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Pappbecher-to-go als umweltpolitisches Problem

Hausarbeit 2018 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Der typische "Coffee-to-go"-Einwegbecher
1.1 .Zahlen und Fakten
1.2. Ressourcen in der Produktion
1.3. Entsorgung
1.4. Der vermeintlich grüne Öko-Becher
1.5. Problematik
1.5.1. Kennzeichnung
1.5.2. Nutzungsdauer
1.5.3. Müll in den Großstädten

2. Die Alternative: Mehrwegbecher
2.1. Einsparpotenzial
2.2. Mehrwegbechersysteme
2.3. Kritik und Diskussion
2.3.1. Hygieneaspekt
2.3.2. Der Bambus-Mehrwegbecher

3. Politik

4. Fazit & Ausblick

5. Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Deutschland ist Abfall-Europa-Meister. Wir Deutschen produzieren im europäischen Län- dervergleich also überdurchschnittlich viel Müll wovon Einwegverpackungen einen sehr großen Anteil ausmachen. Gleichzeitig boomt der Markt für biologische und ökologische Lebensmittel, Kleidung und andere Gebrauchs- und Konsum-Güter. Bio ist Trend. Viele Konsumenten1 verfügen bereits über das Umweltbewusstsein, das es braucht, langfristig einen nachhaltigen Lebensstil zu etablieren. Doch hier kommt ihnen oft der immer schnell- lebigere Alltag, die immer mobiler werdende Gesellschaft in den Weg. Der Außer-Haus- Verzehr nimmt seit Jahren zu und mit ihm auch der Verbrauch von Einwegverpackungen. „To-go“ ist praktisch, spontan und spart wertvolle Zeit. Der „Coffee-to-go“-Becher ist das Symbol für unsere Wegwerfgesellschaft. Er ist allgegenwärtig. Vor allem in Innenstädten platzen die Mülleimer, in Parks und Grünlandschaften ist er nicht selten auch außerhalb der Müllbehältnisse zu finden.

In der folgenden Arbeit wird daher untersucht, wie sinnvoll die Nutzung von Mehrwegbechern als Alternative zum Einwegbecher im „Coffee-to-go“-Alltag für Mensch und Umwelt ist und welche Einsparpotenziale er bietet. Hierzu wird zuerst der Einwegbecher als Umweltsünder analysiert und durch ihn hervorgerufene umweltpolitische Probleme identifiziert. Anschließend erfolgt die Vorstellung des Mehrwegbechers als Alternative, Einsparpotenziale und verschiedene Systeme werden kritisch diskutiert.

In Vorbereitung auf diese Arbeit wurde zunächst ein Brainstorming in Form von Stichwor- ten und Mindmaps durchgeführt. Anschließend wurde anhand der einiger Keywords, wie „Einwegbecher“, „Coffee-to-go“, „Mehrwegbecher“, „Becherpfand“, in verschiedenen Onli- ne-Datenbanken, wie WISO, nach verwendbarer Literatur, Publikationen, Studien und Ar- tikeln recherchiert. Vor allem wurde die Website der Deutschen Umwelthilfe als Informati- onsquelle herangezogen.

1. Der typische „Coffee-to-go“-Einwegbecher

1.1. Zahlen & Fakten

320.000 Einwegbecher werden jede Stunde in ganz Deutschland verbraucht. Das sind über 5.000 Stück in der Minute oder 89 Stück pro Sekunde. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt sich eine Summe von etwa drei Milliarden Exemplaren. Der durchschnittliche Ein- wegbecher ist einwandig, hat ein Fassungsvermögen von 0,3 Litern und wiegt 11 Gramm, der zugehörige Plastikdeckel (meist aus Polystyrol) noch einmal 3,4 Gramm. Der Becher besteht zu 95 Prozent aus Pappe. Die restlichen 5 Prozent bilden eine Innenbeschichtung aus Kunststoff (meistens Polyethylen), die verhindern soll, dass der Becher beim Befüllen aufweicht und seine Form verliert.2

1.2. Ressourcen in der Produktion

Ungefähr 43.000 Bäume werden jedes Jahr für die Herstellung der hierzulande verbrauch- ten Einwegbecher gefällt. Der jährliche Papierbedarf für die Becherproduktion beträgt 29.000 Tonnen. Die Verwendung von Recyclingmaterial ist kaum möglich, da dieses oft durch schädliche Substanzen verunreinigt ist und dadurch für den Einsatz im Lebensmit- telbereich nicht geeignet ist. Auch der durch die Produktion veranlasste Wasserverbrauch ist hoch. Jeder durchschnittliche Einwegbecher verbraucht mehr als einen halben Liter Wasser in der Herstellung. Hochgerechnet auf die pro Jahr in Deutschland verbrauchten Einwegbecher entspricht das einem Wasserbedarf von 1,5 Milliarden Litern - oder dem jährlichen Wasserverbrauch von 32.000 Deutschen. Der anteilig im Becher verarbeitete und für den Deckel verwendete Kunststoff wird aus Rohöl gewonnen. Für Becher und De- ckel beträgt der Rohölverbrauch pro Jahr zusammen in etwa 22.000 Tonnen.3 Mit der in der Produktion „eingesetzten Energie könnten mehr als 100.000 Musterhaushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.“4 Die jährlich durch die Produktion von Bechern und De- ckeln bedingte Klimabelastung in Form von CO2-Emissionen beträgt insgesamt etwa 111.000 Tonnen.5

1.3. Entsorgung

In Deutschland entstehen jährlich rund 40.000 Tonnen Abfall durch die Einwegbecher und Plastikdeckel.6 In einer Befragung des Marktforschungsunternehmens You-Gov im letzten Jahr gaben 56 Prozent der Befragten an den Kaffee unterwegs zu trinken.7 Folglich „wird nicht nur ‚To-go’ konsumiert, sondern meist auch ‚To-go’“8 in die öffentlichen Müllbehälter entsorgt. Die anschließende Verbrennung zusammen mit dem Restmüll resultiert darin, dass die in der Produktion verwendeten Rohstoffe nicht recycelt werden können. Auch bei der Entsorgung in die gelbe Tonne oder den Papierabfall ist ein sinnvolles Recyceln fast unmöglich ist. In beiden Fällen landen die Becher in Papierrecyclinganlagen, wo die Papierfasern aufgrund ihrer Kunststoffbeschichtung nicht wieder aufbereitet werden können und letztendlich auch verbrannt werden müssen.9

1.4. Der vermeintlich grüne Öko-Becher

Viele Unternehmen werben mit ihren ökologischen Alternativen zum herkömmlichen Ein- wegbecher. Diese alternativen Becher bestehen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen wie z. B. Maisstärke und werden den Konsumenten als nachhaltig suggeriert. Die Konsu- menten kaufen sie guten Gewissens und in dem Glauben, der Umwelt so etwas Gutes zu tun. Zu diesem Punkt äußert sich u.a. die Bundesgütegemeinschaft Kompost kritisch: “Die Kompostierung von ‚Biokunststoffen’ ist und bleibt ein Irrweg.“10 Die Becher verbleiben nicht lange genug in den Kompostieranlagen um sich zu zersetzen und sinnvoll recycelt zu werden.

1.5. Problematik

1.5.1. Kennzeichnung

Die Bezeichnung „Pappbecher“ für den typischen „Coffee-to-go“-Einwegbecher erscheint angesichts der bei seiner Entsorgung aber vor allem im Zuge seiner Herstellung entstehenden Umweltbeeinträchtigungen verharmlosend.

Der Deckel ist womöglich noch leicht als Plastikdeckel für den Konsumenten zu erkennen, das Äußere und die Haptik des Bechers lassen jedoch auch den Schluss zu, es handle sich um einen reinen Pappbecher. Eine Studie mit dem Titel „Verpackungen im Fokus“ von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) aus diesem Jahr gibt an, dass etwa 41 Prozent der befragten 1.000 Konsumenten „oftmals Probleme haben zu erkennen, ob sie eine Einweg- oder Mehrwegverpackung in den Händen halten.“11 Ein entsprechender Hinweis bezüglich Zusammensetzung, Verwendung und korrekter Entsor- gung fehlt in der Regel auf dem Einwegbecher.12 Die korrekte Entsorgung gestaltet sich so für den Konsumenten schwierig.

1.5.2. Nutzungsdauer

Ein großer Aspekt der umweltpolitischen Problematik von Einwegbechern ist deren sehr kurze Nutzungsdauer von max. 15 Minuten, die somit als noch kürzer als die einer herkömmlichen Plastiktüte (25 Minuten) eingestuft wird.13 Die „Ex-und-hopp-Becher“14 werden also produziert um schnellstmöglich wieder entsorgt zu werden. Diese Erkenntnis steht im direkten Gegensatz zu der obersten Prämisse des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG): Der „Vermeidung von Abfällen“ (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 KrWG).

1.5.3. Müll in den Großstädten

Der durchschnittliche „Coffee-to-go“-Trinker wohnt laut der YouGov-Befragung des letzten Jahres „eher städtisch“ und ist zwischen 45 und 54 Jahre alt.15 In deutschen Groß- und Innenstädten ist die „Coffee-to-go“-Verfügbarkeit am größten - hier finden sich nahezu an jeder Ecke Möglichkeiten einen „Coffee-to-go“ zu kaufen. Entsprechend ist auch das Müll- aufkommen in den Städten besonders hoch, die ansässigen Müllunternehmen kommen oft trotz erhöhter Leerungsrhytmen kaum mit der Entsorgung hinterher. Die zum „Coffee-to-go“ gereichten Accessoires wie Papp-Manschette, Rührstäbchen oder Getränkehalter verstärken das Müllaufkommen zusätzlich.16 Oft landen die Einwegbecher aber auch direkt in der Natur und tragen so zusätzlich zur Verunreinigung von Parks, dem Stadtbild und insgesamt der Umwelt bei. Besonders bedenklich ist die hierdurch begüns- tigte Einbringung von Mikroplastik durch den Abrieb des im Becher enthaltenen Kunststoffs in die Umwelt.17

2. Die Alternative: Mehrwegbecher

2.1. Einsparpotenzial

Den Mehrwegbecher für den „Coffee-to-go“ gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Größen. In der Regel besteht er aus Neu- oder Recycling-Material wie z. B. Edelstahl, Glas oder Kunststoff. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Ausführungen ist die genaue Angabe von Rohstoffmengen, die in der Produktion verwendet werden, schwierig. Allge- mein lässt sich feststellen, dass die Herstellung eines Mehrwegbechers mit einem hohen Energieverbrauch verbunden ist. Sein Vorteil besteht jedoch in der Langlebigkeit, mehrma- ligen Wiederverwendbarkeit und guten Recycelfähigkeit, i. d. R. über die Wertstofftonne. Der Mehrwegbecher wird am Ende also nicht dem Wertstoffkreislauf entzogen wie es beim Einwegbecher der Fall ist. Laut eigenen Berechnungen kommt die Deutsche Umwelthilfe auf potenzielle jährliche Einsparungen durch Mehrwegbecher- statt Einwegbecher- Nutzung in Deutschland von insgesamt „280 Mio. Kilowattstunden Energie, 87.000 Tonnen CO2-Ausstoß, 1,2 Milliarden Litern Wasser und 40.000 Tonnen Abfall“18. Aktuell liegen noch keine repräsentativen Untersuchungen zu Ökobilanzen der unterschiedlichen „Coffee-to-go“-Becher, sowohl Einweg- als auch Mehrweg-, vor. Zu diesem Schluss kommt u.a. die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach Auswertung mehrerer Stu- dien. Diese würden allerdings zeigen, dass die Mehrweg-Alternative unter den Vorausset- zungen, dass der „Becher möglichst oft genutzt wird“, „Spülen möglichst ökologisch er- folgt“ und die „Transportwege für externes Spülen kurz sind“19 ökologische Vorteile bie- tet.20 Die erfolgreiche Einsparung von Rohstoffen durch einen Mehrwergbecher hängt in erster Linie von der Bereitschaft der Konsumenten ab, diesen überhaupt zu nutzen.

[...]


1 In der folgenden Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich auf Personen beiderlei Geschlechts .

2 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 1-3.

3 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 6-7.

4 Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 7.

5 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 7.

6 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 7.

7 Vgl. YouGov (2017), S. 5.

8 Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (o.J.), Absatz 1.

9 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 7 f.

10 Bundesgütegemeinschaft Kompost (2014), S.1.

11 PwC (2018), S. 24.

12 Vgl. Verbraucherzentrale NRW (2017), Absatz 4.

13 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 3.

14 Gassmann, Michael (2017), Absatz 9.

15 Vgl. YouGov (2017), S. 5.

16 Vgl. Deutsche Umwelthilfe (2015), S.3.

17 Vgl. Verbraucherzentrale NRW (2017), Absatz 2.

18 Deutsche Umwelthilfe (2015), S. 9-10.

19 Farsen, Friederike (2018), Folie Nr. 5.

20 Vgl. Farsen, Friederike (2018), Folie Nr. 5.

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668796522
ISBN (Buch)
9783668796539
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Erscheinungsdatum
2018 (September)
Note
1,7
Schlagworte
pappbecher-to-go problem pappbecher coffee-to-go
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Titel: Pappbecher-to-go als umweltpolitisches Problem