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Betrachtungen zum Deutschen Bauernkrieg (1524-1525). Unterschiede im gestrigen und heutigen Bewusstsein

Seminararbeit 2017 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufstände überall im Reich
2.1. ״Armer Konrad“ - und mögliche Ursachen

3. Die letzte große Bauernschlacht - Das letzte große Bauernschlachten

4. Erinnerungskultur

5. Literaturverzeichnis

6. Bildnachweis

1. Einleitung

Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?

Diese volkstümliche Losung aus dem englischen Bauernkrieg von 1383 drang Anfang des 16. Jahrhunderts in die Deutschen Lande.

In jenen Jahren war eine Gesellschaft auseinandergebrochen. Die Gründe waren vielschichtig und griffen oft auch noch ineinander.

[...] Die Grundherren hatten sich in ihrer politisch und wirtschaftlichen Lage gezwungen gesehen, den Druck an ihre Hintersassen weiterzugeben, und verschärften die politische, rechtliche und wirtschaftliche Situation der Bauern stark. [...](vg\. Goertz 1989)

Der Deutsche Bauernkrieg, eigentlich müsste es ja - die Deutschen Bauernkriege - heißen, denn sie waren eine Aneinanderreihung mehrerer kleinerer, von Bauern, aber auch von Handwerkern sowie Bergknappen, getragener, regionaler Aufstände. Vorwiegend fanden diese in Süd- bzw. Südwestdeutschem Raum statt.

Die Ereignisse um den ״Deutschen Bauernkrieg“ in einen direkten Zusammenhang mit Luthers Thesenanschlag und der damit eigeleiteten Kirchenreform zu bringen, ist nur bedingt richtig.

Martin Luther verstand seine ״Reformation“ ausschließlich als eine Erneuerung der Kirche. Er stellte zu keiner Zeit die weltliche Ordnung in Frage.

Deshalb wendet sich Martin Luther auch ganz energisch gegen die aufflammende Bauernkriegsbewegung. Er greift dabei einen der Führer dieser Bewegung, Thomas Müntzer, in mehreren Schriften, wie Z.B. den Brief an die Fürsten zu Sachsen im Juli 1524 mit dem Titel ״Wider den aufrührerischen Geist“ an.

Die Bauern jedoch, die nicht alle zu den ärmsten der damaligen Gesellschaft zählten und durchaus mehr als ihr Leben zu verlieren hatten, griffen eben nicht zu ihren Dreschflegeln und benutzen sie als Waffen, um einer Erneuerung der Kirche Nachdruck zu verleihen. Nein, sie sahen vielmehr ihre alten althergebrachten Rechte massiv gefährdet. Die Bauern verstanden ihre Reformation, ihren Aufstand eher als eine Bewegung, die altes (bäuerliches) Recht wiederherstellen sollte.

Im Jahr 1519 war Kaiser Maximilian I (Der letzte Ritter) von der Weltbühne abgetreten. Sein Enkel Karl sollten nun Kaiser werden. Er wurde es auch unter dem Namen Karl V. Nicht zuletzt, aber auch deshalb, weil die Kurfürsten den möglichen Gegenkandidaten, den französischen König Franz I, ganz und gar nicht als Deutschen Kaiser haben wollten.

Doch bevor sie Karl zum Deutschen König kürten, rangen die Kurfürsten des Reiches und andere einflussreiche Fürsten Karl, mit der Wahlkapitulation Karl V, weitreichende Privilegien und Rechte ab. Der direkte Einfluss des Kaisers und Königs auf die Politik im Reich wurde weiter reduziert.

Große, aber auch kleinere, Herrscher im Reich nutzten dies weidlich zu ihren Gunsten aus. Sie ersannen immer neue Möglichkeiten, um mehr und mehr den in ihren Herrschaftsgebieten lebenden wertschöpfenden Menschen (Bauern) abzupressen.

Die alte dreiteilige Ständegesellschaft geriet völlig aus den Fugen. Hier wirkte dann Luthers Reformation schon ״brandbeschleunigend“. Auch wenn dieser dies bis zuletzt nicht wahrhaben wollte.

Im Bauernkrieg von 1524-1525 strömten Entwicklungen zusammen, die mit der reformatorischen Bewegung ihrem Ursprung nach nichts zu tun hatten.

[...] Spätmittelalterliche Beunruhigungen und Erhebungen unter den Bauern aus verschiedenen Anlässen, besonders in Süd- und Südwestdeutschland, vereinigten sich zum Abwehrkampf des Bauerntums gegen die zentralisierenden Unterwerfungstendenzen der Landesherrschaften und deren Bestrebungen,

Abgaben und Dienste zu steigern sowie die bäuerliche Autonomie, den Gemeindebesitz und seine Nutzung einzuschränken. Aus diesen territorialherrlichen Tendenzen war in den bäuerlichen und städtischen Gemeinden das Gefühl der Rechtsunsicherheit erwachsen, das wohlhabende und angesehene Bauern die Leitung des Widerstandes zur Erhaltung oder Wiederherstellung des ״alten Rechts“ übernehmen ließ. [...] (Treue 1990 s. 276)

Große politisch-soziale Massenbewegungen gibt es in der Deutschen Geschichte nicht so häufig wie in der Geschichte anderer Regionen bzw. Nationen.

Zu nennen wären dabei wohl die Kreuzzüge, der Nationalsozialismus, der Sozialismus und, am Ende jenes misslungenen Versuchs des sogenannten ״real existierenden Sozialismus“ in der DDR, die im Osten Deutschlands, und nur dort, stattgefundene friedliche Revolution von 1989.

Man kann auch den Deutsche Bauernkrieg von 1524-1525, als eine solche ״Deutschen Massenbewegungen“ bezeichnen. In manchen Geschichtsbüchern erscheint auch der Begriff der ״frühbürgerlichen Revolution“ in Deutschland. Gerade in der ehemaligen DDR, auf deren damaligem Territorium, im thüringischen Frankenhausen, wo jenes blutige letzte Gemetzel zwischen dem Fürstenheer und dem Bauernheer stattfand, lehrte man diesen Begriff. Das Bedürfnis nach historischer Legitimation der politischen Führung der DDR war wohl der Grund dafür. (Lindner 2006)

Der Deutsche Bauernkrieg war weder (Früh)bürgerlich noch eine Revolution. Er war, wie bereits oben erwähnt, eine Aneinanderreihung vieler einzelner, auch meist örtlich begrenzter Rebellionen, die aus unterschiedlichen Gründen ausbrachen. Es waren Aktionen darunter, die man, auf Grund ihrer Motivation, heute wohl zu Recht als eher räuberisch bezeichnen würde.1 Lange Zeit waren diese Aufstände auch erfolgreich, weil jeder adlige Grundherr zunächst allein dem aufständischen Volk entgegentreten musste. Viele dieser Herren waren damit überfordert. Eine einheitliche starke Ordnungsmacht gab es zu der Zeit noch nicht.

Die Aufständischen nahmen die Moral und die Gerechtigkeit der Sache für sich in Anspruch. Dies drückte sich Z.B. auch in den in Augsburg gedruckten ״Zwölf Artikeln der Bauernschaft in Schwaben“2 aus. Der bibelkundige Kürschnergeselle Sebastian Lotzer hatte dieses Manifest erarbeitet und mit zutreffenden Bibelzitaten versehen.

Es gab also durchaus Forderungen, die gerechtfertigt und nachvollziehbar waren. Unter der Überschrift: Steuern für alle! heißt es unter anderem, [...] Die Ziele und Forderungen der Bauern sind klar und pragmatisch: Die Leibeigenschaft soll abgeschafft werden, es soll einen Stopp für neue Steuern und Abgaben geben, Adel und Klerus sollen die Steuerlast mittragen und die Herrschaftsfunktion aufgeben. Keinesfalls fordern die Bauern die Auflösung des adeligen Grundbesitzes. Sich selbst verwaltende Gemeinden mögen eine größtmögliche Autonomie erhalten und ihren Pfarrer selbst wählen dürfen. Nicht gelehrte Richter sollen nach römischem Recht urteilen, sondern Dorf richter nach traditionellem Recht. Allmenden (= gemeinschaftlich genutzte Weiden) sollen von der Dorfgemeinde wieder genutzt werden, auch mögen die Einschränkungen von Jagd und Fischerei zurückgenommen werden. [...] (vgl. Bildatlas der deutschen Geschichte 2001s. 130-131)

2. Aufstände überall im Reich

In Süd- und Südwestdeutschland flammten in dieser Zeit überall, zu unterschiedlichen Zeiten, aber auch aus unterschiedlichen Gründen, lokale Bauernaufstände, aber auch Bergknappenaufstände3, auf. Allerdings gab es, wie schon erwähnt, auch ״wilde Bauernhaufen“ die quasi als ״Trittbrettfahrer“ auf diesen ״Zug“ aufsprangen um plündernd und marodierend durchs Land zu ziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Doch meist gab es für die Aufstände handfeste und nachvollziehbare Gründe, die zur Aufruhr führten. Am offenen Aufstand, der unter dem Namen ״Aufstand des Armen Konrad“4 bekannt wurde, möchte ich etwas ausführlicher die möglichen Ursachen betrachten.

2.1. ״Armer Konrad“ - und mögliche Ursachen

Bereits im Jahr 1514, also 11 Jahre vor der großen blutigen Schlacht bei Frankenhausen, erhoben sich im gesamten Herzogtum Württemberg Untertanen gegen ihre rechtmäßige Herrschaft.

Motor des Widerstands war der ״Arme Konrad“, eine zunächst im Untergrund agierende, überständisch organisierte Gruppe von Unzufriedenen.

Die Verbindung von bäuerlichem und städtischem Protest, seine räumliche Ausweitung und seine Bedrohlichkeit für die bestehende Herrschafts- und Gesellschaftsordnung, machen den ״Aufstand des Armen Konrad“ zu einem der bedeutendsten Ereignisse der württembergischen Landesgeschichte.

Als ״Armer Konrad“ bezeichnete sich ein Bündnis des ״Gemeinen Mannes“ (armer Leute). Neben Bauern und Weingärtnern gehörten insbesondere Handwerker dem Bündnis an. Auch Angehörige des Bürgertums und der Geistlichkeit unterstützten die Forderungen des ״Armen Konrad“.

Grund hierfür war eine weit um sich greifende Finanzkrise des Landes Württemberg. Herzog Ulrichs Prunksucht und hohe Kriegskosten trugen dazu bei, die Schulden des Landes Württemberg so gewaltig zu vergrößern, dass sie im Jahre 1513 einen neuen Höchststand erreichten. Die enormen Kosten des höfischen Lebens seitens des Herzogs und des Adels wurden komplett auf das Volk abgewälzt. Ein erster Höhepunkt der Prasserei war sicherlich Ulrichs Hochzeit mit Sabina von Bayern im Jahre 1511. Die Feierlichkeiten dauerten zwei Wochen, 7000 Gäste aus Adel und Bürgertum waren geladen und wurden gänzlich auf Rechnung des Herzogs verköstigt.

Herzog Ulrich plante zunächst die Einführung einer Vermögenssteuer. Dies scheiterte am Widerspruch der reichen Leute. Der Herzog war nun auf die Idee gekommen, eine Verbrauchssteuer auf Fleisch zu erheben um die Staatskasse zu füllen.

Zusätzlich zur Erhebung der Verbrauchssteuer auf Fleisch wurde eine Verringerung der Maßeinheiten der Gewichte eingeführt. Ein perfider Plan, weil nun doppelt abkassiert wurde, denn dies bedeutete letztlich für die Verbraucher, dass für weniger Fleisch derselbe Preis bezahlt werden musste.

Die Gewichte wurden einfach um 30 Prozent leichter gemacht. Also erhielt der arme Bauer für dasselbe Geld nur noch 700 Gramm Fleisch statt bisher ein Kilo.

In einem Land, in dem Weinanbau und Weinhandel zu den wichtigsten Einnahmequellen zählten, war bereits im Jahre 1512 ein hoher Weinzoll eingeführt worden. Außerdem wurden zur selben Zeit neue Münzen unter ihrem nominellen Wert geprägt.

Die Situation des ״Gemeinen Mannes“ (der armen Leute) wurde immer prekärer.

Die in Württemberg überwiegende Grundherrschaft Anfang des 16. Jahrhunderts sorgte dafür, dass der größte Teil des herrschaftlichen Grundbesitzes an die Bauern entweder gegen eine festgesetzte Geldrente oder gegen eine bestimmte Abgabe von Naturalien, verpachtet war. Auch war ein großer Teil der Bauern leibeigen. Sie waren an den Boden, auf dem sie lebten, gebunden. Dies verhinderte die, eigentlich in dieser Not gebotene, Landflucht. Obwohl man früher mit seiner bescheidenen Habe meist durchs Jahr gekommen war, gab es jetzt kaum noch Auswege aus der Not für das gemeine Volk.

Die Missernten der vergangenen Jahre hatten verschärfend dazu geführt, dass die Bauern von den Erträgen der eigenen Scholle kaum noch leben konnten.

Seit alters her wurden die gemeindeeigenen Wälder und Waldweiden in solchen Notzeiten intensiver genutzt. Der enorme Preisanstieg durch abgewertete Gewichte für Lebensmittel und nominell5 abgewertete Münzen führte dazu, dass

[...]


1 Wie zum Beispiel, die Erstürmung von Schloss Weinsberg im April 1525 unter der Führung von Georg Metzler und Jäcklein Rohrbach, bei der unter anderem auch der Graf von Helfenstein zu Tode kam. (Bär und Quensel 2003 s. 245)

2 Die Zwölf Artikel gehören zu den Forderungen, die die Bauern im deutschen Bauernkrieg 1525 in Memmingen gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Sie gelten als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa, und die zu den Zwölf Artikeln führenden Versammlungen gelten als erste verfassungsgebende Versammlung auf deutschem Boden, (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf_Artikel

3 Besonders im Salzburger Raum

4 Bauernaufstand in Württemberg

5 (bildungssprachlich) [nur] dem Namen nach [bestehend, vorhanden]; nur nach außen hin so bezeichnet (Wirtschaft) nominal

Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668800779
ISBN (Buch)
9783668800786
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v441523
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
Bauernkrieg Erinnerungskultur Thomas Müntzer

Autor

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Titel: Betrachtungen zum Deutschen Bauernkrieg (1524-1525). Unterschiede im gestrigen und heutigen Bewusstsein