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Umweltökonomische Gesamtrechnung: Ansätze und ausgewählte Ergebnisse für Deutschland

Hausarbeit 2005 18 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Aufbau, die Aufgabe und die Ziele der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen in Deutschland

3. Umfang und Intensität der Umweltnutzung

4. Betrachtung der gesamtwirtschaftlichen Umweltproduktivität 2004

5. Umweltökonomische Gesamtrechnungen und Nachhaltigkeit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie geht es eigentlich der Umwelt? Welche Rolle spielt die Umwelt für die Ökonomie? Welche Auswirkungen haben umgekehrt die wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Umwelt? Mit diesen Fragen und Wechselwirkungen, d.h. mit dem gegenseitigen Einfluss von Ökonomie und Ökologie befassen sich die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen (UGR) und versuchen dabei, den Zustand der Umwelt zu bilanzieren und Prognosen für die Entwicklung der Umwelt in der Zukunft abzugeben. Ausgangspunkt der UGR ist dabei die Erkenntnis, dass eine Volkswirtschaft für ihre wirtschaftlichen Aktivitäten nicht nur Arbeit und Kapital einsetzt, sondern in großen Teilen auch die Natur. Das in den letzten Jahren stark gewachsene Bewusstsein der Verflechtung und gegenseitigen Beeinflussung von Ökonomie und Umwelt hat zu einem progressiven Anstieg des Informationsbedarfs geführt., das die UGR versuchen zu dokumentieren. Ziele der UGR sind dabei, diesen Einsatz von Umweltressourcen für wirtschaftliche Zwecke zu untersuchen und abzubilden, um damit ein geeignetes Datenmaterial für die Politik im Sinne der Nachhaltigkeit beim Umgang mit der Umwelt bereit zu stellen. Doch nicht nur die Betrachtung der mengen- und volumenmäßigen Veränderungen beim Einsatz von Umweltressourcen spielen in den UGR eine Rolle. Auch die Wirtschaftlichkeit beim Einsatz des Faktors Umwelt wird von der UGR gemessen. Zu diesem Zweck werden die aus der Umwelt entnommenen Materialen bzw. die an die Umwelt abgegebenen Materialien ins Verhältnis zum erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt gesetzt. Nicht zuletzt durch die Produktivitätsbetrachtung wird die Verbindung von Ökologie und Ökonomie noch einmal deutlich.

Der Aufbau, die Aufgaben und die Ziele der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen stelle ich an den Anfang meiner Ausarbeitung. Hierbei gehe ich auf den Ursprung sowie auf die einzelnen Module der UGR ein. Anschließend befasse ich mich mit dem Umfang und der Intensität der Umweltnutzung in Deutschland. Hierbei setze ich mich mit denen in der UGR behandelten Themen Umwelt als Ressourcenquelle, Umwelt als Senke für Rest- und Schadstoffe und die strukturelle Nutzung der Umwelt auseinander, bevor ich die gesamtwirtschaftliche Umweltproduktivität 2004 betrachten werde. Ein kurzer Ausblick auf die Zusammenhänge von Umweltökonomische Gesamtrechnungen und Nachhaltigkeit schließt meine Arbeit ab.

2. Der Aufbau, die Aufgabe und die Ziele der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen in Deutschland

Ausgangspunkt für die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen ist die Erkenntnis, dass eine Volkswirtschaft für Ihre wirtschaftlichen Aktivitäten, Produktion und Konsum, nicht nur Arbeit und Kapital einsetzt, sondern auch die Natur. Dafür werden aus der Umwelt Rohstoffe (Kohle oder andere Energieträger, Mineralien, Erze) und Wasser entnommen oder Flächen, z.B. für Industriestandorte oder landwirtschaftliche Nutzflächen verwendet. Auch das Absorbieren von Rest- und Schadstoffen übernimmt die Natur. Demnach stellt nicht nur die Entnahme von Materialien und Energie aus der Natur eine Nutzung dar, sondern auch für die Abgabe von Abfällen, Abwassern oder Luftemissionen wird die Umwelt ge- bzw. verbraucht.

Die direkten Einflüsse von Material und Energie von der Umwelt in die Wirtschaft und umgekehrt sowie die Bodennutzung und Verwertung von Rohstoffen schaffen in erster Linie Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Wirtschaft, die aber nicht in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) erfasst werden. Auch das „BIP als ein äußerst leistungsfähiges und verlässliches Maß für die gesamtwirtschaftliche Produktionsaktivität“[1] berücksichtigt den Faktor Umwelt ebenso wenig wie die Faktoren Freizeit, Gesundheit und Bildung. „Zudem sind die VGR allein auf Marktvorgänge fixiert, außermarktliche Aktivitäten wie Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeiten oder Nutzungen der Natur als Konsumgut oder Produktionsfaktor werden in ihrer Bedeutung für die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt weitgehend ignoriert.“[2]

Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen (UGR) sollen in Bezug auf die Umwelt die fehlenden Berechnungen der Umweltproblematik, die Nutzung nichtregenerativer Energien sowie die Umweltbeeinträchtigungen von Emissionen nicht nur erfassen, sondern fungieren auch als ein Informationssystem, das die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt statisch beschreibt. „Diese Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt beschränken sich dabei nicht allein auf Umweltbelastungen, vielmehr umfasst das Beziehungsgefüge auch die durch die Umweltbelastungen hervorgerufenen Veränderungen des Umweltzustandes sowie die Maßnahmen zu deren Vermeidung oder Behebung von Schäden.“[3]

Die UGR verfolgen damit das Ziel, den Wertverlust an sauberer Luft, Wasser, Boden, unerschlossenener Landschaften, nicht erneuerbarer Ressourcen, usw. zu erfassen und nicht - wie in den VGR - außer Betracht zu lassen.[4]

Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen unterteilen Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt in drei Formen, in Umweltbelastungen, Umweltzustand und Umweltschutzmaßnahmen und versuchen diese zu erfassen und zu beschreiben. Die Bearbeitung dieser Themenbereiche verdeutlicht die folgende Graphik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Umweltbelastungen, also die Material- und Energieflussrechnungen, sind so genannte Stromgrößen, d.h. sie geben die pro Jahr aus der Natur entnommenen Rohstoffe oder die pro Jahr emittierten Schadstoffe, etc. an. Der Unterschied zur VGR liegt dabei in der Tatsache, dass es sich hierbei nicht um produzierte Güter und Dienstleistungen handelt, „sondern um aus der Natur entnommene Rohstoffe sowie an die Natur abgegebene Rest- und Schadstoffe.“[5] Die Erweiterung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen um das Modul der Material- und Energieflussrechnung und den damit verbundenen Stromkonten führt hierbei zur Berücksichtigung von Energie- und Materialflüssen zwischen Wirtschaft und Umwelt.

Beim Umweltzustand handelt es sich hingegen um eine Bestandsaufnahme. Nicht die Veränderungen pro Jahr, wie bei der Umweltbelastung, sondern die Beschreibung des Ist-Zustandes zu einem Zeitpunkt sollen hier genauer analysiert werden. Es geht hier in erster Linie darum, die genutzte Bodenfläche den wirtschaftlichen Akteuren zuzuordnen und festzustellen, für welche Zwecke die Bodenfläche gebraucht wird. Der Unterschied zur VGR besteht hierbei wiederum in der Tatsache, „dass nicht ein produzierter Vermögensgegenstand, sondern ein nicht- produzierter Bestandteil des Naturvermögens genutzt wird.“[6] Das Ausnutzen des Naturvermögens wird daher in den UGR in Form von Vermögenskonten festgehalten. Dabei kommt der Bodengesamtrechnung als Kernstück der Umweltzustandsbeschreibung, die sich mit der Fläche als Naturvermögensbestandteil beschäftigt, in den deutschen UGR eine besondere Rolle zu. Die Darstellung von Landschaften und Ökosystemen als Teil des Naturvermögens stellt einen weiteren Teil der Zustandsbeschreibung dar. Dieser Teil wurde aber bislang in den Rechenwerken ebenso wenig berücksichtigt wie die Bestände an Bodenschätzen, die aufgrund von Ressourcenknappheit für Deutschland allgemein von geringerer Bedeutung sind.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick auf die Erfassung unterscheiden sich die Module der Umweltbelastung und des Umweltzustandes von den Konten der VGR. So werden die Bestände und Ströme nicht in monetären Einheiten gemessen, sondern in ihren ursprünglichen physischen Einheiten. Demnach werden die Emissionen in Tonnen pro Jahr, der Energieverbrauch in Terajoule oder die Nutzung von Verkehrs- und Siedlungsflächen in km² angegeben. Eine monetäre Bewertung erfolgt zur Zeit aufgrund „von vielfältigen methodischen Problemen (Bewertungs-/ Aggregations- probleme, beschränktes Wissen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und große regionale Unterschiede)“[7] zur Zeit noch nicht.

[...]


[1] Blanchard, O. und Illing, G.: Makroökonomie. München 2004, S. 47.

[2] Klaus, J.: Umweltökonomische Berichterstattung. Wiesbaden 1994, S.15

[3] Statistisches Bundesamt: Umweltnutzung und Wirtschaft. Wiesbaden 2004, S. 7.

[4] Vgl.: Klaus, J.: Umweltökonomische Berichterstattung. Wiesbaden 1994, S. 15.

[5] Statistisches Bundesamt: Umweltnutzung und Wirtschaft. Wiesbaden 2004, S. 8.

[6] Statistisches Bundesamt: Umweltnutzung und Wirtschaft. Wiesbaden 2004, S. 8.

[7] Statistisches Bundesamt: Umweltnutzung und Wirtschaft. Wiesbaden 2004, S. 9.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638418164
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44165
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Umweltökonomische Gesamtrechnung Ansätze Ergebnisse Deutschland Okologische

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