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Die Modalverben im Deutschen und Französischen

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Modalverben im Deutschen
1.1 Der Gebrauch der Modalverben im Deutschen
1.1.1 Dürfen
1.1.2 Können
1.1.3 Mögen
1.1.4 Sollen
1.1.5 Wollen
1.1.6 Müssen

2. Die Modalverben im Französischen und ihre Bedeutungen
2.1 Allgemeines zu den Modalverben im Französischen
2.2 Der Gebrauch der Modalverben im Französischen
2.2.1 Devoir
2.2.2 Il faut
2.2.3 Pouvoir
2.2.4 Savoir
2.2.5 Vouloir

3. Die Gegenüberstellung der deutschen und französischen Modalverben
3.1 Dürfen
3.2 Können
3.3 Mögen
3.4 Sollen
3.5 Wollen
3.6 Müssen

4. Die Verneinung der französischen Modalverben

5. Besonderheiten der französischen Modalverben
5.1 Imperfekt und Perfekt bei devoir und pouvoir
5.2 Devoir im Imperfekt mit Infinitiv

6. Schwierigkeiten und Unterschiede zum Deutschen

Bibliographie

1. Die Modalverben im Deutschen

Modalverben sind Verben, die in Verbindung mit dem reinen Infinitiv[1] eines Verbs gebraucht und ohne die Präposition „zu“ an das Verb angeschlossen werden[2]. Sie werden auch als „Hilfsverben“ bezeichnet. Es handelt sich um Verben, die in Bezug auf andere Verben, d.h., auf Infinitive, modal modifizierend wirken. Durch sie kann der Sprecher eine Erlaubnis, Obligation, Fähigkeit, Neigung usw. des Subjekts ausdrücken.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Modalverben: dürfen, können, mögen, sollen, wollen und müssen. In manchen Grammatiken zählen auch die Verben haben, sein und brauchen[3] und werden, bleiben, pflegen, scheinen und einige andere zu den Modalverben[4].

Modalverben bilden mit dem Infinitiv eine Modalklammer. Das finite Verb, auch „Vorverb“ genannt, ist das Modalverb und das infinite Verb bzw. Nachverb der Infinitiv. Zu Modalverben lassen sich weder Imperativ- noch Passivformen bilden[5]. Zu allen Verben gibt es Hauptverben mit teilweise anderen Bedeutungen. Beispiel: Ich mag Fußball. Die Aussage des Satzes ist, dass dem Subjekt des Satzes Fußball gefällt bzw. mag. Der Satz stellt eine Tatsache dar, normalerweise mag also das Subjekt Fußball. Im Satz: Ich mag Fußball spielen hat das Subjekt des Satzes momentan Lust, Fußball zu spielen, der Kontext spielt dabei oft eine wichtige Rolle.

1.1 Der Gebrauch der Modalverben im Deutschen

Je nach vorliegender Beziehung zwischen Sprecher und Satzaussage wird ein Modalverb objektiv oder subjektiv gebraucht[6]. Beispiel:

Paula will dabei sein. Dieser Satz ist ein Beispiel für den objektiven Gebrauch von Modalverben. Es wird eine Tatsache ausgedrückt.

Im Satz Paula will dabei gewesen sein liegt ein subjektiver Gebrauch vor, auch „epistemischer“[7] Gebrauch genannt. Der Sprecher drückt eine persönliche Stellungnahme aus.

1.1.1 Dürfen

Wenn das Modalverb dürfen objektiv gebraucht wird, drückt es eine Möglichkeit, Berechtigung bzw. Erlaubnis aus[8]. Im Satz Sie dürfen gerne rauchen wird mit dürfen die Erlaubnis zum Rauchen gegeben. Falls in einem Satz dürfen mit einer Negation auftritt, handelt es sich um ein Verbot. Beispiel: Sie dürfen hier nicht rauchen. Durch die Verneinung ändert sich die Aussage des Satzes, aus der Erlaubnis wird ein Verbot.

Durch den subjektiven Gebrauch des Verbs wird eine Vermutung des Sprechers ausgedrückt[9]. Beispiel: Eva dürfte jetzt zufrieden sein. Der Sprecher glaubt, dass seine Aussage stimmt, was aber nicht bewiesen ist, da sie nur auf der Meinung des Sprechers basiert.

Im Satz Wir dürfen nicht vergessen, uns bei unseren Freunden zu bedanken handelt es sich um eine Notwendigkeit[10].

1.1.2 Können

Beim objektiven Gebrauch des Modalverbs können wird eine Möglichkeit oder Fähigkeit dargestellt[11]. Im Satz Man kann dort schwimmen, das Wasser ist warm genug wird mit können die momentane Möglichkeit zu schwimmen ausgedrückt, da das Wasser zu diesem Zeitpunkt warm ist. Die Möglichkeit des Schwimmens ist also beschränkt. Bei Er kann jetzt schon schwimmen, seine Tante hat es ihm beigebracht handelt es sich um die Fähigkeit des Schwimmens allgemein. Das Subjekt des Satzes kann immer schwimmen, da es das Schwimmen gelernt hat. Mit diesem Modalverb kann auch, wie mit dürfen[12], eine Erlaubnis ausgedrückt werden[13]. Beispiel: Er kann ins Kino gehen. Das Verb kann kann hier durch darf ersetzt werden.

Wird können subjektiv gebraucht, drückt es eine vage Vermutung bzw. eine Annahme aus[14]. Beispiel: Sie kann daran gedacht haben.

Noch größerer Zweifel wird durch den Konjunktiv II ausgedrückt: Sie könnte daran gedacht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Subjekt daran gedacht hat, ist viel geringer als im ersten Beispielsatz mit kann im Indikativ.

1.1.3 Mögen

Das Modalverb mögen wird den Modalverben sollen und wollen gegenüber bevorzugt, da es höflicher klingt. Wünsche oder Aufforderungen werden mit mögen nicht so direkt formuliert wie mit den Verben wollen und sollen[15].

Wenn man mögen objektiv benutzt und als Modalverb, so werden Wünsche ausgedrückt[16]. Das Verb als Hauptverb drückt Zuneigung bzw. Abneigung aus, wenn verneint. Der Satz Ich möchte gerne etwas dazu sagen ist ein Beispiel für den objektiven Gebrauch von mögen als Modalverb. Oft wird auch die Form des Konjunktiv II[17] verwendet, da sie als noch höflicher aufgefasst wird[18]. Des weiteren kann durch mögen eine indirekte Wiedergabe einer direkten Aufforderung ausgedrückt werden[19]. Der Satz Man bat ihn, er möge seine Schuhe ausziehen kann auch mit sollen wiedergegeben werden, mögen klingt aber höflicher[20].

Beim subjektiven Gebrauch wird mögen als Ausdruck einer Einräumung benutzt[21]. Dabei handelt es sich um Konzessivsätze[22]. Beispiel: Mag er auch vieles versprechen, er wird es doch nicht zustande bringen. Das Verb mögen kann auch sinngemäß durch Hat er auch vieles versprochen/wenn er auch vieles verspricht ersetzt werden. Das Verb hat in diesem Fall nichts mehr mit seiner Grundbedeutung zu tun. Außerdem kann dieses Verb Unsicherheit bzw. Ratlosigkeit und Vermutungen des Sprechers ausdrücken[23]. Im Fragesatz Was mag er wohl meinen? ist sich der Sprecher nicht sicher, was die besagte Person sagen will. Mag drückt diesen Zweifel des Sprechers aus. Es könnte auch mit wollen ersetzt werden, mögen ist aber höflicher und der Zweifel bzw. die Unsicherheit auch größer.

1.1.4 Sollen

Objektiv gebraucht, kann das Modalverb sollen mehrere Funktionen haben. Es kann erstens eine Notwendigkeit bzw. Obligation[24] ausdrücken wie z.B. im Satz Man soll diese Leute nicht verspotten, wobei es sich um eine Art Richtlinie handelt, dass man etwas bestimmtes nicht tun soll. Zweitens kann es eine Zukunft in der Vergangenheit markieren. Das Verb sollte im Satz Diese Meinung sollte sie noch oft zu hören bekommen bezieht sich auf die Zukunft von einem Standpunkt in der Vergangenheit aus betrachtet[25]. Es trägt nicht die Bedeutung von etwas tun sollen, sondern weist auf einen Vorgang in der Zukunft hin. Außerdem können Aufforderungen und Ratschläge bzw. Empfehlungen mit dem Verb sollen ausgedrückt werden[26]. Der Beispielsatz Man sagte ihm, er solle stehen bleiben stellt eine Aufforderung dar, die Person, um die es sich handelt, soll etwas tun. Du sollst einen Arzt aufsuchen gibt einen Ratschlag wieder[27]. Auch in Bedingungs- bzw. Konditionalsätzen wird das Verb sollen benutzt. Beispiel: Falls er wegbleiben sollte, habe ich kein Interesse mehr bzw. Sollte er wegbleiben, habe ich kein Interesse mehr.

Des weiteren kommt es auch in Fragesätzen vor, wie z.B. in Sollte das vielleicht doch stimmen?

Durch den subjektiven Gebrauch von sollen werden Äußerungen eines Dritten und Skepsis des Sprechers wiedergegeben[28]. Beispiel: Sie soll krank gewesen sein. In diesem Satz weiß der Sprecher nicht, ob die Person wirklich krank war oder nicht, er gibt nur das wieder, was er von anderen gehört hat. Die Aussage des Satzes entspricht nicht unbedingt der Meinung des Sprechers.

Sollen kann manchmal auch durch müssen ersetzt werden, wenn der Kontext auf eine Aufforderung hinweist[29]. Beispiel: Er verlangt, dass er sich entschuldigen soll/muss[30].

[...]


[1] Vgl. Schulz, S. 72.

[2] Vgl. Drosdowski, S. 95.

[3] Vgl. ibid., S. 106.

[4] Vgl. Schulz, S. 73.

[5] Vgl. Drosdowski, S. 95.

[6] Vgl. Lühr, S. 97.

[7] Ibid., S. 97.

[8] Vgl. Drosdowski, S. 96f.

[9] Vgl. ibid., S. 97.

[10] Vgl. ibid., S. 98.

[11] Vgl. ibid, S. 95.

[12] Vgl. Lühr, S. 98.

[13] Vgl. Drosdowski, S. 96.

[14] Vgl. ibid. S. 96.

[15] Vgl. ibid., S. 104.

[16] Vgl. ibid.

[17] vgl. Lühr, S. 99.

[18] Vgl. Drosdowski, S. 105.

[19] Vgl. Schulz, S. 85.

[20] Vgl. Lühr, S. 99.

[21] Vgl. Drosdowski, S. 105.

[22] Vgl. ibid.

[23] Vgl. ibid.

[24] Vgl. Schulz, S. 88.

[25] Vgl. Drosdowski, S. 102.

[26] Vgl. Lühr, S. 98.

[27] Vgl. Drosdowski, S. 102.

[28] Vgl. ibid.

[29] Vgl. ibid.

[30] Vgl. ibid.

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638416993
ISBN (Buch)
9783638802352
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44034
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Germanistik - DaF
Note
1,0
Schlagworte
Modalverben Deutschen Französischen Kontrastive Linguistik

Autor

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