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Theorie und Methoden der Landschaftsplanung

Eine Zusammenfassung

Zusammenfassung 2015 9 Seiten

Landschaftsarchitektur, Landespflege, Gartenbau

Leseprobe

Theorie und Methoden der Landschaftsplanung

Zusammenfassung zu Vorlesungen am Wissenschaftszentrum Weihenstephan (WZW) an der Technischen Universität München (TUM) 2015

Methode:

System von Regeln, deren Befolgung von best. Ausgangssituation (z.B. konkretes Bewertungsproblem) zur Erreichung best. Endsituation/ Ziel (z.B. Werturteil) führt

- zielgerichtet;
- enthält Handlungsanweisung;
- mehr od. weniger operationalisiert;
- Einsatz ist an best. Struktur der Ausgangssituation und an best. vorgeg. Ziel bzw. zu lösendes Problem gebunden;
- bezieht sich auf individuelles Handeln (z.B. Strukturierung d. Vorgehensweise eines Landschaftsplaners)

Verfahren:

beruhen auf Interaktionen, d.h. sozialen Handlungen;

Ablauf ist durch Regeln festgelegt und kann durch Fixierung in Gesetzen und Verordnungen rechtlich verbindlich gemacht werden (z.B. Planfeststelllungsverf., Bebauungsplanverf.)

Verfahrensebene:

umfasst z.B. Einbeziehung der an einer Planung beteiligten Akteure

(z.B. Grundstückseigentümer, Landwirte, ehrenamtl. Naturschützer)

Operationalisierung in Bezug auf Vorgehensweisen:

Präzisierung und Standardisierung der Vorgehensweise durch Angabe der Arbeitsvorgänge (Operationen) mit denen sich die Vorgehensweise konkretisieren lässt

Planarten:

- Entwicklungsplanung, z.B.:

kommunaler LP, Pflege- und Entwicklungsplan, Biotopverbundplan, Masterplan

- vorhabensbezogene Pläne bzw. Gutachten im Bereich

Landschafts-/ Umweltplanung:

Auslöser: (bauliches) Vorhaben, bei dem (erhebl.) Beeinträchtigungen von Natur/ Landschaft/ Umwelt erwartet werden;

Aufgabe: Vermeidung der (erhebl.) Beeinträchtigungen oder Begrenzung des Ausmaßes der Umweltauswirkungen; z.B.: Umweltbericht (UB) im Rahmen der Bauleitplanung, Umweltverträglichkeitsstudie (UVS), Landschaftsplanerischer Begleitplan (LBP), FFH-Verträglichkeitsuntersuchung;

bei Ablaufschema eines vorhabensbezogenen Plans wichtig:

erst die Analys, dann die Prognose

Screening: Prüfung, ob Plan oder Gutachten erforderlich

Scoping: Bestimmung des Untersuchungsrahmens

Naturschutzethik:

Ethik: Suche nach und Legitimation von moralisch richtigem Handeln; Theorie der Moral;

Ziel: Aufstellung von Normen für das Handeln

Moral: individuelle oder subjektive Vorstellungen vom sittlich Guten; Gegenstand der Ethik

Norm: allgemeine Anweisung für das moralisch richtige Handeln (Gebote, Erlaubnisse) oder das Unterlassen von Handlungen (Verbote)

Naturschutz:

handlungsorientiert;

schlägt konkrete Handlungsanweisungen (Maßnahmen) vor;

auf Sachebene und Wertebene (=normative Ebene)

Ökologie:

Naturwissenschaft, d.h. objektiv und wertfrei;

rein auf Sachebene;

Objektivität im naturwissenschaftl. Sinne, intersubjektiv nachvollziehbar

Unterscheidung zwischen moralischen und rechtlichen Normen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sein-Sollen-/ naturalistischer Fehlschluss:

normative Prämisse (Wertebene) bei Aussage fehlend (evtl. verdeckt bzw. unterschlagen);

nur beschreibende/ Sach-Aussage (Sachebene), fehlende wertende/ Wert-Aussage fehlt, ist aber notwendig für korrektes handlungsorientierendes Werturteil und Handlungsanweisung;

Bsp. naturschutzfachliches Gutachten zu erheblichen Beeinträchtigungen bei Schutzgut Boden:

Sach-Aussage: "Tiefgründige Lehmböden haben eine hohe Filter- und Pufferfähigkeit für bestimmte Stoffe" ohne Wert-Aussage;

Wert-Aussage fehlt, wäre z.B. unter Rückgriff auf Bodenschutzgesetz (Norm): Boden bzgl. Filter- und Pufferfunktion hochwertig, diese Funktion soll nicht beeinträchtigt werden, daher soll Versiegelung oder Erosion dieses Bodens vermieden werden;

Normen oder Handlungsanweisungen müssen in Ethik/ Naturschutzethik rational begründet sein und sich auf Werte oder Prinzipien stützen, die allg. Anerkennung beanspruchen können

Diskursethik:

gibt (formale) Bedingungen an, die Voraussetzungen für eine legitimierte (rational begründete) Konfliktlösung sind

diskursethische Anforderungen an Diskussionen über moralische Fragen:

- Berücksichtigung aller Betroffenen und aller Argumente
- Fairness im Dialog
- Rationalität des Argumentierens

den diskursethischen Anforderungen so weit wie möglich annähern, um die gefundenen Lösungen mögl. weit zu legitimieren (rational begründen) und ihnen mögl. weite Geltung zu verschaffen

Begründungsmöglichkeiten für Naturschutz bzw. moralische Relevanz der Natur:

- anthropozentrische (Mensch im Mittelpunkt) Ethik:

Gebrauchswert (instrumenteller Wert) der Natur,

z.B. Ökosystemdienstleistungen, von Menschen geschätzte Bestandteile der Natur

- physiozentrische (Lebensvorgänge im Mittelpunkt) (nicht-anthropozentrische) Ethik:

Eigenwert der Natur, (Eigenwert d.h. emotional geprägter Wert)

- biozentrische Ethik: Eigenwert aller Lebewesen
- pathozentrische Ethik: Eigenwert der leidensfähigen Lebewesen (insb. Wirbeltiere)
- ökozentrische Ethik: Eigenwert der Ökosysteme und der Natur
- inklusive Ethiken

Ziele und Zielsysteme:

Ziele:

Normen (Ge- und Verbote), die das menschliche Handeln leiten bzw. leiten sollen;

zentrale Komponente planerischer Konzepte, die die Transparenz im Rahmen von Entscheidungsprozessen erhöhen und eine wichtige Grundlage für die Diskussion von planerischen Konzepten bilden;

wichtige Anknüpfungspunkte für rational nachvollziehbare Bewertungsansätze;

wichtig für (zweck-)rationale Planung;

weisende Werturteile, die sich aber auf die Sachebene beziehen

Abwägung fehlerhaft, wenn:

- Abwägungs-Ausfall: keine sachgerechte Abwägung
- Abwägungs-Defizit: abwägungsrelevante Belange nicht in Abwägung eingestellt
- Abwägungs-Fehleinschätzung: private Belange verkannt
- Abwägung-Disproportionalität: Unverhältnismäßigkeit bei der Gewichtung zwischen betroffenen öffentlichen Belangen und einzelner Belange

vertikale (hierarchische) Zielbeziehungen/ Konkretisierungsgrade bei den vertikalen (hierarchischen) Konkretisierungsebenen:

untergeordnete Ziele müssen sich aus den übergeordneten Zielen logisch und widerspruchsfrei ableiten lassen;

Ziele der untergeordneten Planungsebenen sollten den Zielen übergeordneter Planungsebenen nicht widersprechen;

zwingend zu beachten, wenn übergeordnete Ziele verbindlich, ansonsten müssen übergeordnete Ziele mit angemessener Gewichtung in die Abwägung auf der untergeordneten Ebene eingehen;

zunehmende Konkretisierung der Zielformulierungen auf den einzelnen Planungsebenen;

Erreichung der Unterziele trägt zur Erreichung der Oberziele bei;

Oberziele und Unterziele stehen in Zweck-Mittel-Verhältnis zueinander;

i.d.R. werden bei Zielformulierung auf übergeordneten Planungsebenen aber auch Ziele und Interessen untergeordneter Ebenen berücksichtigt

horizontale Zielbeziehungen:

(d.h. zwischen den Zielen der gleichen Planungsebene)

- Substituierbarkeit: Ziel kann durch anderes Ziel ersetzt werden
- Konkurrenz/ Zielkonflikt:

Höhere Erfüllung eines Ziels führt zu geringerer Erfüllung eines anderen, konkurrierenden Ziels

- Komplementarität:

Höhere Erfüllung eines Ziels führt auch zu höherer Erfüllung eines anderen, komplementären Ziels

- Indifferenz: indifferente Ziele sind voneinander unabhängig

Konkretisierungsgrad und Verbindlichkeit von Umweltzielen:

- Konkretisierungsgrad der Zielformulierung: inhaltlich, räumlich, zeitlich
- Verbindlichkeit der Zielformulierung:
- angemessen zu berücksichtigen in der Abwägung, z.B. Grundsätze der Raumordnung
- bindend, d.h. zu beachten für nachgeordnete Institutionen
- behördenverbindlich, z.B. FNP
- individualverbindlich: Gesetze, z.B. Ge- und Verbote von Schutzgebietsverordnungen

räumliche und sachliche/ inhaltliche Konkretisierung von Umweltzielen:

Leitbild: noch abstrakt gehaltene Formulierung von übergeordneten, komplexen Zielvorstellungen für einen bestimmten Raum in einer allgemein verständlichen Form

Leitlinie: gegenüber Leitbild konkretisierte Formulierung von Zielvorstellungen, aber noch eher abstrakt gehalten (z.B. Grundsätze in Gesetzen)

Umweltqualitätsziele: räumlich und sachlich/ inhaltlich konkrete und ggf. zeitlich definierte Qualitäten von Ressourcen, Potenzialen oder Funktionen, die in einem bestimmten Raum erhalten oder entwickelt werden sollen

Umweltqualitätsstandards: räumlich und sachlich/ inhaltlich konkretisierte Formulierung der angestrebten Ausprägung einzelner Parameter bzw. Indikatoren in messbarer Form und Festlegung der Rahmenbedingungen und Messverfahren für die Messungen

Unterscheidung zwischen unabgestimmten, fachlichen Leitbildern und abgestimmten (integrativen, querschnittsorientierten) Leitbildern:

unabgestimmte, fachliche Leitbilder: sektorale und z.T. auf bestimmte Ausschnitt der Landschaft (z.B. Gewässer) beschränkt;

abgestimmte (integrativen, querschnittsorientierte) Leitbilder: Berücksichtigung von Konflikten mit anderen Zielen für den Raum und/ oder mit den Interessen von Akteuren und Restriktionen (z.B. sozioökonomische Rahmenbedingungen)

Möglichkeiten zur Ableitung von Leitbildern:

- Bezug auf Referenzzustände:
- histor. Analyse (z.B. der früheren Zustände der Kulturlandschaft)
- Identifizierung der Eigenart der Landschaft (Landschaftsidentität)
- Referenzräume mit natürlichen Bedingungen

(Natürlichkeit oder Naturnähe als Leitbild)

- Analyse der Funktionserfüllung der Landschaftsfunktionen

(übergeordnetes Leitbild der multifunktionalen, nachhaltig genutzten Landschaft)

- Interessen der Bewohner und Nutzer

Grenzwerte und Leitwerte als Umweltqualitätsstandards:

Grenzwerte: Mindeststandards; Verschlechterungsverbote, die Risiken (z.B. für menschl. Gesundheit) reduzieren sollen;

Leitwerte: angestrebter Zustand; weitestmögliche Annäherung an (z.B. natürliche) Referenzwerte; Minimierungsgebot von Belastungen

Nachhaltigkeit in der Raum- und Landschaftsplanung/ Leitbild der nachhaltigen Entwicklung:

Nachhaltige Entwicklung: Entwicklung, die die gegenwärtigen Bedürfnisse befriedigt, ohne die Zukunftschancen nachfolgender Generationen zu schmälern (nach Brundtland Report, 1987), d.h.:

- künftige Generationen sollen die gleichen Lebenschancen haben;
- für jeden Menschen das gleiche Recht auf eine intakte Umwelt und innerhalb dieser Voraussetzungen Ressourcen zu entnehmen, „intragenerationelle“ und „intergenerationelle“ Gerechtigkeit

2 mögliche Ansätze, um das Konzept der nachhaltigen Entwicklung praktikabel zu machen:
- ökosytemarer Ansatz - Ziel: das Ökosystem im „Gleichwicht“
- nutzwertanalytischer Ansatz

Allgemeines zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung:

- Beschränkung des Ressourcenverbrauchs nötig, qualitatives Wachstum der Intudstrieländer als Kompromiss, angemessener Ressourcenverbrauch der Entwicklungsländer sollte ermöglicht werden

- Solidarität innerhalb der heutigen Generation und gegenüber zukünftiger Generationen wichtig
- ganzheitliche Sicht von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich
- der Landschaftsnutzung Grenzen setzen
- Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ist Lebensstilkonzept; Lebensstile prägen Lebensräume und umgekehrt.
- Nachhaltige Planung muss ressourcenschonende Lebensstile ermöglichen
- Der Lebensraum des Menschen ist wesentliche Auswirkungsebene, aber auch Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung.
- Die Gestaltung von Lebensräumen ist essentieller Beitrag zur Umsetzung des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung.

→ Raum- und Landschaftsplanung als Schlüsseldisziplinen zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung

3-Säulen-Modell der Nachaltigkeit:

Ökonomie, Ökologie/ Umwelt, Soziales/ Gesellschaft

Kapitalstock-Modell der Weltbank zum 3-Säulen-Modell der Nachaltigkeit

- 3 "Kapitalstöcke"

- "Nachhaltigkeitskapital" = Summe der 3 "Kapitalstöcke"

- Unterscheidung zwischen "starker" und "schwacher" Nachhaltigkeit:

"starke" Nachhaltigkeit: verlangt, dass keiner der 3 Kapitalstöcke über einen längeren Zeitraum abnehmen darf;

"schwache" Nachhaltigkeit: verlangt nur, dass das "Nachhaltigkeitskapital" insg. nicht abnehmen darf

Schalen-Modell zur Nachhaltigen Entwicklung:

- Natur/ Umwelt setzt Rahmen für Gesellschaft und Wirtschaft
- bei allen gesellschafts- und wirtschaftsrelevanten Entscheidungen sind die Umweltauswirkungen mitzuberücksichtigen
- sozio-ökonomische Entwicklungen nur innerhalb eines dauerhaft funktionsfähigen Naturhaushalts möglich
- systemischer Ansatz

Faktoren zum Beitrag der Raum- und Landschaftsplanung als Schlüsseldisziplinen zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung:

- Querschnittsorientierung
- Langfristigkeit
- Vorsorgeorientierung
- Wertgebundenheit
- Offenheit
- Komplementarität (wechselseitige Entsprechung, Ergänzung)
- Ressourcenschonung

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Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668802605
ISBN (Buch)
9783668802612
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v441426
Institution / Hochschule
Technische Universität München
Note
1,7
Schlagworte
Landschaftsplanung Landschaftsentwicklung Naturschutz Naturschutzrecht Umweltplanung Naturschutzethik

Autor

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Titel: Theorie und Methoden der Landschaftsplanung