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Die Bedeutung von Franz Kafkas Sprachbiografie und Schreibverhalten für 'Die Verwandlung'

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 51 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kafkas als bilingualer Sprecher und Vertreter randständigen Schreibens: historische, familiäre und persönliche Bedingungen
2.1. Prager deutsche Juden
2.1.1. ‚Prager Deutsche’ und ihr Deutsch
2.1.2. Prager (deutsche) Juden und ihr Deutsch
2.2. Bedeutung Prags für Prager deutsche Schriftsteller
2.3. Die Familie Kafka
2.3.1. Kafka als Außenseiter in seiner Familie
2.3.2. Sprachverhältnisse in der Familie Kafka
2.3.2.1. Vater Hermann Kafka
2.3.2.2. Mutter Julie Kafka, geb. Löwy .
2.3.2.3. Hausangestellte .

3. Kafkas Sprache(n)
3.1. Kafkas (sprachliche) Identität, Selbstdefinierung und Sprachenwahl
3.2. Beziehung zur tschechischen Sprache, Kultur und Bevölkerung
3.3. Kafkas Deutsch, Sprachsensibilität und Beziehung zur (deutschen) Sprache

4. Auswirkungen von Kafkas Sprache(n) und Sprachsensibilität auf sein literarisches Werk am Beispiel der Verwandlung
4.1. Allgemeine Überlegungen
4.2. Kafkas Sprachsensibilität am Beispiel der Namen Gregor Samsa und Kafka
4.2.1. Der Name Gregor Samsa
4.2.2. Der Name Kafka
4.3. Juristen- und Geschäftssprache
4.4. Rechtschreibung
4.5. Morphologie
4.5.1. Nomen
4.5.1.1. Genus ..
4.5.1.2. Deklination ..
4.5.1.2.1. Kasus Genitiv
4.5.1.2.2. Kasus Dativ
4.5.1.2.3. Numerus
4.5.1.2.4. Pronomina und Artikelwörter
4.5.2. Verb
4.5.3. Wortbildung
4.6. Syntax
4.7. Lexik
4.8. Phonologisch-stilistische Besonderheiten
4.9. Interpunktion

5. Literarisches Schaffen als Lebenssinn?
5.1. Bedeutung des mündlichen Vorlesens für Kafka
5.2. Bedeutung des Schreibens für Kafka
5.3. Biografischer Bezug durch sprachliche Hinweise im Text

6. Abschlussgedanke

7. Bibliographie

1. Einleitung

Franz Kafkas Novelle Die Verwandlung war in den über neunzig Jahren ihrer Existenz bemerkenswert häufig Gegenstand literaturwissenschaftlichen Interesses. Immer wieder wurde dabei auch die Schwierigkeit betont, den Dichter aufgrund seines einzigartigen Schreib- und Sprachstils epochal bzw. stilistisch einzuordnen (Expressionismus? Realismus? etc.), zumal er selbst sich zu keiner bestimmten Richtung zugehörig fühlte. Diesbezügliche Erklärungsversuche führten unter anderem zur Beschäftigung mit der Sprachbiografie des in Prag lebenden deutschsprachigen jüdischen Schriftstellers. Allerdings wurden in diesem Zusammenhang drei entscheidende Fehler gemacht, die gegenwärtig der Wissenschaftler Marek Nekula (2003) ins Zentrum seiner Kritik stellt: Zum einen wurde Sprache weitläufig als alleinige Determinante und alleiniger Ausdruck persönlicher Identität, Selbstdefinition und Kultur gesehen, zum anderen wurde für Kafka allein das Deutsche (und somit nur eine Sprache) als diese identitätsstiftende Sprache in Betracht gezogen, und drittens wurde diese Sprache relativ pauschal als ‚Prager Deutsch’ bezeichnet, wobei dieser Begriff als ein einheitlicher Terminus für alle spezifischen Gruppensprachen im damaligen Prag verwendet wurde, ohne deren Unterschiede zu berücksichtigen und vor allem ohne genauer zu untersuchen, inwieweit deren Merkmale im Einzelnen auf Kafkas Sprache zutreffen.

Ohne Zweifel spielt die sprachliche Komponente in Kafkas literarischen Werken, so auch in der Verwandlung, eine wichtige Rolle. Literatur ohne Sprache wäre nicht denkbar. Um daher herauszufinden, welchen konkreten Einfluss die Sprachbiografie des mehrsprachigen Kafka auf seine literarischen Texte hatte und um das „nachweisbare Ineinander von Biographie und Werk“ (Beicken, 1983: 100) auch sprachlich zu belegen, gelten die Bemühungen der vorliegenden Arbeit dem Versuch, im Sinne einer Verbindung von Literaturwissenschaft und Sprachwissenschaft zunächst Kafkas sprach- und schriebbiografische Hintergründe zu untersuchen sowie diese auf die Sprache in der Verwandlung zu beziehen. Der Fokus der Untersuchung liegt wohlgemerkt nicht auf dem bereits oft beschriebenen literarischen Schreibstil des Dichters, sondern auf dem Wechselspiel zwischen seinem Multilingualismus bzw. seiner dadurch entwickelten Sprachsensibilität und Sprachbewusstheit sowie seinem literarischen Schaffen, in diesem Fall konkret bezogen auf die Verwandlung.

2. Kafkas als bilingualer Sprecher und Vertreter randständigen Schreibens: historische, familiäre und persönliche Bedingungen

Um Kafkas Sprach- und Schreibverhalten verstehen zu können, muss der Blick gleichzeitig auf die Umstände, die Zeit und die Menschen gelenkt werden, die es weitgehend prägten.

Kafka schreibt vom Rand, nicht vom Zentrum her. Durch seine Texte zieht sich ein Riss, der die Welt des etablierten Bürgertums, des Besitzes und der Familien von den Besitzlosen, Nomaden und Junggesellen trennt. Das Außenseiter-Motiv in seinen Texten wird durch die randständige Position genährt, die Kafka in mehrfacher Weise einnahm. (Pfeiffer, 1998: 22 f.)

Mit diesem Satz leitet Pfeiffer die Beschreibung dreier wichtiger Aspekte ein, die Kafkas Minderheiten- bzw. Außenseiterposition ausmachten: Kafka als Prager Deutscher, Kafka als Jude und Kafka als unverstandenes Mitglied seiner Familie. Aufgrund seiner Lungentuberkulose kann ferner ‚Kafka als krankes Gesellschaftsmitglied’ hinzugerechnet werden. Beeinflusst durch diese Bedingungen, erfährt die traditionelle Erzählweise in Kafkas Texten eine Umkehrung. Bezogen auf die Verwandlung zeigt diese sich darin, dass das Leid der Familie an den Rand gedrängt wird und stattdessen die Sichtweise eines ‚Außenseiters’ (nämlich Gregors Samsas) ins Zentrum rückt (vgl. Zimmermann, 2004: 77). Im Folgenden sollen die einzelnen Determinanten, die Kafkas Sprach- sowie Schreibverhalten beeinflusst haben, etwas näher erläutert werden.

2.1. Prager deutsche Juden

2.1.1. ‚Prager Deutsche’ und ihr Deutsch

Das Leben um die Jahrhundertwende war, und das nicht nur in Prag bzw. Böhmen, geprägt von Verunsicherung, von Existenzängsten und dem Gefühl von Identitätsverlust (vgl. Lichtensteiner, www). Der im damals zur Österreich-ungarischen Monarchie gehörenden Prag lebende Kafka gehörte ethnografisch der dortigen deutschsprachigen Minderheit an. Dieser geringe Bevölkerungsteil (ungefähr 10%) war jedoch insofern privilegiert, als dass er gesellschaftlich bedeutende Positionen innehatte: Industrielle, Bankiers, Grundbesitzer, Kaufleute und Großbürger (vgl. Pfeiffer, 1998: 22). Das Deutsch dieser Prager wurde folglich durch zweierlei Dinge geprägt: zum einen durch die Minderheitenposition, durch die es als klar, nüchtern, wortarm bzw. wortkarg und spröde charakterisiert und zuweilen sogar als Ghettosprache (vgl. Nekula, 2003: 81) bezeichnet wurde (und wird), zum anderen durch die ‚Beamten- und Handelssprache’, als welche das Deutsche in Prag überwiegend diente, und welche, zumindest nach Pfeiffers (1998: 60) Ausführungen, weitgehend „von der Entwicklung des Hochdeutschen isoliert“ war.

Nekula (2003: 81 f.) allerdings schränkt das Isolationsargument wie es Pfeiffer verwendet ein, indem er sich gegen das Bild einer „Inselsituation“ (zu finden auch bei Abraham, 1993: 26, Dietz, 1990: 19 u. a.) mit der Begründung wendet, die in Prag lebende deutsch-sprachige Bevölkerung sei durchaus mit anderen Sprachvarietäten des Deutschen konfrontiert gewesen, beispielsweise durch Zuwanderungen Deutscher aus Provinzen, ein eigenes Schulsystem mit auswärtigen Studenten und Professoren aus Wien, den Alpenländern und dem Deutschen Reich in Gymnasien und Hochschulen, Deutsche in Landesinstitutionen (Beamte) und Militär, durch das gesellschaftliche Leben und „rege Kontakte zu anderen deutschsprachigen Zentren in Wien, München, Leipzig und Berlin“ (durch Zeitschriften, Vorträge u.a.), verschiedene Aufenthalte außerhalb von Böhmen und Österreich wie Dienst-, Urlaubs- oder Studienreisen und nicht zuletzt auch aufgrund der Zusammenarbeit mit Tschechen, welche die deutsche Sprache beherrschten. Schließlich hebt Nekula deutlich hervor, dass „man in Prag im Stande war, auf Entwicklungen in der deutschen Sprache zu reagieren“, erkennbar zum Beispiel am bewussten „Wechsel von der deutschen Kurrentschrift zu lateinischer Schreibschrift […] und [einem] Wechsel in der Rechtschreibung (besonders bei - th- > - t-)“ (Nekula, 2003: 82; vgl. ebd.: 92).

2.1.2. Prager (deutsche) Juden und ihr Deutsch

Innerhalb der Minderheit der Prager Deutschen gehörte Kafka nochmals einer Minderheitengruppe an: den Juden (vgl. Pfeiffer, 1998: 23; Abraham, 1993: 5). Bezug nehmend auf den Aspekt ‚Minderheit’ argumentiert Zimmermann (2004: 26) jedoch: „Nicht die deutschen Juden, die deutschen Christen waren eine Minderheit innerhalb der Minderheit in Prag.“ Dietz betont ferner die Tatsache, dass die Prager Juden sogar innerhalb der nicht-tschechischen und nicht-deutschen Minderheiten die Mehrheit bildeten (vgl. Dietz, 1990: 18). Aus ökonomischer Sicht waren die Juden in der Habsburger Monarchie seit 1849 „verfassungsrechtlich „emanzipiert“, d.h. grundsätzlich den anderen Bürgern gleichgestellt“ (Abraham, 1993: 5). Ihr wirtschaftlicher Aufstieg, für den Kafkas Vater Hermann Kafka repräsentativ ist, führte sogar so weit, dass sie am Ende besser gestellt waren als der übrige Teil der Gesellschaft.

Politisch gesicherte Gleichberechtigung und Unterstützung erhielten die Prager Juden gleichermaßen unter dem Staatspräsidenten der 1918 gegründeten ersten Tschecho-slowakischen Republik[1] Tomáš Garrigue Masaryk, dem Sohn eines Slowaken und einer Deutschen, der sich der Demokratie, dem Liberalismus und der Gleichberechtigung verschrieben hatte (vgl. Dietz, 1990: 16; Horn, 1994: 42). Er betrachtete einen vereinten Staat der 5,5 Millionen Tschechen, 3,5 Millionen Slowaken, 3,1 Millionen Deutschen[2], der 200 000 Juden und anderen ethnischen und religiösen Minderheiten (750 000 Ungarn, 460 000 Karpatho-Ukrainer, 70 000 Polen sowie Sinti und Roma u.a.) als wirksamstes „Bollwerk“ gegen „habsburgischen Übermut und deutsche Machtgelüste“ (Horn, 1994: 42). Dietz (1990: 16) führt hierzu aus:

Von den neu oder wieder entstandenen mittel- und osteuropäischen Saaten war dieser Staat […] der toleran-teste; er, mehrere starke Minderheiten einschließend, lebte geradezu aus der Tolerierung seiner Minderheiten; Masaryk hatte das früh erkannt; am meisten profitierten die Juden und die geistige Elite Böhmens davon.

Nichtsdestotrotz verwundert es wenig, dass diese unvermutete Vereinigung derart vieler unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen unwillkürlich auch Probleme mit sich brachte. Schon seit 1848 gab es Nationalbewegungen gegen die österreichisch-ungarische Monarchie, sowohl der Tschechen gegen die österreichische Herrschaft (der sie speziell unterlagen) als auch der Slowaken gegen die ungarische (vgl. z.B. Brockhaus, 1989). Die nationalistischen Bestrebungen der diversen Gruppen blieben in dem neuen Staat bestehen. Die Prager Juden waren hierbei jedoch in der besonders schwierigen Position einer starken liberalen Kraft zwischen zwei Lagern:

Da ist das Prag der Zwischenkriegszeit, die Metropole einer noch jungen Republik, die sich unter T. G. Masaryk der Demokratie und dem Liberalismus verschrieben hat. Unter den hehren Idealen brodeln jedoch die wachsenden ethnischen Spannungen im Vielvölkerstaat. Teile der lange benachteiligten Tschechen machen ihrem aufgestauten Nationalismus Luft, Teilen der Deutschen fällt die Umstellung von der privilegierten Schicht zu einer ins zweite Glied gerückten, ungeliebt geduldeten Minderheit schwer. Zwischen allen Stühlen Juden, die, kulturell dem Deutschtum verpflichtet, den nationalistischen Deutschen keine Deutschen, den Tschechen dagegen «deutsch» und dazu noch «jüdisch» sind. (http://www.nzz.ch/2001/02/09/fe/page-article75N3T.html, ein-gesehen am 11.12.2004)

Was hatten sie denn getan, die kleinen Juden von Prag, die braven Kaufleute von Prag, die friedlichsten aller friedlichen Bürger? [...] In Prag warf man ihnen vor, daß sie keine Tschechen, in Saaz und Eger, daß sie keine Deutschen seinen. (Theodor Herzl, 1897, auf: http://projects.brg‑schoren.ac.at/WilliMaterial/ Litera/l305.htm, eingesehen am 11.12.2004).

Und so lässt es sich nicht leugnen, dass die Prager Juden trotz ihrer politisch gesicherten Rechte immer wieder – wenn auch nicht durch den Staat – sowohl antideutschen als auch antisemitischen Übergriffen (und Letzteres auch von Seiten der Deutschen) ausgeliefert waren (vgl. Pfeiffer, 1998: 23).

Was nun Kafka bzw. sein Außenseitertum und seine „beklemmenden Phantasien“ (Schwarz, 1995: 73) betrifft, so können diese in seinem Judentum (als Minderheit aufgefasst) liegen, müssen es aber nicht, oder zumindest nicht ausschließlich, da Minderheiten „keineswegs immer ethnischen Ursprungs“ sind (ebd.). „Der entfremdete Großstadtmensch und Statist einer Industriegesellschaft gehört auf jeden Fall irgendeiner sozialen Gruppe an, die nicht ganz für voll genommen, nicht anerkannt, übervorteilt oder verfolgt wird“ und „es braucht sich gar nicht um eine Minderheit zu handeln“ (ebd.), wie man es beispielsweise an der Stellung der Frau im Laufe der Geschichte sehen kann. Was Dietz (1990: 17) als dennoch sicher betrachtet, ist das Hineinreichen der Spannungen und Probleme zwischen Tschechen, Deutschen und Juden bis in Kafkas Familie, insbesondere als seine Lieblingsschwester Ottla den christlichen Tschechen Josef David heiratete.

Doch ist vor Pauschaldeutungen zu warnen. Zimmermann (2004: 22 f.) argumentiert, Kafkas Schreibweise und Sicht der Dinge in seinen Texten sei weder einfach psychologisch („aus seinen Familiebeziehungen“) noch soziologisch („aus den Prager Verhältnissen“) zu erklären. Als Begründung führt er den Vergleich mit Max Brod an, welcher aus den gleichen Verhältnissen kam wie Kafka. Obwohl gerade mal ein Jahr jünger als dieser und ebenfalls Jude, Deutscher, Schriftsteller und Künstler in Prag, schrieb Brod anders als Kafka, er, so Zimmermann, „jammerte kaum“ über die Bedingungen, unter denen sie beide litten.

Im Hinblick auf die Verwandlung fällt auf, dass Kafka die ethnische Herkunft und religiöse Zugehörigkeit der Familie Samsa nicht thematisiert. Abraham (1993: 48) zufolge sind die Samsas „objektiv typische Existenzen des jüdischen (Klein‑)Bürgertums, das vom Handel lebt und nicht von „Arbeit“ in jenem emphatischen Sinn, in dem der Antisemitismus bis hinein ins „Dritte Reich“ das Wort gebraucht.“ Ein deutliches Zeichen für ihren Wohlstand ist die berufliche Selbstständigkeit sowie die Beschäftigung von Hausangestellten (wie es auch im Hause Kafka der Fall war) (ebd.: 5, 6). Eine weitere interessante Beobachtung Abrahams (ebd.: 48) beim Vergleich von Kafkas erlebtem jüdischen Außenseitertum und der Verwandlung ist das Faktum, dass das Ungeziefer Gregor Samsa „demonstrativ“ all solche Eigenschaften abgelegt hat, die kaufmännisch tätigen Juden in abwertendem Sinne nachgesagt wurden, zum Beispiel „Flinkheit, Wendigkeit, Beredsamkeit“.

Sprachlich betrachtet waren die zur Zeit der Monarchie in Prag und Böhmen lebenden Juden trotz des mehr oder weniger latenten Antisemitismus’ verhältnismäßig offen für die deutsche Sprache, da sie ihnen bereits aus Schule bzw. Ausbildung und Beruf geläufig war (Nekula, 2003: 49). Daher überraschen auch die zahlreichen deutschen Vornamen der Prager Juden (auch in Kafkas Familie) kaum. Freiwillig, d.h. „als dies keine gesetzliche Pflicht mehr war“ (ebd.: 50), wurden von jüdischen Familien auch deutsche Schulen gewählt. Neben den Charakteristika der häufig als Prager Deutsch bezeichneten Sprache weist das Deutsch der Prager deutschsprachigen Juden noch eine weitere Besonderheit auf: „Einmischungen (meist unreiner) jiddischer Elemente“ (Dietz, 1990: 19), die ihm den Namen „Mauscheln“ (ebd.) eingebracht haben: „Tatsächlich sind Spuren des Mauschelns wie bei Brod und Werfel auch bei Kafka, aber auch bei nichtjüdischen deutschen Literaten der Donaumonarchie zu beobachten“ (ebd.).

2.2. Bedeutung Prags für Prager deutsche Schriftsteller

Eine häufig zitierte Passage aus Kafkas Brief an Oskar Pollak (zitiert z.B. in Nekula, 2003: 98 und Pfeiffer, 1998: 23) lautet: „ Prag lässt nicht los. Uns beide nicht. Dieses Mütterchen hat Krallen.“ In der Tat war Prag um die Jahrhundertwende ein wichtiges Zentrum deutschsprachiger Literatur. Laut Max Brod mussten alle Prager deutsche Dichter die Stadt, ihre Menschen, Umgebung und Geschichte unwillkürlich „als ihren Lehrer und ihr Programm“ betrachten (Brod zitiert in Dietz, 1990: 26) und konnten in ihr „einander gar nicht übersehen“ (ebd.), wie auch ihre regelmäßigen Treffen im Prager Kreis beweisen.

Unter dem Prager Kreis werden die deutschsprachigen „literarischen Gruppen im Prag jener Jahre“ (ebd.: 24) zusammengefasst. Den „engeren Kreis“ nannte Max Brod neben sich die nächsten Freunde um Kafka, nämlich Felix Weltsch und Oskar Baum (ebd.), zum ‚weiteren’ Kreis gehörten Literaten, die sich regelmäßig zu Gesprächen und des Vorlesens eigener Werke willen in Prager Cafés trafen (ebd.: 25; vgl. Arens, 2001: 34), zum Beispiel Franz Werfel, Willy Haas, Egon Erwin Kisch u.a. Bezeichnend für den Prager Kreis und seine Freunde war insbesondere „die Offenheit für tschechische Literatur und Kunst“ (Čapek, Janaček, Březina u.a.) (vgl. Dietz, 1990: 26).

Für Kafka ist die Stadt Prag, so Pfeiffer (1998: 22, Hervorhebung im Original, vgl. Nekula, 2003), „ein schönes Gefängnis, dessen Reiz das Gefühl lebenslanger Gefangenschaft nicht überdecken kann“, sie ist „in widersprüchlicher Weise […] Behinderung und Nährboden seines Schreibens zugleich“ und „hält ihn mit ihren Krallen in einer sozialen und existenziellen Außenseiterposition fest, die zum Erfahrungshintergrund der randständigen Figuren geworden ist, welche seine Texte bevölkern.“

2.3. Die Familie Kafka

2.3.1. Kafka als Außenseiter in seiner Familie

Kafka nahm innerhalb seiner Familie in mehrfacher Hinsicht eine Sonderrolle ein, zum einen als einziger Sohn und Bruder neben drei Töchtern bzw. Schwestern, der trotz seiner Situation als Erstgeborener von den Eltern als Kind vernachlässigt worden war, zum andern durch seine häufig thematisierte schwierige Beziehung zu seinem Vater. Diese wurde insbesondere durch die unterschiedliche Welt- und Lebensanschauung der beiden verschärft. Der Vater, ein ‚Aufsteiger’ aus armen Verhältnissen, hatte sich durch Verzicht, Entbehrung, harte Arbeit und einen ständigen Kampf um soziale Anerkennung nicht nur beruflich, sondern auch sprachlich (vom Tschechischen und Jiddischen ins Deutsche) hochgearbeitet. Sein Sohn Franz hingegen blieb ein ewig über die Arbeit klagender Angestellter, dessen Schriftstellerei in der Familie weder Anerkennung noch Verständnis fand (vgl. z.B. Nekula, 2003; Pfeiffer, 1998; Dietz, 1990).

2.3.2. Sprachverhältnisse in der Familie Kafka

Die Bestimmung der nationalen Zugehörigkeit der Mitglieder der Familie Kafka lediglich der Sprache nach, wie das in der älteren Kafka-Forschung der Fall war, ist, konstatiert Nekula (2003 :45), zu eindimensional, eine reine Außenperspektive, die den „vielfältigen inneren Sprachverhältnissen der Familie“ nicht gerecht wird. Daher konzentrierte Nekula seine Bemühungen darauf, die Sprachverhältnisse und das Sprachverhalten der Familie genauer zu untersuchen und seine Ergebnisse in einem ausführlichen Werk zu präsentieren, um den Kafkas Lesern die Möglichkeit zu geben, „den tschechisch-deutschen und deutsch-tschechischen Bilingualismus [der Familie Kafka] sowie Franz Kafkas Annäherung an das Tschechische besser zu verstehen.“

2.3.2.1. Vater Hermann Kafka

Von Kafkas Vater Hermann Kafka weiß man, dass er überwiegend mit der gesprochenen tschechischen Sprache aufgewachsen ist, die auf dem Lande unter anderem auch die Sprache des Handels war, anders als in Prag, wo Verhandlungen auf Deutsch geführt wurden (vgl. Nekula, 2003: 51 f.). Herrmann Kafkas deutsche Spracherfahrungen in seinem Heimatdorf Wosek beschränkten sich auf seine Schulbildung (ebd.: 49 ff.). Neben der Unterrichtssprache fungierte das Deutsche außerdem als Sprache der gehobeneren jüdischen Schichten bzw. als „Verkehrssprache in und um die Synagoge“ (ebd.: 51) sowie als die „Sprache des Schlossherrn“ (ebd.).

Als Hermann Kafka nach Prag gekommen war, war er ein tschechisch und jiddisch sprechender Jude, der erst hier den Wandel zu einem ‚deutschsprachigen’ Juden durchmachte. Nach seiner Heirat mit Julie Löwy war die Familiensprache überwiegend Deutsch (vgl. Dietz, 1990: 18). Dass er neben Tschechisch Deutsch gesprochen hat, nämlich im engsten Familienkreis und auch mit einigen Kunden in seinem Geschäft, ist bewiesen (vgl. Nekula, 2003: 53). „Welches Deutsch jedoch Hermann Kafka gesprochen hat, lässt sich im Nachhinein nicht genau sagen […]“ (ebd.: 57).

Im Hinblick auf Hermann Kafkas Schriftsprache lässt sich sagen, dass er aufgrund seiner Schulbildung überwiegend deutsch geschrieben hat (vgl. Nekula, 2003: 49 f.), vermutlich jedoch nicht tschechisch schreiben konnte (geschriebenes Tschechisch findet sich bei ihm höchstens bei Anreden in Briefen (ebd.: 52)). Auch bei den wenigen Bohemismen in seinen Briefen hatte er Schwierigkeiten mit der tschechischen Orthografie (ebd.: 50 f.), was allerdings eher eines der „kollektive[n] Merkmale des Deutschen in Böhmen“ war (ebd.: 65). Sein geschriebenes Deutsch wies einen starken gesprochenen Charakter auf (z.B. Wiederholung von Satzgliedern, spezifische Wortfolge etc.) und etliche Besonderheiten, die nur im Schriftlichen auffallen (Groß- bzw. Kleinschreibung etc.). Als möglichen Grund dafür nennt Nekula (ebd.: 64) den relativ kurzen Bildungsweg Hermann Kafkas. Tschechisch geprägte Formen sind in seinem schriftlichen Deutsch nur wenige zu finden wie Anreden oder fehlende Artikel (ebd.: 64 f.).

2.3.2.2. Mutter Julie Kafka, geb. Löwy

Im Gegensatz zu Kafkas Vater erfuhr seine Mutter ihre schulische Ausbildung durch deutsche Hauslehrer. Sie sprach und schrieb sowohl deutsch als auch tschechisch (Nekula, 2003: 67, 76), allerdings mit einer eindeutigen Dominanz des Deutschen (ebd.: 45, 67, 76 f.). Zudem wies ihr schriftliches Deutsch, ähnlich wie das ihres Mannes, einen kolloquialen Charakter und Besonderheiten des Deutschen der damaligen Zeit auf; ihre Lexik und Aussprache waren ebenso regional geprägt (ebd.: 67, 76).

Dafür sind bei Julie Kafkas deutscher Schriftsprache Bohemismen nur selten (ebd.: 77), eine tschechische Prägung wiederum häufiger festzustellen (viele Diminutiva, Fehlen von Artikeln, Prägung durch die ‚tschechische’ Aussprache deutscher Wörter wie Minutte, tschechisch minúta u.a.). Dennoch kann ihr Deutsch insgesamt als idiomatisch und differenziert beschriebenen werden; sie kann, so Nekula (ebd.: 67), „durchaus auch packend“ erzählen bzw. schreiben. Über Julie Kafkas Tschechisch ist bekannt, dass es im Schriftlichen ziemlich fehlerhaft war, da sie tschechisch zu schreiben nie explizit gelernt hatte und somit zum Beispiel häufig Häkchen und Dehnungszeichen vergaß oder offensichtlich nicht wusste, „dass man die Palate /ď/, /ť/, /ň/ vor /i/ ohne Häkchen schreibt [...] – immerhin eine der elementarsten Regeln der ersten Volksschulklasse[3] “ (ebd.: 77).

Eine zu berücksichtigende Besonderheit in Bezug auf die Bedeutung von Julie Kafkas Sprache(n) für Franz Kafka ist, dass sie sich vor und nach der Geburt ihres Sohnes intensiv dem neugegründeten familiären Geschäft widmete, so dass der kleine Franz überwiegend mit Dienstboten aufwuchs und in seinen ersten Lebensjahren sprachlich eher von diesen als von der Mutter geprägt wurde (ebd., siehe auch 2.3.2.3.).

Ferner ist anzumerken, dass Kafkas Mutter trotz der vorwiegend deutschen Familiensprache tschechische Namen von Verwandten und Bekannten sowie tschechische Ortsnamen verwendete (Nekula, 2003: 77). Insbesondere die schriftlichen und mündlichen Anreden ihrer Töchter waren nicht selten tschechisch, zum Beispiel Ottilko! oder Ellynko! (ebd.: 53, 77). „Eine solch zärtlich-liebevolle Anrede scheint für eine Familie typisch zu sein, in deren Haushalt das Tschechische – gerade im Hinblick auf die Kinder (Ammen, Kindermädchen, Dienstboten) – ein Bestandteil des privaten Alltags geworden ist. Dies ist auch in anderen deutschsprachigen Familien (mit tschechischen Dienstboten) belegbar“ (ebd.: 53).

2.3.2.3. Hausangestellte

„Besonders bei dem kleinen Franz, d.h. in der Zeit des intensiven Einsatzes der beiden Eltern im Geschäft, ist die besondere Rolle der Dienstboten und ihr Sprache bei seiner Sozialisierung nicht zu unterschätzen“ (Nekula, 2003: 55). So verweist Nekula auf die in der Familie Kafka zunächst primär tschechischsprachigen Hausangestellten (ebd.: 54 f.), denen, als Franz Kafkas Schwestern aufwuchsen, zunehmend deutschsprachige nachfolgten, was unter anderem auch „den sozialen Aufstieg der Familie widerspiegelt“ (ebd.: 55 f.). Weiter stellt Nekula fest (ebd.: 55):

In dem für die Sprache sensibelsten Alter hatte Franz Kafka [...] ein Kindermädchen, dessen Umgangssprache wohl deutsch war; es handelt sich um Franziska Haas [...]. Kafkas Angabe des Deutschen und des Böhmischen/Tschechischen als Muttersprache in den Katalogen seiner Volksschule spiegelt jedoch die Tatsache wider, dass das Tschechische im Haushalt der Familie Kafka [...] für ihn im Umgang mit seiner Umwelt eine wichtige Rolle spielte.

3. Kafkas Sprache(n)

3.1. Kafkas (sprachliche) Identität, Selbstdefinierung und Sprachenwahl

Franz Kafkas sprachliche Identität lässt sich nicht in eine einfache Formel fassen (Nekula, 2003: 303) bzw. über eine einzige Sprache definieren (ebd.: 309). So identifiziert Nekula neben einer unterschiedlichen Verfügbarkeit des Hebräischen, Jiddischen, Französischen, Englischen und Italienischen „außerordentliche passive und aktive Tschechischkenntnisse [...], auch wenn diese im Schatten seines Deutsch standen“ (ebd.) und betrachtet diese sowie Kafkas Schulbildung in tschechischer Sprache und Literatur als die zentralen Gründe, „die eine monolinguale und demzufolge auch monokulturelle, sprich deutschzentrische Interpretation dieses Autors in Frage stellen, wenn nicht gar ausschließen. Dies betrifft sowohl Kafkas Werk und Kultur- und Sprachverständnis als auch sein Leben und Selbstverständnis“ (ebd.).

Kafka selbst, so Nekula weiter, stand dem deutsch-tschechischen Sprachenkampf kritisch gegenüber, weshalb seine jeweiligen Sprachbekenntnisse wie auch seine „Wahl der aktiven Literatursprache“ (i.e. des Deutschen) nicht „als ein nationales Bekenntnis“ missverstanden und missinterpretiert werden dürfen (ebd.: 305 f.). Sowohl das Tschechische als auch das Deutsche und der jeweils erforderliche Wechsel zwischen beiden gehörten für ihn zum natürlichen Berufsalltag in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt (ebd.: 306). Tschechisch verwendete Kafka überall dort, wo es der Prager Alltagskontext verlangt sowie in der weiteren Familie, mit Dienstboten und im väterlichen Geschäft, Deutsch hingegen im Freundeskreis und engsten Familienkreis (ebd.).

In Bezug auf die Nationalität Kafkas fällt die große Uneinigkeit auf, ob Kafka nun Deutscher, Tscheche, Tschechoslowake, Österreicher oder keines von alledem gewesen war, sowie der Versuch, dies allein über seine Sprache zu festzumachen (siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Franz_Kafka). National identifizierte sich Kafka selbst keineswegs über seine Sprachkompetenzen. Die deutsche Sprache nannte er seine „Muttersprache“ ausschließlich „im Sinne der Sprachkompetenz“, d.h. dass er sie besser beherrschte als das Tschechische, „nicht im Sinne einer nationalen Selbstidentifikation“ (Nekula, 2003: 307). Aufgrund des neu aufkommendem Nationalismus nach 1918 versuchte er sogar, eine nationale Selbstdefinition durch die Verwendung der Unterschrift DrFKafka (Franz Kafka vs. František Kafka) bewusst zu vermeiden (ebd.: 306). In diesem Zusammenhang ist außerdem der gewaltiger Wandel der Identität der Tschechen und Deutschen sowie der Juden zu berücksichtigen (ebd.: 308 f.).

Es besteht kein Zweifel daran, dass sich Kafka mit dem sprachlichen Verständnis der (nationalen) Identität intensivst auseinandersetzte. Das Motiv der Verwirrung der Sprachen, das in Kafkas [...] Reisetagebüchern im Hinweis Babylonisierung des öffentlichen Lebens durch den sprachlich getragenen Chauvinismus auftaucht, wird [...] als Stigma der künftigen Zeit erkannt. (ebd. 308)

Falls im Hinblick auf die Sprache Kafkas Identität überhaupt charakterisiert werden kann, dann sollte man nicht von einer Sprache und einem Monolingualismus ausgehen, sondern von einem Multilingualismus, dem Sprachenwechsel und -wandel. (ebd.: 309)

Die in diesem Kontext von Nekula (ebd.: 55) geäußerte These, dass möglicherweise auch Kafkas „Stocken und Stottern“ in seiner Kindheit als „übliche Sprachprobleme eines (ungleich) bilingualen Kindes“ interpretiert werden könnten, ist zwar, wie er selbst einräumt, „[w]agemutig“, deutet aber eine neue interessante Forschungsperspektive an.

3.2. Beziehung zur tschechischen Sprache, Kultur und Bevölkerung

Dass Franz Kafka die tschechische Sprache beherrschte, gilt bis in Expertenkreise hinein als gesichert. Wie gut indes seine Tschechischkenntnisse waren, ist nicht und wird vermutlich nie endgültig geklärt werden können. Häufig werden sie einfach als fließend bezeichnet (vgl. z. B. Dietz, 1990: 17), ohne die Komplexität, Multifaktorialität und Dynamik von Sprachverhaltensprozessen zu berücksichtigen. Kafka selbst hingegen sprach in seinen sehr persönlichen Briefen an Milena Jesenská (1966: 20) bescheiden von seiner „geringen Kenntnis“ des Tschechischen und bat sie (wenn auch halb scherzhaft) aufgrund vorausgegangener, offenbar sprachlich bedingter Missverständnisse: „[...] bitte zwing mich nur nicht, tschechisch zu schreiben“ (ebd.: 42).

Am bisher eingehendsten untersuchte Nekula (2003) Kafkas Tschechisch. Er berichtet, Kafka habe Tschechisch als Unterrichtsfach zunächst in der 3. und 4. Klasse der Volksschule gehabt, danach ganze weitere acht Jahre auf dem deutschen Gymnasium. Er beschäftigte sich demzufolge mit allen Bereichen dieser Sprache (Sprechen, Lesen und Schreiben), lernte die tschechische Orthografie und „gewann auch Einblick in die tschechische Literatur und Kultur“ (ebd.: 79).

Neben dem Aspekt der schulischen Sprachausbildung darf allerdings nicht vergessen werden, dass Tschechisch für Kafka, wie auch die übrigen Prager Deutschen, keine Fremdsprache, sondern eine Zweitsprache war, deren Hauptcharakteristikum in ihrer Eigenschaft als Umgebungssprache liegt. Dennoch gab es in sprachlicher Hinsicht einen Unterschied zwischen Kafka und den meisten deutschsprachigen Pragern, der besonders nach der Gründung des ‚Mehrvölkerstaats’ Tschechoslowakei deutlich wurde. „Kafkas Generation konnte und wollte ihre Sprachgewohnheiten nach 1918 kaum wesentlich ändern“ (ebd.: 80). Franz Kafka hingegen war offen für die tschechische Sprache und beherrschte sie wohl äußerst gut.

Er hinkte in dieser Hinsicht nicht einmal den Abiturienten tschechischer Gymnasien hinterher. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass ihn das Jahr 1918 und die Veränderungen in der Stellung des Tschechischen und des Deutschen in staatlichen und halbstaatlichen Institutionen nicht aus der Bahn warfen und er – von krankheitsbedingten Unterbrechungen abgesehen – seine Arbeit in der Versicherungsgesellschaft auf leitendem Posten fortführen konnte. Seine Kollegen, denen das Tschechische weniger vertraut war, mussten die Institution […] verlassen. (ebd.: 79 f.)

Bei den jüngeren Generationen kam es ebenfalls zu individuellen Ausprägungen des Sprachverhaltens. So dominiert in den Familien von Kafkas Schwester Valli Pollak und Ottla David, insbesondere beim Umgang mit den Kindern, das Tschechische: „Die Kinder wuchsen zwar in einer bilingualen Umgebung auf, besuchten aber tschechische Schulen. Die Erwachsenen – einschließlich Franz Kafka – neigten dazu, mit ihnen – sowie insgesamt mit der Familie David – Tschechisch zu sprechen“ (ebd.: 80).

[...]


[1] Und nicht der „ersten Tschechischen Republik“ (Pfeiffer, 1998: 23); diese entstand erst 1993 zusammen mit der Slowakischen Republik; erst da hatten also die Bestrebungen des nationalistischen Teils der Bevölkerung ihr Ziel endgültig erreicht.

[2] Wohlgemerkt war der Anteil der Deutschen beinahe so groß wie der der Slowaken, was neben ihrer privilegierten Stellung die Vorstellung von einer deutschen ‚Minderheit’ zusätzlich problematisiert.

[3] Diese Regel wird in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik in der Tat bis heute bereits in der Grundschule gelehrt.

Details

Seiten
51
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638416450
ISBN (Buch)
9783638597043
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43969
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Franz Kafkas Sprachbiografie Schreibverhalten Verwandlung

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Titel: Die Bedeutung von Franz Kafkas Sprachbiografie und Schreibverhalten für 'Die Verwandlung'