlandschaft
3.3 die ‚Stadtlandschaft' als Kulturlandschaft im urbanen Kontext
3.4 Erhalt und Entwicklung der ‚Stadtlandschaft' als gesetzlicher Auftrag

Literaturverzeichnis

Gesetze

Titelbild:

Blick vom ‚Rodelhügel' im Riemer Park auf den Siedlungsbereich von München-Riem

(Photo: Jonas Renk 2016)

Die vorliegende Ausarbeitung umfasst den von Jonas Renk bearbeiteten Teil der Gruppenarbeit.

Ursprünglicher Titel: Diskursanalysen und Story-lines zum Thema Urbanes Grün

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Urbanes Grün

1.1 Hintergrund

Das Thema Urbanes Grün gewinnt seit einigen Jahren in Wissenschaft und Politik auf verschiedenen Ebenen zunehmend an Bedeutung.

So ist an der Technischen Universität München (TUM) am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung und am Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (ZSK) im Kontext mit Urbanem Grün bereits umfassend geforscht worden und wird auch aktuell geforscht. Das ZSK wird vom Bayerischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) finanziert und dient dazu, „die vielfältigen Kompetenzen von natur-, sozial- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen an der TU München, aber auch von anderen bayerischen Forschungseinrichtungen in interdisziplinären Forschungsansätzen“ zusammenzuführen. Am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung ist 2016 die Arbeit am das Forschungsprojekt „Stadtwald 2050“ abgeschlossen worden, das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) finanziert geworden ist. Im Februar diesen Jahres ist am Lehrstuhl die Arbeit am Forschungsprojekt „Grüne Infrastruktur im urbanen Raum: Grundlagen, Planung und Umsetzung in der integrierten Stadtentwicklung“ abgeschlossen worden, das im Auftrag des Bundesamt für Naturschutz (BfN) durchgeführt worden ist. Aktuell wird am Lehrstuhl das EU-Forschungsprojekt „GREEN SURGE – Green Infrastructure and Urban Biodiversity for Sustainable Urban Development and the Green Economy” bearbeitet, an dem insgesamt 24 Partner aus elf Staaten beteiligt sind. (TUM 2017, Internetbeitrag)

1.2 Definition von Urbanem Grün

Urbanes Grün umfasst nach Böhm et al. (2016) „alle Formen temporärer und permanenter städtischer Grünräume sowie städtischer Grünstrukturen an Gebäuden“. Auch Gewässer und deren Uferbereiche sind nach Böhm et al. Bestandteile des Urbanen Grüns. „Graue Freiräume“, also stark bebaute beziehungsweise versiegelte Bereiche mit entsprechendem Grünanteil können Teil von Urbanem Grün sein oder zu einem solchen entwickelt werden. (ebd., 16)

Der Begriff Urbanes Grün wird in dieser Ausarbeitung gleichbedeutend mit dem Wort Stadtgrün verwendet.

1.3 Beispiele für Typen Urbanen Grüns

Typen von Urbanem Grün sind beispielsweise öffentliche Parkanlagen, Privatgärten, Bauwerksbegrünungen (Dach- und Fassadenbegrünungen), Straßenbegleitgrün und Brachflächen sowie unverdohlte unverbaute Fließgewässer, offene Teiche und Seen.

1.4 politische Programme im Zusammenhang mit Urbanem Grün

Auf Ebene der Europäische Union (EU) ist hinsichtlich Programmen (Konzepte, Strategien und Initiativen) im Zusammenhang mit Stadtgrün aktuell insbesondere die EU-Strategie zur Förderung der Grünen Infrastruktur in Europa (2013) (vgl. Literaturverzeichnis: KOM 2013) zu nennen. Daneben weisen auch die EU-Klimaanpassungsstrategie (2016) (vgl. Literaturverzeichnis: KOM 2016) und die EU-Biodiversitätsstrategie (2011) (vgl. Literaturverzeichnis: KOM 2011) einen Zusammenhang zu Urbanem Grün auf.

Auf Bundesebene sind in Deutschland in Bezug auf Stadtgrün derzeit insbesondere das Bundeskonzept Grüne Infrastruktur (BKGI) und das Grünbuch Stadtgrün relevant. Hierbei handelt es sich um Programme des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Das BKGI befindet sich aktuell noch in Entwicklung, soll jedoch noch im Frühjahr diesen Jahres vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgelegt werden (BMUB 2016a, Internetbeitrag). Auf Basis des bestehenden Grünbuchs Stadtgrün soll auch noch im Frühjahr ein Weißbuch mit Handlungsempfehlungen folgen (BMUB 2015a, 11). Neben diesen beiden Programmen besteht auch bei zahlreichen weiteren nationalen Programmen ein konkreter Bezug zu Stadtgrün. Beispiele sind die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) (2008) (vgl. Literaturverzeichnis: Deutsche Bundesregierung 2008), die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (2007) (vgl. Literaturverzeichnis: BMUB 2007), die Naturschutzoffensive 2020 (2015) (vgl. Literaturverzeichnis: BMUB 2015b) oder die Initiative Grün in der Stadt (2016) (BMUB 2016b, Internetbeitrag).

Hinsichtlich politischer Programme auf Landesebene weist in Bayern die Bayerische Klima-Anpassungsstrategie (BayKLAS) (2009) einen Bezug zum Urbanen Grün auf: Darin ist die „Erhaltung und Verbesserung innerstädtischer Grünflächen“ zur Verbesserung des Lokalklimas vorgesehen (StMUG 2009, BayKLAS, 65).

1.5 Rechtliche Rahmenbedingungen für Urbanes Grün in Deutschland

Den gesetzlichen Rahmen für Stadtgrün bilden auf Bundesebene das Bundesraumordnungs-gesetz (ROG) (Raumordnungsrecht), das Baugesetzbuch (BauGB) und die Baunutzungs-verordnung (BauNVO) (Bauplanungsrecht) sowie das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) (Naturschutzrecht) (Böhm et al. 2016, 31 ff.).

Auf Landesebene sind zudem die Bauordnungen (Bauordnungsrecht) und die Naturschutzgesetze der Länder relevant (Böhm et al. 2016, 37, 52), in Bayern also die Bayerische Bauordnung (BayBO) und das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG).

1.6 Instrumente zur Entwicklung des Urbanem Grüns

Zur strategischen Erhaltung, Planung und Förderung des Urbanen Grüns steht ein breites Spektrum an möglichen Instrumenten zur Verfügung. Es handelt es sich um formelle und informelle Planungsinstrumente sowie Förderinstrumente (Finanzierungsinstrumente). Welche Instrumente bzw. Instrumentenkombinationen sich im konkreten Fall eignen, hängt nach eigener Einschätzung insbesondere von den angestrebten Zielen und den geplanten Maßnahmen sowie deren Dimensionierung und Umgriff ab. In Anlehnung an Böhm et al. (2016) werden nachfolgend Beispiele für das mögliche Planungs- und Förderungsinstrumentarium zur Entwicklung von Urbanem Grün aufgezeigt.

Formelle Planungsinstrumente zur Entwicklung des Stadtgrüns sind insbesondere die Bauleitpläne und deren naturschutzfachliche Fachbeiträge, also Flächennutzungsplan (FNP) und Landschaftsplan (LP), Bebauungsplan (BPlan) und Grünordnungsplan (GOP) (vgl. Böhm et al. 2016, 53 ff.).

Hinsichtlich informeller Planungsinstrumente kommen zur Entwicklung des Urbanen Grüns

zum Beispiel Freiraumentwicklungskonzepte (vgl. ebd., 73), Klimaschutz- und Klimaanpassungs-konzepte (vgl. ebd., 74), Biotopverbundpläne (vgl. ebd., 75) und integrierte Stadt(teil)entwicklungs-konzepte (vgl. ebd., 172) in Frage.

Geeignete Finanzierungsinstrumente zur Finanzierung des Urbanen Grüns bestehen insbesondere in Form von Förderprogrammen auf den verschiedenen Ebenen: EU-Förderprogramme, Förderprogramme von Bund und Ländern zur Städtebauförderung und zur Förderung des Naturschutzes, kommunale Förderprogramme sowie Ko-Finanzierung von Förderprogrammen (vgl. Böhm et al. 2016, 78 ff.).

2 Diskursanalyse auf Basis des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“

2.1 wissenschaftliche Basis der Diskursanalyse

Die nachfolgende Diskursanalyse basiert auf dem Abschlussbericht zum Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung“ von Böhm et al. (2016).

Dieses Forschungsprojekt wurde im Auftrag und unter der Fachbetreuung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) von Wissenschaftlern des Instituts für Ökologie und Landschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik gGmbH mit Sitz in Berlin bearbeitet. „Ziel des Forschungsvorhabens war es (…), Strategien und Lösungsansätze aufzeigen, wie die Zielstellungen für das urbane Grün und des Naturschutzes und der Landschaftspflege verstärkt in die Strategie der Innenentwicklung eingebunden werden können“ (Böhm et al. 2016, 239). In dem Forschungsprojekt wurden auf Grundlage empirischer Ergebnisse, der Analyse der bau- und naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen der Doppelten Innenentwicklung und des Urbanen Grüns sowie der Untersuchung des entsprechenden Planungs- und Finanzierungsinstrumentariums konkrete Handlungsempfehlungen für die Kommunen in Deutschland sowie Hinweise für Bund und Länder als rahmensetzende Akteure entwickelt (ebd., 242).

2.2 Ergebnisse der Diskursanalyse

Die Ergebnisse der Diskursanalyse werden an Hand des entwickelten Aktantenmodells (vgl. Abb. 1) dargelegt und erläutert.

Einen Sender in dem Diskurs bilden die negativen Auswirkungen der anhaltenden Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke im Außenbereich (Flächenverbrauch). Diese negativen Auswirkungen umfassen zum Beispiel den Verlust von ökologischen Funktionen und Erholungsräumen im Außenbereich. Auf Grund solcher erheblicher negativer Folgen wird ein Bedarf zum Schutz des Außenbereichs als noch überwiegend unbebauten Landschaftsraum vor weiterer Flächeninanspruchnahme und Versiegelung konstatiert.

Einen weiteren Sender stellen die positiven Funktionen und Ökosystemleistungen von Stadtgrün dar.

Die möglichen Funktionen von Stadtgrün können ökonomischer, sozialer und ökologischer Art sein (Böhm et al. 2016, 18).

Ökonomische Funktionen von Urbanem Grün sind zum Beispiel Einnahmen aus Eintrittsgeldern für das Besuchen von Parkanlagen oder Gartenschauen. Auch die Beeinflussung des finanziellen Werts von Grundstücken bzw. Immobilien durch begrünte Freiräume ist ein Beispiel für ökonomische Funktionen von Stadtgrün. (ebd., 18)

Die sozialen Funktionen von Urbanem Grün bestehen insbesondere darin, dass dieses einerseits zur Steigerung der Lebens- und Wohnqualität sowie der Gesundheit der Stadtbewohner beitragen und zum andererseits der Identifikation mit und der Orientierung in der Stadt dienen kann. Positive gesundheitsfördernde Effekte von Stadtgrün können beispielsweise die Reduzierung von Feinstaub und Lärm und die abkühlende Wirkung von Stadtgrün sein. Grünflächen können für Freizeit- und Erholungszwecke genutzt werden. Bewegung und Verweilen in Grünräumen kann sich psychisch und physisch positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken, weil dadurch die körperliche Fitness gestärkt und Stress reduziert werden kann. Urbanes Grün hat zudem das Potenzial, Identifikations- und Orientierungsmöglichkeiten zu schaffen. Öffentliche Grünräume bieten Raum für die Begegnung unterschiedlicher sozialer Gruppen, wodurch sie einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung und Integration leisten können. Insbesondere Brachen und Ruderalflure bieten zudem Raum für Naturerfahrung und können dadurch einen Beitrag zur Umweltbildung leisten. Historisches Stadtgrün kann Zeugnis von historischen Nutzungen und Strukturen liefern. So zeigen beispielsweise historische Parks die Kultur- und Gartengeschichte vergangener Epoche auf. (ebd., 18-19)

Neben den ökonomischen und sozialen Funktionen hat Stadtgrün viele wichtige ökologische Funktionen im urbanen Raum, es erbringt vielfältige und zum Teil elementare Ökosystemleistungen. Urbanes Grün kann regulierende Funktionen für den Naturhaushalt erbringen. Es kann auf unterschiedliche Weise zum klimatischen Ausgleich und zur Verbesserung der Luftqualität in Städten beitragen. Die abkühlende Wirkung gerade von großen Bäumen kann durch Verschattung und Evapotranspiration einen Entlastungseffekt in den Städtischen Wärmeinseln hervorrufen. Große Grünräume können als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete fungieren. Lineare offene Grünflächen, die von der Stadt ins Umland verlaufen, können als Luftleitbahnen dienen. Durch den Luftaustausch einerseits und die Filterung von Feinstaub und die Absorption von Kohlendioxid durch Pflanzen andererseits kann mit Hilfe von Urbanem Grün neben dem Stadtklima auch die Luftqualität verbessert werden. (ebd., 19-21)

Je nach dem vor Ort angestrebten Effekt und den Bedingungen vor Ort können also einzelne Laubbäume mit großem Kronendach und viel Blattmasse, dichte Gehölzbestände bzw. Wälder, große offene oder lineare Grünflächen zielführend im Hinblick auf die Verbesserung des Stadtklimas und der Luftqualität sein.

Im Hinblick auf den Boden- und Wasserhaushalt können bewachsene Böden im urbanen Raum einen Beitrag zur Versickerung und Rückhaltung von Niederschlagswasser leisten. Dadurch können Kanalisationen entlastet und Hochwasserspitzen gesenkt werden und zur Grundwasserneubildung beigetragen werden. Oberflächengewässer im urbanen Raum können durch Regulierung von Lufttemperatur und -feuchte ebenso zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Zudem dienen sie häufig der Erholung und Freizeitgestaltung und können, insbesondere wenn es sich um naturnahe Gewässer handelt, einen Lebensraum für Flora und Fauna darstellen. (ebd., 20)

Insgesamt leistet Urbanes Grün einen großen Beitrag zur Biodiversität. Der besondere Artenreichtum in Städten ist insbesondere durch die strukturelle Heterogenität des urbanen Raums, die spezifischen Standort- und Lebensbedingungen sowie den erhöhten Anteil gebietsfremder Arten bedingt (ebd., 21-22).

Die möglichen ökonomischen, sozialen und ökologischen Funktionen von Stadtgrün können sich in der Fläche überlagern und sich gegenseitig beeinflussen (ebd., 22).

Die umfassenden und wichtigen positiven Funktionen und Ökosystemleistungen von Stadtgrün lassen die den Bedarf zum Erhalt und zur Entwicklung des Stadtgrüns erkennen.

Das zentrale Subjekt des Diskurses bilden die Akteure auf den verschiedenen Ebenen der deutschen Politik sowie die Kommunalverwaltungen der deutschen Städte.

Helfer in dem Diskurs sind zum einen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur hohen Bedeutung von Stadtgrün für das menschliche Wohlergehen und die biologische Vielfalt. Diese Helfer stehen also in engem Zusammenhang mit den Funktionen beziehungsweise Ökosystemleistungen von Urbanem Grün. Zum anderen sind die möglichen Instrumente und Programme zur Entwicklung von Stadtgrün sowie teilweise auch der rechtliche Kontext von Urbanem Grün Helfer in dem Diskurs. Darüber hinaus benennen Böhm et al. (2016) als fördernde Faktoren insbesondere entsprechende „vorhandene Leitbilder zur Innenentwicklung und Freiraumentwicklung“ (ebd., 241) sowie eine „integriert ausgerichtete Freiraumentwicklung“, die auch an die Funktionen und Ökosystemleistungen von Stadtgrün als Themen der Stadtentwicklung anknüpft und entsprechende Synergien anstrebt (ebd.). In „Orientierungswerte(n) zur Grünversorgung“ sehen Böhm et al. ebenso Potenzial zur Entwicklung des Urbanen Grüns (ebd.). Zudem sehen Böhm et al. in Kooperationen sowohl innerhalb der Verwaltung als auch zwischen der Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Akteuren fördernde Faktoren (ebd., 241-242).

Als Opponent fungieren in dem Diskurs zwei mögliche Zielkonflikte (Konfliktpotenziale) und weitere hemmende Faktoren für die Entwicklung von Urbanen Grüns.

Ein möglicher Zielkonflikt besteht zwischen dem Ziel der Innenentwicklung im Sinne des § 1a Abs. 2 BauGB einerseits und der verstärkten Entwicklung des Urbanen Grüns andererseits. Denn einerseits „sind zur Verringerung der zusätzlichen Inanspruchnahme von Flächen für bauliche Nutzungen die Möglichkeiten der Entwicklung der Gemeinde insbesondere durch Wiedernutzbarmachung von Flächen, Nachverdichtung und andere Maßnahmen zur Innenentwicklung zu nutzen sowie Bodenversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen“ (§ 1a Abs. 2 S. 1 BauGB). Diese gesetzliche Bestimmung soll folglich dem Schutz des Außenbereichs vor der zunehmenden Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke und der damit einhergehenden Bebauung und Versiegelung dienen. Andererseits besteht bei der Förderung von Stadtgrün die Gefahr, dass diese in Folge eines höheren Flächenbedarfs für Grünräume im Innenbereich eine erhöhte Flächeninanspruchnahme im Außenbereich nach sich zieht.

Neben diesem potenziellen Zielkonflikt zwischen der baulichen Innenentwicklung und der Entwicklung des Urbanen Grüns ist ein weiterer Zielkonflikt möglich. Dieser hängt mit der Multifunktionalität von Stadtgrün zusammen und damit, dass unterschiedliche Ansprüche an Funktion, Nutzung und Ausgestaltung von Stadtgrün gestellt werden, die miteinander konkurrieren können. Das Konfliktpotenzial betrifft somit die konkret geplanten Entwicklungsziele beziehungsweise angestrebten Ökosystemleistungen von Stadtgrün. Wenn zum Beispiel bei einer geplanten Entwicklung des Stadtgrüns auf einer städtischen Brachfläche diese primär als Habitat und Nistmöglichkeit für Vögel dienen soll, so könnte es sich anbieten, Sukzessionsprozesse in der Fläche zuzulassen und sie nur sehr extensiv zu pflegen, also zum Beispiel alle 10 Jahre im Winter jeweils einzelne Teilbereiche auf den Stock zu setzen und ansonsten nur bei Bedarf im Sinne der Sicherheit Pflegemaßnahmen durchzuführen (wie beispielsweise das Absägen großer Baumäste, wenn die Gefahr besteht, dass durch die Äste bei starkem Wind Menschen erschlagen werden könnten). Wenn dieselbe Brachfläche hingegen primär der Klimaanpassung und der Verbesserung der Luftqualität dienen soll, so könnte es sich anbieten, geeignete Laubbäume systematisch zu fördern oder neu zu pflanzen und Sukzessionsprozesse nur in geringem Umfang zuzulassen, damit großkronige Bäume die Fläche dominieren, die im Sommer Schatten spenden und durch Evapotranspiration zur Abkühlung der Umgebung beitragen und die Schadstoffbelastung verringern.

Neben diesen beiden Zielkonflikten bestehen verschiedene weitere Hemmnisse für die Entwicklung des Urbanen Grüns. So können „knappe kommunale Haushaltsmittel in Verbindung mit hohem Personalaufwand für qualifizierte Planungsprozesse und Erhaltungs- und Pflegekosten für das urbane Grün“ ein hemmender Faktor für die Umsetzung von Stadtgrün sein (Böhm et al. 2016, 241). Auch wenn Flächen in Privateigentum liegen, kann dies nachteilig für die Umsetzung sein (ebd.), ebenso wenn bereits ein Baurecht für eine Fläche besteht. Mangelnde Akzeptanz für Stadtgrün bei Investoren kenn ebenfalls ein Hindernis sein (ebd.).

Zwar können Teile des rechtlichen Rahmens von Urbanem Grün als Helfer in dem Diskurs fungieren, es können jedoch auch rechtliche Hindernisse für Stadtgrün bestehen, die „die potenzielle Nutzbarkeit von Flächen für einzelne Funktionen einschränken bzw. untersagen“ (ebd., 22). Ein Beispiel hierfür bilden „eingeschränkte Formen der Erholungsnutzung bei dem Vorkommen von artenschutzrechtlich geschützten Tier- oder Pflanzenarten)“ (ebd., 22). Auch Anforderungen, die sich aus den Zielen des Denkmalschutzes ergeben, können ein Hindernis für Urbanes Grün sein (ebd., 23). Ein erheblicher hemmender Faktor für die Umsetzung von Stadtgrün auf kommunaler Ebene kann darüber hinaus fehlender politischer Wille für die Entwicklung von Stadtgrün beziehungsweise Desinteresse seitens politischer Akteure sein.

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Details

Seiten
17
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668791664
ISBN (Buch)
9783668791671
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v439570
Institution / Hochschule
Technische Universität München – Wald- und Umweltpolitik
Note
2,0
Schlagworte
Urbanes Grün Stadtgrün Umweltpolitik Diskurs Story-line Naturschutzpolitik Naturschutz Umweltschutz Kulturlandschaft

Autor

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